• 22.05.2019

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Das Küchenwunder

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» Artikel vom

Gutes Essen ist ein beliebtes Thema im Männermagazin. Spannt der Ranzen nach den Feiertagen? Oder übte man sich in asketischer Kargheit?

An meinem Wohnort habe ich einen großen Bekanntenkreis, Männer, Frauen, Familien. Wer ein bisschen aktiv ist, Honig der eigenen Bienen verkauft und sich nicht von einem Chef ständig wochenlang auf Tour schicken lässt, bekommt den ganz automatisch. Das holt einen nebenbei immer wieder in die Realität zurück. Diesmal: Die Realität in der Küche bei der geschätzten Bekanntschaft.

Vor kurzem brachte ich einem dieser vielen Bekannten etwas vorbei. Bei der Gelegenheit ist mir die teilweise neu renovierte Wohnung aufgefallen. Küche und Esszimmer hat man aufgehübscht. Die Dame des Hauses war anwesend, leider nicht so aufgehübscht wie die Wohnung. Aber auf die neue Küche war sie stolz, endlich mal solide und wunschgemäß konstruiert. Alles nicht billig und einige alte Wünsche hat man realisiert: Arbeitsflächen aus Stein, eine praktische Kochinsel, gute Einbaugeräte, auch ein neuer Boden. Ich habe es mir angesehen, pflichtgemäß gelobt und bei ein paar Sachen nachgefragt. Die erste Überraschung: Die Küche war schon ein Jahr alt, obwohl sie wie eben eingebaut wirkte. Die zweite Überraschung: Zu Details wusste die Dame wenig. Noch nicht einmal den Ofen hatte sie richtig ausprobiert. Warum das denn, tolle neue Küche geleistet aber so wenig genutzt?

So langsam rückte sie mit den Gründen heraus. Sie würde ja nur für zwei oder drei Personen kochen und da sei der Thermomix da hinten in der Ecke viel praktischer. Die Küche benutze sie eigentlich gar nicht so oft. Mit dem Thermomix könne man morgens, mittags, abends alles machen was man brauche, also sei die Küche nicht oft in wirklichem Gebrauch. Der sei einfach zu praktisch. Ein ähnliches Erlebnis bei einer anderen Bekannten ist schon etwas länger her, da fand ich sogar noch die Betriebsanleitung im Backofen, weil der noch nie benutzt wurde. Hört man weiblichen Bekannten im mittleren Alter mit Hausstand zu, liegt die gefühlte Thermomix-Besitzerinnenquote (oder mit Geräten anderer Hersteller mit gleichem Funktionsprinzip) nahe an 100%.

Einen anderen Existenzgrund sah ich bei Bekannten, bei denen ich zwar öfters in der Wohnung war, aber von der Dame immer sanft um die Küche herumgelotst wurde, die sie als ihr persönliches Reich sah. Schließlich merkte ich doch einmal, warum: Dort herrschte Chaos, Arbeitsflächen vollgestellt mit Gläsern, Zutaten, es war eine Messie-Küche. Und kein Einzelereignis, Monate später zeigte sich dasselbe Bild. Die hatte gar keinen Platz mehr, um normal zu kochen, da ging nur noch der Thermomix oder gar nix mehr.

Bei Thermomix-Jüngerinnen ändert sich auch, was täglich auf den Tisch kommt. Zusammengeworfenes und Kleingeschnitzeltes für Brotaufstriche wird bei Thermomix-Damen populär, das Grünkern-Käse-Kräuter-Zeug. Oder Suppen. Jeder Thermomix-Haushaltsinsasse kennt die tausendste Kürbissuppe und allerlei Gemüsebrei, was man ebenfalls als "Suppe" tituliert. Gehäckselt und gematscht muss es sein. Mus und Pseudomüsli macht man, Gewürzpasten. Da werden Spaghetti drin gekocht, obwohl das Kochwasser wegen der schwachen Leistung zu sehr abkühlt und die Endkonsistenz des Kochguts unrettbar verdirbt. Gegen einige Dinge wäre nichts einzuwenden, aber die faule Ausschließlichkeit, mit der dieses Gerät zum Alleinunterhalter gemacht wird, ist schon etwas Besonderes und verrät die Kochkultur, die knapp über Fast-Fertig-Nahrung aus dem Supermarkt kleben bleibt. Thermomix, das ist kochen um nicht zu kochen.

Männer, die gerne in der Küche sind, halten viel weniger von diesen Geräten. Nachdem man Männern höhere Technikaffinität und Verspieltheit nachsagt, zeigt sich hier das Gegenteil. Kennt jemand einen Mann, der gerne am Thermomix herumspielt? Ich nicht. Aber viele, die gerne am Holzkohlengrill stehen und noch mehr, die lieber oberflächlich einfache Zubereitungsarten stetig optimieren, statt grüne Kräutlein und Grünkern nach Thermomix-Anleitung zu immergleicher grüner Pampe zerschlagen zu lassen.

