Gastautor: Pancho

TAG 8

Wache gut gelaunt auf, die Sonne scheint, will duschen, aber ach. Das Wasser kommt sehr dunkel aus der Leitung. Es stinkt nicht, also vermute ich, dass irgendwas übergelaufen ist und Meereswasser hinzugekommen ist, das voller dunkler Vulkanpartikel ist, was die Strände hier dunkel färbt. Duschen möchte ich damit aber auch nicht, auch weil es nur kaltes Wasser gibt.

Frühstück ist gut und typisch El Salvador. Eier nach Wunsch und wie es hier so Brauch ist, mit schwarzen Bohnen, Käse und Toastbrot (oder Pupusa). Der Kaffee ist verdammt gut, der O-Saft frisch gepresst. Passt. Nach dem Frühstück packe ich meinen Kram zusammen und checke aus. Ich muss noch 7 USD zahlen. 6 USD für den Mojito und 1 USD, weil ich Schinken für die Rühreier dazubestellt habe. Los geht’s, denn es geht weiter nach El Zonte (siehe Artikelbild). Das ist im Prinzip eine deutlich kleinere Variante von El Tunco und nur 15 Min. entfernt. Das schaue ich mir auf jeden Fall an. Eintritt muss man nicht bezahlen und parken kann ich irgendwo auf der Straße. Laufe zum Strand, der ist wesentlich schöner ist, weil Sandstrand statt Steine. Etliche Surfer sind schon draußen. Schaue es mir an, da melden sich die natürlichen Bedürfnisse. Die Großen. Die wenigen Restaurants sind leer, Toiletten sehe ich keine, also nutze ich den alten Trick, der immer funktioniert, wenn man eine Touri-Fresse hat. Man marschiert einfach selbstbewusst ins nächste bessere Hotel, als wäre man Gast dort. Beim Laufen hält man unauffällig Ausschau nach Toiletten, findet die auch und das Problem ist gelöst. Keiner wird einen aufhalten. Ich habe mich auf diese Weise schon an den Strand von besseren Hotels gelegt, sogar Drinks konsumiert (gegen Barzahlung) und noch nie hat jemand nachgefragt. Der Pool vom Hotel sieht nett aus, es ist heiß und ich spiele mit dem Gedanken dort reinzuhüpfen. Unter der Hose habe ich eine Badehose an, weil ich sie bei der nächsten Station brauchen werde, verwerfe aber den Gedanken.

Weiter geht es nach Tamanique und dort zu den bekannten Wasserfällen (Cascadas de Tamanique). Nach etwas Suchen komme ich dort an, wo ich den Eingang vermute. Ein freundlicher Mann hält mich auf, wünscht mir einen guten Tag, stellt sich mit Namen vor und erklärt mir, dass das so nicht funktioniert. Man kann nur in Gruppen mit Guide hin, ich muss also zum Tourismus-Büro und das dort klarmachen. Bin wieder erstaunt über die Freundlichkeit, bedanke mich und gehe wie angewiesen, wo ich erfahre, dass es eine rund drei Stunden lange Tour ist. Uff, ganz so viel wollte ich eigentlich nicht. Dachte, das ist eine überschaubare Tour, bisschen plantschen und das war’s. Ich könne auch vorher zurück sagt er, also die 8 USD gezahlt und mich in die Liste eingetragen. Andere Touristen, vor allem Amis sind da, dazu drei Salvadoreñas, die auf wichtig machen und nur Englisch sprechen und ein junges deutsches Paar, geschätzt auf Anfang 20. Es dauert eine halbe Ewigkeit, bis es endlich losgeht, was mir aber Gelegenheit gibt, Getränke und Snacks einkaufen zu gehen, denn es gibt nur am Anfang der Tour einen kleinen Laden, in dem man was kaufen kann.

