Gastautor: Pancho
TAG 10
Heute steht Jetski Fahren auf dem Programm, und zwar richtig. Auf dem Meer geht das nicht. Der Pazifik ist dazu einfach zu heftig. Man würde vermutlich bei den Wellen gar nicht erst herauskommen, weswegen Jetski nur auf Seen und auf Flüssen angeboten wird. Nach gründlicher Suche entscheide mich für Costa del Sol. Bei El Zapote gibt es mehrere Flüsse, die im Meer münden und der perfekte Ort für Jetskifahren ist. Finde schnell das passende Angebot: 3h geführte Tour und buche online. 250 USD sind zwar happig, woanders – auch in San Andrés – ist/war es nicht günstiger. Scheiß’ drauf, ich habe Lust darauf, also wird es gemacht. Die Fahrt dahin sind 62 km, GMaps sagt 1,5h, also bin ich früh aufgestanden, habe gefrühstückt und mich fertig gemacht. Meine Tour ist für 11:00 terminiert, daher um 8:45 losgefahren. Die Fahrt geht schneller als erwartet, weil rund 2/3 davon zwei- oder dreispurige Autobahn sind und ich um die 110 km/h fahren kann. Viel mehr geht nicht, weil das a) mein Auto bei ständigem Rauf und runter nicht hergibt und b) Autobahnen in El Salvador nicht mit denen in DE vergleichbar sind. Hier fahren auch deutlich langsamere Fahrzeuge herum und Busse halten einfach an, weswegen alle links fahren.
Die Fahrten gestalten sich also zu Slalomfahrten bei dem man versucht den Schwung mitzunehmen. Zumindest ich, weil mein Mietauto recht schwach auf der Brust ist. Notiz an mich: Nächstes Mal was Größeres mit mehr PS buchen, am besten mit Allradantrieb. Baustellen, davon gibt es viele, denn es wird ohne Ende an der Infrastruktur gearbeitet, sorgen hier und da für entsprechende Staus. Auffällig ist, dass an allen Baustellen eifrig gearbeitet wird, also nicht wie in Deutschland, wo man nur sehr, sehr selten Leute an AB-Baustellen arbeiten sieht. Auffällig, wie locker die Menschen die Baustellen und die Staus hinnehmen. Wird wohl daran liegen, dass man den Fortschritt sieht und weiß, dass es bald vorbei ist und einem am Ende zugutekommt.
Punkt 10:00 bin ich am Treffpunkt angekommen und es ist tot. Ein Schild an einem leicht geöffneten Tor zeigt mir, dass ich richtig bin, also laufe ich rein, rufe, bekomme keine Antwort, mache das Tor auf und fahre mit dem Auto bis ans Wasser und parke dort an einer schattigen Stelle. Erstmal umsehen und eine rauchen. Bin ja viel zu früh da. Irgendwann taucht ein junger Mann auf. Begrüße ihn und sage ihm, dass ich die Reservierung für 11 Uhr habe. Er ist etwas erstaunt und ruft irgendwo an. Ja, alles klar, da käme gleich wer. Rund 15 Min. später kommt ein anderer junger Mann, sehr nett und höflich und erzählt mir, dass sie heute eigentlich zu haben. Sie hätten diese Woche Tage getauscht, weil so viel los war und vergessen die Webseite entsprechend anzupassen. Es sei aber kein Problem, ich bekäme meine Tour. Während ich noch bezahle, holt ein älterer Herr mit einem Traktor + Anhänger zwei Jetski aus einer Garage und fährt die Richtung Wasser. Der nette Mann sagt, ich hätte 3h Tour ohne Guide gebucht, es reiche, wenn ich mich 15 Min. vor Ende melde, wenn ich auf dem Weg zurück bin. Ähm, eigentlich habe ich eine geführte Tour gebucht und zeige ihm die Bestätigung. Es ist klar, er hat keinen Bock, werde aber nicht darauf bestehen, dass jemand mitgeht. Alleine ist es viel besser, weil ich dann tun und lassen kann, was ich möchte. Das merkt er auch an und wir sind uns sofort einig. Bekomme eine schnelle Einweisung und grobe Infos, wohin ich fahren kann und was es dort gibt. Achtung vor den Sandbänken, da bleibt man schnell hängen, gibt er mir noch mit. Ok, verstanden, Schwimmweste an (ist vorgeschrieben, stört aber nicht) und Punkt 11:00 starte ich. Es macht einfach Spaß. Das Wasser ist spiegelglatt und die Kiste rennt 45 km/h. Es sind andere Boote und Fischer unterwegs, deren Wellen kann man zum Springen verwenden, was ich ausgiebig mache. Man kann auch enge Kreise drehen und dann über die eigenen Wellen springen. Nach kurzer Zeit habe ich mich an den Jetski gewöhnt und genieße die Fahrt zwischen Mangroven und habe nun Zeit mir die wunderschöne Umgebung genauer anzusehen. Es gibt u. a. edle Anwesen mit eigenem Steg und amtlichen Booten. Auch keine Marinas, ebenfalls mit teuren Booten bestückt. Es gibt aber auch einfachere Stege, wo die Fischer anlegen (siehe Artikelbild). Dort entdecke ich etwas, dass mich verblüfft. Übersetzt: „Möge Gott dir ewiges Leben schenken Nayib Armando Bukele“