Die Hoffnung der Damen, die auf den Thermomix setzen, ist es trotz Unlust, schwacher Küchenkenntnisse in Kombination mit Unwillen (oder Unfähigkeit zu lernen), vom Thermomix und seinen damit gekoppelten einfachen Rezepten an die Hand genommen und hinreichend durchgenudelt zu werden. Der Thermomix wird wie ein Alpha-Partner eingesetzt, der sagt wo es lang geht und einen ernährt. Die Rezepte sind einfach und kurz. Ein kleines Gerät und eine kleine durchkontrollierte Welt mit idiotensicheren Anleitungen hilft dabei, die Illusion von "selbstgekocht" aufrecht zu erhalten. Billig ist das aber nicht. Ein aktueller Thermomix TM5 liegt bei rund 1.350 Euro und auch die Konkurrenzprodukte wie "Krups i Prep&Cook Gourmet", "Taurus Mycook" und "Mycook Touch" sind teuer. Das lässt sich die Dame doch lieber von einem Mann schenken, der schon froh ist, wenn die Grüße aus der Küche mal nicht unterstes, sondern nur unteres Niveau sind. Die Discounter bringen seit zwei Jahren immer wieder (deutlich weniger befähigte) Anscheinsprodukte zu günstigeren Preisen. Die erste derartige Aktion endete mit Zeitungsberichten über Prügeleien um die Geräte. Da werden Weiber zu Hyänen.

Männer benötigen weder diese Küchenwunder, noch die weibliche Expertise darüber. Wir benötigen vielmehr Lust auf gutes Essen, ansonsten unsere Ruhe in der Küche ohne Dummschwall und fadenscheinige Hilfsangebote. Welchen Rat kann man Männern geben, die ihre Kochkünste verbessern wollen?

Macht euch die chemisch-physikalischen Grundlagen von dem klar, was in der Küche passiert. Das ist nicht schwer. Messt sie anfangs, wenn euch die Erfahrung fehlt. Wer beispielsweise gelernt hat, dass sich erst bei 150° Saccharide und Aminosäuren gut verbinden und mit einem Küchenthermometer mal das heiße Fett nachgemessen hat, kann die Messung bald sein lassen und sich auf seine Erfahrung verlassen. Temperaturen, Wassergehalte, Aromafreigabe - wer ein paar einfache Grundlagen der Chemie kennt, kontrolliert den Vorgang und das Ergebnis. Und optimiert seine Küchengeräte, investiert zum Beispiel lieber in leistungsstarke Gas- oder Induktionsplatten, statt in eine Waage mit eingebautem Schnitzelwerk und schwachbrüstiger Wärmeerzeugung wie es der Thermomix ist.

Lernt etwas über Zutaten und ihre Qualität. Über alle Zutaten. Über Fleisch meint immer jeder Nichtvegetarier Bescheid zu wissen und getraut sich auch mal was zu investieren. Aber tausend andere Zutatenqualitäten werden ignoriert oder nicht verstanden. Wer hat schon mal wirklich gute Kartoffeln wie eine "La Bonnotte" bekommen und mit Meersalzkruste serviert? Wer kennt Sommerbasilikum aus dem heißen Freiland statt der unsäglichen "Frisch"-Kräutertöpfe, die es landauf landab gibt? Die scheinen auch so ein Frauending zu sein, bei Männern stehen die selten im Einkaufswagen.

Werft Ideologien auf den Müll. Stellt euch an den Herd oder Grill und probiert etwas aus, anstatt euch in Quatschdiskussionen zu verschleißen über Vegetarismus, Fleisch-ismus, Gesundheits-ismus. Zubereitet wird, was interessant und gut erscheint und dies nach Maßgabe des eigenen Geschmacks, nicht nach fremden Vorstellungen. Lacht nicht über Andere und missioniert nicht, kocht!

Vergesst erst einmal einige Jahre lang Kochbücher und die riesigen Rezeptsammlungen im Internet. Die meisten Leute spinnen mit Moderezepten herum und versagen konsequent und lebenslang bei den Grundlagen. Beispiele: Rührei - schnell, simpel wirkend, aber kaum einer vermurkst die Zubereitung nicht. Reis - der lieblose Griff zum "Basmati", rein ins Wasser, Hauptsache nicht zerfallen und rauf auf den Teller als billigste Sättigungsbeilage. Schnurks, Murks. Röstkartoffeln - sieht so simpel aus, ist aber meistens eine fett-triefende geschmacksarme Kartoffelbeerdigung.

Lernt voneinander, esst gemeinsam. Möglichst ohne anwesende Frauen. Ich habe mal einen Freund öfter an dem Wochentag zum petit diner eingeladen, an dem seine Holde im Chor gesungen hat (oder sie jodelte ganz woanders, wer weiß das schon bei Frauen), so entstand gar nicht erst die Frage nach ihrer Begleitung. Gute Gesellschaft ohne Östrogen, gutes Essen, gute Gespräche.

Vorsicht vor Nebeneffekten, wenn man Frauen in der Runde hat. Gut kochen zu können entwickelt manchmal noch mehr Anziehung bei ihnen wie ein hohes Einkommen. Und sorgt nachfolgend für Frust, wenn der Koch unerreichbar-kühl bleibt und der Dame ihr eigenes Niveau in der Küche schmerzhaft bewusst wird. Gut zubereitetes Essen wurde auch schon mal als Anmachversuch ausgelegt, das ist die übliche weibliche lächerliche Selbstüberschätzung. Weg damit und dann: Guten Appetit.

P.


Weiterführender Link: TrennungsFAQ
Ratsuchende Väter finden im TrennungsFAQ-Forum konkrete Hilfe


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