Gastautor: Andyka

Morgens um 5.30 Uhr erreichte ich durchnässt und verfroren den HBF in Karlsruhe. Meine Laune befand sich auf dem gleichen Niveau wie das Wetter. Zum Glück stand der ICE nach FFM schon da. Ein großer Kaffee und eine Semmel erweckten einigermaßen die Lebensgeister. Zum Glück war die Bahn pünktlich und um 7 Uhr erreichte ich den Flughafen. Was für ein Alptraum: Die Verbindung zum Terminal 2 ging immer noch nicht, eine einzige riesige Baustelle und die Leute irrten im strömenden Regen umher, um den Bus zu finden, der natürlich kaum ausgeschildert war. Am Schalter ging es dann fix, das Monstrum von Koffer abgeliefert, Zoll, Sicherheitscheck, schon stand ich wie gewohnt viel zu früh am Gate. Kurz in Thailand angerufen, und was macht der kluge Mann mit 2 1/2 Stunden? Genau: Musik hören und dabei in einem bekannten profeministischen Satiremagazin gestöbert.

Im Flieger angekommen stellte ich fest, dass ich deutlich zu viel Blut im Alkohol hatte, also erstmal 2 Schampus nachgekippt. Der Plan auf dem Flug den Rausch auszuschlafen misslang, also nochmal ordentlich Portwein nachgekippt und relativ breit in Dubai eingelaufen. Wieder in Thailand angerufen, um schnell gute Nacht zu sagen, dann nach einer Möglichkeit gesucht, die Nacht zu überstehen. Dadurch, daß ich den Flug umbuchen musste, blühten jetzt 12 Stunden am Flughafen. Ziemlich fertig irrte ich in diesem riesen Teil umher, bis sich schlussendlich ein Kofferfahrer meiner erbarmte und mich zur Businesslounge brachte. Dort gabs was zu Essen und zu trinken und ein Sofa ward auch gefunden.

So konnte ich wenigstens ein bisschen die Augen zu machen. Morgens um 9 Uhr gings dann weiter und ich schaffte es tatsächlich, fast den ganzen Flug zu verpennen. Erst kurz vor Phuket wachte ich auf. Im Flughafen dann ein Mordsandrang, klar es war Hochsaison. Die Thais haben das aber wirklich gut im Griff, nach 30 Minuten stand ich an der Security. Hatte doch irgendein Vollhorst im Internet geschrieben, daß das Visum am Flughafen bei der ersten Einreise ohne Belang ist - von wegen: "Your Visa documents please". OK, hab ja alles ausgedruckt im Rucksack, also dem Typ die Mappe mit den Dokumenten überreicht. Der fing an zu blättern und runzelte die Stirn. "Your document for insurance is missing". FUCK, daran hatte ich nicht gedacht. Alle Dokumente gabs ja in Papierform und wurden von mir eingescannt, nur die Krankenversicherung verlief online. Leichte Panik stieg in mir auf, zumal der Akku vom Handy auch noch leer war, also keine Chance auf meine E-Mails zuzugreifen. Der Typ wurde ernster und holte seinen Vorgesetzten. Der Typ schaute erstmal richtig streng aus seinem mit reichlich Lametta dekoriertem Anzug hervor. "Without ypu document for insureance, we cant let you in". Na, das fängt ja super an. "Sir, I'm very sorry about that, I forgot to print. But without insurance, the thai embassy wouldnt release me the visa that you hold in your hands". Der Typ lächelte: "Yes, you are right sir. But when you go to immigration, don`t forget your insurance". Ratsch - Stempel in den Pass, mehr als freundlich verabschiedet. Puh, das ging ja grade noch mal gut, wähnte ich mich doch schon im Thaiknast.

Mein Koffer stand schon am Band bereit und zwei Minuten später betrat ich die Ankunftshalle. Da stand P. vor mir, mit einem kleinen Blumenstrauß und einem riesigen Lächeln. Sie fiel mir um den Hals: "Welcome to Thailand". Meine ganze miese Laune war von jetzt auf gleich verschwunden, ich hatte es tatsächlich geschafft, ich war in Thailand. Schnell den Monsterkoffer ins Auto verfrachtet und ab gings durch das nächtliche Phuket zu meinem neuen Domizil.

