• 18.08.2019

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Für das Beste im Mann

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» Artikel vom

Die Firma Gillette beglückte die Welt mit einem Werbespot, der irgendwas mit Männern zu tun hatte. Vorhersehbar sofort wurde der begierig von allerlei Rumhängern, Zeithabern, Feministen und Maskulisten kommentiert, gelobt, zerrissen, durchs Dorf getrieben. Eine Welle mit endlosen Kommentaren entstand, weil alles und jeder seinen Senf dazugeben konnte, der genug Zeit dafür hatte. Offenbar zu viel. Ein Werbespot ist eben einfacher zu kommentieren als eine schlaue Matheaufgabe. Man muss nur den Finger aus der Chips Packung nehmen und auf das Icon in der Filmchentube hauen, schon kann man mitreden, Männlein wie Weiblein.

Und das Beste: Die ganzen erregten Männer machen mit. Kostenlos und mit viel Aufwand. Blogs wie "Genderama" von Arne Hoffmann machen Überstunden, um tonnenweise Entrüstungs- und Zustimmungsreaktionen zu finden, zu speichern, zu übersetzen, zu präsentieren. Die ganze brav-maskulistische Blogmeute ist unisono mit dabei, "Alles Evolution", "Geschlechterallerlei", "Das Patriarchat". Nicht falsch verstehen: Das soll keine Kritik an diesen überwiegend guten Blogs sein. Aber ein herzhaftes Amüsement über die vorhersehbare Entrüstung. Im Übrigen sind auch wir hier bereits Teil dieser planvoll losgetretenen Welle, indem wir darüber sprechen.

Bei den Markenverantwortlichen für Gillette bei Procter & Gamble dürften sie aus dem Lachen und Zuprosten gar nicht mehr heraus gekommen sein. Ein Volltreffer! Darauf keinen Dujardin, sondern einen 2009er Dom Perignon Magnum. Denn anders wie der einfache Bürger glaubt, besteht der Erfolg einer Marke nicht darin, für ein Produkt kurzfristig die Verkaufszahlen anzuheben, indem man eine Werbebotschaft positiv platziert. Das wahre Gold der Werber ist die Aufmerksamkeit, die eine Kampagne erzeugt. Man soll möglichst lange über sie sprechen und zu diesem höheren Zweck dürfen auch kontroverse Bilder erzeugt werden. Gillette und diese Kampagne werden für viele Jahre als Meme im Kopf bleiben. Das ist der heilige Gral, den jede Marke will. Was erreicht werden soll, ist eine Verstärkung der Massenkommunikation, auch wenn sie zu kontroversen Meinungen führt. Die Aktivierung darf dabei die Leistungsfähigkeit des Konsumenten nicht übersteigen. Aversionsreaktionen sind von Anfang an einkalkuliert. Die Dissonanz bleibt ohnehin nicht bestehen, wenn sie nicht von persönlichen Misserfolgserlebnissen verstärkt wurde. Tut sie nicht, ihre Rasierer rasieren weiter wie zuvor. Gillette bleibt damit der Begriff Nr. 1, wenn jetzt und in Zukunft von Rasierern die Rede ist.

Früher hat man häufiger schmissige Slogans eingesetzt, das war nicht einfacher, aber glatter. Wer erinnert sich nicht an Werbesprüche, die sich sogar in der Alltagssprache festgesetzt haben? Verbindet sich das mit einer Marke, wird sie unsterblich. "Toyota - nichts ist unmöglich". "Haribo macht Kinder froh und Erwachsene ebenso", und das seit 1962. "Raider heißt jetzt Twix - sonst ändert sich nix" sind Beispiele dafür. Hohl, aber wirksam. Heute darf‘s auch ein kleiner Shitstorm sein und ein Maß dafür sind die Filmtuben - Klicks, wie sehr sich die Welle von selbst verbreitet. Kritik wirkt dabei langfristig so gut wie Lob. Tatsächlich MUSS ein guter Werbespot sogar eine Kritikerfraktion aktivieren, das gehört dazu wie die Fruchtsoße zum Vanilleeis. Entrüstete Boykottankündigungen - super, her damit, Treffer! Aktion, Gegenreaktion, Gegen-gegen-Reaktion... das lieben die Werber.

