Gastautor: Pancho
Am nächsten Morgen ist die Laune gut. Wir wollen weiterziehen, aber vorher noch das mit dem Ankern klären, also Boot losgemacht, eine Runde gedreht und abseits der Boote, die inzwischen dazugekommen sind, Ankermanöver machen. Es will und will nicht klappen und wir verstehen es nicht. Mir kommt ein Gedanke: Bei einem Ankermanöver ein paar Tage zuvor ist mir beim Anker einziehen aufgefallen, dass der Boden extrem schlammig war. Die Kette war so voller Schlamm, dass ich sie mehrfach ein- und ausgefahren habe, um sie zu säubern. Als der Anker kam, fiel auf, dass er blitzblank sauber war. Habe mich kurz gewundert, irgendwie ist es im Hirn hängengeblieben, habe es dem besten Kumpel später erzählt, aber bei keinem hat es geklingelt.
Jetzt fängt es in meinem Kopf an zu klingeln. Ich wage es, ob unserer Dummheit nicht auszusprechen, ahne aber was los ist, will mich aber überzeugen, rufe also nur dem besten Kumpel zu: „Motor aus!“. Er fragt nicht, sondern tut es. Ich laufe an ihm vorbei, „Was ist los?“, „Warte mal ganz kurz“. Das ist so ein Spruch, den wir häufig verwenden und heißt so viel wie, „Sendepause, gib’ mir einen Moment“. Schnappe mir meine Tauchermaske, laufe an ihm vorbei, er guckt weiter fragend und bevor er was sagen kann, bin ich schon ins Wasser gesprungen und abgetaucht. Alles, was mit Tauchen zu tun hat, ist grundsätzlich mein Job. Das hat der beste Kumpel vor langer Zeit mal mit der Begründung festgelegt, dass ich Tauchscheine und ordentlich Taucherfahrung habe. Ich tauche also ab, ziehe mich die Kette entlang und sehe, was ich befürchtet habe. Der Anker baumelt fröhlich ungefähr 50 cm über dem Grund bei 5 m Tiefe, 15 m Ankerkette liegen im Sand herum. Himmel, was sind wir für Trottel. All die Jahre Erfahrung, so viel erlebt und dann sowas? Ich tauche auf, schwimme zwischen den Rümpfen zum Bug und klettere aufs Boot. Bester Kumpel schaut fragend. „Die Teufelskralle“. Mehr muss ich gar nicht sagen. Wir schämen uns gemeinsam in Grund und Boden. Der Gast versteht nur Bahnhof.
Zur Erklärung: Katamarane haben den Ankerkasten mittig zwischen den Rümpfen in der Nähe vom Mast und damit mehrere Meter vor den Rumpfspitzen. Ankert man ohne Teufelskralle, kann es bei starkem Wind und/oder Seegang passieren, dass die Kette an den Rümpfen scheuert. Da wir von Tonnen reden, die in Bewegung sind, kann es zu Beschädigungen an den Rümpfen kommen. Daher hat ein schlauer Mensch mal die Teufelskralle erfunden. Das ist ein Seil, das an den Rumpfspitzen angebracht wird und mittig einen Knoten hat und mit einem Schäkel an die Ankerkette festgemacht wird. Dies muss logischerweise an die jeweilige Tiefe angepasst werden.
Der Fehler kratzt arg an unserem Ego. Es ist klar, warum uns, als die Boje gerissen ist, der Anker nicht gehalten hat. Er war nicht mal in der Nähe vom Grund, dort war der Grund in 6 m Tiefe. Nun gut, aus Fehlern lernt man, sie lassen sich nicht rückgängig machen, eins ist aber sicher: Das passiert uns nie wieder.
Vom Hotel haben wir noch Thunfisch-Sandwiches geholt und ab geht’s Richtung Marina. Morgen müssen wir das Boot abgeben und der Gast fliegt nach Hause. Eilig haben wir es nicht, wir fahren noch an einer Insel vorbei, von der der beste Kumpel behauptet, es sei die James Bond Island, was ich aber bis heute bezweifle :), schauen uns nach einem hübschen Strand um, um dort noch etwas abzuhängen, werden aber nicht wirklich fündig, weil unsere Stimmung gedrückt ist. Das mit der Teufelskralle nervt.
Versuche den besten Kumpel zu überreden nach Naka Yai ins The Naka Island zu fahren, dort abends zu essen und morgen früh zur Marina weiterzufahren. Wir waren da schon mal, das ist ein unfassbar edles Hotel mit einem fantastischen Restaurant und einer tollen Bar. Kostspielig, das Essen dort sucht aber wirklich seinesgleichen und es lohnt sich. Der Service ist hervorragend. Kommt man mit dem Boot, wird man mit 'nem Golfkart am Pier abgeholt. Hier noch ein paar Bilder aus 2022. Leider ist seine Stimmung unten. Er ahnt schon das Getue bei der Bootsrückgabe und möchte heute noch zurück.