20 Minuten später waren wir da. So sah ich meine neue Bleibe das erste Mal in Natura. Das Haus war wirklich schön, geräumig, hohe Decken, große Fenster, nur mit der Inneneinrichtung haperte es. Außer einem Bett, einem Campingtisch mit 2 Hockern, einem 1-Platten Herd und 2 Kisten mit Krimskrams, besassen wir noch nichts. P. hatte nämlich darauf bestanden, gemeinsam die Einrichtung auszusuchen. Sie hatte es sich aber nicht nehmen lassen, einen Weihnachtsbaum aufzustellen, liebevoll dekoriert und die Geschenke darunter verstaut. So saßen wir auf einer kleinen Decke vorm Baum, hörten bei der DuRöhre Weihnachtslieder und freuten uns einfach riesig. Kitschiger gings kaum, Weihnachten bei 30 Grad draußen, aber es war trotzdem schön. Vor allem seit Jahren mal Weihnachten ohne eine Bordi Anfall. P. hatte schon gekocht und so gab es ein leckeres Abendessen am Designer Camping Tisch. Improvisieren können Thais. Die lange Reise machte sich doch langsam bemerkbar, also schnell unter die Dusche, ich muss eh gerochen haben, wie Harald Juhnke nach 'ner 2-Tages Sauftour. Erstaunlicherweise konnte ich noch die letzten Energiereserven aktivieren, um mich zwei Stunden schlimmster Schweinereien zu widmen. Irgendwann um Mitternacht gab es dann den Schlaf der Gerechten.

Das erste Mal nach vielen Jahren konnte ich endlich eine Nacht durchschlafen, um 7.30 Uhr wachte ich auf, von unten duftete es nach Kaffee, aus der Quäke tönte Musik und P. erschien im gewagten Outfit: "breakfast is Ready". Herrlich, es gab ein deftiges Frühstück: scharfe Hühnersuppe mit Gemüse und Nudeln. Saulecker, daß Thais improvisieren können, hatte ich wohl schon erwähnt... 2 Teller Suppe und 2 Tassen Kaffee später waren alle Lebensgeister wieder da und wir planten die nächsten Tage. P. hatte bis 26.12. Urlaub, der auch dringend nötig war.

Neben dem Besuch bei der Immigration standen in erster Linie Möbelhäuser, Küchenstudio und Baumarkt auf dem Programm. Wir fertigten eine Liste mit den Dingen an, die wir am dringendsten brauchten. Nun bin ich so gar kein großer Anhänger von ausgedehnten Shoppingtouren, überraschend war aber, daß wir nach wenigen Stunden die Basics zusammen hatten. Dazu gehörte ein Kühlschrank und eine Waschmaschine, einen Kleiderschrank und ein Sideboard, Esstisch nebst Stühlen und eine Glotze. Der ganze Krempel wurde innerhalb eines Tages angeliefert. Schwieriger wurde es mit Büroeinrichtung. Da nix Passendes zu finden war, wurde online bestellt, was aber auch in wenigen Tagen ankam. Kniffelig wurde es mit der Küche: Auf schwedische Presspappe hatte ich keine Lust, da blieb nur der Gang ins sündhaft teure Küchenstudio übrig. Die Planung und Beratung waren top, aber die Preise vergleichbar mit Deutschland und die Lieferzeiten leider auch. Positiv überraschte mich das Thema Gardinen: Rolläden sind hierzulande wohl unüblich. Fenster und Türen werden mit Gardinen dekoriert. Das ging unkompliziert, die Mitarbeiter der Manufaktur kamen zu uns, ausgemessen, Stoff ausgewählt und einige Tage später fertig zu fairen Konditionen und Top Qualität.
Eines musste ich dann doch zur Kenntnis nehmen: Baumärkte sind in Thailand mindestens genauso Mist wie in der Heimat, es gibt fast nur chinesischen Schrott zu kaufen zu durchaus respektablen Preisen. Z.B. brauchten wir Equipment für den Garten: Schlauch, Gießkanne, Schaufel, was man halt so braucht. Mit ’nem schlechten Gefühl gekauft, was sich in kürzester Zeit bewahrheitete. Nach 2 Monaten den ganzen Plunder in den Müll geschmissen.