Wir werden auf die Pritschen von zwei Pick-Ups verfrachtet und zur Basisstation gefahren, von der es aus nur noch zu Fuß weitergeht. Die Fahrt dahin ist heftig. Die Straße kaum vorhanden und alle die – auch ich –, die am Rand sitzen haben Mühe nicht vom Pick-up zu fallen. Tief hängende Äste machen das Spiel spannender. Wir sind aber alle guter Laune und machen Witze. Endlich angekommen gibt’s eine kurze Einweisung. Es gibt vier Wasserfälle, von denen wir drei besuchen werden. Der zweite ist derzeit gesperrt. Zunächst müssen wir eine ganze Weile zur zweiten Basisstation laufen. Der Weg wird nicht einfach, weil rund hundert Meter Höhenunterschied überwunden werden müssen und die Wege nicht besonders gut sind, insbesondere, weil es gestern heftig geregnet hat. Meine Tasche mit etlichen Getränken und etwas zum Knabbern macht die Wanderung nicht einfacher. 32° und hohe Luftfeuchtigkeit fordern ihren Tribut. Dort angekommen, geht’s weiter zum ersten Wasserfall. Wie lange wir insgesamt gelaufen sind, kann ich nicht sagen. Es kommt mir vor wie eine Ewigkeit. Drei Teilnehmerinnen sind sehr gut genährt, entsprechend leiden sie.

Als wir endlich am ersten Wasserfall ankommen, werden wir für die Mühen belohnt. Ein wunderschöner Wasserfall mit einem natürlichen Pool, der rund 6 m tief ist. Das Wasser ist eiskalt und genau das, was wir jetzt alle wollen. Ruckzuck sind alle in Badeklamotten und springen rein. Man kann auf eine Plattform (ca. 8 - 10 m) hochlaufen und von dort in den Pool springen, was die meisten – me too – machen. Das eiskalte Wasser tut einfach nur gut. Als ich nach dem Baden auf einem Stein sitze und den Platz und die wunderschöne Natur genieße, spricht mich ein Ami an. Er ist mit seinen beiden Söhnen da. Die Story ist mal wieder typisch. Er war mit einer Venezolanerin verheiratet, die immer zickiger und anstrengender wurde. Die Kinder sprechen etwas Spanisch, er etwas Deutsch, weil er in Deutschland mehrfach beruflich unterwegs war.
Später geht es zurück zur zweiten Basisstation und von dort zu den anderen beiden Wasserfällen. Die Wege dorthin sind nicht mehr ganz so schlimm und auch deutlich kürzer, die Wasserfälle kleiner aber nicht minder schön. Auch dort kann man aus großer Höhe ins Wasser springen.

Zeit zurückzukehren. Der Weg zur ersten Basisstation wird zur absoluten Tortur. Es müssen mehrere Pausen eingelegt werden, weil viele am Zahnfleisch kriechen – insbesondere die wohlgenährten Damen. Ich gestehe, dass ich nicht undankbar über die Pausen war. Mit den Pick-ups geht’s zum Tourismus-Büro zurück, diesmal setze ich mich rein und scherze mit dem Fahrer und der Begleiterin so weit es möglich ist, weil die Musik auf max. Lautstärke läuft.

Hat es sich gelohnt? Auf jeden Fall. Falls jemand hinkommen sollte: Es ist eine längere Tour und man wird nicht alleine vorher zurückgehen, denn dann müsste man auch die Strecke laufen, die wir mit dem Auto gefahren sind. Gute Schuhe sind Pflicht, auch das haben ein paar Teilnehmer nicht ernst genommen.

Als wir mit dem Pick-up losgefahren sind, habe ich einen Friedhof von der Ferne voller bunter Gräber gesehen. Das hat meine Neugierde geweckt, also geht’s spontan noch dorthin. Es ist ein kurzer Weg mit dem Auto. Parke, laufe zum Eingang, ein paar Kinder spielen vergnügt auf der Straße. Aus einem Haus kommt eine kleine Maus (4?) heulend raus. Ich gehe in die Knie, frage sie, was denn passiert ist und ob ich helfen kann. Sie ist so überrascht, dass sie sofort aufhört zu weinen und lächelt. Prima. Die Mutter hat es von der Ferne mitangesehen und lächelt auch.

