• 15.06.2019

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Der Ritter auf dem weißen Pferd spricht Klartext

ritter

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Ritter Werner von IchHabeEchtVielGold reitet durch die Gegend. Seine Knappen begleiten ihn. Schließlich muss jemand sein Essen transportieren und zubereiten. Ein Fass Wein darf natürlich auch nicht fehlen. Werner ist ein echter Hüne. Weiß und stark schlägt er jeden Feind in die Flucht. Und wie Ritter Werner durch sein Land reitet und sich an der üppigen Vegetation erfreut, sieht er eine hübsche junge Frau, die von mehreren Männern bedrängt wird. Die Übeltäter sehen den Ritter und ergreifen sofort die Flucht. Die Schönheit kniet vor dem Ritter nieder und bedankt sich. Obendrein bittet sie ihn, dass er sie zur Frau nehmen möge und schwört ihm an Ort und Stelle die ewige Treue. Er solle von nun an ihr Herrscher, Gebieter, Ehemann und Liebhaber sein. Es würde ihm an nichts fehlen. In allen Belangen. Er müsse nur der Vermählung zustimmen. Der Ritter lacht aus vollem Hals und reitet davon. Nein, es ist einfach noch zu früh am Tag, um zum Altar zu schreiten. Auch im Mittelalter.

Ritter Werner kommt abends nach seinem langen Ausritt wieder in seiner Burg an. Er gönnt sich ein Bad und bettet danach seinen stahlharten Körper auf ein Bärenfell, das er selbst erlegt hat, und er genießt die Zeit alleine vor dem Kamin. Er überlegt, was er die nächsten Tage machen könnte und sinniert, dass es durchaus schön wäre, eine junge Frau um sich zu haben. Mit voller Hingabe würde er sie in allen Belangen glücklich machen. Was wäre das für ein perfektes Leben? Aber soll er sich an eine billige Magd aus dem Dorf verschwenden? Nein, ein Ritter wie er braucht eine Gemahlin seines Standes. Eine Frau aus gutem Hause mit großen Ländereien. Nur so kann er seine Macht ausbauen und noch bedeutender werden. Gesagt, getan. Eine Adelstochter nicht weit von seinen Ländereien wird ihm versprochen. Den Deal hat ihr Vater eingefädelt und die Vorteile liegen für beide Seiten klar auf der Hand. Die jeweilige Macht wird nicht nur erhalten, sondern um ein Vielfaches erweitert. Das verspricht hohe Profite. Und dass die adlige Braut nicht gerade eine Schönheit ist, das stört Ritter Werner nicht. Auch im Mittelalter war Loch eben Loch.

Die Praxis zur Sicherung und Mehrung von Macht und Besitz durch Heirat überdauerte bis ins 20. Jahrhundert. Zwei benachbarte Bauern hatten jeweils einen Stall voll Kinder, die zusammen aufwuchsen. So spielten Gertrud und Hans schon als Kinder zusammen und als Jugendliche mochten sie sich immer noch. Irgendwann setzten sich die Väter zusammen und schmiedeten einen wirtschaftlich ausgeklügelten Plan. Wenn nun die Gertrud den Hans heiratet, dann verdoppelt sich das Ackerland. Auch die anderen Kinder könnten im gemeinsamen Betrieb arbeiten. Es wurde ein Vertrag aufgesetzt, der beiden Seiten die versprochenen Vorteile sicherte. Gemeinsam ist man stark, der Profit wird steigen. Beide Familien werden bei einer ehelichen Verbindung besser leben als jemals zuvor. Gertrud und Hans heirateten. Nun mag Gertrud zwar den Hans, aber eine Schönheit ist er nicht. Aber wen würde sie sonst bekommen? Einen Nichtsnutz? Etwa den Dorftrottel? Nein, das möchte sie nicht. Hans ist ein guter fleißiger Mann und bei ihm wird es ihr immer gut gehen. Gertrud ist nach reiflicher Überlegung mit ihrer Wahl, auch wenn sie eigentlich keine hatte, sehr zufrieden. Soziale Sicherheit ist ihr wichtig und der gemeinsame Betrieb schmiedet das junge Paar für immer zusammen.

Wir leben nun im 21. Jahrhundert. Von den vergangenen Traditionen ist rein gar nichts mehr vorhanden. Es mag zwar noch wirtschaftliche Überlegungen bei der Partnerwahl geben, aber ein Partner ist eben auch schnell ausgetauscht. Konnten sich früher Ehepartner gewiss sein, dass keiner von beiden das Ehegelöbnis jemals aufkündigen wird, so sind Trennungen heute an der Tagesordnung. Weder Ritter Werner noch das Pärchen Gertrud und Hans konnten sich damals die heutigen Gepflogenheiten vorstellen. Zu abwegig war es, dass Frauen und Männer beliebig durch die Gegend ficken. Die gefürchtete Strafe Gottes waren zahlreiche, damals unheilbare Geschlechtskrankheiten. Soll die Unzucht verrecken, so wird sich das der liebe Gott wohl gedacht haben.

Interessant ist da der Einfluss der katholischen Kirche. Als in Uganda die Infektionen mit HIV außer Kontrolle gerieten, pumpte der Westen jede Menge Medikamente und Kondome ins Land. Wenn schon jeden und jede ficken, dann bitte nur mit Kondom und alles ist gut. Doch das gewünschte Ergebnis wollte sich nicht einstellen. Die HIV Neuinfektionen gingen einfach nicht zurück und so wurde schließlich die Kirche aktiv. Der beste Schutz vor schlimmen Krankheiten ist sexuelle Enthaltsamkeit und sich seinen Partner sorgfältig auszusuchen. Gesund bleiben die Paare, die sich treu sind. Treue bedeutet ein langes Leben ohne Geschlechtskrankheiten. Diese Strategie hatte durchschlagenden Erfolg, die HIV Neuinfektionen sanken.

Bei diesen Geschichten gefriert unseren weltbesten Frauen das Blut in den Adern. Sie wollen weder die gute alte Ritterzeit zurück, noch auf Feld und Acker schuften. Nein, das geht überhaupt nicht. Heute zählt nur die Liebe und wenn eine moderne Frau sich verlieben will, dann muss sie rund 100 Männer kennenlernen, bis ein Passender gefunden ist. Nun kann jeder Mann durchrechnen, wie viele Schwänze eine Frau lutschen und reiten muss, um in ihrem Lebenslauf auf drei oder vier feste Beziehungen zu kommen. Was vor wenigen Jahren undenkbar war, ist heute Normalität. Es lebe die Prostitution und die wird nie aufhören. Auch Männer wollen heute kein Ritter oder Großbauer mehr sein. Kaum auszudenken, wenn sich die Alte bei der Scheidung die Ritterburg unter den Nagel reißt oder das Vieh verscherbelt. Das bedeutet jeweils ganz einfach die Pleite. Ein Ritter bleibt nur ein Ritter, solange er keine Prinzessin hat und der Großbauer wird kaum mehr eine fleißige Bäuerin finden. Damit wäre das 21. Jahrhundert in Sachen Liebe gut erklärt.

Wie die Menschen sich im Mittelalter nicht vorstellen konnten, was heute abgeht, so können wir uns nicht ausmalen, wie das Liebesleben im 26. Jahrhundert aussehen wird. Selbst mit den kühnsten Fantasien werden alle falsch liegen, aber eines ist sicher. Es wird schlimmer als schlimm werden.

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