Wenn man für längere Zeit in das Königreich einreist, bedarf es, wie bereits in Folge 5 beschrieben, eines Visums. Dazu muss man aber auch sehr zeitnah nach der Ankunft zum sog. "Immigration Office". Entspricht letztendlich unserem Einwohnermeldeamt. Dort geht es darum, daß man seinen Wohnsitz nachweist. Das ist sehr einfach: Kopie vom Visum und Reisepass anfertigen, und dazu eine Bestätigung des Wohnsitzes. Das kann eine Bestätigung seitens des Vermieters sein oder in meinem Fall eine Kopie des Hausbuches. Die ganze Aktion war in 15 Minuten erledigt, man muss es aber alle 90 Tage wiederholen. Spannender wird es dann nach einem Jahr, dann muß nämlich das Visum selbst verlängert werden.

Nach 3 Tagen war das Wesentliche erledigt, das Haus war so langsam bewohnbar und der Alltag kehrte ein. P. musste wieder zur Arbeit und ich machte mich daran, mein Büro einzurichten. Möbel kamen pünktlich, Internet hatten wir schon und ein Drucker/Kopierer stellte sich als hervorragende Investition heraus. Nichts Schlimmeres, als wegen jeder kleinen Kopie zum Copyshop zu müssen, und das braucht man bei Visa-Angelegenheiten oft. Arbeitsplatz war also schnell eingerichtet, VPN in die Firma eine Kleinigkeit, nur die Telefonie war so eine Sache: Da die Kundschaft daheim kaum eine thailändische Telefonnummer benutzen möchte, muss die heimische Nummer bei mir klingeln. Das macht man per VOIP, was technisch eigentlich kein Problem ist. Eigentlich: denn trotz Glasfaseranschluss war die Sprachqualität miserabel. Down- und Upstream liefern zwar ausgezeichnete Werte, aber die sog. Ping-Zeiten sind erbärmlich. Freilich spielt das beim Surfen oder Video Schauen keine Rolle, beim Telefonieren jedoch sehr wohl. Es bedurfte Einiges an Telefonaten mit dem Provider und auch Anpassungen der Firewall in Deutschland, um ein ein vernünftiges Ergebnis zu erzielen. Hat dann aber auch geklappt.

Der Jahreswechsel kam, zu Sylvester wurden wir bei ehemaligen Nachbarn von P. eingeladen. Ein typischer Vier-Generationen-Haushalt. Natürlich wurde aufgetischt, daß sich die Tafel bog. Aber es war schmackhaft und die Stimmung einfach klasse. Zum Nachtisch reichte die Uroma eine große Platte Früchte: Bananen, Mangos, Drachenfrucht usw. Selbstverständlich Alles aus dem eigenen Garten. Voller Stolz berichtete sie über die Mühen und Schwierigkeiten des Anbaus und das phänomenale Ergebnis. im Prinzip habe man umsonst gelebt, wenn man dieses Obst nicht mal probiert hätte. Später kam noch ein weiterer Nachbar auch mit selbst gezogenem Obst, den Inhalt des Berichtes könnt Ihr Euch denken... Insgesamt war das ein wunderschöner Abend und ein entspannter Start in 2025. Den Neujahrsmorgen verbrachten wir mit einem Picknick am Strand: Das hat schon was im Winter bei 30 Grad draußen frühstücken. Es folgte ein entspannter Tag, der mit dem Konzert der Wiener Philharmoniker einen gebührenden Abschluss fand. P. fragte mit leuchtenden Augen, ob wir da mal hinkönnen, puh, das wird schwer...

Das neue Jahr begann, wie gewohnt, mit reichlich Arbeit und zeitnah stellten sich die ersten Probleme ein: Als da wäre die Krankenkasse in D. Zwar teilte ich der Techniker-Kasse im vergangenen Jahr mit, daß ich auswandere und nur noch beabsichtige stundenweise zu arbeiten, hatte aber in der Hektik übersehen, daß die gar nicht reagiert haben. Das Ergebnis: Es wurde weiterhin der Höchstbetrag von ca. 1050 Euro abgebucht. Dort angerufen, Trulla am Telefon, ja, ich soll mal meine Steuererklärung denen zusenden, dann würde das geprüft. HALLO???!? Ich rede über 2025, nicht 2024! Jaja, schicken Sie mir das mal…. TRULLA!!! AUFWACHEN!! Keine Chance. Es ist halt so: wenn man in D gemeldet ist, kommt man um die Krankenkasse nicht herum, Gleiches gilt für die GEZ. Auf den Deal, die Krankenkasse ruhen zu lassen, wollte man nicht eingehen. Abmelden war auch keine Option, da ich in D eine kleine Erwerbsminderungs-Rente bekomme, die ginge dann flöten. Ende vom Lied: mit meinem Nachfolger gesprochen, Arbeitsvertrag gemacht und zurück ins Angestelltenverhältnis. Jetzt habe ich mich 20 Jahre um Sozialversicherung gedrückt und dann DAS ....

