• 06.07.2020

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Tarnen und täuschen

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» Artikel vom

Vielleicht nicht die Mehrheit, aber viele Frauen haben durchaus einiges drauf. Nicht nur Hüftspeck, sondern auch effiziente, intuitive Strategien. Zu den folgenschwersten Reinfällen im Leben von Männern gehört es, Strategien und soziale Fähigkeiten von zielstrebigen Frauen zu unterschätzen. So ist es auch mir passiert. Ich ignorierte viel zu lange, dass einige Frauen in entscheidenden Bereichen ausgefeilte Fähigkeiten haben, viel mehr und viel besser als ich. Blöderweise sind das Bereiche, in denen sie starke Verbündete haben, sie sich auch noch Staat, Gesellschaft und Gesetze auf durchschlagende Weise zunutze machen können. Wie kam es dazu?

Wie schon in anderen Beiträgen ausführlich geschildert, beginnt für Frauen mit dem Erwachsenwerden eine im Verhältnis zur heutigen Lebensdauer recht kurze Plateauphase mit unglaublichen Freiheiten, Möglichkeiten, Wertschätzung und Dauervalidierung ihrer Person. 95% der gleichaltrigen Männer sind in diesem Alter wenig wert. Viele beschäftigen sich noch intensiv damit, „zum Stich zu kommen“, also ins Höschen einer Frau, koste es was es wolle. Das klappt oft und geht gerade deshalb dann tatsächlich oft in die eigene Hose in Form von Vaterschaft, Abzocke, zum Affen machen. Um die Plateaufrauen konkurrieren viele, viele, viele Männer jeder Herkunft und jeden Alters. Nur einer Minderheit von Männern erscheinen diese Hampeleien ihrer Geschlechtsgenossen so surreal, wie sie tatsächlich sind. Kaum einer erkennt, wie irre es ist, sich um Frauen zu bemühen, die es sich erlauben können, das Leben von promisken, narzisstischen Zicken zu führen.

Das andere Ereignisfeld der Twen-Männer ist Ausbildung. Sie versuchen in diesem Alter, ökonomische Eigenständigkeit zu erreichen, nicht nur kurzfristig, sondern langfristig. Viele sind sehr damit beschäftigt, ihre vergeudeten Teen-Jahre auszuwetzen. Oft dauert es lange, bis es bei ihnen schließlich zündet. Mit 15 durchgefallen in der Schule, stattdessen hohe Ehren in Ego-Shooter-Spielen erworben und alle Rumsteh-Ecken rund um die Schule kennengelernt; Selbstüberschätzung, Dummheiten und falsche Wege dank falscher Freunde, keine Lernmotivation und damit tiefe Bildungslücken. Solche Männer beschäftigen sich bis 25 häufig mit späten Aufholjagden. Andere junge Männer waren schon früher schlauer und anpassungsdynamischer. Sie gehen schon früher durch eine oder mehrere erfolgreiche Ausbildungen, bis sie irgendwo zupacken können und verdienen dann schon in frühen Jahren richtig gutes Geld bzw. bauen an Grundlagen für spätere Erfolge. Mein Weg war auch eine beliebte Männerbeschäftigung ab 18: Universitätsstudium in einem MINT-Fach (das sind Ingenieur- oder naturwissenschaftliche Fächer). Superschnell war ich damit nicht, weil ich gelegentlich längere Touren um den Globus einstreute und Geld verdiente mit Jobs von Brauerei bis Softwarefirma. Alles lief gut, ich überlebte so manche üble Weltgegend und bekam nicht viel über der Regelstudienzeit einen sehr guten Abschluss überreicht.

Genau in dieser Lebensphase fand der tiefste und bis heute lebensprägendste Reinfall statt. Verursacht wurde er durch ein weibliches Chamäleon und einen männlichen Blindfisch, der seine bisherigen Erfahrungen mit Frauen nicht ernst genug genommen hat. Alles wie aus dem Lehrbuch.

Zunächst der Kontext: In dieser Lebensphase des erfolgreichen Ausbildungsabschlusses gibt‘s häufig einen Knick. Für Männer nach oben. Der Berufseinstieg, Geld rollt an, wenn man sich nicht dumm anstellt, viele positive Veränderungen. Männer werden plötzlich wertvoller, nützlicher. Für Frauen geht der Knick öfter nach unten, denn ihr Plateau neigt sich nun schon abwärts. Die Gebärmutter zwickt zunehmend, jeder Eisprung verursacht einen immer lauteren Weckruf, „ich war jung und brauchte das Geld“ - Jobs laufen nicht mehr so recht. Es dämmert, dass nach „Reife“ die Überreife folgt. Das Studium in altenglischer Literatur mit 95% Frauenquote neigt sich dem Ende zu und der Abschluss verspricht keine wirtschaftliche Grundlage für den gewünschten Lebensstil. Den Professor verführen geht auch nicht, denn der ist schwul. Sie fragen sich: „Soll ich vielleicht noch promovieren, um die echte Adoleszenz noch weiter hinauszuzögern? Wer finanziert mich in dieser Zeit? Oder noch eine weitere Ausbildung als Pädagogin, kann und will ich das überhaupt? Wer macht mich zur Mutter und zahlt mir alles?“.

