Gastautor: Pancho
TAG 2
Wache morgens auf, schaue mich bei Tageslicht um und bekomme bestätigt: Es ist ein wunderschöner Ort. Mitten im Grünen, der Garten ist riesig und perfekt gepflegt, endlos bunte Blüten, diverse Fruchtbäume, Palmen, usw. Die Vögel Zwitschern und es herrschen angenehme Temperaturen.
Der Hunger ruft, ich habe aber noch nichts im Haus, also rüber zum kleinen Restaurant nebenan. Ein Omelette – gefüllt mit Schinken und Käse – und eine Pupusa mit Käse werden es, dazu Saft und zwei Kaffee für insgesamt knapp 10 USD. Es schmeckt, bin pappsatt und treffe auf dem Weg in die Wohnung den alten Mann, der hier alles am Laufen hält. Er heißt Victor, ist 70 und auch er ist ein sehr netter, offener Mensch. Wir quatschen endlos, er zeigt mir die ganze Anlage, die Wildtiere, die sich hier angesiedelt haben und kümmert sich dann um all meine Probleme. Heißes Wasser gibt es, da ich aber weit oben bin und derzeit alleine in der Anlage, muss ich das Wasser nur entsprechend lange laufen lassen, dann kommt irgendwann das warme Wasser und so ist es auch. Beim WLAN und Fernsehen ist er überfragt. Damit kennt er sich nicht aus. Er ruft jemanden an, der kommt später und kümmert sich. Beim Herd muss man an der Gasflasche ein Ventil öffnen, das ich übersehen habe und schon klappt es. Kurze Zeit später kommt der Helfer, findet an der Seite des Fernsehers die Möglichkeit auf HDMI umzuschalten, Fernsehen klappt wieder. WLAN haben sie jüngst umgestaltet, ich muss nur ein anderes WLAN nehmen und schon gibt es Internet. Perfekt. Die Bleibe gefällt mir. Ja, ich bin vom Schuss, es hat aber was und da ich ein Auto habe, kann ich mich ja jederzeit überallhin frei bewegen. An dem Tag habe ich keine großen Pläne. Erstmal eingewöhnen, draußen etwas spazieren gehen und die nahe Umgebung auskundschaften. Viel gibt es nicht, das nächste Dorf ist ca. 1 km weg, soweit mag ich nicht laufen. Ansonsten steht etwas Arbeit an, die Woche in San Andrés habe ich nur das absolut notwendige gemacht und hole nun das Liegengebliebene nach.
TAG 3
Frisch erholt geht’s heute nach La Libertad. Von dem ersten Erlebnis lasse ich mir nicht die Lust nehmen. Die Fahrt dauert wieder rd. 50 Min. etliches kommt mir bekannt vor und so habe ich Zeit genauer hinzuschauen. Auf dem Weg entlang der Küstenstraße sehe ich ein Schild, das auf einen Strand hinweist und fahre spontan hin. Ein endloser Strand, fast menschenleer, erwartet mich (siehe Artikelbild). Das Meer – wie angekündigt – gut zum Surfen. Mehrere große Wellen nacheinander. Die Wassertemperatur ist perfekt, gehe aber nur etwas rein, da ich ja noch was vorhabe. Auf dem Weg zurück entdecke ich einen kleinen Laden, kaufe dort was zu Trinken und schaue mir die vielen kleinen Beuteln mit Chips & Co an. Entdecke zwei Sachen, die ich mag und frage nach dem Preis. 25 sagt die freundlichen jungen Dame. Ich zucke und frage mit einem Grinsen nach. „25 USD? Für alles im Laden, oder?“ Sie lacht los. Nein, 25 Cent pro Beutel. Passt, kaufe für 5 USD leckere Chips, die ich aus MX kenne und zu meiner Freude: Cacahuates japoneses. Das sind Erdnüsse mit einer Soja-Ummantelung, die seh lecker sind und die ich bisher nur in MX gefunden habe. In COL – habe danach gesucht – gibt es die nicht.