Wir kommen in der Marina an, werden schon erwartet. Alle machen auf gute Stimmung, es gibt aber schon Nachfragen. Dem „Captain“ der Marina fällt gleich auf, dass wir die Tanks von Dinghy und Generator getauscht haben. Das ginge nicht, das sei ein anderes Mischungsverhältnis. Die Story mit dem Wasser im Tank erzählt, usw. Soweit sei alles in Ordnung, heißt es, Übergabe sei morgen und sollte problemlos laufen. Wir schlafen diese Nacht auf dem Boot, wollen aber noch ausgehen. Bedauerlicherweise hätten sie keine Karte mehr für die Schranke, gut, dann fahren wir mit dem Dinghy an der Schranke vorbei und später damit zurück. Der beste Kumpel hat kurz nach der Ankunft in der Marina seine Maus nach Hause geschickt, wir sind also wieder zu dritt.
Gesagt, getan. Erstmal zum Duschen in die Marina und dann Uber bestellt. Es ist der letzte Abend für den Gast, da machen wir noch was, also ab nach Patong. Vor der Party aber erstmal was essen. Außerdem funkt meine SIM-Karte nicht mehr, hab’ sie wohl zu früh aktiviert, also an irgendeinem Stand eine neue gezogen. Pass muss ich zeigen, es wird ein Foto von mir gemacht, das Ganze an einem windigen Stand, aber es klappt problemlos und ich bin wieder online. Es fängt an zu regnen, im nächsten 7 Eleven kaufe ich drei Billigschirme plus ein Ladegerät, weil mein Handy fast leer ist, und schauen uns die Restaurants an den Straßen an. Viele haben Seafood vorm Restaurant ausgelegt. Für Kenner reicht ein Blick auf die Fische, wer es genau wissen will, hält den Finger in das Wasser rein und riecht an den Fischen. Lauwarm, kein Wunder, dass die Fische glasige Augen haben und nach Fisch riechen. Solche Lokale unbedingt meiden.
Im 517 Fisherman Seafood Restaurant werden wir fündig. Was in der Auslage liegt, überzeugt, der Rest schwimmt noch munter in Aquarien herum, also rein und mal wieder die Karte rauf und runter bestellt. Der Gast fragt uns nach WLAN. Ja, frag' halt selbst. Es nervt. Schon die ganze Reise war er trotz aller Hinweise zu geizig eine lokale SIM zu besorgen. Es gibt tausend Wege, es kostet nicht viel und geht sogar an einem Ministand, wie eben bewiesen. Sage nichts, sein WLAN ist nicht mein Problem. Das Essen ist himmlisch und wir schlagen uns die Bäuche voll. Wie üblich fängt es mit Mojitos an.
Gestärkt geht es zur Party. Der Andrang ist wieder groß, die Mädels nicht besser als beim Besuch vor einigen Tagen. Eine Dame spricht uns an und lockt mit Ping-Pong-Show. Der beste Kumpel und ich lächeln uns an und wir wissen, wir haben denselben Gedanken. Das machen wir für den Gast. Der soll ja was erleben, wenn er schon mal hier ist. Der Gast fragt, was denn das sei. „Warte ab, wird lustig“. Die Dame gibt uns zu verstehen, ihr zu folgen. Wir gehen durch etliche Gänge und kommen endlich zu dem Schuppen, wo man uns ein „Menü“ vorhält. Eintritt soll 3.000 Baht (rd. 82 Euro) pro Person kosten. Weiteres kostet extra. Kumpel und ich unterdrücken das Lachen. Elegant und höflich teilt er der Dame mit, dass er leider nicht genug Geld dabei hätte und erst zum ATM muss. Das sei kein Problem, meint die Dame, er solle ihr seine Karte und Pin geben, sie macht das. Dankend abgelehnt und gegangen. Um die Ecke laut losgelacht. Echt jetzt? 9k Baht Eintritt und ihr die KK plus Pin geben? Das Schlimme: Wahrscheinlich gibt es tatsächlich Urlauber, die darauf hereinfallen.
