Gastautor: Stubenrein
Sixpack? Schwachsinn!
Warum will ein Mann ein Sixpack haben? Jeder hat doch einen Sixpack. Nur ist bei den meisten die Fettschicht über den Bauchmuskeln so dick, dass man die darunter liegenden Bauchmuskeln nicht mehr sehen kann. "Sixpack im Speckmantel" sozusagen. Weswegen also soll Mann sich den Arsch aufreißen, damit man die Bauchmuskeln sehen kann? Was für ein Schwachsinn!
Klar ist es völliger Schwachsinn, Sport zu treiben, um die Bauchmuskeln sichtbar zu machen. Das ist ungefähr genauso sinnvoll, wie mit 22 Leuten gegen einen Ball zu treten. Oder mit mehreren Autos im Kreis zu fahren. Oder mit einer Metallstange gegen einen kleinen weißen Ball zu prügeln, damit dieser in einem kleinen Loch im Rasen landet. Sportliche Hobbys sind seit dem 19. Jahrhundert ein Ausfluss von zu viel Zeit, zu viel Kraft und zu viel Geld. Dem steinzeitlichen Jäger wäre es nicht im Traum eingefallen, sich nach der anstrengenden, lebensgefährlichen Jagd auch noch zum "Spaß" zu bewegen. Aber es hilft nix.
Attraktivität? Nicht verhandelbar!
Das gilt für Frauen, wie für Männer. Hat eine Frau einen wohlgeformten Körper mit schönem Gesicht, gepflegten Haaren und großen Hupen, meldet sich beim Mann sofort der kleine Freund zwischen den Beinen und schreit: "Fickeeeen!". Und auch den Damen läuft das Wasser zwischen den Beinen zusammen, wenn sie einen gut gebauten jungen Mann mit einem Sixpack sehen. Ein Sixpack steht seit zigtausenden von Jahren für Kraft, Ausdauer und alles, was nötig ist, damit die Sippe gegen den Säbelzahntiger verteidigt werden kann, der gerade auf der Suche nach seinem Mittagessen ist. Der Sixpack strahlt Sicherheit, Paarung und die erfolgreiche Weitergabe der eigenen Gene aus. Und weil sein Anblick fest in unserer DNA verdrahtet ist, reagieren auch heute noch alle darauf. Männer wie Frauen.
Der Weg zum Sixpack ist auch ohne Säbelzahntiger einfach. Das Zauberwort heißt ... (Tusch!) ... Kaloriendefizit. Quatsch! Das Zauberwort heißt "Hunger". Nur wer Hunger hat und sich trotzdem auf die Jagd nach Beute machen muss, verbrennt mehr als er vorher in sich reingefuttert hat. Das Körperfett dient dem Körper als Treibstoff. Und wer hungrig nach tagelanger Verfolgung schließlich das Mammut erlegt hatte, kam zurück mit Beute, Nahrung, Ruhm, Ehre und einem Sixpack. Wer dagegen lediglich nur hungert, ohne sich zu bewegen, verliert zwar auch an Körperfett, aber verhungert einfach irgendwann. Das ist nicht so attraktiv.
Heutzutage ist es jedoch verdammt schwierig, Hunger zu haben. Frühstück, zweites Frühstück, Mittagessen, Nachmittagskaffee, Abendessen, Nachtmahl ... Da ist für Hunger eigentlich kein Platz mehr. Und da die Mammuts ausgestorben sind und der moderne Mann höchstens nach Sonderangeboten im Baumarkt jagt, wird der moderne Mann halt fett. Der Hunger zum Abnehmen muss künstlich erzeugt werden. Und zwar durch ein ... (Tusch!) ... Kaloriendefizit, indem man die Nahrungsaufnahme komplett umstellt.
Ernährung "umstellen"
Die modernen Frauen von heute sind Expertinnen darin, ihre Ernährung umzustellen. Wenn sie im Büro ihren Kolleginnen laut erzählen, dass sie jetzt "die Ernährung umgestellt haben", bedeutet das in der Regel nur, dass die Schokolade und die Plätzchen jetzt links statt rechts neben dem Bildschirm stehen. Frauen kennen ja auch keine Snacks oder Zwischenmahlzeiten. Sie "schnuckeln". Es wird hier "geschnuckelt" und da "geschnuckelt". "Du, die Sabine hat heute Geburtstag. Hast Du Dir schon Deinen Kuchen geholt?" Wer kann da schon nein sagen? Um 11 Uhr wird kurz noch einmal in die Bonboniere der Kollegin gegriffen. Und Mittags holt frau sich dann aus dem Supermarkt den fertig verpackten Salat mit Hühnchenstreifen und dem leckeren fettreduzierten Dressing. Dass das Fett durch künstliche Verdickungsmittel, Glukosesirup, künstliche Aromastoffe und Dreck ersetzt wurde, ist egal. Man hat ja die Ernährung umgestellt.
Nachmittags setzt dann das Fresskoma ein und jetzt gibt es nochmal einen Kaffee und es wird wirklich "nur ein Plätzchen" geschnuckelt. Abends, wenn der Ehemann nach Hause kommt, wird unter großem Getöse die "Kohlsuppendiät" ausprobiert. Kochendes Wasser mit Maggi-Gemüsebrühe und Kohlblättern. "Schatz, jeder Teller spart 500 Kalorien!" Das ist eigentlich kein Abendessen, sondern ein Fall für Amnesty International. Nach dieser ernährungstechnischen HeldINNENtat lässt es sich eine gestandene Frau jedoch nicht nehmen, abends vorm Fernseher doch noch eine kleine Handvoll Chips und Erdnüsse zu "schnuckeln". Aber die Diät? "Daaas ist was anderes. Ich brauche das. Sonst macht das Leben doch keinen Spaß!" Die Badezimmerwaage beeindrucken diese Sprüche allerdings gar nicht und die Frau kommt schließlich zu dem Schluss "Ich kann machen, was ich will. Bei mir funktionierts einfach nicht!"
