• 21.09.2019

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Darüber reden wir nicht

karlmarx

» Artikel vom

Natürlich sind die meisten Männer politisch interessiert. Und nun kommt das große Aber. Dürfen wir wirklich offen darüber reden? Nein, ein falscher Zungenschlag oder die Verwendung eines falschen Wortes reicht aus, um an den Pranger genagelt zu werden. Also halten wir alle schön brav unsere Klappe und leben damit zufrieden und glücklich. Besonders deutlich wurde das bei einer Phoenix Sendung über Chemnitz. Da ist ein Fernsehteam in Chemnitz aufgeschlagen und wollte herausfinden, wie die Chemnitzer nun politisch so denken. Dazu ging es in den Biergarten zu einem Fußballstammtisch. Auf die Frage nach der politischen Meinung kam die goldrichtige Antwort der anwesenden Biertrinker, dass es an diesem Stammtisch nur um Fußball geht und über die Politik nicht geredet wird, in der Öffentlichkeit erst recht nicht. Klasse! Das gibt die volle Punktzahl. Die linksgrün versifften Medien haben endlich das erreicht, was sie immer wollten. Sie bestimmen die Inhalte und alle anderen haben ihre Schnauze zu halten. Viele Chemnitzer scheinen nach der Methode „Ich halte mein Maul“ zu leben. Angeblich seien die Chemnitzer nun etwas unterkühlt, wie in der Dokumentation süffisant angemerkt wurde. Man könnte es auch so sehen, dass die Meinungsfreiheit in Deutschland mittlerweile so lädiert ist, dass es besser ist, keine Meinung mehr zu haben.

In diesem Klima werden die Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg sehr spannend werden. Die derzeitigen Umfrageergebnisse werden eher nicht die Realität abbilden. Das ist ein ernsthaftes Problem für die etablierten und anständigen Parteien, die sich seit Jahren nur mit ihrem Bauchnabel beschäftigen. Damit die Wähler ihr Kreuz an der richtigen Stelle machen, wird kurz vor der Wahl mit Geld um sich geworfen. 44 Milliarden Euro soll es für den Kohleausstieg geben, damit das Leben nach der Kohle nicht so hart wird. Ob es der CDU helfen wird, dürfte sehr fraglich sein. Mit der kurzfristigen Ankündigung von Wohltaten lässt sich ein hartgesottener Ostdeutscher nicht bestechen.

Zweifelsfrei gibt es in Ostdeutschland durchaus blühende Landschaften, aber eben nicht überall. Wer sich mal die Mühe macht und nach Dessau oder Bitterfeld-Wolfen reist, der bekommt ganz große Augen. Überall Penner, Asoziale und Abgehängte. So sieht das öffentliche Bild aus. Die bauliche Substanz lässt dort ebenso zu wünschen übrig. Aber das sind bekannte Probleme und keine der etablierten Parteien hat sich jemals für diese Problemstädte interessiert. Da kommen die jetzigen panisch wirkenden Beteuerungen reichlich spät, zu spät. Keine Regierung hat bisher eine echte Wirtschaftspolitik in Ostdeutschland gemacht. Die Folgen sind gravierend. Die Jugend zieht in die wenigen Wirtschaftsmetropolen, nach Leipzig oder Dresden, oder sie geht gleich in den Westen. Damit vergreist der Osten, insbesondere der ländliche Raum. In vielen Dörfern gibt es weder eine Post, noch einen Lebensmittelladen oder einen Dorfpolizisten. So zerfällt alles und es entstehen rechtsfreie Räume. Jeder macht, was er will. Da kommt schnell die Meinung auf, dass die Deutsche Demokratische Republik doch nicht so schlecht war. Was war die Zeit doch schön, politisch sogar recht ähnlich. Auch damals durfte man nicht sagen, was man denkt. Da gibt es zu heute kaum einen Unterschied. Nur haben sich die ungeliebten Marxisten und Kommunistenschweine wenigstens noch um Ruhe und Ordnung gekümmert. Faulpelze wurden zur Arbeit getrieben, Säufer bekamen eine Tracht Prügel mit dem Polizeiknüppel und die Unbelehrbaren gingen zur Erziehung in den Knast. Ja, in der schönen DDR herrschte noch Ordnung. Bei der öffentlichen Sicherheit war die DDR durchaus auf Weltniveau, die Volkspolizei war ziemlich gut aufgestellt. Das soll kein Schwärmen für die Vergangenheit sein, aber als Tatsache ist es durchaus erwähnenswert. Die Sicherheit war in der DDR stets ein ganz großes Thema.

Gewalt ist immer schon ein Problem des Westens gewesen, aber ernsthaft hören will das niemand. Solange die Polizei keine weiterreichenden Rechte erhält, ist und bleibt der Polizist ein Verwaltungsbeamter, der auf Freundlichkeit und Kooperation der Bürger angewiesen ist. Es ist systemisch nicht vorgesehen, dass ein Bürger gegen einen Polizisten Gewalt anwendet. Da liegt der Hund begraben. Der Polizist muss wieder eine Respektsperson werden, in allen Belangen. Dass dadurch hin und wieder ein Unschuldiger eins auf die Fresse bekommt, liegt in der Natur der Sache. Das passiert eben, aber das ist immer noch besser, als jede Menge rechtsfreie Räume zu haben.

Wer sich mit den jetzigen Zuständen beschäftigt, bekommt durchaus Kopfschmerzen. Hinzu kommen die künftigen wirtschaftlichen Probleme. Ob die Krise nun klein oder etwas größer wird, das ist bei der Menge an weiteren Problemen fast schon egal. Tatsache ist, die Krise wird kommen. Das ist im Kapitalismus gesetzmäßig. Die Armut steigt, die Verteilungskämpfe werden zunehmen und damit wird der öffentliche Raum unsicherer werden. Das ist keine Schwarzmalerei, sondern eine schon heute sichtbare Entwicklung. Es ist besser sich auf eine Krise vorzubereiten, denn wenn sie erst mal da ist, dann gibt es keinen Handlungsspielraum mehr. Die großen Konzerne specken jetzt schon langsam ihr Personal ab und der derzeitige Fachkräftemangel wird sich in Luft auflösen. Die richtigen Weichen für sich muss jeder Einzelne jetzt stellen.

Viele mögen schmunzeln, wenn die meisten Artikel im Männermagazin Ballast, Frauen, Kinder, Scheidung, Unterhalt und Kosten behandeln. Vielen wird aber das Lachen vergehen, wenn plötzlich die Kündigung des Arbeitsplatzes ins Haus flattert, die Kreditraten für Auto und Haus nicht mehr beglichen werden können und damit der Absturz droht. Und da stellt sich die Frage, wo die zunehmende Zahl an gescheiterten Existenzen untergebracht werden kann.

Die Politik hat sich komplett verkalkuliert. Die Kommunen haben ihre Sozialwohnungen verkauft, alles privatisiert und das in dem naiven Glauben, dass der Kapitalismus gezähmt ist und nun seine soziale Ader zeigt. Weit gefehlt. Der Kapitalismus macht wie seit eh und je einfach Kasse und mit ihm das Finanzamt sowie unzählige weitere staatlich legitimierte Parasiten. Alle wollen die fetten Gewinne sehen, um daran über Steuern und Abgaben mitzuverdienen. So verrückt ist die Welt.

Es wird vielleicht keinen Zusammenbruch des Systems geben, aber extreme soziale Verwerfungen werden das Leben in Deutschland ziemlich ungemütlich machen. Ob schleichend oder mit einem Paukenschlag, das wird die Zukunft zeigen.

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