Chamäleons kommen in jeder Lebensphase vor, das weibliche Chamäleon hat aber in dieser Phase seine größte, erfolgreiche Stunde. Sie ist Expertin beim Umsetzen der Regel „Wenn du mal Frau eines Generals sein willst, musst du einen Anwärter heiraten“. Chamäleons passen sich ihrem Zielobjekt perfekt an und verbinden sich mit ihm, verbergen ihre Absichten gut, investieren in einen Mann wie in eine Aktie mit dem Ziel, mittel- und langfristig ein exorbitantes „Return of Investment“ zu erreichen. Im Chamäleon erreichen weibliche soziale Fähigkeiten Höchstniveau, es macht die Lebensplanung zur Kunst. Sie schaffen es zum Beispiel leicht, mit dem Zielpartner über lange Zeiträume in Gleichwellen zu schalten und ihr Handeln langfristig zu planen.

„Mein“ Chamäleon nennen wir mal Carola. Ihre eigenen Ambitionen waren glänzend und geschmackvoll. Das war ein hübsches und gleichzeitig absolut wertloses Kunstgeschichtestudium. Sogar darin hatte sie einen schweren Durchhänger. Sonst waren da keine anderen Qualitäten. Ein Job als Bedienung in einem Laden finanzierte sie teilweise. Sie hatte einen Freund, der eine Ingenieurwissenschaft studierte. Von ihm trennte sie sich, nachdem er mitten im Studium Glatze und Bauchansatz bekam, sich seine beruflichen Aussichten eintrübten und dem Pärchen die Wohnung gekündigt wurde, der angehende Ingenieur wieder zeitweise zu den Eltern zog, anstatt „Verantwortung“ zu übernehmen. Das passte ihr alles nicht, zu geringe Aussichten für sie. Das war der Zeitpunkt, ab dem sich Carolinchen nach dem nächsten aussichtsreicheren Kandidaten umzusehen begann. Ab da spürte ich eine Veränderung in ihrer Haltung. Sie begann parallel zu mir zu schwimmen. Das nahm ich erst nicht wichtig, weil es so zart und unmerklich begann. Erst half sie mir bei einem Hobbyprojekt, so wie andere Freunde. Sie tauchte auf Partys auf, auf denen ich auch war, sprach dort auffallend oft mit meinen Freunden. Wie ich heute weiß, lernte sie dabei vorsichtig etwas über meine Verhältnisse. Je mehr sie mich kennenlernte, desto mehr meiner Gewohnheiten begann sie ebenfalls und zeigte dafür gediegenes, aber nicht übertriebenes Interesse. Carolinchen trank plötzlich meinen Grüntee und fand neue Quellen für gute Sorten. Sie schaffte den Fernseher ab wie ich. Sie besorgte sich denselben Rechner wie ich und nutzte ihn für etwas mehr Produktivität, was mich freute. Sie übernahm meine Ernährungsgewohnheiten. Sie fing mit einem Sport an, den ich auch schätze, vorher war sie bei gar nichts aktiv. Sie fand meine Leidenschaft für selbst angebautes Obst toll und befeuerte das. Als schließlich viele Verbindungen zu mir online gegangen waren, griff sie bei einem Spaziergang nach meiner Hand, da wurde mir schon etwas warm. Am Abend umarmte sie mich von hinten, wir sanken zu Boden. Sie und ihre beste Verbündete, die Biologie, übernahmen das folgende Geschehen. Dank ihrer geschickten monatelangen Vorarbeit war auch klar, dass dies kein Einzelerlebnis bleiben würde.

Mir gefiel es und es wurde immer besser. Sie las Bücher, die ich las, diskutierte darüber mit mir, versuchte intellektuell anzukoppeln. Meine Interessen wurden zu ihren Interessen. Sie ließ sich helfen, brachte sogar ihr Studium zu Ende, zeigte, dass sie mit mir weiterkam. Männer freuen sich immer, wenn sie helfen, erklären, bauen, Probleme lösen können. Bei den fleischlichen Freuden sorgte sie für schöne wohl orchestrierte Gelegenheiten, nicht zu freigiebig, nicht zu verschlossen. Ich rutschte in die Beziehung wie ein Boot in einen Wirbel. So langsam konnte ich mir vorstellen, mein Leben dauerhaft mit ihr zu verbringen, aber ich war noch skeptisch. Zusammenziehen wollte ich nicht. Elternschaft war kein Thema, sie sprach von ärztlich bestätigten medizinischen Schwierigkeiten, entsprechend wenig wichtig nahm ich nach anfänglichem eigenem Schutz die Verhütung und überließ das ihr. Wir waren der Meinung, sollte es wider Erwarten doch passieren, dann würden wir das schon packen. Es passierte nicht. Aber als mein eigenes Studium erfolgreich abgeschlossen war, wurde sie auf fast wundersame Weise entgegen der ursprünglich behaupteten Schwierigkeiten innerhalb kurzer Zeit schwanger. Ich suchte den Vornamen für das Kind aus, half ihr bei allen Schwangerschaftsbelangen und hatte neun Monate später ein wirklich süßes Mädchen in den Armen, das mich mit von mir geerbten großen blauen Augen erstaunt anblickte. Hallo, Papa. Eigentlich toll.

