• 15.11.2018

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Es fehlen jede Menge Fachkräfte

beton

» Artikel vom

Der Fachkräftemangel existiert schon, seit ich im Arbeitsprozess stehe. Seit knapp 30 Jahren. Jedes Mal dröhnt das Ohr, wenn die Arbeitgeberverbände die alte Leier herausholen. Es fehlen Fachkräfte. Hunderttausende, Millionen. Nun machen es die Arbeitgeber wie die Frauen. Sie jammern immer und ewig. Und deshalb glauben immer weniger diesem Gejammer.

Dennoch ist die Situation zum Teil recht bedenklich. Auf dem Bau fehlen um die 200.000 Handwerker. Hier stimmt das Klagelied der Arbeitgeber und viele Firmen zahlen mittlerweile sogar Kopfgeld für jeden akquirierten Arbeitnehmer, der die Probezeit übersteht. Die Kopfgeldprämie variiert je nach Qualifikation der neu gewonnenen Fachkraft. Bis zu 1.000 Euro wird bezahlt. Das ist ganz ordentlich und eine Motivation, etwas für den Betrieb zu tun. Allerdings hat diese Abwerbepraxis auch einige Nachteile. Kleinere Handwerksbetriebe, die nicht mit so viel Geld wie die Konzerne gesegnet sind, können beim Kampf um Mitarbeiter kaum mithalten. Und große Firmen haben keine Skrupel, die halbe Belegschaft eines Kleinbetriebs abzuwerben. Mit Geld und üppigen Sozialleistungen werden gut ausgebildete Fachkräfte geködert. Dass dabei der Kleinbetrieb in die Knie geht, interessiert niemanden. So funktioniert eben der Turbokapitalismus.

Der Nebeneffekt dieser Abwerbepraxis ist eine zunehmende Illoyalität der Arbeitnehmer. Sie verkaufen sich jederzeit an den Betrieb, der mit dem dicksten Geldbündel winkt. Damit erzeugen sie gerade bei den kleineren Firmen großes Misstrauen. Warum einen Arbeitnehmer teuer aus- und weiterbilden, wenn der bei der nächstbesten Gelegenheit den Hasenfuß macht? Natürlich können im Arbeitsvertrag Klauseln über die Rückzahlung von Weiterbildungskosten vereinbart werden, aber ein Großteil dieser Kosten kann in der Praxis dank arbeitnehmerfreundlicher Rechtsprechung nicht eingetrieben werden.

Diesen Fakt begreifen mittlerweile auch die Arbeitgeberverbände. Aber sie wollen diese Kosten auch nicht übernehmen, sondern schreien nach dem Staat. Der Staat soll die Meisterausbildung bezahlen. Das ist logisch, denn der Staat ist schließlich die Mutter aller Mütter. In Deutschland ist es mittlerweile Mode, dass im Zweifelsfall immer der Staat die Geldbörse öffnen muss. So einfach ist das aber nicht, denn bevor der Staat seinen Geldbeutel öffnet, dauert es meist Jahre. Diese Verzögerungstaktik ist nicht schlecht, denn so erledigt sich vieles von alleine. Vielleicht kommt es gar zu einer Baukrise, dann braucht niemand mehr Fachkräfte.

Gerade der Bau war immer wieder von Krisen geschüttelt. Von einst 1,5 Millionen Beschäftigten vor gut 20 Jahren schrumpften die Arbeitsplätze auf 750.000. Das ist eine glatte Halbierung. Wer heute auf dem Bau arbeiten will, braucht harte Nerven. Heute noch eine gefragte Fachkraft und morgen schon arbeitslos. Und wie immer konnte sich das vorher niemand vorstellen. Die Hochkonjunktur auf dem Bau hat irgendwann immer ein Ende und dann folgt die knallharte Krise.

Wer auf dem Bau überleben will, der muss nicht nur besonders gut sein, sondern viele hochwertige Zertifizierungen nachweisen können. Erst dann kann man von einem krisenfesten Arbeitsplatz sprechen. Und hier beißt sich die Katze in den Schwanz, wie es so schön heißt. Die teuren Weiterbildungen im Laufe des Arbeitslebens will kein Arbeitgeber zahlen, zumindest nicht in wesentlichem Umfang.

