• 08.04.2020

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Rollentausch von der Rolle

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» Artikel vom

Männer bewundern oder beneiden häufig, mit welchem Schwung es Frauen nach wie vor möglich ist, nach Versagen im Beruf oder bei einem nervenden Job alles in die Ecke zu pfeffern und vom Geld eines mit dem Unterhaltsrecht geknebelten Menschen zu leben, einem Mann. Es fängt ganz leicht und mit Vergnügen an: Sie lehnt sich wohlig zurück, lächelt, macht die Beine breit, haucht vielleicht noch „Kondom brauchen wir nicht, ich nehme die Pille“ und ein paar Monate später verlässt sie mit kräftiger Gewichtszunahme und einem netten Abschied den Job in Richtung Mutterschutz. Winke Winke, Tschühüüüss!

Von da an ist sie für alles berechtigt und alle anderen sind ihr pflichtig. Der Vater ihrer Leibesfrucht hat ab jetzt für sie zu zahlen, ob er will oder nicht, ob er mit ihr zusammen ist oder nicht. Fällt er aus, springt sofort der Staat ein. Das Kind gehört in unserem Lande immer zur Mutter und ist auch ihre Begründung, einen ungeliebten Job mal eben loszuwerden (wenn sie das will) und dann in einen wenig fordernden Teilzeitjob zu wechseln. Schließlich hat sie bereits ein forderndes Kind. Muttersein ist der härteste Beruf der Welt, wie uns Politik und Medien seit ewigen Zeiten einhämmern.

Männer haben eher den gegenteiligen Eindruck, trauen sich aber nicht mehr das zu sagen. Die Hausarbeit wird heute von Technik erledigt, die natürlich der Mann mit seinem Gehalt zu zahlen hat. Vorbei die Zeiten, als am Fluss mit dem Waschbrett gewaschen wurde, als vor dem Hühnerbraten erst Züchten, Hegen, Pflegen, Fangen, Schlachten, Rupfen, Ausnehmen des Federviehs stand. Mit der Zubereitung von Mahlzeiten sind Frauen heute meistens sogar überfordert. Der Job der Familienfrau: Knöpfe drücken, gelegentlich in den Supermarkt fahren, um das Ketchup für die Spaghetti zu kaufen oder das fixfertige Schlemmerfilet in der Aluschale, die Kinder in die staatliche Vollzeitbetreuung schicken, allerlei „Hilfen“ beantragen. Ist es da nicht naheliegend sich zu wünschen, so eine gemütliche Rolle selber zu übernehmen? Frau arbeitet sich den Buckel in der Firma ab, während Vater und Kind den Lampion fürs Laterne laufen im Kindergarten basteln?

Irgendetwas scheint diesen Rollentausch stark zu hemmen, denn die Kombination mit voll arbeitender Frau und Mann in Teilzeit und Hausarbeit ist selten. Ständig diskutiert wird darüber seit 50 Jahren und vorstellen können es sich viele Männer sowie einige Frauen, aber es passiert nichts, die Zahlen ändern sich nicht wirklich. Geändert hat sich nur, dass Frauen heute ein bisschen früher Teilzeit arbeiten. Dafür sind in erster Linie die wirtschaftlichen Verhältnisse verantwortlich. Wo sich früher eine durchschnittliche Alleinverdienerfamilie Haus und hinreichenden Lebensstandard leisten konnte, reicht heute das Gehalt einer Person häufiger nicht mal mehr über die Armutsgrenze. Der Mittelstand wurde stetig stärker ausgepresst und ist abgesoffen.

Und warum überhaupt der ganze Rollenzauber? Für uns Männer ist es heute wesentlich sinnvoller, den Frau- & Familienkrempel einfach wegzulegen und ungelesen abzuheften. Damit sind 90% aller privaten Lebensprobleme bereits gelöst. Das ist ein Lebensweg, der nicht mehr stigmatisiert ist, sondern längst vielfach als intelligent bewundert wird, vor allem von Männern, die schon einige Jahre verheiratet sind oder waren und die das nicht ohne Grund reut. Sie bewundern die frei gebliebenen Männer, sofern ihnen noch gestattet wird, jemand zu bewundern. Kein Absturz in die Sklaverei namens Unterhaltsrecht, die Wohnung saugt der Roboter. Wer sich fachkundige Berührungseinheiten wünscht, geht zur fachkundigen Massage und lässt sich eventuellen Druck im Genitaltrakt anschließend kostenlos vom einzigen Menschen beseitigen, den man wirklich mag: Sich selbst. Kein Nerven, nur zahlen, was man selbst bestellt hat, kein Genöle, keine rapide alternde, grantige Deckengrabscherin neben sich im Bett. Für uns Männer ist ein realisierter Kinderwunsch sowieso kein so weit oben angesiedeltes Lebensziel. Wir werden auch ohne Kindesunterhaltskassierer glücklich. Zu allen Zeiten hat sich sowieso nur eine Männerminderheit fortpflanzen dürfen. Wir sind immer als entbehrliches Verbrauchsmaterial einsortiert worden und nur ein paar Sieger und Helden durften ran.