Irgendwann komme ich an die Stelle, an der es zum offenen Meer geht. Von ruhig ist keine Rede mehr. Bin noch weit weg, man merkt aber, dass es ab hier heftig wird. Links und rechts wunderschöne Sandstrände mit kleinen Hütten, wo man zum Teil etwas zu Essen und zu trinken bekommt, also angelegt, mir ein Bier geholt und mir das Wasser Richtung Meer sehr genau und lange angeschaut. Gut, dass ich auf eigene Faust unterwegs bin, kann mir nicht vorstellen, dass mich ein Guide – außer er ist wirklich cool – dort hin lassen würde. Genug gesehen, meine das Wasser – endlose Fahrten bei den Segelturns und einem guten Lehrer sei Dank – richtig gelesen zu haben und ein Bild zu haben, wie dort die Strömungen und der Wellengang verläuft. Es sind immer drei gleichzeitige Wellen. Die vorderste eher klein, die nächste dann schon größer und die dritte heftig. Die Farbe sagt mir, dass es tief genug ist – habe ja eh kaum Tiefgang – und dass keine großen Brocken am Grund liegen, denn die würden – sofern nicht tief genug – Verwirbelungen erzeugen, die man bei genauerer Betrachtung sieht.
Packe meine Sachen und taste mich zunächst vorsichtig Richtung erste Wellenfront. Mein Bild wird bestätigt, der Wellengang ist aber stärker als erwartet. Weiter, das Fahren wird langsam zum Bullenreiten und macht endlos Spaß. Erste Wellenfront überwunden. Es wird richtig heftig aber machbar, also weiter zur Zweiten. Diese zu überwinden erweist sich als harte Arbeit und ich muss zusehen, nicht abzufliegen. Zwischen zweite und dritte Wellenfront tobe ich mich aus. Die Wellen dort sind toll und es ist wie in einem Quirl. Ich habe einfach nur Spaß. Die Dritte anzugehen kommt nicht infrage. Das wäre einfach nur verrückt und der Abflug – und wer weiß was noch – unvermeidlich. Als ich merke, dass die Kräfte schwinden, fahre ich wieder zurück, wo es ruhiger ist. Die erste Wellenfront kommt mir jetzt easy vor. Wow, das hat Laune gemacht. Zurück an Strand, eine rauchen und etwas ausruhen. Inzwischen sind rund 2h vergangen, ich habe also noch Zeit und fahre noch herum. In den Sandbänken – von denen es wirklich viele gibt – sind Hütten auf Stelzen, viele davon sehen aus wie kleine Restaurants [Anmerkung: Auf dem Schild steht Mc Dorados's LOL], sie sind aber verweist. Tja, und wie es so ist, bin auf einer Welle zu nahe an die Sandbank, die Welle geht zurück und Zack hänge ich fest. Aufgelaufen. Fuck! So eine Scheiße! Versuche krampfhaft den Jetski da herauszuholen, es klappt aber nicht. Das Teil ist zu schwer und das Wasser zu niedrig. Auch das Abwarten auf die nächsten Wellen hilft nicht wirklich. Toll! Ebbe setzt ein. Was nun? Schreibe dem Anbieter, er meint, ich solle ihm den GPS-Standort schicken, da sehe ich zwei Fischer, die auf mich zukommen, anlegen und einer zu mir läuft, um zu helfen. Schreibe dem Anbieter nur kurz, dass gerade Hilfe eingetroffen ist und ich mich melde, falls es nicht klappt. Der Fischer bestätigt: Ebbe. Mit vereinten Kräften schaffen wir es nur den Jetski etwas zu bewegen, es reicht aber nicht. Als der zweite Fischer dazukommt, geht es besser und Dank einer freundlichen Welle schaffen wir es endlich. Die Fischer sind schon auch dem Weg zu ihrem Boot, als ich sie gerade noch aufhalten kann. Logo, dass ich mich bedanken will und ein Goodie soll es auch geben, also mühsam aus der wasserfesten Handyhülle einen 20 USD Schein gekramt und übergeben. Dem Fischer ist es peinlich. Sie haben nichts für ihre Hilfe erwartet.