Weiter geht es in das Zentrum von La Libertad, wo ich das Auto vor dem Puerto La Libertad (Hafen) parke und mich wundere, dass das so einfach geht. Dass es nichts kostet wundert mich dagegen nicht. Per Gesetz sind hier öffentliche Parkplätze kostenlos. Laufe hinein und lande schnell im Mercado del mar (Fischmarkt) in dem die Fischer ihren Tagesfang feilbieten. Es ist eine riesige Halle, ein Stand reiht sich am nächsten an und es wird alles angeboten, was das Meer essbares hergibt. Mein Herz schlägt höher, weil ich Fisch liebe und alles hervorragend aussieht. Bekomme Lust einzukaufen, es mit nach Hause zu nehmen und dort zuzubereiten. Bei den Temperaturen und angesichts dessen, dass ich noch ’ne ganze Weile hier unterwegs sein werde, lasse ich es lieber bleiben. Stattdessen kaufe ich an einem kleinen Stand ein Shrimpscocktail, das mit einer der besten war, die ich seit langem gegessen habe. Preis 5 USD. Ein junges Paar neben mir wundert sich, dass ich akzentfrei auf Spanisch bestelle. Der Mann fragt nach, ob ich den kein Ami sei. Kurzes, freundliches Gespräch. In Stichpunkten gegenseitig die Lebenseckdaten ausgetauscht. Es sind COLs und wir stellen fest, dass es hier mehr als cool ist, wünschen uns eine schöne Zeit und jeder geht seines Weges. Klingt komisch, ist aber in Centro-/LATAM völlig normal. Wartet man irgendwo zwei Minuten, quatscht man einfach mit den anderen Wartenden. Gerüchten nach sollen sich schon lebenslange Freundschaften aus solchen Gesprächen ergeben haben.
Weiter geht’s. Es gibt hier sowas, wie eine Mall, die allerdings ganz anders ist, als wir sie kennen. Es sind hunderte kleine Stände in einer mehrstöckigen Halle, wo man alles kaufen kann, was das Herz begehrt. Auch Handyreparaturen sind hier möglich. Hier wird nicht weggeworfen, sondern repariert. Für Deutsche mag das komisch und nicht gerade vertrauenswürdig aussehen, aber es klappt. Andere Länder, andere Sitten :)
Direkt am Peer sind zwei „bessere“ Restaurants. An einem von beiden gönne ich mir den obligatorischen Mojito und mache das entsprechende Bild dazu. Am Ende wurden es zwei Mojitos, das Handy dabei aufgeladen und noch nett mit dem Barmann gequatscht. Das mit dem Mojito ist Tradition und wird in jedem Urlaub so gemacht. Anschließend laufe ich den ganzen Puerto ab, der gesäumt ist von Restaurants, kleinen Läden und am Ende eine Art Freizeitpark für Kinder hat. Alles ist hübsch gemacht und es fällt auf, dass es picobello sauber ist. Nicht mal eine Kippe liegt irgendwo herum. Etliche Einheimische tummeln sich hier, in einem Restaurant gibt es Livemusik.
Von dort aus geht es zu Fuß in die Stadt, also gerade mal eine Straße weiter und auch hier gibt es endlos viele kleine Geschäfte, die alles Mögliche anbieten. Prima, gleich mal eine Powerbank suchen, denn mein uraltes Handy reicht mit Navi, WLAN, BT, Standortdienst, Bilder, Videos, Musik, usw. nicht annähernd für einen ganzen Tag aus. Werde in einem kleinen Laden fündig und erstehe eine Powerbank mit 2000 mAh für 15 USD. Praktisch, sie ist auf 75 % vorgeladen, ich kann also gleich testen und das Telefon laden. Klappt. Die Verpackung lasse ich da, brauche ich nicht.