Auf dem Bau fehlen nicht nur Handwerker. Mangel besteht auch an qualifizierten Bauleitern und Planungsingenieuren. Ein Bauingenieurabschluss ist heute eindeutig zu wenig, um einen Blumentopf zu gewinnen. Ein Blick in den Forderungskatalog der Stellenangebote zeigt das Dilemma. Arbeitgeber erwarten ein großes Portfolio an Qualifikationen, das mal so eben mit 50.000 Euro bewertet werden kann. Eine kleine Nachfrage, wie hoch damit die Entlohnung sei, zeigt ein weiteres Problem. Nur 60.000 Euro Jahresgehalt sind drin. Darüber kann ein High-Performer nur lachen. Kann ein Arbeitgeber so doof sein? Ja, das kann er und es ist sein gutes Recht. Eigentlich sind dem Arbeitgeber sogar die Hände gebunden, weil die Honorarordnung oft nicht mehr hergibt. Die Honorare für Planungsingenieure sind in den letzten Jahren kaum gestiegen. Auftraggeber, insbesondere die öffentlichen Bauherren, glänzen durch gnadenlosen Geiz. Da wird gefeilscht wie auf einem afrikanischen Basar. Das hat dann eben auch weiter reichende Folgen. Wer hat schon größere Ambitionen, solche Kunden zu bedienen? Deswegen jammert auch der Staat, dass die Fachkräfte fehlen.

Der Point ist, dass trotz Verknappung der Ressource High-Performer meist nicht mehr Geld drin ist. Der richtige Weg, den die Firmen gehen könnten, ist ganz einfach. Warum immer weiterwachsen und noch mehr Umsatz machen? Wenn das Auftragsbuch voll ist, dann schlägt man es zu und gibt keine Angebote mehr ab. Was daran schlecht sein soll, ist nicht erkennbar. Ob mehr Umsatz gleich mehr Profit bedeutet, darf getrost bezweifelt werden.

Auch wenn die Arbeitgeber mehr Lohn zahlen, dann werden die Arbeitnehmer davon nicht besser. Wer glaubt, dass durch mehr Lohn eine höhere Leistung und Qualität zustande kommt, wird enttäuscht sein. Gute Arbeit hat mit Geld nichts zu tun.

Die jungen Absolventen des Bauingenieursstudiums sind meist enttäuscht, wenn sie magere 3.500 Euro brutto im Monat erhalten. Mehr sind diese jungen Herren und Damen nicht wert, weil sie in der Regel nichts oder nur sehr wenig können. Die fetten Gehälter gibt es auf dem Bau selbst in einer Hochkonjunkturphase nicht. Das sind feuchte Träume. Hinzu kommt oft die fehlende Bereitschaft, vollen Einsatz zu zeigen. Es gibt eben noch ein Leben neben der Arbeit. Hobbies, Freunde und Familie. Wer sich dieses private Glück leisten will, ist auf dem Bau generell verkehrt.

Ein erfahrener und gestandener Projektleiter stellte fest: „Uns bekommt man immer, egal wann.“ Damit ist alles gesagt, was auf dem Bau abgeht. Die Arbeit dort ist eine Berufung und kein Kaffeejob. Wer auf dem Bau etwas werden will, der muss nicht nur außergewöhnlich gut sein, sondern auch überobligatorisch viel Zeit und Engagement mitbringen.


Diskutiere über diesen Artikel und teile Deine Erfahrungen mit anderen Lesern!

Beachte bitte die Kommentarregeln!


Alle Artikel im Archiv lesen - Das Männermagazin

»Die neue Rubrik

pbanner

Willkommen in der neuen Rubrik "Väter Kinder Trennung Scheidung" des Männermagazins. Nachdem Leutnant Dino wegen Verstößen…

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert


Über Leutnant Dino
Impressum
Datenschutz