Der nächste große Schritt war der Umzug. Hier gibt es 4 Möglichkeiten:

Erstens: Man lässt es ganz bleiben, das ist preiswert und stressfrei. Dazu muss man halt alles verscherbeln, was man hat.
Zweitens: Umzug per Post. Wenn man nur wenige Dinge behalten will und es sich dabei um keine Ming-Vasen handelt, eine sehr gute Option.
Drittens: Umzug mit einer 6 qm großen Holzbox, die dann in einen Sammelcontainer kommt. Wird per Spedition gemacht und ist vergleichsweise günstig.
Viertens: Umzug per Container. Professionell, sicher und sauteuer.

Meine Option war die Nummer 3. Meine Schallplatten waren mir heilig, Stereoanlage und mein Werkzeug. Alles diese Dinge waren nicht neu zu beschaffen und in Thailand schon 3 x nicht. Also nach Spedition gesucht und gefunden. Die wollten eine genaue Liste mit Fotos der Sachen, die verschickt werden sollten. Ich hatte ja alles vorbereitet und auch schon verpackt. Denen gesendet und prompt einen Strich durch die Rechnung bekommen. Das Regal für die LPs war 10 cm zu groß. Wat nu? Die LPs wiegen etwa 2 Tonnen, dazu ein passendes Regal in Thailand zu finden schien schwierig. Also in den sauren Apfel gebissen und einen Container gebucht. Dieser war natürlich viel zu groß. Also schnell noch meine Freunde daheim aktiviert um noch ein paar zusätzliche Dinge zu verpacken, die ich eigentlich erst in ein paar Jahren holen wollte. Unterm Strich hat das aber super geklappt, die Spedition war absolut professionell. Pünktlich, bestens verstaut und sauber per Digicam dokumentiert. Nur die Lieferzeit war so eine Sache: geschlagene 3 Monate hat das gedauert.

Inzwischen stellte sich heraus, daß am Haus noch ein paar Dinge zu erledigen waren: Zum Einen waren in der Küche zu wenig Anschlüsse und diese auch am falschen Platz und zu Anderen fehlte die Regenrinne und ein Vordach über Carport und Terrasse. Mit schlimmen Vorahnungen, was Handwerker in Dumpfland betrifft, war die Überraschung groß:
P. telefonierte mit einem Installateur. Der kam am selben Tag und am nächsten Morgen lag das Angebot vor. Um es kurz zu machen: Pünktlich geliefert, Top-Arbeit, für 60 qm Dach auf Edelstahlgerüst, 50 m Dachrinne, einen Haufen Steckdosen + Wasserleitungen und etwa 100 Mannstunden 1800 Euro. Erledigt nach etwa einer Woche. Meine Begeisterung mag der geneigte Leser zwischen den Zeilen erahnen. Nach 8 Wochen kam dann auch die Küche. Auch hier TOP Arbeit. Sieht aus wie geschleckt, alles pünktlich und so, wie wir es uns vorgestellt hatten.

