• 18.08.2019

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Frauen beschweren sich gerne

baustelle

» Artikel vom

Auf dem Bau zu arbeiten ist einfach nur geil. Es ist ein Gefühl tiefer Befriedigung, wenn ein Bauwerk fertiggestellt und der Bauherr zufrieden ist. Bis dahin ist es natürlich ein recht weiter und steiniger Weg. Da sind die vielen technischen Probleme, die gemeinsam gelöst werden müssen. Dann gibt es den Kostendruck. Die Baufirma muss Gewinne erwirtschaften und der Bauherr möchte nicht zu viel bezahlen. Das ist normal und wenn es am Ende für beide Seiten passt, dann sind alle glücklich. Doch gibt es während der Bauphase oft jede Menge Ärger, vor allem mit Frauen, die sich mit Vorliebe über die Bautätigkeit beschweren. Es sei zu laut, zu schmutzig, es würde stinken, das volle Prinzessinnenprogramm. Wie immer wollen die Damen die Drecksarbeit durch andere erledigen lassen und beschweren sich bei Polizei, Gewerbeaufsicht, Berufsgenossenschaft, Umweltamt und allen möglichen weiteren Behörden. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.

Ich kann ein Liedchen davon singen, denn bei fast jeder Baustelle gibt es genau diese Beschwerden von einer oder mehreren weiblichen Geschöpfen. Nach meinen Erfahrungen beschweren sich, bis auf sehr wenige Ausnahmen, tatsächlich nur Frauen. Das ist für mich besonders köstlich, denn gerade von Frauen nehme ich Beschwerden sehr ernst und als persönliche Herausforderung. Es ist mir stets ein Bedürfnis, solche Probleme nachhaltig aus der Welt zu schaffen.

Und dazu habe ich einige wirksame Strategien entwickelt, um die Damen zufriedenzustellen. So habe ich vor einigen Jahren das Gebäude eines Amtsgerichts saniert. Schon nach wenigen Tagen beschwerte sich eine Staatsanwältin, dass es viel zu laut sei. Sie rief mich an, brüllte ins Telefon und drohte, die Baustelle stilllegen zu lassen. Bei einer brüllenden Frau ist der Mann lediglich Zuhörer und das ist auch gut so. Ich hörte mir also die schreienden Ausführungen dieser Staatsanwältin an und als sie fertig war, bedankte ich mich freundlich und legte auf. Dem Polier der Baufirma gab ich den unmissverständlichen Befehl, einen Kompressor genau vor das Bürofenster dieser Staatsanwältin zu stellen. Mein Befehl wurde sofort ausgeführt. Nun rief die Staatsanwältin den Bauherrn an und versuchte mich über diesen Weg zu entsorgen. Dabei bedrohte sie ihn sogar. Nun war der Bauherr aber ziemlich lässig drauf und rief mich an, dass ich doch bitte den Kompressor wegfahren soll. Ich lehnte das ab, denn die Staatsanwältin sollte eine Lektion in Sachen Gesetze bekommen. Sie kann nämlich überhaupt nichts einstellen lassen. Doch der Bauherr bekniete mich regelrecht und so kam ich seinem Wunsch schließlich nach. Danach war Ruhe im Schiff. Offenbar hat die Staatsanwältin bereits nach wenigen Kompressorstunden gelernt, dass sich ein gestandener Mann vom Bau sich von ihr nicht einschüchtern lässt.

Vor zwei Jahren ließ ich im größeren Umfang mein Lieblingsprodukt Beton einbauen. Wegen der etwas größeren Menge Beton und meinem Ehrgeiz, an einem Tag alles zu betonieren, gingen die Arbeiten bis 20 Uhr. Gegen 19 Uhr kam eine Frau in mittlerem Alter zu mir. Sie sagte weder Guten Tag, noch stellte sie sich vor. Sie legte gleich im Befehlston los, dass die Arbeiten einzustellen sind, weil sie nicht in Ruhe ihre Freizeit genießen kann. Ich sagte, dass mir das leid tue und sie bitte die Baustelle verlassen soll. Nach 15 Minuten rückte die Polizei an. Sie suchten mich und sagten, dass eine Anzeige wegen Bedrohung gegen mich vorliegt. Ich soll diese Frau mit meinen osteuropäischen Arbeitern massiv bedroht haben. Was soll man dazu sagen? Natürlich nichts. Jedenfalls erkundigten sich die Polizisten nach den Arbeiten auf der Baustelle und versuchten mich zu belabern, die Arbeiten freiwillig zu beenden. Ich sagte, dass ich freiwillig nichts beenden werde, außer ich bekomme von der Polizei eine klare schriftliche Aufforderung, die Betonarbeiten einzustellen. Ich betonte natürlich, dass dies mit großer Sicherheit Rechtskonsequenzen hinsichtlich Schadenersatzansprüchen haben wird. Und meine Strategie ging voll auf. Kein Polizist der Welt mischt sich in meine Baustelle ein und je länger man die Polizei in ein Gespräch verwickelt, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie zum nächsten Einsatz fahren muss. Und darüber sind die Polizisten nicht unglücklich. Sie waren pflichtgemäß auf der Baustelle präsent. Wir haben in Ruhe weiter betoniert, bis alles drin war.

Am nächsten Tag hat diese Frau jedoch alle möglichen Behörden angemailt, dass sie von mir bedroht worden sei. An sich war ich gewillt, straf- und zivilrechtlich gegen sie vorzugehen, aber weil es sich offensichtlich um eine dumme Frau handelt, habe ich davon abgesehen. Ihre Emails habe ich natürlich heute noch in meiner Asservatenkammer.