Anschließend weiter dort spazieren gegangen und an einem anderen kleinen Laden Kaffee und Zucker gekauft. Eigentlich wollte ich nur eine kalte Cola kaufen – an der Küste ist es wirklich heiß – bin aber dabei mit dem Verkäufer ins Gespräch gekommen, habe länger mit ihm gequatscht und dabei den Kaffee gesehen. Muss eh noch einkaufen, damit ich zumindest früh mein eigenes Frühstück machen kann, also warum nicht hier gleich ein paar Sachen mitnehmen.
Warum ich so den Kontakt zu den Menschen dort suche? Ist einfach: Ich möchte wissen, was sie wirklich denken. Was von all dem, was ich gelesen habe, stimmt wirklich? Einige loben El Salvador in den höchsten Tönen, andere sagen, es sei eine Diktatur, Bukele ein mieser Typ, der die Menschenrechte mit Füßen tritt, usw. Es bleibt also nur mit so viel Menschen wie möglich zu sprechen und da sie alle offen und freundlich sind, ergibt sich das sowieso ständig und überall. Ja, sie seien wirklich froh, es wäre aber nicht alles toll, sagt mir der junge Mann im Laden. Bei der Aufräumaktion von Bukele sind wohl auch Leute im Knast gelandet, die nichts angestellt haben und aufgrund von Kontaktschuld dran waren. Sie hatten Verbindungen zu den Falschen und dann hieß es „mitgefangen, mitgehangen“. Wir sind uns einig, dass das natürlich nicht ok ist, wir sind uns aber auch darüber einig, dass die Aufräumaktion – auf das ganze Land gesehen – das Beste ist, was ihnen passieren konnte. Ohne innere Sicherheit ist alles andere zweitrangig und sicher ist es tatsächlich geworden. Was sie extrem schätzen: Mit der Bukele-Regierung wurden alle Politiker ausgetauscht. Die alte Regierung haben sie allesamt gehasst. Sie steckte mit den Verbrechern unter einem Hut und hatte nur ein Ziel: Sich selbst zu bereichern.
Teuer sei es geworden, berichtet er weiter. Ich kann es (noch) nicht einschätzen. Der Mindestlohn läge bei 408 USD, was sich mit der Info von der KI deckt. Kommentiere es nicht weiter, überlege aber kurz, dass meine Bude + Auto zusammen für 14 Tage fast 1.000 USD kosten und wahrlich kein 5* Luxus sind. Der gekaufte Kaffee, dazu je 250 gr. Salz und Zucker kosten mich bei ihm 6 USD. 408 USD kommen mir nicht gerade viel vor und ich frage mich, wie man damit auskommt. Supermärkte seien teuer, sagt er, günstiger wäre es in den vielen kleinen Läden und bei denen, die auf der Straße alles Mögliche verkaufen. Werde ich mir merken. Gefällt mir auch gut, „kleinen“ Leuten zu helfen, als es Supermarktketten in den Rachen zu werfen.
Was ich null auf dem Schirm hatte und von ihm erfahre: die Chinesen! Auch andere berichten von schwerreichen chinesischen Investoren, die hier mächtig auf Einkaufstour unterwegs sind. Diese ganzen kleinen Läden sind meist angemietet, Monatsmiete ca. 1000 USD. Aus dem Nichts tauchen Chinesen auf, sagen dem Eigentümer, er solle den Mieter hinauswerfen, sie würden 3000 USD zahlen. Verhandelt der Eigentümer mit dem Mieter und sie einigen sich auf 2000 USD und lehnt dann der Eigentümer das chinesische Angebot ab, bieten die Chinesen eben 5- oder 6000 USD. Ob es stimmt, kann ich noch nicht sagen. Muss das weiter in Erfahrung bringen. Was ich schon weiß: Immobilien in guten Gegenden sind wirklich teuer. Sollte ich hier ein Appartement kaufen wollen, dürfte es so teuer wie in einer guten dt. Innenstadt werden. Das muss ich aber noch genauer ausloten. Inzwischen frage ich mich, ob ich wirklich direkt an der Küste leben möchte, oder ob es außerhalb auf einem Berg nicht besser wäre. Schon alleine wegen der Temperaturen und dem vielen Grün gefällt es mir auf dem Berg richtig gut, Preise sind dort wesentlich günstiger und wenn das Meer ruft: Es ist ja nicht weit.
