Gastautor: Pancho
TAG 12
Die Zeit läuft mir davon und es gibt noch zwei Dinge auf der Liste, die ich unbedingt machen möchte. Das eine ist Mizata besuchen und das andere eine ausgedehnte Quad-Tour. Wie es der Zufall so möchte, lässt sich beides wunderbar kombinieren.
Mizata ist ein kleiner Fleck weiter nördlich von El Tunco & Co. Mizata soll wunderschön sein und steht auf den meisten Must-Do Ratgebern weit oben. Habe dort eine 3h Quad-Tour für den nächsten Tag um 9:30 gebucht. Mizata ist 82 km von meinem Zuhause entfernt, es werden also durchaus 2h Autofahrt werden. Da ich Mizata kennenlernen möchte, reise ich also heute noch an, habe eine Übernachtung dort im Casaola Mizata gebucht, ein kleines Hotel mit netter Bewertung. Großartige Party erwarte ich dort nicht, lasse mich aber überraschen.
Die Fahrt ist angenehm. Hier Auto zu fahren ist eigentlich immer angenehm. An ein paar Dinge muss man sich gewöhnen, ansonsten geht es aber sehr entspannt zu. Gedrängelt und gehupt wird wenig bis gar nicht, die Leute lassen einander Platz und haben größtenteils die Ruhe weg, auch wenn man länger in einem Stau steht. Es wird an vielen Stellen ausgebaut, was zu Staus führt, es gibt aber auch Staus wie bei uns, die keinen erkennbaren Grund haben. Blinker werden ausgesprochen gerne genutzt, nur selten für das, wofür sie eigentlich gedacht sind. Bunte, blinkende Lichter an den Fahrzeugen sind hier wie in COL auch angesagt, was vor allem Nachts eine hübsche Lichtshow gibt.
Nach ca. 2h komme ich an. Mizata ist wirklich klein, hat aber irgendwie viel Charme. Der Strand ist endlos und überwiegend Sandstrand und auch Mizata zählt als Surferparadies. Mein Hotel macht einen guten Eindruck. Es ist kein Luxushotel, sondern eher für Leute gedacht, die arbeiten und surfen wollen. Das Zimmer ist hübsch eingerichtet, sauber, ordentlich, hat ein großes Bad und einen schönen Balkon. Klassisch folgt, nachdem ich mich dort eingerichtet habe, der obligatorische Mojito. Der muss sein. Glück gehabt, eine Margarita stand nicht auf der Karte. Ein Clubsandwich mit Pommes folgt, das nicht nur ok ist, sondern riesengroß. Ein halbes Hähnchen liegt zwischen den Brotscheiben versteckt unter Salat, Tomate, Käse und mehr. Das Sandwich mit der Hand zu essen, ist unmöglich. Zumindest für mich, soweit kriege ich den Mund nicht auf.
Der Pool ist teilweise mit Sonnensegeln abgedeckt, was ihn noch angenehmer macht, also wird er gleich ausprobiert. Es ist echt angenehm dort zu plantschen. Heizung braucht man hier offenbar nicht, die Sonne reicht, um in den Pools die Wassertemperatur angenehm zu halten. Es sind ein paar Gäste da, es ist aber nicht ansatzweise voll, was ich sehr begrüße.
Später noch losgezogen, um die nähere Umgebung weiterzuerkunden und dabei das MaWi Beach Club gefunden. Das ist ein "besseres" Hotel mit Bar/Restaurant, einem Pool direkt am Strand, der unterteilt in eine Ecke zum Entspannen und eine die tiefer ist. Insgesamt ist das Hotel sehr hübsch gestaltet. Cool: über der Bar ist ein großes Netz gespannt, eine Seemannstreppe führt hinauf und man kann sich dort hinlegen, ist direkt unter dem Dach und sich durch einem glaslosem Fenster die Sonne auf dem Bauch scheinen lassen, was ich natürlich auch getan habe. Day Pass kostet eigentlich 10 USD, hat aber keiner von mir verlangt. Es war der einzige Laden, in dem dort auffällig viel los war. Leider überwiegend Amis und etliche der weniger angenehmen Sorte. Verbringe den Nachmittag dort und genieße. Richtung Strand haben sie bequeme Liegen mit Sonnenschirmen. Lasse mich dort nieder, neben mir ein nettes, junges Paar, mit denen sich ein Gespräch ergibt. Überraschung: Es sind COLs im Urlaub. Es zieht mich ins Meer, Wassertemperatur ist erwartungsgemäß sehr angenehm. An die Brandung hier muss ich mich noch gewöhnen. Die Wellen sehen immer harmloser aus, als sie es sind und nicht nur ich werde mehrfach von denen umgeworfen. Ich liebe das Meer und lasse mich auch gerne umwerfen. Zeit nach Hause zu fahren, ich muss noch was arbeiten.