Weiter geht’s zum Soi. Die Aggressivität der Kundengewinner hat nicht nachgelassen, also retten wir uns in einer kleinen Bar mitten im Geschehen, in der nicht so viel los ist. Erstmal ein Bier trinken, dann weitersehen. Nebenan ist eine Süße, mit der ich sofort Blickkontakt aufnehme. Der Gast und der beste Kumpel werden aufmerksam, also lasse ich von ihr ab. Sollen sie sich schnappen. Sie ist nett, aber nicht DIE Richtige. Während die beiden schon am Baggern sind, taucht SIE auf. Super süß, in einem Kleidchen, das kaum ihre Brüste im Zaum hält und ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter. DIE ist es. Ein kurzer Blick und ich weiß es, nein, wir wissen es, aber so billig machen wir es nicht, also erstmal schön mit den anderen gefeiert. Bin in Stimmung, flirte mit der Bardame herum, es ist lustig. Immer wieder Blickaustausch mit IHR. Sie zieht eine Fresse, was sie noch unnahbarer und für mich begehrenswerter macht. Inzwischen hat sie ein Tablett mit zehn Tequilas vor sich und hat schon drei getrunken. Ganz alleine. Der beste Kumpel hat mich im Auge, will helfen – ja, das macht er unnötigerweise immer. Er hat einen Drang alle glücklich machen zu wollen, dabei weiß er genau, dass ich meinen Kram sehr wohl alleine geregelt bekomme – und geht zu ihr hin. Ich lache innerlich, sie verpasst ihm dermaßen eine Abfuhr … SIE ist es! Zeit, Kontakt aufzunehmen, also rüber zu ihr. Wisst ihr eigentlich, dass der Spruch, den man anbringt, völlig belanglos ist? Ich hätte jeden dummen Spruch der Welt bringen können, die Entscheidung war beidseitig längst getroffen. Über irgendwas mit ihren Tequilas haben wir gesprochen. Wie MX'ler das mit der Zitrone und dem Salz machen und es mit ihr geübt. Warum sie denn so guckt? Sie hätte tierische Kopfschmerzen, wollte eigentlich wieder heim, Mamasan hätte ihr erst ’ne Tablette gegeben und dann die Tequilas. Inzwischen gehe es ihr aber besser, der Abend sei gerade interessant geworden und schenkt mir ihr schönstes Lächeln. Volltreffer, sie spricht hervorragend Englisch und das mit einem britischen Akzent. Wenn es einen Akzent bei Frauen gibt, der mich erregt, dann ist es der Britische.
Die nächsten zwei Stunden haben wir geredet, gelacht, die komischen Würfelspiele gespielt und uns angesehen, wie die anderen beiden versuchen Anschluss zu finden. Verewigt habe ich mich auch noch an der Wand, an der es so viele vor mir auch getan haben. Falls jemand mal hinkommt, kann er gerne nachsehen, ob er es findet :) Es war noch unausgesprochen, aber klar, dass ich sie mitnehme. Irgendwann hatten die anderen beiden die Nase voll. Wieder nur Animation, Geld ausgeben und nichts bei rumgekommen. Als beide meinten, dass es jetzt reicht, kurz bei IHR nachgefragt, die 500 Baht Barfee bezahlt und ab. Kurze Nachfrage, auch wenn es nicht wichtig war: 3.000 Baht pro Tag, was exakt den Preisen von 2022 entspricht. Der beste Kumpel wollte sich nicht geschlagen geben, also wieder einmal ins Taipan, wo meine Taschenlampe wieder Ärger macht. Diesmal wird sie mir abgenommen, ich bekäme sie beim Verlassen des Lokals wieder. Beide haben noch einen weiteren Versuch unternommen, fündig zu werden, SIE und ich waren da schon schwer verliebt. Sie wurden wieder nur abgezockt, also Abflug. Am Ausgang bekomme ich meine Taschenlampe zurück und dazu eine Menge Fragen, wo ich sie denn herhätte. Sie scheint dem Türsteher gefallen zu haben.
Mit dem Uber zurück, was wieder endlos dauert. SIE hat das Glück, sofort in Autos einschlafen zu können und ist in meinen Armen eingeschlafen. Bei der Marina angekommen zum Dinghy. WTF! Die Ebbe hat uns ein Schnäppchen geschlagen. Das Dinghy liegt auf dem Boden, das Wasser ist über 50 m weg, der Weg dahin schlammig und rutschig. Die Maus kurz abgestellt und zusammen mit den Jungs das Dinghy bis zum Wasser getragen, dann die Maus abgeholt und sie vorsichtig zum Dinghy begleitet. Für sie völlig aufregend, da sie noch nie auf dem Wasser war und entsprechend Angst hat. Die Jungs machen noch doofe Kommentare, also gibt es eine Ansage. Am Steg angekommen, sie zum Boot geführt, ihr dort alles gezeigt und uns in meine Koje zurückgezogen, nachdem sie noch geduscht hat. Es wurde eine traumhafte Nacht, auch wenn es nicht zum Äußersten kam. Ohne Gummi keine Chance. Der beste Kumpel hätte zwar welche gehabt, darauf hatte ich aber keine Lust. Erstmal richtig kennenlernen und man kann tausend Sachen machen, die sehr viel Spaß machen. Fertig wurden wir beide, sie gleich mehrfach. Zufrieden und glücklich eingeschlafen. Das Warten hat sich gelohnt. Man findet in Thailand immer Perlen, auch wenn es auch manchmal etwas dauert.
Fortsetzung folgt …
Diskutiere über diesen Artikel und teile Deine Erfahrungen mit anderen Lesern!
Beachte bitte die Kommentarregeln!
Wenn Du selbst spannende Themen oder interessante Erfahrungen hast, dann schreib doch einen Gastartikel darüber, natürlich völlig anonym. Unser Gastartikelportal mit weiteren Informationen findest Du hier.
Hast Du auf dieser Seite einen Fehler entdeckt? Auf unserer Fehlerhinweisseite kannst Du uns darauf aufmerksam machen und eine Korrektur vorschlagen.