Gastautor: P.

Deutschlands Energiewende ist überaus wirksam. Vom geraden Weg, der bestimmt war von physikalischen Grundlagen, Belangen der Menschen, der Wirtschaft und der Wirtschaftlichkeit, Sicherheit und Entwicklungsfähigkeit, gelang die Wende hin zu emotionsbasierten Augenblicksentscheidungen wieder jeder Berechnung und Planung. Auch hin zu einer aberwitzigen Verteuerung von Produktion, Subventionen, Verteilung von Energie, die jenseits jeder Wirtschaftlichkeit liegt, zur zusätzlichen Abhängigkeit von Nachbarländern. Es war nicht leicht, die lästige Vernunft und die Marktkräfte aus der Energiepolitik endlich hinauszuwerfen und dieses wunderbare staatsdirigierte teure Chaos mit nachfolgendem stetigen Abstieg zum Prinzip zu machen. Es ist aber gelungen!

Regelbare Stromquellen wurden und werden ersetzt durch Windkraftanlagen, Solaranlagen und ein bisschen Biogasanlagen. Von allen diesen Segnungen haben wir reichlich Material vor der Haustür, im erweiterten Vorgarten. Darunter auch eine dicke zweistellige Anzahl von Windtürmen in nächster direkter Sichtweite, wir dürfen das vom Esstisch aus bewundern, wenn wir den Blick von der Mosaiktischdecke weg zum Fenster richten. Gebaut werden solche massiven Gruppierungen nicht dort, wo am meisten Wind weht, sondern dort, wo die vernachlässigbarsten Leute leben, denen man diese Monsterbauwerke politisch reindrücken kann. Das hat sich vorher schon bei anderen „Segnungen“ so erwiesen, beispielsweise einer Giftmülldeponie und noch einer ganzen Reihe weiterer mieser Möbelstücke, die woanders unerwünscht sind. Außerdem spielen auch Besitzverhältnisse eine Rolle. Flächen im Staatsbesitz und solche im Besitz von Leuten, die ein „von“ als Namensbestandteil haben und ein Schloss dazu, denen nach wie vor riesige Wald- und Landwirtschaftsflächen gehören, sind besondere Magneten, davon haben wir hier einige. Der Staat, weil er da ohne lästige Eigentümer losbauen kann, und die Damen und Herren „von“, weil sie am radikalsten aller Landbesitzer jeden Quadratmeter fast schon gewalttätig umsatzmaximieren, egal, was damit passiert. Windtürme und Freiflächensolaranlagen kommen da genau richtig. Das sind keine subjektiven Vermutungen, sondern Tatsachen, für jeden völlig offen in der Region zu besichtigen.

Tja, was heißt das nun? Die intime Nähe zu den Windtürmen von Planung bis Betrieb konfrontierte uns mit ein paar Dingen, die in keinem Hochglanzwerbeprospekt stehen, kein Politiker erzählt und die nie genannt werden. Das soll Thema dieses Beitrages sein, davon will ich heute erzählen, alles aus allererster Hand, ich habe die Kernpunkte auch dokumentiert mit Fotos und Unterlagen. Ein Ausflug zu den Windmühlen. Was sind das für Dinge? Sind es nur die optischen Folgen, die aufragenden Betontürme mit den riesigen Rotoren, einen Viertelkilometer in den Himmel ragend? Leider nicht nur:

Der Bau ist nicht nur die Errichtung eines Bauwerks. Auch ganz neue Straßen und Wegstücke wurden durch den Wald geschlagen. Alte Waldwege wurden zu breiten Schneisen. Schwerstfahrzeuge rollten schließlich durch den Wald. Kurvenradien wurden massiv vergrößert. Diese neuen Straßen wurden nicht wieder zurückgebaut, der Flächenbedarf der Anlagen steigt dadurch um ein Vielfaches über die einzelnen Anlagen selber hinaus. Auch zuführende schmale Landstraßen wurden verbreitert und die Ränder befestigt. Das bleibt.

Die Anlagen stehen auf riesigen befestigten Kahlschlägen, meterhoch wurde geschottert, planiert, verdichtet, dann dauerhaft freigehalten. Diese Aufmarschplätze für Technik und schweres Gerät sind mitten im vormaligen Wald. Dieser vorher geschlossene, nun umliegende Wald hat keine Gebüschzone mehr, die neuen schattenlosen toten Steinwüsten sorgen für erhöhte Verdunstung. Ringsum ist eine Steigerung der Trockenschäden zu sehen und Sturmschäden, weil der Wald nun offen ist und Böen anders als an Waldrändern ungehindert auf Hochwald prallen. Die neuen Offenflächen verstärken bekannte Stressfaktoren, die bereits auf den Wald wirken. Windenergie flächenarm?