Nach getaner Arbeit meldet sich der Hunger, also runter, habe Lust auf Shrimps, in meinem Hotel gibt es nichts, was mich anspricht, also wieder ins MaWi, wo ich fündig werde und das Essen echt loben muss. Ordentliche Menge, gut gemacht und sehr lecker. Zu kritisieren gab es nichts, nur die Preise sind stolz. Mojito, Schrimps und Bier: 45 USD. Der Mojito macht schon über 11 USD (mit Trinkgeld, wird automatisch draufgerechnet) aus. Mojitos hatte ich woanders hier auch schon für 6 USD und die waren auch gut.
Eine größere Gruppe feiert dort am Strand, es gibt Lagerfeuer und zusammen mit dem Meeresrauschen und dem Sternenhimmel, ist es wieder einer dieser besonderen Momente, die man nicht kaufen kann, sondern die sich ergeben und so guttun. Eine süße COL oder SV Maus wäre jetzt nett.
Weil das Bier im Hotel teuer ist (kleine Dose 3 USD), kaufe ich auf dem Heimweg noch Bier in einem kleinen Laden. Die große Dose Regia (meine Lieblingsmarke hier), kostet 2,50 USD. Das geht und ist für einen Touriort völlig ok. Bei Miguelitos, wo ich meine Bleibe habe, kriege ich die große Dose für 1,40 USD. Im Hotel angekommen, schreibe ich noch länger mit einer COL Maus und dann ist gut, morgen muss ich früh raus.
TAG 13
Frühstück lasse ich aus, was sie anbieten ist ok, spricht mich aber nicht an. Kaffee tut es auch und den gibt’s dort früh unbegrenzt kostenlos. Hole mir einen Kaffee, dusche, packe meinen Krempel zusammen und checke aus. Liege gut in der Zeit, der Treffpunkt ist Luftlinie einen Katzensprung entfernt. Mit dem Auto gestaltet es sich schwierig und es braucht trotz Navi etliche Anläufe, bis ich es finde. Treffpunkt ist das Jaco Mizata Beach Hotel. Im Preis inbegriffen ist ein Day Pass, d. h. ich kann nach der Tour im Hotel bleiben und die Anlage nutzen.
Bin spät (aber nicht zu spät) dran, der Guide wartet schon, die Quads stehen bereit. Da ich mal wieder der einzige Gast bin, begleitet uns seine Verlobte, damit sie die Rute kennenlernt und künftig auch Touris ausführen kann. Manchmal passiert es, dass man sich sofort gut versteht. Das ist der Fall, beide sind sympathisch und nett. Die Tour dauert 3h, solche Touren beinhalten aber meist mind. eine Stunde Strandaufenthalt. Als wir darüber sprechen, merkt er, dass ich schon mehr als genug Strand hatte und dass es mir ums Quadfahren geht und schlägt vor, dass wir die große und die kleine Tour fahren, seine Maus lernt beide kennen und ich bekomme praktisch 2 für 1. Er muss noch mit seinem Boss sprechen, weil die Quads für diese Touren nicht genug Sprit haben. Während er telefoniert, reiche ich ihm 20 USD rüber und er versteht, sagt seinem Chef, dass es eben geklärt wurde. Los geht’s und zwar direkt zu einem Fluss der im Meer mündet und das alles durchquert. Macht Laune. Viel Sand war da nicht, es hat aber für ein bisschen Blödeln gereicht. Anschließend geht es zur Tanke, die keine ist. Es ist ein ganz normaler kleiner Laden, wie sie es hier über all gibt, und den Sprit gibt es in einer Plastikflasche. Danach geht es ab in die Berge und da ist alles dabei. Gefehlt haben nur Matsch und tiefe Pfützen, was den Spaß aber nicht mindert. Nach rd. 1,5h machen wir hoch auf einem Berg eine Pause, rauchen eine und kommen ins Quatschen und genießen die Aussicht. Er erzählt von anderen Touren, die er mit den Quads gemacht hat und was er sonst noch so macht. Es fühlt sich vertraut an und es ist nicht mehr wie Guide und Kunde, sondern wie wenn Freunde unterwegs sind. Wir waren tatsächlich 3h mit den Quads unterwegs. Zwischendurch hat es leicht geregnet, was bei den Temperaturen echt gutgetan hat. Als wir auf dem Rückweg vom Berg waren, noch Zwischenstation bei Freunden von denen gemacht und auf einmal findet man sich irgendwo in der Pampa bei wildfremden Leuten im Garten, die einen behandeln, als würde man sich schon seit Jahren kennen. Die Dame des Hauses fragt, ob wir Hunger haben und ist schon fast auf dem Sprung in die Küche. Das ist hier so unter Freunden üblichh. Wir lehnen dankend ab und das ist gar nicht einfach. Man hätte sich doch schon so lange nicht gesehen und wir sollen doch noch etwas bleiben.
