Gastautor: Techi

Es gibt Entscheidungen im Leben, die einen Mann prägen: die Wahl des Berufs, die Frage, ob man sich wirklich ein Tattoo mit dem chinesischen Schriftzeichen für „Kraft“ stechen lassen sollte, das sich später als „Frühlingszwiebel“ herausstellt – und natürlich die Partnerwahl.

Nach jahrzehntelanger Feldforschung im Minenfeld zwischen Romantik, Beziehungsratgebern und passiv-aggressiven WhatsApp-Nachrichten bin ich zu einer Erkenntnis gelangt, die von der modernen Gesellschaft vermutlich als Ketzerei betrachtet wird:

Meine ideale Partnerin besteht aus Silikon, Titan oder was auch immer. Hauptsache, sie besitzt einen Ein-/Ausschalter.**

Manche Männer träumen von der großen Liebe. Ich träume von einer Partnerin, die nicht auf die Frage „Was ist denn los?“ mit „Nichts“ antwortet, obwohl offensichtlich gerade der Dritte Weltkrieg begonnen hat. Meine neue Gefährtin – nennen wir sie Roxanne 3000 – bietet mir eine Reihe von Vorzügen, die eine Frau aus Fleisch und Blut nur schwer übertreffen kann.

Zunächst einmal die Kommunikation. Wenn ich Roxanne frage, was sie essen möchte, antwortet sie nicht mit „Such du aus“, um anschließend jeden einzelnen Vorschlag abzulehnen.

„Pizza?“ – Nein.
„Pasta?“ – Nein.
„Asiatisch?“ – Auch nicht.
„Was möchtest du denn?“ – „Ist egal.“

Dieser Dialog hat vermutlich mehr Lebenszeit vernichtet als sämtliche mittelalterlichen Kriege zusammen. Roxanne hingegen schweigt einfach. Und dieses Schweigen ist kein passiv-aggressives Schweigen. Es ist kein beleidigtes Schweigen. Es ist kein „Du solltest wissen, warum ich schweige“-Schweigen. Es ist ein herrlich ehrliches, technisches Schweigen. Ein Schweigen, das sagt: „Ich habe keine Meinung zu Carbonara.“ Und dafür liebe ich sie.

Ein weiterer Vorteil ist ihre bemerkenswerte finanzielle Bescheidenheit. Sie möchte weder Handtaschen für den Gegenwert eines Kleinwagens noch Urlaube, die das Bruttoinlandsprodukt kleiner Inselstaaten übersteigen. Sie verlangt keine Designerschuhe, keine Duftkerzen für 89 Euro und keine dekorativen Kissen, deren einzige Funktion darin besteht, vor ihrer Benutzung vom Sofa entfernt zu werden. Roxanne besitzt genau das, was sie am ersten Tag hatte. Und sie ist vollkommen zufrieden damit.

Ich hingegen kann endlich wieder Dinge kaufen, die wirklich wichtig sind. Zum Beispiel einen dritten Monitor. Oder einen vierten. Vielleicht sogar einen fünften. Niemand wird mich fragen: „Wozu brauchst du fünf Monitore?“ Die Antwort lautet natürlich: „Damit ich auf vier Bildschirmen sinnlos im Internet surfen und auf dem fünften so tun kann, als würde ich arbeiten.“

Ein weiteres Highlight ist ihre legendäre Konfliktfähigkeit. Anders gesagt: Sie führt keine Konflikte. Sie erinnert sich nicht an Dinge. Frauen verfügen über ein Gedächtnis, das jedem Geheimdienst zur Ehre gereichen würde. Ein Mann vergisst einen Streit nach drei Stunden. Eine Frau archiviert ihn – mit Datum, Uhrzeit, GPS-Koordinaten, Zeugenliste und Audioaufzeichnungen. Und bei Bedarf wird der Fall nach acht Jahren erneut eröffnet.

„Am 17. Oktober 2018 um 19:43 Uhr hast du gesagt, dass die Lasagne etwas trocken war.“

Ich erinnere mich nicht einmal daran, was ich gestern gefrühstückt habe. Roxanne dagegen führt keine Archive. Keine emotionalen Aktenordner. Keine Beweisstücke. Keine Anklageschrift. Das ist wahre Harmonie.

