Gastautor: Dinosaurier

Alle Jahre wieder, so auch im Jahr des Herrn 2025, kam der Dezember in die Welt und damit begann auch wieder die Zeit der Weihnachtsmärkte. Ja, Weihnachtsmärkte, hier im fernen Osten Nordrhein-Westfalens ticken die Uhren bekanntermaßen noch etwas langsamer und selbst echte Dinosaurier gibt es noch.

Wie schon seit mehreren Jahren ergab es sich auch diesmal wieder, dass kurz vor Weihnachten an einem WOCHENENDEEEE ein Besuch mit einigen Bekannten in der Domstadt geplant war. Neu hinzugekommen waren allerdings ein paar Teilnehmerinnen zu unserer Runde. Unter anderem war auch die hier allseits beliebte Drachennachbarin Nr. 1 nebst ihrem Sklaven, äh, Ehemann dabei.

Somit ergab sich die Chance, eine spannende Sozialstudie mitten im Geschehen durchzuführen.

Kinder und Betrunkene sagen ja sprichwörtlich immer die Wahrheit. Damit also niemand als Fahrer den Genüssen alkoholischer Exzesse entsagen musste, wurde hier in Barbarien flugs in den Bus gestiegen und kurze Zeit später hieß es dann: Ab ins Getümmel. Ein bisschen Regen am Anfang ließ sich durch eine Flasche selbst aufgesetzten Johannisbeerlikör wunderbar an der überdachten Bushaltestelle überbrücken. Danach musste aber der erste Glühwein her.

Positiv: Der Talahon-Anteil war wieder einmal erfreulich gering. Auf Merkel-Legos hat die Stadt nur zum Teil zurückgegriffen, den Rest der Fußgängerzone hat man mit quer geparkten Mercedes-Sprintern zugestellt.

Glühwein und Feuerzangenbowle vor dem Rathaus haben eine recht ordentliche Qualität und mit dem Schuss ist man da auch nicht gerade sparsam. Nachdem die Zungen also gelockert wurden, konnte es nun richtig losgehen. Drachennachbarin Nr. 1 und die AMIGA eines anderen Bekannten kamen offensichtlich blendend miteinander aus und unterhielten sich lange und ausgiebig über den von ihnen bevorzugten Männertyp.
Ich muss sicher nicht weiter erwähnen, dass der nicht mit ihren jeweiligen Partnern übereinstimmt. Die AMIGA des Bekannten hat zwischendurch zumindest noch ein paar heuchlerische Aktionen unternommen, selbigem zu sagen – aber nicht zu zeigen – wie froh sie ist, bei ihm zu sein.

Vom Sklaven von Drachennachbarin Nr. 1 hat man an dem ganzen Abend nicht viel gesehen oder gehört. Das war aus vier Gründen gut. Erstens ist er kein Mann großer Worte. Zweitens ist es eine große Herausforderung, bei seiner monotonen Sprechweise nicht nach 5 Minuten einzuschlafen. Drittens konnte er beim laufenden Besorgen von Essen und Getränken für seine Herrin uns immer gleich auch etwas mitbringen und viertens hatte er so ständig etwas räumlichen Abstand zu seiner Herrin und wurde nicht ständig angemault.

Zwischenzeitlich gingen wir in eine Bar und brauchten einmal eine Sitzgelegenheit im Warmen. Wir alle? Nein, der Sklave musste allen Ernstes draußen warten! Er säuft sonst zu viel und ist Morgen den ganzen Tag im Eimer ... Mein Bekannter ging zwischendurch einmal kurz zu ihm raus, kam aber auch genauso schnell wieder rein und konnte seine Augen kaum noch offenhalten.

Also wieder raus aus der Bar und zurück zum Rathaus. Irgendwann zwischen der sechsten und der elften Feuzerzangenbowle fielen dann auch die allerletzten guten Benimmregeln. Er wurde dann vor der kompletten Truppe runtergemacht, wieso er so ein Schwächling, so ein Versager sei? Das Geilste: Sie fragte ihn: "Was willst Du jetzt machen?" Er hatte kaum zur Antwort angesetzt, da wurde ihm das mit „HALT DIE KLAPPE“ abgeschnitten. Immer wieder schockierend, was manche Männer mit sich machen lassen.

Unser werter Mitkommentator PlatzPatrone war nach eigenem Bekunden auch in der Gegend unterwegs. Ich hätte ihm nur zu gerne mal Drachennachbarin Nr. 1 vorgestellt, selbstverständlich ausschließlich in wissenschaftlichem Interesse, und die Ergebnisse dokumentarisch für die Nachwelt festgehalten. Leider ward unser PlatzPatrone aber den ganzen Abend nicht gesehen und hat somit der Wissenschaft keinen Dienst erwiesen.

Die Heimfahrt im Bus wiederum gestaltete sich unerwartet auch als spannende Fortsetzung der Sozialstudie. Da unsere Gruppe relativ weit am Anfang der Route eingestiegen ist, gab es für uns noch Sitzplätze. Fast alle später zugestiegenen mussten stehen. Kaum dass wir die Domstadt verlassen hatten musste ein junger Bursche, ungefähr zwei Meter von mir entfernt, sich mehrfach übergeben und brachte dabei auch reichlich Volumen auf den Boden. Die Umstehenden, eine Gruppe junger Mädels, ungefähr fünfzehn, sechzehn Jahre alt, war natürlich nicht gerade begeistert, Hilfe boten sie aber auch nicht an. So hing der Bursche weiter wie ein Schluck Wasser in der Kurve in seinem Sitz und dem ersten Mädel, das direkt zwischen mir und dem Burschen stand, wurde auch durch den Geruch langsam schlecht. Um nicht den zweiten Zwischenfall zu riskieren, bat ich ihr meinen Platz an und sie bedankte sich höflich.

Dann passierte etwas, womit niemand rechnen konnte: Drachennachbarin Nr. 1 entdeckte ihre soziale Ader und kämpfte sich vom Sitz hinter mir durch das Gedränge zu besagtem Burschen durch und kümmerte sich etwas um ihn, natürlich nicht ohne die Mädelsgruppe ordentlich zusammenzufalten, warum sie denn nur dumm rumstehen und gar nichts machen.

Zwischen der Rädelsführerin und der Drachennachbarin entwickelte sich ruckzuck ein handfester Streit. Ich erwartete schon die ersten Tätlichkeiten, da hatte der Bus Barbarien aber auch schon erreicht und es hieß aussteigen. Einerseits gut, man entkam dem geruchlichen Umfeld, andererseits schade, die Sozialstudie konnte in diesem Punkt nicht weiter geführt werden.

Mein persönliches Highlight kam aber am nächsten Morgen: Ich traf den Sklaven draußen im Garten, und – haltet euch fest – er bedankte sich für den schönen Abend gestern! Alter, was ist bei denen denn sonst los?!

Jetzt seit ihr alle gefragt, die Studienrohdaten liegen vor. Sie wollen natürlich auch interpretiert werden.



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