Bei einer weiteren Baustelle, diesmal für ein Landgericht, beschwerte sich eine Richterin. Sie würde durch den Baulärm krank werden und könne so nicht arbeiten. Ich empfahl dem Bauherrn die Strategie des Nichtstuns. Einfach ignorieren. Schließlich sind wir keine Ärzte und kennen uns mit der Anatomie einer Frau nicht aus. Infolge unseres Nichtstuns zog die Richterin nun alle Register. Sie schrieb, dass durch die Bautätigkeiten sogar die Fliegen in der Umgebung sterben würden. Die toten Fliegen könne man auf ihrem Fensterbrett besichtigen. Was soll man dazu sagen? Mich interessierten die toten Fliegen natürlich brennend, doch bei der persönlichen Inaugenscheinnahme stellte ich fest, dass das Fensterbrett offenbar seit langem nicht mehr gereinigt wurde. Das waren völlig eingestaubte Fliegen, die dort seit Monaten oder gar Jahren lagen. Ich habe darauf nicht weiter reagiert. Bei passender Gelegenheit habe ich den Gerichtspräsidenten angesprochen und schon war das Problem geklärt. Mit dem Gerichtspräsidenten habe ich öfters geplaudert und er hat sich sehr für den Baufortschritt interessiert.

In dieser Zeit lief die erfolgreiche NDR Doku über die schäbigen Unterhaltspreller, die wohl auch der Gerichtspräsident gesehen hat. Danach sprach er mich stets wie ein alter Bekannter an. Wir redeten zwar nicht über diese Doku, aber er war immer sichtlich erheitert, wenn er mich sah. Wir plauderten dann ein wenig über Gott und die Welt, wie es eben nur Männer tun können. Da kann man sehen, dass selbst die hohen Bonzen der Justiz ziemlich viel Humor haben können.

Mir ist schon klar, dass Baulärm mitunter keine lustige Angelegenheit ist, aber bei Drohungen und Beschwerden von Frauen schalte ich sofort in den Modus der Rechtsstaatlichkeit. Die Beschwerden sind meistens substanzlos und es fehlt immer der Beweis, dass der Baulärm tatsächlich zu groß ist. Es ist und bleibt ein subjektives Gefühl. Da können alle Behörden antreten, aber ein subjektives Empfinden berechtigt eben nicht dazu, eine Baustelle einzustellen. Ich reagiere da extrem empfindlich und verlange stets eine schriftliche Anweisung, damit ich eine Grundlage für den Rechtsweg habe. Schließlich geht es am Ende immer um horrende Kosten, wenn eine Baustelle tatsächlich stillgelegt wird.

Es verwundert nicht, dass Frauen immer sofort die harte Schiene fahren. Entweder sie werden frech oder es werden alle möglichen Behörden eingeschaltet. Erfolgversprechender wäre es, wenn eine Frau auf die Baustelle kommt und ihre Wünsche freundlich vorträgt. Wer nett ist, bekommt immer eine gute Antwort und vielleicht kann man tatsächlich etwas helfen und bestimmte Arbeiten ohne Mehraufwand verschieben. Das geht aber nur in einem vernünftigen Gespräch auf Augenhöhe. Wenn eine Frau die harte Linie fährt, dann ich natürlich auch. Schließlich gibt es Gesetze. Und ein angeblicher Verstoß muss bewiesen werden. Daran scheitert es immer. Ich habe natürlich die entsprechenden Messgeräte, um jederzeit einen Nachweis führen zu können, was ich aber niemals anbiete. Logisch, denn nicht ich muss etwas beweisen, sondern die Beschwerdeführerin.

Um es ganz klar zu sagen. Ich bin kein Frauenhasser, ganz im Gegenteil. Wenn mich eine Frau nett anspricht, das Wort Bitte verwendet und das freundlich sachliche Gespräch sucht, dann ist vieles möglich. Das liegt jedoch nicht im Naturell der meisten Frauen. Und so freue ich mich immer, wenn Frauen sich kotzbrockig beschweren. Meine Motivation liegt dann darin, dass alles so bleibt wie es ist. Bis jetzt habe ich immer gewonnen.

Besonders liebe ich das Ordnungsamt. So ein Kollege kam auf die Baustelle, führte das große Wort und drohte mir, dass ich drei Punkte in Flensburg bekomme, wenn ich nicht sofort seine Anweisungen befolge. Ich habe ihm im ruhigen Ton gesagt, dass mein Anwalt den Spitznamen Pitbull trägt und ich nun seinen Namen brauche, damit ich meinen Beißer in die Spur schicken kann. Da wollen wir doch mal sehen, ob ich diese drei Punkte in Flensburg tatsächlich bekomme und ob seine Drohungen im Einklang mit den bestehenden Gesetzen sind. Nach dieser Ansage ging der Kollege mit leicht roter Birne davon und ich habe ihn nie wieder gesehen und auch nie wieder etwas von ihm gehört.

Niemand macht Baulärm, um die Leute zu ärgern, doch gehört Lärm zum Bauen leider dazu. Wenn kein Lärm da ist, dann stimmt mit der Baustelle etwas nicht. Wenn ich keinen Krach höre, dann frage ich sofort, was los ist. Ohne Baulärm kann ich nicht leben!

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