Der Container mit meinem Krempel war inzwischen am Kap der Guten Hoffnung vorbei geshippert, machte ein paar Stopps in Indien und Malaysia und erreichte laut Seeradar endlich den Hafen in Thailand. Wohl war mir bei der Sache nicht: So viel empfindliche Sachen und dann die hohen Temperaturen, der Seegang und zu guter Letzt: was wird der Zoll sagen? Oje, wenn das mal gut geht. Kurz darauf meldete sich der Spediteur, der Container wartet beim Zoll auf seine Abfertigung, dazu bräuchte man meinen Pass. WTF!!! Er ließ sich auf keine Diskussionen ein, Kopie würde man nicht akzeptieren, die Alternative, ich könne persönlich vorbeikommen und meinen Pass da abgeben, dauert ne Weile. Ich spielte zuerst mit dem Gedanken da hin zu fahren, aber in Bangkok ein paar Tage ohne Pass? Also zähneknirschend den Pass per UPS Priority dahin geschickt. Wurde auch am nächsten Tag bestätigt und es kam auch prompt die Rechnung vom Zoll: etwa 300 €. Die hatten zwar eine Liste der Sachen im Container, hatten da aber so gar keine Lust sich derer anzunehmen und haben den Container einfach gewogen und daraus den Preis ermittelt. Großes Aufatmen. Alles klar, Ihr Container kommt übermorgen, der Fahrer bringt Ihren Pass mit. So war es dann auch. Um 8 in der Früh kam ein LKW, Pass ausgehändigt, Container auf, alles prima. 6 kleine Helferlein luden das Teil aus, halfen mir sogar die schweren Sachen in den 1. Stock zu bringen, ich war sichtlich erleichtert und heilfroh.

Beim Aufbau des großen Regals stellte sich heraus, daß ich das alleine nicht schaffe, da muss ein Schreiner her. Also P. wieder ans Telefon, der Haustechniker einer ihrer Betriebe, der könne auch schreinern. Am nächsten Samstag stand der mit einem Kumpel auf der Matte und 4 Stunden später stand das Regal. 60 € wechselten den Besitzer, worüber man mehr als froh war, natürlich mit dem Hinweis, daß wenn wir mal wieder Hilfe bräuchten ja gerne anrufen könnten. Ich ahnte noch nicht, daß das sehr bald der Fall sein sollte.

Es fehlte nämlich noch ein solider Tisch für meine Messgeräte. Die sind recht schwer und was wir so in den Baumärkten fanden konnte wenig Begeisterung hervorrufen. Den Müll aus China können die behalten. Also Schreiner angerufen, ob der sowas bauen könne? Na, und ob! Skizze gemacht: großer schwerer Tisch, Massivholz und 3 Schubladen. Ob ich mit 350 € einverstanden wäre? Ja, so grade eben... Voller Begeisterung ging der ans Werk und sendete Fotos vom Fortschritt. 2 Wochen später wurde geliefert: Der Tisch wiegt etwa 150 kg und hat eine 6 cm dicke Massivholzplatte. Wieder TOP Arbeit und pünktlich. Begeisterung meinerseits und große Freude seitens des Auftragnehmers ob des fetten Auftrags.

Tja, jetzt war alles fertig, das Leben verlief in normalen Bahnen, das Haus schön eingerichtet, da stellten sich Probleme ein. Dazu gleich 3 an der Zahl.

Das erste Problem stellte sich in Form unseres Nachbars dar: Eine russische Tunte, dessen Lebensinhalt darin bestand, sich nachts von einem Ladyboy die Rosette pflügen zu lassen und tagsüber draußen einen Joint nach dem Anderen zu dampfen. Nun habe ich weder gegen Schwule noch gegen Kiffer etwas, nur war der Typ echt krank. Der hustete im Minutenrythmus und das von morgens bis abends. Gutes Zureden, die Empfehlung mal einen Arzt aufzusuchen oder auch ernste Worte, es half alles nichts. Auch die Security fühlte sich nicht zuständig. Aber der Kerl ging mir auf den Sack. P. wusste zum Glück Rat: Biologische Kriegsführung; Sie ging zum Markt und kaufte eine große Tüte Chilischoten. Auf unserer Terrasse den kleinen Ofen aufgestellt, Chili rein, höchste Stufe und Tür zu. Keine 3 Minuten später hatte sich der Kerl in seine Hütte verbarrikadiert. Der Rauch von gerösteten Chili ist effektiver als Tränengas, hält kein Mensch aus, ist zudem legal und preiswert. 6 Wochen und etwa 30 Pfund Chili später zog der Arsch aus, tja, daß Thais pfiffig sind erwähnte ich ja schon.