So einen Friedhof hatte ich noch nie gesehen. Die Gräber alle kreuz und quer angeordnet und in verschiedenen Farben angestrichen. Dazu viele dekoriert. Den Hintergrund kenne dazu kenne ich nicht, werde ich aber bei Gelegenheit in Erfahrung bringen.

Als ich aus dem Friedhof komme, kommt die kleine Maus von vorhin aus dem Nichts und umarmt mein Bein. Ein kleiner Junge umarmt mein anderes Bein. So süß, ich habe neue Freunde. Rede etwas mit ihnen, sehe einen der kleinen Läden, habe Lust auf ein Bier, frage nach, nein, Bier hätten sie nicht. Da fällt mir was Besseres ein. Gebe der Verkäuferin 10 USD und frage, ob es reicht, um den Kindern eine Freude zu machen. Ja, dicke, sagt sie, also alle Kinder gerufen und gefragt, ob sie was möchten und gesagt, dass sie sich was aussuchen dürfen. So viel Freude sieht man selten. Die kleine Maus reagiert als erste, steigt auf Fenster, krabbelt halb hinein und es sprudelt aus ihr raus, was sie gerne möchte. Schaue es mir eine Weile an. Die Kids sind happy, die Verkäuferin sagt ihnen ständig, sie mögen sich doch bedanken. Endlich hören sie es, drehen sich alle um, und rufen laut „Dankeschön“. Wünsche ihnen einen schönen Tag und mache mich auf den Weg. Die Mutter hat auch das beobachtet und lächelt erneut. Anmerkung für Miesmacher: Nein, die Kids haben nicht gebettelt. Bettelnde Kinder kenne ich aus vielen anderen Reisen und die waren gänzlich anders.

Tamanique ist ein kleiner Ort, sieht aber nett aus. Viele Häuser im Kolonial-Stil, das gefällt mir, also fahre ich noch ein bisschen durch die kleinen Straßen und schaue es mir an. Ein Bier habe ich auch noch irgendwo ergattert.

Eigentlich wollte ich auf dem Rückweg noch einen Abstecher zur Ruta de las Flores machen – soll wunderschön sei und erstreckt sich über 36 km –, es ist aber spät, die Fahrt nach Hause wird dauern, ich möchte ungern im Dunkeln fahren und entscheide mich, das zu vertagen. Es stellt sich als gute Entscheidung heraus, da der Rückweg über eine endlos lange Serpentinenstraße verläuft, die zwar in top Zustand ist, aber an manchen Stellen echt eng ist und die ständigen Kurven viel Aufmerksamkeit erfordern. Zwischendurch führt der Weg so hoch, dass es neblig und kühl wird. Bleibe irgendwo stehen, rauche eine Zigarette und genieße die Aussicht. Als ich endlich fast Zuhause bin, mache ich noch einen Abstecher zum Mexikaner und lasse mir noch ein paar Flautas schmecken. Diesmal esse ich nicht oben im Gastraum auf der Terrasse, sondern an einem kleinen Tisch neben der Küche und unterhalte mich mit den Leuten, die dort arbeiten. Endlich zu Hause angekommen gibt es eine heiße Dusche und dann will ich nur noch ins Bett.

TAG 9

Ist wieder ein Ruhetag. Das mit dem Jetski geht mir nicht aus dem Kopf und eine andere Idee habe ich auch noch. Diese Sachen werden heute abgecheckt und weitere Pläne geschmiedet. Zudem habe ich angefangen nach einer dauerhaften Bleibe zu suchen. Erstmal rein informativ, um einen Eindruck über die Preise zu bekommen.

Fortsetzung folgt ...

PS: Auf Bilder und Links wird weitgehend verzichtet. Die Namen der Orte, Restaurants & Co sind alle so wie angegeben im Internet auffindbar und dort findet man weitergehende Infos dazu. Bilder gibt es dort auch reichlich.



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