• 22.05.2019

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Gelegenheiten nutzen: Frau in der Klapse

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» Artikel vom

Endlich kehren Stille und der Weihnachtsfrieden ein. Jedenfalls bei meinem Cousin. Pünktlich zu Weihnachten hat er seine Ehefrau in die Klapse... ähm... Klinik für Psychotherapie und Psychiatrie gebracht. Leider die kreischende Wahrheit, nichts ist ausgedacht. Es wurde auch höchste Zeit und sogar sie selber hat eingesehen, dass es höchste Zeit dafür ist. Einsicht ist sonst nicht so ihre Sache. Das stundenlange Brabbeln, Heulen und gelegentliche Ausbrüche waren doch etwas unangenehm. Angststörung, Zwangsstörung, vermutlich komplette Gehirnstörung, fort mit dem Schaden.

Ganz entstören wird man sie dort natürlich auch nicht können, aber nun kann sie sich erholen in einem teuren Haus und er auch, weil sie weg ist. Dort wird man morgens nicht geweckt, sondern "aktiviert". Man macht keinen Krach und schlägt nicht um sich, sondern lernt, achtsam den Gong in der Musiktherapie zu schlagen, Dramen in der Dramatherapie rauszulassen statt Dramaqueen-Festspiele zu Hause. Was zu Hause Freizeitvergnügen ist, wird in der Klinik mit dem Zusatz "Therapie" versehen: Ausreiten auf dem Gaul heißt dort "Hippotherapie" oder auch "Therapeutisches Reiten", die Kletterwand heißt "Klettertherapie", der Hochseilgarten ist natürlich nur zur "Angstkonfrontation" da. Die nachmittägliche Kaffee-, Kuchen- und Klatschrunde dient zur notwendigen Entspannung zwischen den anderen anstrengenden Therapieschritten. Kam man tagsüber nicht auf Touren, geht es abends in die Sauna oder an die Bar, denn die umliegenden Lokalitäten der Kurstadt haben sich auf die Bedürfnisse der Psychos gut eingestellt. Nach einem Gläschen Alkoholbrause und Zuzwinkern dem netten Typen mit dem blauen Rolli und dem Knackhintern sieht die Welt schon viel heller aus.

Die Therapie hat sich sehr gewandelt. Noch vor hundert Jahren hätte man emotionalen Verwirrungen vorgebeugt mit morgens um fünf aufstehen, anschließend Stall ausmisten, melken, Rüben schnitzeln, Kartoffeln für die Schweine kochen, um 9 Uhr eine Sauermilchsuppe mit altbackenen Brotrinden zum Frühstück, Mittags Maikäfersuppe, abends Kartoffelschalensuppe. Bei Bedarf ein paar Incentives mit dem Ochsenziemer. Und schon werden deviante Damen ins pralle Leben zurückgebracht mit einer enormen Heilungsquote.

Psychische Krankheiten sind immens große Kostenfaktoren in Deutschland. Neuerdings die Größten, sie haben "Rücken" und Kreislauf jüngst überholt. Jeder siebte Euro unserer Versicherungsbeiträge wird von Krankheitskosten aufgrund psychischer Störungen aufgefressen. Laut statistischem Bundesamt waren das satte 44 Milliarden Euro. Hinzu kommen Arbeitsausfälle im Wert von fast 9 Milliarden und noch mehr Milliarden an Kosten für die Volkswirtschaft wegen weiterer Folgen. Deutschland ist ein Irrenhaus, das kann man solide beweisen. Auch die Frau des Cousins hinterlässt eine Lücke an ihrem Arbeitsplatz (dort hat sie sich noch am stärksten zusammengerissen), die wohl ein Mann ausfüllen muss, der damit noch mehr Stress bekommt.