Aber prompt kam Problem Nummer 2 und das war schon ernster: Beim Putzen meine P. "schau Dir mal die Fußleisten an." Die sahen merkwürdig aus, aufgequollen, als hätte es reingeregnet. Beim näheren Betrachten stellte sich heraus, daß es sich nur um einen visuellen Effekt handelt, sondern daß zu dem auch noch deutlich Knabber Geräusche vernehmbar waren. Der Kammerjäger bestätigte meine Vermutung: Termiten. Wir konnten uns nicht vorstellen, woher die kamen, das Haus war dicht, von außen war auch nichts zu sehen und sauber war auch alles. "Tja" meinte er "die habt Ihr mit Euren Fußleisten gleich mit gekauft" Das Zeugs ist ein ganz billiger Dreck aus Pappe und Holzabfällen, da sind die neuen Untermieter gleich als Larve vorhanden. Da half alles nix, die ganzen Leisten raus und auf den Müll. Reichlich Chemie und wieder meinen Freund Schreiner angerufen. Der verlegte 50 lfd. Meter Massivholzleisten und der Spuk war vorbei. Seitdem kommt der Kammerjäger 1x im Monat, schaut sich Innen und Außen alles an und sprüht bei Verdacht. Termiten sind so ziemlich das Ätzendste, was einem hier widerfahren kann, achtet man nicht peinlichst darauf, mampfen die einem die Bude unterm Hintern weg.

Das dritte Problem war auch wieder natürlicher Art: P. hatte mittlerweile liebevoll unseren Garten eingerichtet und hinterm Haus ein garantiert CO2-unneutrales Steinbeet angelegt. Richtig schön, mit kleinem Brunnen, Kräutern, Blumen, einfach Klasse. Kaum war der Garten eingerichtet, traf uns am nächsten Morgen der Schlag: Verwüstet und von vorne bis hinten vollgeschissen. Die Ursache war schnell klar, die hiesigen Katzen freuten sich wohl über ihr neu eingerichtetes WC und hatten Gebrauch davon gemacht. Jetzt hatte ich auf diese Drecksbiester immer schon einen Hals geschoben, aber jetzt steigerte sich das in blanke Wut. Mein Ansinnen, eine Knarre zu kaufen und die Biester abzuballern stieß auf keine große Begeisterung. Eine Steinschleuder tat es aber auch. P. hatte die fortan griffbereit und immer wenn sich ein Vierbeiner den Fehler machte, unser Grundstück zu betreten, setzte es eine dicken Kiesel in den Arsch. Das merkten die sich wohl. Zudem installierten wir noch 2 starke Ultraschallsender, seitdem ist es besser, aber ganz los wird man die Viecher wohl nie.

Nein Monate waren jetzt vergangen und es kam der Tag, vor dem sich viele Auswanderer fürchten: Das Visum mußte verlängert werden. Wie bereits im Artikel zuvor erwähnt, zählt da nicht der Tag der Einreise, sondern das Datum des Visums, und das hatte ich aus Unwissenheit zu früh bestellt. Im Prinzip braucht man die Gleichen Dokumente, wie beim ersten Antrag und zusätzlich noch ein Statement von der Bank und eine Wohnbescheinigung. In diesem Fall wieder das sog. Hausbuch. Ich habe mir sorgfältig einen Ordner mit den Dokumenten angelegt und von allem bereits 2 Kopien angefertigt. Das macht den Besuch bei der Immigration deutlich einfacher. Also hin gefahren, dort gibt es dann noch die nötigen Antragsformulare (kann man auch vorher runterladen), Nummer ziehen und warten. Nach 20 Minuten wurde ich dann hineingerufen und vor mir saß ein 35-kg-Feger mit mehr Lametta an der Uniform als Titten dahinter. Die schaute mich dermaßen streng an, ich war mir sicher, daß die einen Arschfick mehr als zu schätzen weiß. Ich behielt meinen Verdacht aber lieber für mich, das wäre bestimmt ins Auge gegangen. Sie blätterte ewig in meinen Unterlagen, kritzelte darin herum und schaute immer strenger. "We need to keep your passport until tommolow, you can pick up youl visum next day." Fuck!!! Schon wieder ohne Pass! Was sollte ich machen? Widerspruch wäre nicht zielführend gewesen, also zähneknirschend von Dannen gezogen. Zum Glück ging es aber gut, am nächsten Morgen lag mein Pass schon bereit und nach 5 Minuten war ich wieder draußen. Große Erleichterung machte sich bei mir breit.

Nun lebe ich gut ein Jahr hier, der Start war nicht einfach und es wurden reichlich Fehler gemacht. Eine Bilanz über die Vor- und Nachteile, eine Aufstellung der Kosten und ein Fazit lest Ihr im 7. und letzten Teil.



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