• 16.05.2019

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Fröhliche Weihnachten aus Binz von der Insel Rügen

binz

» Artikel vom

Es ist Weihnachten. Als Single über den tieferen Sinn von Weihnachten nachzudenken, lohnt sich nicht wirklich. Doch über Geschenke freut sich auch ein Single, nur macht er sich die selbst, üppig und großzügig ohne eine Frau, die früher den Löwenanteil der Weihnachtsausgaben verschlang. Diese Kosten entfallen bei mir nun schon das dritte Mal in Folge, nachdem meine dritte und vorerst letzte Ehefrau den Hasenfuß gemacht hat.

Zum Weihnachtsfest habe ich mir ein feines Geschenk gegönnt. Vier handgemachte Lederstühle, eigentlich fast schon Sessel, im französischen Design der 30er Jahre des letzten Jahrhunderts. Ich spreche hier von einem Klassiker, den es selbst im exklusiven Fachhandel nur sehr selten gibt und wenn, dann sind die Kosten extrem hoch. Ich alter Fuchs kenne ziemlich viele Leute und so hat ein Freund, der in der Möbelbranche tätig ist, mir diese vier Stühle zum Einkaufspreis verscherbelt. Ein netter Zug von ihm und ich bin glücklich. Doch damit sind meine Weihnachtsgeschenke an mich selbst noch nicht zu Ende.

Weihnachten bei Bekannten und Freunden zu feiern, stört mich. Ich kann mich zwar gut anpassen, aber ein Gefühl von Urlaub, wie es eine schöne Kurzreise erzeugt, bekomme ich dabei nicht. Und so bin ich nach Binz auf die Insel Rügen gereist, wo ich früher etliche Jahre lebte. Gerade im Winter ist die Ostseeküste ein erstklassiger Ort zur Erholung und zum Nachdenken. Endlos lange und leere Strände, rauer Wind, die Wellen rollen auf den Strand und meine Hündin Slawa schnüffelt ohne Ende, während ihr Schwanz vor Freude wedelt. Nach einem dreistündigen Spaziergang legt sie sich aufs Bett und grunzt zufrieden vor sich hin.

Binz war das erste Ostseebad Deutschlands und ist wunderschön. An der Strandpromenade reihen sich exklusive und teure Hotels, die im Winter durchaus bezahlbar sind. 4 Sterne im Komfort-Zimmer kosten nach kurzer Verhandlung 80,- € inklusive Frühstück. Das Hotel Nymphe kenne ich schon, weil ich dort vor drei Jahren einen Kurzurlaub verbrachte. Das Zimmer ist top, das Internet stabil, der 27 Zoll Mac läuft prächtig und das Frühstückbuffet ist wirklich reichlich. So gefällt mir das.

Binz ist im Winter keineswegs langweilig. Die Kleinbahn „Der rasende Roland“ dampft auf Schmalspurschienen über die Insel. Das Schloß Granitz ist sehenswert, Kap Arkona, die Kreidefelsen oder das NVA-Museum in Prora sind ein Muss. Die alten Gebäude „Kraft durch Freude“ sind beeindruckend und es ist heute noch erstaunlich, in welcher Geschwindigkeit diese riesige Anlage erbaut wurde.

Ich kenne alle Sehenswürdigkeiten und besuche sie immer wieder gerne. Gerade die Kleinbahn hat es mir angetan. Eine schöne Fahrt von Binz nach Göhren, dann in einem Restaurant mit Meerblick Dorsch essen und wieder nach Binz zurück. Einfach nur Klasse und entspannend.

Viele Touristen machen den Fehler, auf Schritt und Tritt alles zu fotografieren. Das ist deshalb falsch, weil dadurch das eigene Erinnerungsvermögen beeinflusst wird. Man war zwar dort gewesen, aber eine richtige Erinnerung und Glücksgefühl stellen sich nicht ein. Die Kamera gehört nicht ins Handgepäck. Vielleicht bei einem zweiten Besuch. Schauen und genießen. Das geht am besten alleine, ohne Kamera und ohne Frau.

Ich gehe durch Binz und treffe zwangsläufig frühere Freunde. In Prora, einem Ortsteil von Binz, ging ich zur Schule. Es ist schon erstaunlich, wie frühere Schönheiten zu alten Frauen mutiert sind. Ich möchte nicht mal daran denken, so ein altes Weib meine Ehefrau nennen zu müssen. Gott sei Dank war ich vor 30 Jahren nicht der Traumprinz dieser Frauen. Schönheit vergeht und was bei einer Frau im Alter bleibt, kann ich so auf Anhieb nicht sagen. Und so erinnere ich mich immer wieder gerne an einen meiner Leitsprüche: "Wenn nicht das Putzen wäre, dann würde eine Frau für das ganze Dorf reichen!"

Ich traf eine frühere Klassenkameradin, die zweifach geschieden ist und mich spontan umarmte. Normalerweise bekomme ich bei schönen Frauen nur durch eine Umarmung sofort einen Ständer, aber diesmal versagten meine viehischen Triebe. Oberkörper, Hüfte und Hintern der ehemaligen Schönheit waren ohne Konturen. Mir tat sie leid. Wir hielten einen Smalltalk, doch ihre nette Einladung zum Essen schlug ich aus, indem ich vorgab, bereits eine andere Verabredung zu haben. Das war zwar gelogen, aber als netter Mann lüge ich in so einer Situation. Ich gab ihr ein gutes Gefühl und zog weiter.

Es ist schon kurios, wenn einem nach über 30 Jahren seine Freundschaft plus wieder über den Weg läuft. Diesen Begriff gab es damals noch nicht, was er bedeutet wurde aber recht oft praktiziert. Sie heißt Marta (Name geändert). Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie wir uns als 16 jährige an einem heißen Sommerabend am Strand wälzten. Heute ist sie fast 50. Mein Gott, wie die Zeit vergeht. Normalerweise sind 50jährige überhaupt nicht meine Zielgruppe, aber wegen der schönen Erinnerungen sind Ausnahmen bei mir durchaus möglich. Sie hat mich vor kurzem im Fernsehen gesehen und meinte, dass ich damals schon einen Knall hatte. Sie meinte das positiv als Kompliment, hoffe ich jedenfalls. Technisch gesehen war sie früher schon ausgesprochen gut und heute sogar noch einen Tick besser. Mehr möchte ich dazu nicht sagen. Ich fühlte mich nicht unbedingt missbraucht, aber hinterher kam ich zu der Erkenntnis, dass diese Wiedervereinigung nicht nötig gewesen war. Ein wesentlicher Grund, warum ältere Frauen mit ihrem Kätzchen alleine leben müssen.

Und so war die Reise nach Binz eine nette Reise in die Vergangenheit. Es wird wohl einige Jahre dauern, bis ich dort wieder aufschlage. Es war eine tolle Kurzreise und meiner Hündin hats auch gefallen.

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