• 18.10.2019

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Vaterschaft ohne Zusammenbruch

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» Artikel vom

Nicht nur Frauen, sondern auch einige Prozent Männer wünschen sich Kinder. Sie wollen Vater werden. Der Kinderwunsch ist zwar seltener und schwächer ausgeprägt als bei Frauen, aber er existiert durchaus auch bei mehr oder weniger vielen Männern. Männer, die aber wenigstens minimal denkfähig sind, wissen, welche gigantischen und existentiellen Risiken sie damit eingehen. Nicht nur im Männermagazin und TrennungsFAQ sind die Folgen schon bis ins letzte Bit hinein besprochen und zerlegt worden.

Die mit Vaterschaft einhergehenden Risiken kann man natürlich nicht beseitigen, aber man kann sie senken. Grob aus meinen Erfahrungen mit Trennungen heraus geschätzt würde ich sagen, dass man das Eintreten von üblen Katastrophenszenarien um 90% senken kann, das Trennungsrisiko jedoch nur sehr wenig und das Risiko, dass eine eventuelle Trennung strittig bleibt, um ein Drittel. Das ist besser als nichts, auch wenn annähernde Kontrolle der Risiken eine Illusion bleibt.

Wegen eines gemeinen Tricks der Evolution brauchen Männer dummerweise für die Vaterschaft eine Frau. Bei Frauen reicht es für die Mutterschaft, wenn sie sich eine Samenzelle irgendwo abgreifen, notfalls aus der Samenbank. Grundlegend andere Konzepte, wie das der Zwittrigkeit, beschränken sich auf Tiere wie Schnecken oder Blutegel, nur 15% der mehrzelligen Tierarten sind Zwitter.

Da wir nicht wieder zu Blutegeln werden können, muss erst einmal eine Frau her. Leider ist die einzig sichere Methode der Vermeidung von Katastrophen die Vermeidung von Frau und Kind. Alle Risiken senkt man um 100%, wenn man das Spiel gar nicht erst mitspielt und sich das neue 911er Cabrio anschafft, statt eine Frau, die ein Kind ausbrütet. Wer die Vaterschaft ausschließt und das konsequent unmöglich macht, kann jetzt aufhören zu lesen. Vasektomie, Mönch, Thema erledigt. Der Grundsatzratschlag, nicht mitzuspielen, wurde oft gegeben und soll nicht nochmal durchgekaut werden. Bleiben wir beim anderen Fall: Mann wünscht sich Kinder. Egal aus welchen Gründen. Auch die Gründe sollen hier kein Thema sein.

Was sind nun die wichtigen Punkte, um das Risiko so gut wie möglich zu verringern? Wie verhält man sich? Auf jeden Fall abzulehnen ist Vaterschaft, wenn die Frau, mit der man das plant, bestimmte charakterliche oder psychische Muster aufweist. Häufig sind Frauen schon zu guten Beziehungszeiten als Familienterroristinnen zu enttarnen. Die Quote ist hoch: 30% aller Frauen werden spätestens nach Beziehungsende zu äußerst schwierigen Gegenübern, denen nur noch die Vernichtung des Vaters wichtig ist, auch auf Kosten der Kinderseele, und die keine gemeinsame Elternschaft mehr zulassen können. So viele Trennungen mit Kind bleiben nämlich dauerhaft strittig. Besser identifizierbar werden diese Personen, indem man ihr soziales Umfeld und ihre Position darin betrachtet. Das unterbleibt oft im Rausch der anfänglichen Gefühle oder wird als wenig relevant überspielt.

(1) Wie geht sie mit ihren Expartnern um? Werden sie total ausgemerzt, nur negativ gesehen? Macht sie sich über sie lustig? Kann sie eigene Schuldanteile bei gescheiterten Beziehungen eingestehen? Wenn sie schon Kinder hat: Wie gut ist der Vater-Kind-Kontakt? Dunkelrote Alarmzeichen sind, wenn sie schlimme Geschichten über ihren Expartner erzählt und kein Kontakt besteht. Kriminelle Expartner sind dieselben Alarmzeichen. Sie wird immer auf der Suche nach dem nächsten erregenden Bad Boy sein und damit jede bestehende Beziehung über Bord werfen. Anschließend bejammert sie, dass der Bad Boy sie wie ein Bad Boy behandelt hat, ein uraltes Muster.

(2) Kinderlos ist besser, aber wenn sie bereits Kinder hat, kommt es auf den Grund dafür an. Eine Witwe bekommt damit kein Negativmerkmal, außer ihr Ehemann ist an einer unklaren Vergiftung gestorben. Dann sollte man besser auswärts essen und trinken, falls die Verbindung mal holprig wird. Kinder von mehreren Männern sind ein No-Go. Kinder aus „Unfällen“ sind ein No-Go. Tschüssi, wer bewiesen hat, dass er verantwortungslos mit Hantel-Hakan oder Rummelplatz-Kevin rumgemacht hat.

(3) Wie ist das Verhältnis zu Geschwistern, Freunden, Eltern (vor allem zur eigenen Mutter!), ehemaligen Schulkameraden, Nachbarn? Sieht sie bei bestimmten Menschen nur Positives, tendiert sie zur Schwarzweißmalerei? Wie verhalten sich ihre Eltern? Abwertendes Verhalten ihrer Mutter gegen ihren Vater ist ein starker Risikofaktor, auch dann, wenn sie ihre Eltern deswegen kritisiert. Das schlägt bei solchen Frauen immer um. Fühlt sie sich bei einer Trennung im Stress, wird sie sich mit ihrem Herkunftspack blitzschnell wieder vertragen und alle gemeinsam gehen auf den Vater los.