Der Bau war besonders teuer. Wir sind mitten im Kalkgebiet mit Höhlen und Kavernen im Untergrund, es gibt massenhaft große Erdtrichter, weil unterirdische Hohlräume einstürzen. Der Baugrund musste teuer mit einem großen Tiefenradar untersucht werden, und ich habe den subjektiven Eindruck (genaue Pläne waren nicht zu bekommen und mein Leben besteht aus mehr Dingen als in der Freizeit jeden Wahnsinn zu recherchieren), dass die Fundamente noch tiefer und dicker gelegt wurden als bei Anlagen vergleichbarer Größe auf anderer Geologie. Auch ohne Übergrösse werden Bodenschichten künstlich durchbrochen und durchlässig gemacht, mit hohen Risiken für die Grundwasserqualität. Eingriffe seien temporär, hiess es. Mangels Transparenz ist nicht nachvollziehbar, welche geologischen Risiken in unserem sehr speziellen Untergrund in Kauf genommen wurden.

Ein paar Anlagen liegen an verschiedenen Landstraßen, viele tiefer im Wald. Die Wege dorthin sind an der Landstraße durch große Zugangstrompeten erweitert worden, damit schwere und lange Fahrzeuge über weit ausschwingende Kurven einfahren können. Das nutzten sofort nach deren Erstellung auch massenhaft LKWs, die von der nahen Autobahn abfahren und nun die neuen Verkehrsflächen im Wald als Übernachtungs- und Abstellplätze nutzen. Legal, illegal, scheißegal, was da ist, wird genutzt, und jetzt ist was da, wie praktisch. Der Wald als LKW-Parkplatz, es wird sogar nicht nur über Straßen, sondern auch über die neuen breiten Waldwege bis zu Anlagen eingefahren und vor den Anlagen auf den geschotterten Flächen geparkt. Nun, nach ein paar Jahren finden sich dort ringsum ansehnliche Müllberge, herumfliegend, in Tüten, auch anderes Zeug von kaputten LKW-Planen über defekte Kleingeräte bis zu Kabelabfällen. In den Waldesduft dort mischt sich auch ein herzhafter Ton nach Bahnhofstoilette, weil dort nun auch andere Bedürfnisse von den Anwesenden verrichtet werden.

Neue Schneisen sind auch für den Leitungsbau entstanden, spinnennetzartig kilometerweit durch Wald und Felder bis zu einer Hochspannungsleitung. Jede Anlage eine Schneise, und es gibt viele davon, bis sich das bündelt. Nach dem Wald manchmal auch entlang von Feldwegen, wo dafür begleitenden Obstbäumen die Wurzeln abgesäbelt wurden, manchmal mitten durch den Wald in einer breiten Schneise, dann durch Felder. Dort liegt sehr guter Ackerboden, der für regelmäßigen Zuckerrübenanbau genutzt wird. Wo eine Leitung eingegraben wurde, kümmern die Rüben nun generell, was sehr gut sichtbar ist. Ob es an einer Abwärme der Leitung mit der einhergehenden höheren Verdunstung liegt, an der künstlichen Bodenverdichtung, an Zuschlagstoffen in der Baugrube, sucht euch Gründe aus, die dauerhaften Auswirkungen sind jedenfalls zu sehen.

Die Leitungen sind nicht einfach nur an bestehende Überlandleitungen angeklemmt, so leicht geht das nicht. Mitten in bestem Ackerland, 5 km von den Windtürmen entfernt, wurde eine fette, große Trafostation hingedonnert. Einschließlich hochgiftiger Kühlmittel dafür, die zusätzliche Flächen und Gruben zur Sicherung erfordern. Und, wie schon bei den Windtürmen bekannt – mit riesiger Zufahrt, Wendefläche, Stahlzäunen. Auch dort: wachsender Müll. Der entstandene „Parkplatz“ wird eifrig genutzt. Dass die Zufahrt verboten ist – wen schert es. „Nun ist sie halt da“, sagt man in Deutschland, und damit wird es genutzt. Die Netzinfrastruktur konterkariert die Erzählung der dezentralen Energiewende.