Die Frage ist damit für einen selber vielleicht nicht mehr relevant, aber trotzdem noch nicht beantwortet: Wie kann ein Rollentausch funktionieren? Wie findet man überhaupt eine Frau, mit der so etwas gelingen kann? Die Antworten und Realitäten sind nicht schwierig, aber schwierig zu akzeptieren.

Tatsächlich sind Kinder-Teilzeitträume für Männer meistens Wünsche, die sehr zusammenschrumpfen, wenn sie wirklich Realität werden können. Zum Selbstverständnis von Männern gehört sehr oft der einkommensorientierte Beruf als unverzichtbares sinnstiftendes Identitätselement. Uns wird eingehämmert, erfolgreiche Männer wären erfolgreiche Geldverdiener und das sei auch Attraktivitätsfaktor Nr. 1 für Frauen. Wer keinen Wert auf Berufserfolg legt, muss dann wenigstens von einem dicken Kapitalpolster leben, um nicht untendurch zu sein. Erste Voraussetzung bei Männern ist also, sich einen Dreck um solche Rollenzuweisungen zu scheren. Es darf sie nicht stören, belächelt zu werden, als Falschfahrer und Versager betrachtet zu werden. Selbstbewusstsein und unbedingte Orientierung am eigenen Weg, nicht an Wegen, die uns Dritte für richtig erklären, bleibt also die erste und wichtigste Voraussetzung. Also: Ich mach was ich will und das konsequent. Wer sich zutraut, einer potenziellen Schwiegermutter auf die Frage „was machen sie denn beruflich?“ zu antworten „Ich mache eine Ausbildung als Kunstfurzer auf den Pfaden von Joseph Pujol“, liegt richtig. Er hat die nötige Traute und Reife eigene Wege zu gehen.

Doch welche Frau ist schon bereit sich mit einem Mann einzulassen, der Kindererziehung und Teilzeit machen will, statt der große (oder wenigstens liebe) Maxe zu sein und täglich ein Mammut zu erlegen? Eine interessante Frage, deren Antwort auch unangenehme Wahrheiten enthält. Zunächst einmal gibt es diese Frauen durchaus nicht ganz so selten wie oft behauptet. Ich kenne mehrere und konnte das über längere Zeiträume beobachten. Beziehungen solcher Paare waren immer dann außergewöhnlich stabil, wenn die Situation von Anfang an klar war. Männer, die aus welchen Gründen auch immer während der Beziehung im Beruf Probleme bekamen und deshalb teilweise Hausmann wurden, hatten dagegen ein erschreckend hohes Trennungsrisiko. Die Frauen hatten sich mit einem Geldheranschaffer verpartnert, sobald das nicht mehr lief, kam ein herber Absturz. Also sollte man völlige Ehrlichkeit praktizieren und Weichen ganz am Anfang stellen. Klar sagen, was man kann, was nicht, was man will, was nicht. Passt das der Dame nicht, ist das ein großes Glück. Dann kann man sie nämlich sofort aussortieren und verschwendet keine Zeit mit Rosinenpickerinnen, die in Wirklichkeit nur einen Geldbeutel zum Partner wollen. Weit schlimmer sind zu spät entlarvte Blenderinnen und Lügnerinnen.

Wo sind nun die Frauen? Wie im letzten Beitrag ausführlich dargelegt will unser Urzeitgehirn am liebsten Frauen in ihrer Plateauphase von 18 bis 25. Dorthin glotzen weitaus die meisten Männer vom Trieb gedrängt, dort sehen sie Attraktivität. Nur führt das in die Irre, weil es wichtige andere Eigenschaften komplett überstrahlt. Außerdem hecheln sich Plateaufrauen und alle, die sich noch dafür halten, von Alpha zu Alpha, die Welt liegt ihnen sowieso kostenlos zu Füßen. Sie haben es nicht nötig, etwas übers Leben zu lernen, ihr eigenes Urzeitverhalten zu hinterfragen oder gar möglicherweise unbequeme Situationen auszuprobieren wie einen Rollentausch. Also tun sie es auch nicht. Weg mit denen. Wenn sie mal etwas im Leben merken, ist es viel zu spät. Mit den Heerscharen fehlgeprägter narzisstischer Damen kommen wir nicht weiter, sondern stürzen ab.