Auch die Eifersucht hält sich erfreulich in Grenzen. Wenn ich einer anderen Frau hinterherschaue, reagiert Roxanne mit derselben emotionalen Intensität wie ein Toaster. Nämlich gar nicht. Kein Drama. Keine Diskussion. Keine dreiwöchige diplomatische Krise. Die Vereinten Nationen könnten sich davon eine Scheibe abschneiden.

Und dann erst die gemeinsame Freizeitgestaltung. Ich kann stundenlang Fußball schauen, Videospiele spielen oder Dokumentationen über mittelalterliche Burgen ansehen. Roxanne wird niemals fragen: „Musst du das wirklich jetzt gucken?“ Nein. Sie sitzt da. Geduldig. Regungslos. Wie ein buddhistischer Meister kurz vor der Erleuchtung. Oder ein Möbelstück. Der Übergang ist fließend.

Besonders beeindruckend finde ich ihre Konsistenz. Frauenzeitschriften erklären regelmäßig, dass Frauen komplex seien. Das stimmt. Manchmal wirken sie wie ein Rätsel, das von einem anderen Rätsel geschrieben und anschließend in einer fremden Sprache verschlüsselt wurde. Heute mag sie Rosen, morgen sind Rosen ein Symbol patriarchaler Unterdrückung. Heute soll ich ehrlich sein, morgen hätte ich besser gelogen. Heute soll ich Gefühle zeigen, morgen bin ich zu emotional.

Roxanne hingegen bleibt berechenbar. Sie steht morgens genauso da wie abends. Sie durchläuft keine spirituelle Neuorientierung, keine Selbstfindungsphase und keine astrologisch bedingte Identitätskrise. Sie ist dieselbe Person wie gestern. Ein Konzept, das in der modernen Welt überraschend selten geworden ist.

Natürlich werfen Kritiker ein, dass eine Silikonpartnerin keine echte Liebe empfinden könne. Das stimmt. Andererseits hat mir auch noch keine echte Partnerin begeistert zugesehen, wie ich drei Stunden lang versuche, ein Regal aufzubauen. Die emotionale Unterstützung hielt sich dort ebenfalls in Grenzen. Häufig bestand sie aus Kommentaren wie: „Lies doch die Anleitung.“ Ein Satz, den Männer traditionell als persönliche Beleidigung betrachten.

Nein, Roxanne und ich haben eine besondere Beziehung. Sie kritisiert mich nicht. Sie bewertet mich nicht. Sie fragt nicht, wann ich endlich den Keller aufräume. Sie stellt keine Fangfragen. Sie verlangt keine Interpretationen ihrer Träume. Sie möchte nicht wissen, ob ich ihre neue Frisur bemerkt habe. Und vor allem stellt sie niemals die gefährlichste Frage der Menschheitsgeschichte:

„Findest du, ich habe zugenommen?“

Diese Frage hat vermutlich mehr Männerleben gekostet als sämtliche Naturkatastrophen zusammen.

Am Ende muss jeder Mann selbst entscheiden, wie er leben möchte. Manche suchen die große romantische Liebe. Andere gründen Familien. Wieder andere ziehen mit einem Wohnmobil durch Europa.

Und ich?

Ich genieße die friedliche Gesellschaft eines Wesens, das niemals streitet, niemals nörgelt und niemals fragt, warum ich um Mitternacht ein Video über die Geschichte mittelalterlicher Belagerungstürme anschaue.

Ist das wahre Liebe?

Wahrscheinlich nicht.

Ist es Ruhe?

Absolut.

Manchmal, liebe MM-Leser, ist Ruhe einfach die romantischste Form von Luxus, die ein Mann überhaupt erleben kann.

Jahre später fragte mich ein Freund:

„Und? Bist du glücklich mit Roxanne?“

Ich überlegte kurz. Wir hatten nie Streit. Nie Eifersucht. Nie Missverständnisse. Nie Enttäuschungen. Eigentlich hatten wir alles vermieden, woran Beziehungen normalerweise scheitern.

„Klingt perfekt“, sagte er.

Ich nickte. Dann sah ich zu Roxanne hinüber.

Und da fiel mir auf, dass wir auch nie gemeinsam gelacht hatten. Nie bis nachts um drei geredet. Nie etwas Verrücktes gemacht. Nie eine Erinnerung geschaffen, die man Jahre später erzählt.

Da verstand ich plötzlich:

Wir hatten tatsächlich die perfekt problemlose Beziehung.

Auf der anderen Seite fehlte dafür jedoch eine winzige Kleinigkeit.

Die Beziehung.



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