Der Weg zum Sixpack ist daher nichts für Frauen. Am nächsten Tag geht es im Büro ja geradeso weiter, wie der vergangene Tag aufgehört hat. Dazu kommen noch die leckeren Rezeptvorschläge der anderen Kolleginnen, die auch alle ausprobiert sein wollen. Zum Beispiel die "Snickerstorte". Der Boden bestehend aus Kekskrümeln vermengt mit Butter und Zucker, dann eine Schicht Philadelphia-Frischkäse, die bei Zimmertemperatur mit Zucker, Sahne und zerkleinerten Snickers zu einer herrlichen Creme angerührt wird. Das Ganze wird getoppt mit dunkler Schokoladen-Ganache. Im Kühlschrank abkühlen und fest werden lassen. Herrlich! "Das musst du probieren. Meine Kinder sind ganz begeistert!" Kollegin Dörte – der Name ist Programm! – kennt sich da genau aus. Und die Torte schmeckt! Sa-gen-haft! Jedes Tortenstück ist zwar den Notfalleinsatz eines Diabetologen wert, aber Scheiss drauf! YOLO!
Verheiratete Männer sollten daher den Wunsch nach einem Sixpack daher schnell sausen lassen. Denn wenn Frauen ehrlich zu sich selbst wären, würden sie sich eingestehen, dass sie auf Sport und körperliche Bewegung eigentlich gar keine rechte Lust haben. Vor der Hochzeit haben sie sich noch zusammengerissen und ihrem zukünftigen Ehemann das Gehirn rausgevögelt. Aber nach dem Gang zum Standesamt kann Frau sich endlich gehen lassen. Es macht bei ihr einfach "Plöpp" und ein halbes Jahr nach der Unterschrift im Standesamt zeigt die Waage 25 kg mehr an. Frauen wissen das. Jeder Versuch von ihm, auch nach der Hochzeit seinen Körper durch regelmäßigen Sport schlank zu halten, wird von ihr daher mehr oder minder unbewusst sabotiert: "
"Musst du schon wieder zum Sport? Man sieht dich ja kaum noch ..."
"Diät, Diät! Kannst Du nur an deinen Sixpack denken?"
"Ich weiss gar nicht, warum ich überhaupt noch koche! Ich stehe stundenlang in der Küche und Du mit deinem Sport- und Gewichtsfimmel ..."
Denn Frauen wollen nicht schlank sein. Sie wollen Kinder, Küche, Kirche. Und Sport ist da nur hinderlich. Fett zu werden, ist für eine Frau normal. Ein naturgegebenes Schicksal, das schon durch die Schwangerschaft bedingt ist. Und wenn SIE schon "aus dem Leim geht", warum sollte es IHM denn anders ergehen? Sobald das erste Kind da ist, ist für ihn der Traum vom Sixpack eh gegessen. Eine Familie will schließlich ernährt sein. Und wenn der Körper im Stress ist, schüttet er Cortisol aus. Dieses Alarmsignal im Körper führt dazu, dass der Körper an allem festhält, was er hat. Denn ob früher der Säbelzahntiger vor der Tür stand oder heute der Einkauf bei IKEA ansteht, kann der Körper nicht unterscheiden. Stress ist hoher Cortisollevel. Und Cortisol ist Krieg. Da muss der Körper alles schützen, was er hat. Auch die Fettreserven.
Montag bis Freitag auf Arbeit. Und Freitag bis Sonntag Frau und Kinder bespaßen. Das ist alles andere als entspannend. Für den Mann beginnt das Wochenende am Sonntag-Abend um 21.30 Uhr vor dem Fernseher. Vorher hat er die lieben Kleinen nach nur zweistündigem Kampf endlich ins Bett gebracht. Um 22 Uhr schläft er erschöpft auf dem Sofa selig ein. Was für ein herrliches Wochenende! In diesem Moment dämmert es auch dem motiviertesten Ehemann und Vater, dass er sein Projekt "Sixpack" wohl erst einmal einige Jahre verschieben sollte. Für Ehemänner ist der Wunsch nach einem Sixpack daher völliger Schwachsinn.
Der Weg zum Sixpack
Zeit und Muße für einen Sixpack haben entweder Schüler oder Studenten oder Rentner, solange sie noch keine Ehefrau oder Freundin haben. Der Weg zum Sixpack führt in jedem Alter über fünf Schritte: Moderates Kaloriendefizit, dreimal pro Woche Krafttraining, genügend Protein, ausreichend Schlaf, Geduld. Den Rest erledigt der Körper innerhalb von 6 bis 9 Monaten von ganz alleine. Auf YouTube gibt es zahlreiche Kanäle, die auch einen Anfänger bis zum Sixpack begleiten. Das ist schon alles. Mann muss nur ein wenig suchen und wirklich wollen.
Diskutiere über diesen Artikel und teile Deine Erfahrungen mit anderen Lesern!
Beachte bitte die Kommentarregeln
Wenn Du selbst spannende Themen oder interessante Erfahrungen hast, dann schreib doch einen Gastartikel darüber, natürlich völlig anonym. Unser Gastartikelportal mit weiteren Informationen findest Du hier.
Hast Du auf dieser Seite einen Fehler entdeckt? Auf unserer Fehlerhinweisseite kannst Du uns darauf aufmerksam machen und eine Korrektur vorschlagen.