Wenig bekannt ist, dass der Staat als Arbeitgeber sich energisch von Folgen und Kosten psychischer Krankheiten zu schützen sucht. Der Fragenkomplex dazu gehört zu den längsten und tiefgreifendsten Punkten, über die man detailgenau Auskunft zu geben hat, bevor man die Chance auf eine Verbeamtung bekommt. Wer mal so was hatte, wird nicht verbeamtet, egal ob Förster, Lehrer, Rechtspfleger. Der Staat hat sich auch vorbehalten, noch viele Jahre nach einer zwischenzeitlich erfolgten Verbeamtung frühere Flunkereien konsequent zu ahnden. Ein befreundeter Lehrer hat das am eigenen Leib erfahren. Der hatte vergessen (ob Absicht oder nicht lässt sich nicht feststellen, es kommt ohnehin nicht darauf an) eine bipolare Störung anzugeben, wegen der er vor langer Zeit einmal dämpfende Medikamente bekam, die dann aber nicht mehr auftrat. Als er nach mehreren unauffälligen Jahren als Lehrer doch wieder mal Probleme bekam und zum Psychologen ging, flog es auf und er im hohen Bogen aus dem Beamtenverhältnis, aus dem Job auf die Straße. Es hat ihm nicht geholfen, ein gut beurteilter Lehrer in einem sehr gesuchten Fach am örtlichen Gymnasium zu sein. Nicht einmal als angestellter Lehrer ließ man ihn zu. Er erreichte nie wieder etwas und hatte mit vielen Folgen zu kämpfen - Rentenzeiten, Neuversicherung, lange Arbeitslosigkeit, keinen Cent Arbeitslosengeld mangels Versicherung. Seine Ehe ging dabei drauf und das Dasein als Unterhaltspflichtiger (für zwei Kinder) komplettierte seinen Zusammenbruch unelegant, aber gründlich.

Sehr viel häufiger als Männer sind es Frauen, die sich in Behandlung begeben. Das Verhältnis liegt bei 2:1, doppelt so viele Frauen wie Männer werden auffällig und behandelt. Für Männer das Beißholz und das Gefängnis, für Frauen die Couch und die Erholung in der Rundum-Sorglos-Klinik. Sieht man sich die Bilder von Gruppen in solchen Kliniken an oder besucht eingelieferte Angehörige, erkennt man einen sehr starken Überhang von Frauen im überreifen Alter (also ab spätestens 30), jede Dritte trägt Batikkleider, grelle Wickelschals, gefilzte Pantoffeln. Eigentlich muss man sich diese starken Frauen nur von fern ansehen, um eine punktgenaue Diagnose zu stellen: Eindeutig Plemplem. Und dann sieht man besser schnell weg. Jede psychische Auffälligkeit ist eine leuchtend dauerrote Ampel für Männer, dieser Frau näher als Wurfweite zu kommen. Leider ignorieren noch viel zu viele männliche "Intelligenzbolzen" solche dringenden Stoppsignale.

Mein Cousin wird es leider auch unterlassen, jetzt das für ihn einzig Richtige zu tun: Während ihrer Abwesenheit die Trennung durchzuziehen. Dazu ist er ein viel zu pudrig-pulvriger Pudel. Frauen machen das meistens anders. Da wird eifrig geplant, informiert und wie die Spinne am Alarmfaden auf eine günstige Gelegenheit gewartet, um die Trennung mit größtmöglichem Gewinn durchzuziehen. Frauen siegen, indem sie Schwächen ausnutzen, günstiges Terrain ausnutzen und rücksichtslos vorgehen. Das ist ein Erfolgsrezept, an das sich auch Männer halten sollten. Leider ist das Gegenteil der Fall. Das Pudelgewissen hält ihn zurück und flüstert ihm zu "du kannst doch deine Frau in so schwerer Stunde nicht auch verlassen, wenn sie sich was antut wärst du dafür mitverantwortlich". Überlegungen, die Frauen fremd sind. Um mich selbst zu zitieren: Sie ergreifen eine hingehaltene Hand nicht, sondern klemmen sie in der nächstbesten Tür fest, um aus der momentanen Bewegungslosigkeit möglichst schnell und viel Profit zu schlagen.

Vielleicht erledigt sich die Sache auch durch die Frau. Mit einem Kurschatten in eine neue gemeinsame Zukunft davonzuziehen wäre ein weiterer Klassiker. Dann kann er an ihrem Beispiel lernen, was zielgerichtetes Handeln und "Gelegenheiten nutzen" bedeutet und wie gut die arme neurotische Dame noch davonflattern kann. Er sollte dankbar sein.

P.


Weiterführender Link: TrennungsFAQ
Ratsuchende Väter finden im TrennungsFAQ-Forum konkrete Hilfe


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