Kaum ein Spaziergang, ohne dass Verkehr zu erleben ist, der quer durch den Wald zu den vielen verteilten Anlagen rollt. Irgendwelche Kontrollfahrzeuge, ständig ist irgendeine Anlage auch kaputt, dann finden Reparaturen statt, das hat mit der Zeit zugenommen, die Anlagen altern. Transporter, LKWs, andere Fahrzeuge hetzen rein in den Wald auf vielen Wegen, raus aus dem Wald. Schlagopfer von den Rotoren sind bekannt, über das, was vorher passiert, steht nirgends etwas: Spaziergänge sind auch wegen totgefahrener Tiere traurig geworden, bei meinem letzten Besuch lag ein angefahrener junger Hase am Wegesrand, davor noch ein zerquetschter Feuersalamander und andere Reptilien, 100 m vor einer Anlage. Als jemand, der sich seit der Kindheit der Natur verbunden fühlt, kommen einem da fast die Tränen. Die Wege im Wald sind ständig ausgefahren und werden jetzt oft neu geschottert, die letzten paar Prozent Rückzugsraum sind eine flächige Industriezone geworden mit Verkehr weit über übliches Waldwegniveau hinaus.

Defekte, die den Ertrag nicht beeinträchtigen, interessieren hingegen keinen. Der Wald ist nachgewiesen einer der fledermausartenreichsten Deutschlands, hier leben 20 Arten. Eine der wenigen Bedingungen, die die untere Naturschutzbehörde erreichen konnte, war deshalb eine Abendabschaltung im Sommer ab Dämmerung für wenige Stunden, die Zeit in der am meisten Fledermäuse unterwegs sind. Im Sommer abends ist der Stromertrag sowieso gering. Die Abschaltung ist ein halbes Jahr halt mal ausgefallen. Die Dinger drehten sich in der Sperrzeit einfach weiter, es scherte keinen, erst als die Naturschutzbehörde zufällig davon erfuhr und selber Ärger machte, sicherte man die Ruhezeiten wieder zu. Kontrollmechanismen greifen aber nur zufällig und reaktiv. Naturschutzauflagen würden überwacht, hiess es.

Seid ihr mal in einem solchen Anlagenwald gestanden? Die Lautstärke der Rotoren variiert natürlich mit dem Wind zwischen geschwungener Peitschenschnur und Flugzeug. Es ist mal leise, mal laut, dauerwutschendes Näherkommen der Rotoren wie das Fallbeil einer Filmguillotine. Aber was nicht variiert, sind die Elektromotoren, die die Kanzel neu ausrichten, weil irgendeine Messung ergibt, dass der Wind sich dreht. Das passiert andauernd und eindeutig auch wegen einer beknackten Steuerung mit geringer Hysterese und Regelungsproblemen. Erst dröhnt ein metallischer Schlag von der Kanzel herab übers Land, vermutlich wird irgendeine Verriegelung geöffnet. Dann laufen die Motoren laut wie ein Schwerlastkran, die Kanzel dreht sich, dann wieder ein Schlag. Von >20 Anlagen. Manche dauernd aber irregulär. Die eng stehenden Anlagen verursachen offenbar zusätzliche Turbulenzen, die dauernde Windrichtungsänderungen suggerieren. Diese Geräuschkulisse hat sich mit den Jahren verschlimmert, ist lauter geworden. Abnutzungsfolgen, schlecht konstruierte Technik mit unzureichender Wartung, weil das nichts ist, was den Ertrag erhöht. Auch hier auf ganzer Linie: Die tatsächliche Praxis sieht und hört sich völlig anders an als Vorabversprechungen oder die Theorie, was sein dürfte.

Sehr tiefe Geräusche, Infraschall, das geht kilometerweit. Ich wunderte mich jahrelang über ein dumpfes, langsames, aber regelmäßiges Wummern zu Hause, das in der Gegend in Nachtstunden plötzlich auftrat, und dachte schon, mein eigenes Empfinden spiele mir einen Streich. Es wirkte nicht nur über das Gehör, sondern auch wie schwankender Luftdruck auf den Körper. Ähnlich fühlte und hörte es sich an, als ich einmal auf einem Hochhaus in New York stand, auf dem ein riesiger Entlüftungsschacht aus dem Bauwerk nach oben offen war und dort ein langsamlaufender ebenso riesiger Rotor. Spät begriff ich den Zusammenhang und hörte von anderen Leuten, die nun dieselben Empfindungen hatten, ohne sie gleich zuordnen zu können. Erst die Korrelation mit den laufenden Anlagen brachte die Ursache hervor. Diese Töne sind seltsam, man hört sie im Haus bei nur leicht geöffnetem Fenster sogar stärker als im Freien, und es gibt je nach Raumposition laute und leise Stellen.