Als wir am Startplatz zurückkommen und schon fast ins Hotel hereingefahren sind, meint er „Warte mal, wir geben uns noch etwas Strand“. Das braucht er nicht zweimal zu sagen. Wir Jungs vergnügen uns in dem wenigen Sand abwechselnd, pflügen mit den Quads durch den Sand, strahlen und haben einfach nur Spaß. Die Verlobte ist mitgefahren, schaut aber nur zu. Frauen werden wohl diesen Spieltrieb von Männern nie verstehen. Wir beide hätten den ganzen Nachmittag da noch Kreise drehen können und wären glücklich gewesen.
Als wir endlich im Hotel sind, werde ich vom Eigentümer begrüßt, der mir erklärt, was mein Day Pass alles umfasst. Frage den Guide und seine Verlobte, ob sie mich auf ein kühles Bier begleiten, das hätten wir uns verdient. Keine Ahnung, wie es passiert ist, aus einem Bier wurden 7h, endlos Biere und gegessen haben wir auch. Gesprochen haben wir über alles. Als er kurz wegmusste, hat sie mir ihre Beziehung inkl. Historie erzählt. Es war ein genialer Nachmittag mit zwei ausgesprochen lieben, sympathischen Menschen.
Nelson (so heißt der Guide) angelt u. a. auch und hat seine Maus einen Fisch (Mahi-Mahi) von Zuhause holen lassen, den er am Vortag geangelt hat. Daraus hat der Eigentümer des Hotels den besten Ceviche de pescado gezaubert, den ich seit langem gegessen habe. Drei Tequilas gab’s aufs Haus.
Als es langsam für mich Zeit wird zu fahren, ich muss ja noch zwei Stunden heimfahren und es wird dunkel, schlagen sie vor, dass ich bei ihnen über Nacht bleibe und erst morgen fahre. Hatte das auch schon überlegt, auch weil ich ein, zwei Bier zu viel hatte, entscheide mich aber am Ende dagegen. Warum? Weiß nicht, im Nachhinein gesehen, hätte ich es tun sollen. Vielleicht, weil meine Zeit ausläuft und ich noch Dinge erledigen möchte. Das Angebot kam von Herzen und als ich losgefahren bin gab’s große Umarmungen und ich musste versprechen Bescheid zu geben, wenn ich zu Hause angekommen bin.
Ich glaube, ich habe die ersten echten Freunde in SV gefunden. Nummern haben wir natürlich ausgetauscht und bleiben in Kontakt. Hab’ jetzt eine Station, zu der ich immer hin kann und dort willkommen bin. Wir haben unter anderem auch über Grundstücke gesprochen. Es gibt sie noch, die Perlen, die unter der Hand gehandelt werden, weil die Menschen sich aussuchen wollen, wen sie als Nachbarn haben wollen. Nelson bietet an, bei der Suche zu helfen. Er wird sich umhören und gibt mir Bescheid, wenn sich was ergibt. Seine Verlobte fügt hinzu, dass sie hofft, dass es nahe ist, wo sie wohnen, sie hätte mich gerne als Nachbarn.
Ach ja, ein Corona-Bier kostete dort 2,50 USD. Die Gesamtrechnung mit Essen war 74 USD. Habe 85 USD daraus gemacht. Wie viel wir getrunken haben, will ich nicht nachrechnen. Gegessen haben wir mehrfach und das Ceviche on top war unbezahlbar. Könnte noch endlos von dem Nachmittag berichten, es waren so viele witzige Dinge dabei und hat so Spaß gemacht.
Zum Hotel Casaola zufällig einen Werbespot gefunden, der imho den Charakter des Hotels wunderbar widerspiegelt: https://x.com/surfcity/status/2037688095533920612?s=20
Fortsetzung folgt ...
PS: Auf Bilder und Links wird weitgehend verzichtet. Die Namen der Orte, Restaurants & Co sind alle so wie angegeben im Internet auffindbar und dort findet man weitergehende Infos dazu. Bilder gibt es dort auch reichlich.
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