Ein bestimmter Frauentyp kommt über das Urzeitverhalten aufgrund ihrer Persönlichkeit hinaus, er ist vielleicht ganz gut zu charakterisieren, aber tatsächlich sehr selten. Darüber wird in einem weiteren Beitrag noch etwas erscheinen. Diese Frauen sind die „Einhörner“, ein besonderer Typ, reiner Zufall sie zu treffen und auch zu erkennen. Das überlassen wir der Vorsehung. Wir suchen besser nach „Frau Entwickelt“. Die gibt es heutzutage zwar ebenfalls nicht häufig, aber häufiger als das Einhorn. Wer ist das?

Zunächst: Was ist sie nicht? Sie ist nicht verkopft, alt, hässlich oder abgeritten. Der charakterisierende Kernpunkt bei ihr ist vielmehr, dass ihre Plateauphase geistig bereits früh und ohne Bitterkeit endete, nicht erst mit 35 und viel Rotwein. Entscheidend dafür ist: Ihr war schon als Twen klar, dass der Alpha bei ihr nicht anklopft, zu einer Zeit zu der andere Damen sich noch jahrelang durch ihre Plateauphase tindern. Wichtig dafür ist tatsächlich der Zeitpunkt. Nach heutigen Erkenntnissen ist die Persönlichkeitsentwicklung des Menschen noch bis Mitte 20 nicht abgeschlossen und umprägbar, danach nimmt diese Fähigkeit stark ab. Miss Entwickelt hatte meist auch ihren Ritt auf hohen Pferden wie bei heutigen Frauen üblich und auch ihre Fehlentscheidungen. Aber sie kam davon rechtzeitig herunter. Das hat sie im Gegensatz zur großen Mehrheit ihrer Geschlechtsgenossinnen tatsächlich begriffen. Deshalb musste sie auch schneller und deutlicher als Andere akzeptieren, dass Ressourcen verdient werden müssen, weil ihr kein reicher Prinz den Lebensunterhalt und den Unterhalts-/Familiennotausgang zahlt und weil kein Rausch im Bett des Alphas für sie bereitsteht. Also verdient sie willig selber, was sie auch in der Realität tut und nicht nur verbal oder potenziell, in einem Beruf, der hinreichend etwas einbringt und bei dem sie nicht absehbar die Lust überkommt wieder auszusteigen. Sie erschlafft nicht mit Fett, Tattoos, Katzen und Rotwein, weil sie nicht in Selbstmitleid absäuft, kann Selbstdisziplin, reflektiert Fehler, die sie gemacht hat. Sie hat viele Haltepunkte ohne Männer, eine stabile Herkunftsfamilie, Freundinnen auf gleicher Linie, zeigt Kreativität, zum Beispiel in einem Hobby. Für Männer, die nur auf Optimaljugend und Idealaussehen stehen, ist sie unsichtbar. Männer, die alles nehmen, Hauptsache willig im Bett, sind für sie unsichtbar. Man trifft sie nicht über eine Partnerbörse, nicht an lauten Orten, nicht an einem Touristenstrand. Man trifft sie beim Geburtstag ihrer Freundin oder Familienangehörigen, im persönlichen Umfeld, vielleicht über ihren Beruf. Vielleicht kennt man sie auch schon lange. Nähe etabliert man ohne Show und ohne Pickup-Getue.

Wie kam Frau Entwickelt vom Plateau weg bzw. gar nicht erst so richtig rauf? Manche verdanken das der Tatsache, dass sie zwar nicht hässlich sind, aber in eindeutiger Distanz zu den Illustriertenschönheiten blieben und daher ihr Gesicht gar nicht erst so vermarkten konnten, wie das Frauen in diesem Alter immer tun. Das ist ein Vorteil für sie! Ihr hechelten wenige Männer nach, die auf optische Blenderei stehen und dabei das Blut im Gehirn wie ein Dammbruch in untere Regionen abrauschen lassen. Übrig bleiben nur einfache Triebe und nach deren schneller Erschöpfung gar nichts mehr. Sie lacht drüber, aber verbittert nicht. Es bewahrte sie vor der Validierungsfalle, sich dauernd selbst bestätigen zu lassen. Andere sind auf dem hohen Ross so gründlich und früh auf die Schnauze gefallen, dass sie innerlich nicht mehr oben bleiben können und ernüchtert umstellen müssen. Ein weiterer kleiner Teil, der in Richtung obengenanntem Einhorn geht, hat es intuitiv oder intellektuell geschafft, Verstand über Steinzeitgehirn zu stellen - bei Männern sehr selten, bei Frauen extrem selten.