Nachts sind Lichtspiele zu bewundern. Vorher Wald und Baumsilhouetten, nun die Optik einer Ölraffinerie, eine Landschaft aus Türmen in Wolkenkratzerhöhe mit roten Lichtern, manche blinkend. Auch mit der Dunkelheit können die Menschen diesen Geräten nicht entfliehen, sie zwingen sich der Umgebung auf, tags, nachts, immer, über viele Kilometer. Belastungen seien lokal begrenzt, hiess es.

Was diese Anlagen eigentlich nun in der Praxis leisten, ist top secret, nicht öffentlich. Wieso? Beim Bau hieß es, wir Anwohner müssten nun eben auch für das Gemeinwohl etwas zurückstecken, fragt man im Geflecht der Betreiber (Energieversorger, „Bürgerenergiegesellschaften“, Kommunen), heißt es, diese Zahlen seien Geschäftsgeheimnisse – so schnell löst sich das „Gemeinwohl“ auf. Bürger würden transparent informiert, hiess es. Wer Gemeinwohl argumentiert, muss Gemeinwohltransparenz liefern.

Fährt man hin, zeigt sich auf dem Weg das Doppeldenk, mit dem das befohlen wurde. In Sichtweite liegt auch eines der gigantischen neueren Industriegebiete. Es ist nur keine Industrie da, es sind ausschließlich Großlager mit LKW-Massenverkehr der nahen Autobahn. Fast ein Quadratkilometer groß ist das Gebiet. Gebäude, Parkplätze, Beton. Auf den riesigen verbauten Flächen dieser LKW-Lager gibt es gerade einmal ein einziges Gebäude, das eine Solaranlage auf dem Dach hat. Sehr witzig, es gibt auch drei Kühllager, die kräftig Strom fressen. Windräder will man natürlich auch keine. Keine Stromspeicher, nichts.

Ähnliches Doppeldenk zeigt sich bei einigen Bekannten am Ort. Einer ist voll dabei, kaufte Anteilsscheine der „Bürgerenergiegesellschaft“, weil man eben dabei sein will, und zeigt großes Verständnis für die unbedingte Notwendigkeit der Stahltürme. Für die Scheine war auch Geld da. Die Frage nach einer Solaranlage auf seinem Einfamilienhaus mit großem Grundstück und Süddach (Blick auf einen grünen Hügel, nicht auf die Türme) beantwortet er mit „kein Geld“. Geld war immerhin auch da für seine dann in den Hang gebaggerten neue Parkplätze, mehrere Benzinautos, ein Motorrad, neue Nebengebäude. Kein Einzelfall.

Eine witzige Spezies sind auch politische Figuren und andere Besserwisser aus der Landeshauptstadt, die den Leuten immer gerne vorwerfen, sie würden ja bloß alles mit „nicht in meinem Vorgarten“ verweigern, und es sei doch unsere Demokratie, wenn die Mehrheit entscheidet. Das ist schon eine ganz besondere Ironie, denn all dieser Krempel steht ja tatsächlich und real in unserem Vorgarten und nicht im Vorgarten der Politikervillen. Die Hauptstadt hat keine Windtürme und klotzt auch nicht Land mit stahlzaungesperrten Freiflächensolaranlagen zu. Nein, das alles haben nur wir. Erklären wir, was die erlebten Folgen sind, dann sind wir Bedenkenträger, Energiewendeblockierer, stehen rechts. Das könnte sogar sein, mit Zeitversatz. Wer reale Belastungen erfährt und gleichzeitig moralisch delegitimiert wird oder einfach ständig übergangen, der sucht politische Ventile. Nachdem die Anlagen fertig waren, stieg die AfD in der Gemeinde anhaltend in die Top 3 der besten AfD-Wahlergebnisse im Bundesland auf. Die Energiewende wirkt hier als zusätzlicher Entfremdungsfaktor. Man kann viel in der Landschaft abladen und sie belasten. Aber es könnte sein, dass sich die Beladenen dann nicht nur eine andere Politik wünschen, sondern sie auch wählen.



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