Handwerk sei auch ein Problem und sauteuer. Viele Handwerker sind in den üblen Zeiten in die USA (oder sonst wohin) ausgewandert. Jetzt fehlen sie überall und die wenigen, die noch da sind, rufen entsprechende Preise auf. Fachkräftemangel, hier aber echt und nicht wie in Deutschland. Preise nennt er keine, das werde ich aber noch in Erfahrung bringen.
Etwas nachdenklich weitergezogen und weiter die kleinen Läden angeschaut, hier und da Gespräche geführt, Preise und Angebote angesehen, bis es mir so warm war, dass ich genug habe und mich auf den Heimweg mache. Auf den Weg heim noch einen großen Supermarkt gesucht – praktisch, er liegt auf dem Heimweg –, um dort das Nötigste einzukaufen und Preise zu checken = Drei Honigmelonen, zwei Mangos, zwei Avocados, drei Zwiebeln, Limetten, Tomaten, Butter, Käse, Saft, Oliven-Öl (importiert), Pfeffer, Knofipulver, Eier, Tortillas (MX) und Küchenrollen = knapp 50 USD. Stolz. Was es hier nicht gibt: Tempos zum Mitnehmen, also die in den kleinen Plastiktüten. Dafür gibt es Plastikstrohhalme und mächtig viel mexikanische Lebensmittel :) Wie das so ist in diesen Ländern: Hinter der Kasse steht jemand, der einem die Einkäufe in Tüten einpackt, die natürlich nichts kosten.
Meine Einkäufe nach Hause getragen und im Ort vor meiner Bleibe noch angehalten und mich auch noch etwas umgesehen. Eine Wäscherei habe ich schon gefunden ;)
Zu Hause anschließend Ziele ausgesucht, passende Fahrten zusammengestellt, denn ich will in der Zeit hier möglichst viel sehen. El Salvador ist ein kleines Land, flächenmäßig ungefähr so groß wie Hessen. San Salvador ist die einzige Großstadt, alles andere wirkt eher wie Kleinstädte oder Dörfer. Sollte ich mich entscheiden hier leben zu wollen, wird die große Preisfrage werden, wo ich genau wohnen möchte. Nichts gegen Dörfer, allerdings erwarte ich schon eine gewisse Infrastruktur – zumindest ist das der aktuelle Standpunkt – und irgendwas arbeiten will ich ja auch noch. Ob die Fernarbeit für DE Kunden machbar ist? Technisch kein Problem, aber fiskalisch eine Herausforderung, das muss ich also noch klären. Grundsätzlich wäre das eher eine Übergangslösung. Am Ende sollen alle Verbindungen nach DE gekappt werden. Sollte eine Besteuerung auf Basis der Staatsangehörigkeit eingeführt werden, wie die USA das macht – die Grünen hätten das gerne –, will ich die Option nutzen die dt. Staatsangehörigkeit abzulegen. Dann werde ich eben wieder Mexikaner (Die Staatsangehörigkeit ruht derzeit, kann aber jederzeit reaktiviert werden) oder die Zeit reicht, die hiesige zu bekommen.
Fortsetzung folgt …
PS: Auf Bilder und Links von den genannten Orte wird weitgehend verzichtet. Die Namen der Orte, Restaurants & Co sind alle so wie angegeben im Internet auffindbar und dort findet man Infos und Bilder dazu.
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