Diese Werber für Gillette haben einfach die Lehrbücher beachtet. Bücher wie die Bibel der Werber, das Werk "Konsumentenverhalten" von Kroeber-Riel, Werner, Gröppel-Klein. Das kann man jedem empfehlen, der verstehen will, wie Werbung funktioniert. Aber Vorsicht, das ist ein Fachbuch und nicht wie eine Filmtube zu konsumieren. Es war nie in der Spiegel-Bestseller-Liste, was als Auszeichnung zu verstehen ist.

Was macht der freie Mann? Er erfreut sich am Spiel der fachlich gut fundierten Erkenntnisse zur Werbung und ignoriert gleichzeitig die Werbung selbst. Ich habe den Gillette-Werbespot beispielsweise nie gesehen. Nie kommentiert, nie verbreitet. Gillette-Produkte sind mir egal. Ich kaufe, was mir am meisten Spaß macht und das beste Preis-Leistungsverhältnis hat. Werbestarke Marken wie Gillette sind das ohnehin niemals gewesen. Können sie gar nicht sein, denn die müssen ihren ganzen Markenmist finanzieren. Da dies im Preis des Produkts enthalten sein muss, kann dieses Produkt gar kein überdurchschnittliches Preis-Leistungsverhältnis haben. Der Nassrasierer Markt ist ein uninnovativer Idiotenmarkt mit einem für markengläubige Kunden teuren Duopol (Gillette/Procter & Gamble und Wilkinson/Edgewell), der Rest sind Handelsmarken, die in China, Südkorea und Indien entwickelt und gefertigt werden. Vor allem Drogeriekönig Rossmann ist dank seines chinesischen Miteigentümers Li Ka-shing und neuerdings seinem dynastischen Nachfolger Victor Li (die sich noch andere milliardenschwere Unternehmen Deutschland wie z.B. Ista gekauft haben) erfinderisch, chinesische Massenware ohne Herkunftshinweis artig im Laden und allerlei Tests zu präsentieren. Das versucht auch der Rest der Einzelhandelsmeute.

Der freie Mann entzieht sich äußerer Kontrolle. Er entzieht sich der Rolle, kontrolliertes Objekt zu sein. Das ist der Punkt, an dem die Freiheit beginnt. Er kauft nicht die Produkte, die andere gerne in seinem Hirn platzieren würden, er wählt nicht die Parteien, die die Medien für ihn vorsehen, er wählt selbst aus was er isst, er lässt sich nicht abhören und befragen, er zahlt nicht Unterhalt nach einer Düsseldorfer Tabelle weil ein Jugendamt das will, er schlägt keine Lebenswege ein, wie sie ein Staat, eine Firma, eine Frau für ihn vorzeichnen. Er ist kein Neinsager und kein Jasager, er antwortet selten und spricht vielmehr durch das eigene Tun.

Vielleicht geht die Rasierindustrie bei Männern ja sowieso unter. Der Focus Nr.2/2019 titelt "Sperma-Alarm". Darin wird festgestellt, dass Männer aufgrund nicht sicher bestimmbarer Einflüsse immer weniger Testosteron, kleinere Hoden, kleinere Schniedel bekommen, was bereits vorgeburtlich im Mutterleib nachweisbar ist. Es finde eine riesige Verweiblichung statt. Könnt ihr ja mal nachmessen wie weit das bei euch passiert ist, die Kennziffer dafür ist die "anogenitale Distanz". Sogar der Focus selber ist stark betroffen. Neulich beim jährlichen Zahnarztkontrollbesuch konnte ich wieder reinsehen und war geschockt, wie sehr dieses Heftchen geschrumpft ist. Es lohnt sich ja kaum mehr, die Druckmaschinen dafür anzuwerfen. Aber konzentrieren wir uns auf die Entwicklung des Mannes statt den Verfall der Presse. Der Schwengel schrumpft zum Uhrmacherhämmerchen, der Bartwuchs ebbt ab und Gillette muss auf Hunde- und Katzenrasierer umsatteln. Die beste Fellschere für Muschi? Von Gillette! Ein Aufschrei ist ihnen sicher, werden doch bestimmte Tierrassen damit benachteiligt. Und alle schreien mit.

P.


Weiterführender Link: TrennungsFAQ
Ratsuchende Väter finden im TrennungsFAQ-Forum konkrete Hilfe


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