(4) Ist sie rationalen Argumenten zugänglich? Was sagt sie, wie sie sich bei einer Trennung verhalten würde? Traut sie sich überhaupt, darüber zu sprechen? Persönlichkeit und Charakterbildung sind bei Erwachsenen abgeschlossen, durch Diskutieren ist nichts mehr zu ändern. Also sollte man schon zu Beginn ohne rosarote Brille genau zuhören und rechtzeitig die Konsequenzen ziehen, wenn man mit den Aussagen nicht einverstanden ist. Natürlich wird man auch angelogen oder später handelt sie als Ex ganz anders, wie als Partnerin, klar. Auch diese Taktik hilft ein paar Prozent weit, statt das Problem komplett zu lösen. Denn umgekehrt wird selten gelogen: Dass eine Frau Trennungsärger ankündigt, dann aber in Wirklichkeit handzahm wird, passiert selten.

(5) Wie sieht ihre Biografie aus? Hat sie biografische Brüche erlebt, frühes Verlassen der Herkunftsfamilie, der frühe Versuch, eine eigene Familie zu gründen, um eine heile Familie nachzuholen? Dies kann nicht gelingen, weil das Vorbild dafür fehlt.

(6) Hat sie irgendwelche psychischen Probleme? Starke Eifersucht, Nähe nicht zulassen können, frühere Selbstverletzungen, Geschichten über Missbrauch, „hat viel Schlimmes erlebt“, „Pech mit Männern“? Männer denken dabei in ihrem Hormonschwall oft „zusammen meistern wir das“, „ich gebe ihr Halt und unterstütze sie“ oder „es ist besser bei ihr geworden“. Erfahrungsgemäß auf Dauer trotzdem meistens ein Ticket für die Katastrophe! Diesen Punkt sollte man sehr genau prüfen, ist er doch ein Musterindikator für eine Borderline-Störung. Alles, was nach Borderline riecht: Flieht so schnell und so weit wie möglich, hinterlasst keine Telefonnummer, verweigert euch strikt jedem weiteren, auch kleinsten, Kontakt.

Auch Väter können den Verlauf ihrer Vaterschaft ein kleines Stück weit günstig beeinflussen. Die besten Voraussetzungen für Vaterschaft, die nicht in die Destruktion führt, haben realistische Männer, denen von vornherein klar ist, wie schnell das Vaterglück zu Ende sein kann und trotzdem eine individuelle Vaterrolle für sich wählen, statt Mythen und Medienbilder nachzuleben. Emanzipierte Männer lassen sich keine Lebensentwürfe überstülpen, wie sie gern von Frauen und Medien gefordert werden: Er soll die Bedürfnisse der Frau befriedigen, die mal das Wechseln der Windeln, mal den völligen Verzicht auf Umgang mit dem Kind, mal einen Versorger fordert. Stattdessen sollten Männer auch die positiven Seiten von Elternschaft genießen, solange sie eben dauert, eine gleichwertige Position als Elternteil beim Kind einnehmen, sich die Elternzeit mit der Mutter teilen (VORHER besprechen), unbedingt auch gegen ihren Widerstand und den Widerstand eines Arbeitgebers. Väter meinen oft, „Verantwortung“ übernehmen zu müssen und verbinden damit die Rolle, das Geld für die Familie zu erwirtschaften. Wenn sie akzeptieren, dass die Mutter ihre eigenen Erwerbspflichten vernachlässigt, laufen sie in eine Falle, die bei einer Trennung hart bestraft wird. Väterlicher Einsatz für die Kinder muss generell Vorrang vor Einsatz im Beruf haben – letzteres führt im Trennungsfall unweigerlich zu hohen Unterhaltszahlungen, steilem Absturz und Verlust der Kinder. Vätern wird außer verlogenen Sonntagsreden nichts angeboten, sie müssen es sich mit Nachdruck und gegebenenfalls Tricks nehmen. Je besser sie im Alltag ihrer Kinder integriert sind, desto besser sind ihre Chancen, nach einer Trennung weiterhin für die Kinder da sein zu können. Kaum ein deutsches Gericht wird einem beruflich engagierten Trennungsvater das Aufenthaltsbestimmungsrecht für seine Kinder zusprechen. Wer sich die genannten Voraussetzungen nicht zutraut, sollte Vaterschaft ablehnen und dafür sorgen, dass sie nicht ungewollt eintreten kann, siehe oben.

Schriftliche Vereinbarungen für den Trennungsfall sind juristisch wertlos. Moralisch wirkt so etwas manchmal trotzdem konfliktbremsend. Meistens heißt es allerdings von der Frau „Ich würde niemals fremdes Geld nehmen“ und nach der Trennung „Das steht mir zu!“. Man sollte als Vater trotzdem jedes kleine Prozent zusätzliche Chancen nutzen, die Ausgangssituation nach einer eventuellen Trennung zu verbessern. Außerdem wird damit bereits während guter Partnerschaftszeiten über Themen gesprochen, die eminent wichtig sind, die man aber regelmäßig beiderseits ausblendet.

Vielleicht tröstet es, dass man ohne eine gewisse Schicksalsergebenheit ebenso unglücklich wird. Männer sind zwar die besseren Mathematiker, aber die Folgen von Vaterschaft sind schlicht unberechenbar.

P.


Weiterführender Link: TrennungsFAQ
Ratsuchende Väter finden im TrennungsFAQ-Forum konkrete Hilfe


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