Ist man gerne mit solchen Frauen zusammen, statt ausschließlich auf die sehr kurzen Jahre (9% des Lebens) des allerattraktivsten Alters und die geschwollensten sekundären Geschlechtsmerkmale zu sehen, findet man jemand auf gleicher Linie, wie man selbst ist, etabliert man eine stabile und möglichst ehrliche Beziehung, verträgt man sich bei der Bettgymnastik, dann geht vieles, auch ein Rollentausch, wenn er begründet ist. Wichtig ist auch echte Kommunikationsfähigkeit, die Witz und Feinheiten transportieren kann, ein breiter Kommunikationskanal. Das geht definitiv nur mit jemand, der in derselben Sprache aufgewachsen ist. Was niemals geht, ist persönliche Faulheit zu praktizieren unter dem Vorwand, für Kinder da zu sein, etwas das auch voll arbeitende Männer bei ihren Teilzeit- oder Vollhausfrauen keinesfalls hinnehmen sollten, sie aber leider fast immer tun. Ist doch eigentlich logisch und altbewährt: Wer mehr zu Hause ist, der sorgt auch mehr dafür, dass es ein Ort ist, an dem sich alle gerne aufhalten und dass dort läuft, was einfach laufen muss. Gute Leckereien, Kindererziehung wichtig nehmen, Gäste, Spaß, alle Einkäufe und Verkäufe, schulische Belange, Holz für die Heizung, auch ein Nebenerwerb, ganz klar Sache des Familienmanagers. Es gibt natürlich auch Aufgaben, für die es zeitlich etwas knapp wird, was die Partnerin akzeptieren können muss. Nicht, solange es noch wenige Kinder sind, aber mehr Kinder fressen halt doch mehr Zeit und es wird unweigerlich chaotischer, Dinge bleiben auch mal liegen. Dann muss die außer Haus arbeitende Frau die Priorisierungsliste des Mannes akzeptieren können, was Viele nicht schaffen. Bei meiner Partnerin klappt es bisher. Ihre Arbeitszeiten sind etwas unregelmäßig und gehen je nach Tag auch in den Abend hinein. Die Kinder können trotzdem in einem stabilen Umfeld aufwachsen und haben eine sehr gute Beziehung zu beiden Eltern, auch wenn die Honigschleuder nicht sofort wieder in den Keller gewuchtet wird und Dinge auch mal herumstehen. Perfektionisten beider Geschlechter zerschellen in Familien mit mehreren Kindern sowieso unweigerlich. Das Chaos wird aber auch nicht zelebriert, wie es heute häufiger geworden ist. Fehlzeiten der Mutter wegen kranker Kinder gibt es bei uns selbstverständlich nicht. Das hängt Müttern oft im Beruf nach. Ich bin da, sie kann sich auf den Beruf konzentrieren.

Unsere Rollenverteilung und vorige Biografie hat uns die Familie mit mehreren Kindern überhaupt erst ermöglicht zum für uns richtigen Zeitpunkt, beide nicht mehr ganz grün und jungdumm, aber auch nicht alt. Ich habe nicht erst mit 40 mit den Kindern angefangen, sondern etwa in diesem Alter damit aufgehört. Sie hat uns beiden auch ermöglicht, Ziele zu erreichen, die wir alleine nie erreicht hätten. Wir empfinden die Situation als natürlich gewachsen, gut begründet und nicht erklärungsbedürftig. Genau dieses Bild zeigt sich auch bei anderen Paaren, die sich frühzeitig so eingerichtet haben. Sollte es doch schiefgehen, dann geht es schief, das wissen wir - schlechter als bei anderer Rollenverteilung kann es dann auch nicht laufen. Dieses Problem ist nur durch komplette Vermeidung von Kindern und Beziehung zu lösen. Auch gut: Das Glück kann auf allen Wegen liegen.

P.


Weiterführender Link: TrennungsFAQ
Ratsuchende Väter finden im TrennungsFAQ-Forum konkrete Hilfe


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