Anderes lief nicht so toll. Der Anwärter wurde nicht zum General und rettete Carola auch nicht vor ihrem drögen Bedienjob. Ich wurde zufälligerweise genau in einer gesamtwirtschaftlichen Delle zum Berufsanfänger, fing wegen des plötzlich zusammengeschrumpelten Arbeitsmarkts in einer kleinen Firma an, was in einer Klage wegen bald ausbleibender Lohnzahlungen endete. Nicht gut für den Lebenslauf, gar nicht gut. Wirklich weg konnte ich auch nicht mehr, das hätte auch weg vom Baby bedeutet. Dann probierte ich Selbständigkeit, das lief von den Ergebnissen her, aber nicht von der Auftragsakquise. So etwas sollte man nur mit wesentlich mehr Erfahrungen beginnen. Gerne und gut entwickeln können reicht nicht. Der klassische Fail aller Möchtegern-Selbständigen ist auch, zu wenig Selbstmarketing drauf zu haben, zu wenig Kontakte. Die Meisten haben nun mal nicht die nötige Kombination der Vermarktungsfähigkeiten oder arbeiten in ungeeigneten Bereichen. Carolinchen sah sich das nur gut ein Jahr lang an, tat selber nichts, wurde immer verkniffener, gleichzeitig kindfixierter, stellte Fragen nach meiner Zukunft (über ihre eigene Zukunft redete sie dagegen nicht) und beendete unsere Beziehung schließlich in größter Kühle mit einem Termin. Dabei fiel jedes einzelne Element ihrer Chamäleonfarbe sofort wieder von ihr ab. Ausnahmslos all die Dinge, mit denen sie sich parallel geschaltet hatte, verschwanden fast schlagartig. Mehr als unser Kind hatte ihr das klug geplante und durchgeführte Investment nicht eingebracht. Also beendete sie es, kappte alles, machte unser Kind zu ihrem Kind und begann mithilfe des Unterhaltsrechts einzukassieren, was eben ging. Ihr Plan B. Ihre Ängste, das Kind könne gerne und lange bei mir sein, bekämpfte sie mit Umgangsboykott. Ich, der sozial minder kompetente Blindfisch, blickte endlich durch, war nun aber Vater geworden und unterhaltspflichtig, woraufhin ich mein Leben grundsätzlich rekonfigurierte. Das ist die Verzweigung in eine andere Geschichte. Carolinchen bekam jedenfalls nie mehr als Unterhaltsvorschuss, denn der erhoffte General wurde zum Schadensfall Unterhaltspreller.

Man muss dem Chamäleon attestieren, dass es für seine Ziele eine hohe Anpassungs- und Planungsfähigkeit hat. Es ist in der Lage, bei entsprechend guten Aussichten auch längere Anfütterungsphasen zu überstehen, ohne gleich aufzugeben. Das Chamäleon kann zwar nicht für seine eigene Entwicklung, aber bei der Zucht seines Nutzviehzielobjekts langfristig denken, in Ruhe die richtigen Momente abwarten und dann gekonnt die Früchte abkassieren. Es überstürzt nichts und macht nicht zu viel verdächtigen Druck, kann beim Partner das Gefühl erzeugen, authentisch zu sein. In den Medien sind viele typische Chamäleons zu finden. Musterbeispiel ist Heather Mills, die Exfrau von Paul McCartney, Beruf Model. Meghan Markle, Beruf Nebenrollenschauspielerin und nun endlich in einer Hauptrolle passt auch sehr gut. Alle haben sich in einer längeren Anfütterungsphase voll und ganz in vielen Einzeldetails auf die Lebensweise ihres Ziels eingelassen. Als das nicht mehr nötig war, die Ressourcen gesichert, war auch sofort die Tarnfarbe weg. Das Chamäleon schreitet zur Kasse, das alte Anpassungsmuster verblasst. Es hegt, pflegt und erntet schließlich. Chamäleons bilden eine geschlechtsspezifische Erfolgsstrategie von Frauen. Wer sie nicht erkennt, keine Sensoren für sie hat, sie unterschätzt, der geht sang- und klanglos unter, wenn das Chamäleon in die Erntephase eintritt.

P.


Weiterführender Link: TrennungsFAQ
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