Melde Entwarnung an den Anbieter und habe den Eindruck, dass er einfach nur froh ist, nicht herausfahren zu müssen, um mich zu retten. Nach Schäden fragt er nicht.
Mache mich auf den Weg zurück Richtung Ausgangspunkt, komme daran vorbei, habe aber noch 30 Min. Zeit, also in die Gegenrichtung noch etwas weiter. Zwei Fischer haben ein riesiges Netz ausgeworfen um das ich vorsichtig und langsam herumfahre, nachdem sie mir signalisiert haben, dass es ok ist. Weiter geht’s. Bald bemerke ich, dass hier nicht mehr viel kommt und zudem es arg seicht wird. Bevor ich wieder irgendwo hängenbleibe, fahre ich zurück und mache Zwischenstopp bei den Fischern, drehe Kreise im Standgas und frage, wie es denn läuft, sie ziehen das Netz gerade ein. Nicht gut, sagt er, nur ein paar kleine Fische. Hm, blöd. Bleibe dort bis sie das ganze Netz eingeholt haben. Kein guter Fang. Reden noch etwas mit ihnen, wünsche viel Erfolg beim nächsten Mal und gebe dem Anbieter Bescheid, dass ich zurückkomme.
Als ich ankomme, fährt der alte Mann schon mit dem Traktor den Anhänger ins Wasser und gibt mir Zeichen auf den Hänger zu fahren. Leicht ist das nicht, denn direkt daneben ist das andere Jetski und man sieht den Anhänger unter Wasser echt schlecht. Es klappt aber auf Anhieb und ohne gegen das andere Jetski zu fahren. Er macht es fest und fährt uns aus dem Wasser. Wollte vorher absteigen, er meinte aber ich solle auf dem Jetski bleiben. Bedanke mich bei ihm, ziehe mich um, schreibe dem Anbieter, dass es toll war und bedanke mich auch bei ihm. Warte noch, ob eine Antwort kommt, die darauf hindeutet, dass es Ärger wegen der Strandung geben könnte. Nichts dergleichen, er freut sich, dass es mir gefallen hat, bittet mich ggf. eine Bewertung Online abzugeben und wünscht mir einen schönen Tag.
Hat es sich rentiert? Aber sowas von. Das war einer meiner besten Jetski-Touren überhaupt.
Bin geschafft, mache mich direkt auf den Heimweg, gehe aber noch Flautas bei meinem Mexikaner um die Ecke essen und werde dort schon fast wie ein Familienmitglied begrüßt. Die Tochter kam aus der Schule, sitzt an dem Tisch vor der Küche und fängt an ihre Sachen zu packen, als ich Anstalten mache, mich dorthin zu setzen. Bremse sie, sage, dass alles ok ist, mir ein Eckchen reicht und frage, was sie für Hausaufgaben macht. Sie ist überrascht, da aber aus der Küche keiner reagiert, geht es wohl in Ordnung, sie bleibt sitzen und zeigt mir, was sie für Aufgaben zu lösen hat. Frage, wie denn die Schule sei. Toll, sagt sie, zwar etwas baufällig, aber die Regierung modernisiere derzeit alle Schulen und ihre sei bald dran. Ja, sage ich, habe davon gehört und dass ich das fantastisch finde. Als meine Flautas serviert werden, frage ich sie, ob sie auch was essen möchte. Nein Danke, sie hätte vorhin schon gegessen, also lasse ich mir meine Flautas schmecken, während sie weiter ihre Hausaufgaben macht. Irgendwie fühle ich mich hier immer mehr Zuhause.
Von dort aus ist es nur noch einen Katzensprung nach Hause. Dort angekommen geht’s direkt unter die Dusche, darin nebenbei zwei Shirts gewaschen und erledigt ins Bett gefallen.
TAG 11
Ist wieder Ruhetag und es werden weitere Pläne geschmiedet. Das Wetter ist top, also in den wunderschönen Garten mit Notebook gesetzt. Morgen gibt’s noch was, was ich unbedingt machen möchte und das wird auch eine Zwei-Tages-Tour, also nach einer Bleibe und einem Anbieter gesucht, Weg dahin abgeklärt und alles gebucht.
Fortsetzung folgt ...
PS: Auf Bilder und Links wird weitgehend verzichtet. Die Namen der Orte, Restaurants & Co sind alle so wie angegeben im Internet auffindbar und dort findet man weitergehende Infos dazu. Bilder gibt es dort auch reichlich.
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