• 30.11.2021

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Gold kostet keine Zinsen

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» Artikel vom

Gastautor: Fritz

Rolf sitzt an seinem Schreibtisch und schaut auf seinen viel zu hohen Kontostand. Die Bank schrieb ihm neulich, dass ab einem Guthaben über 25.000 € Strafzinsen fällig werden, die man liebevoll Verwahrentgelt nennt. Er denkt sich zu Recht: „Eine Frechheit!“. Man zahlt, um der Bank Geld zu leihen, denn sie verwahren es beileibe nicht. Man ist formal mit seinem Guthaben Gläubiger der Bank. Da er weder gläubig ist, noch Strafzinsen zahlen möchte, hebt er kurzerhand ein paar Tausender vom Konto ab. Doch was tun? Auch mit Bargeld ist man weiter Gläubiger der EZB und die Kaufkraft sinkt sowieso stetig. Also ab mit den Bündeln zu einem der seriösen Edelmetallhändler. Immerhin lässt der Spitzelstaat noch Transaktionen bis 2.000 € anonym zu, so gibt es eine Unze (31,1g) ohne Fragen nach den persönlichen Daten. Auch Transaktionen über diesem Limit werden nicht automatisch dem Finanzamt gemeldet, der Händler ist lediglich verpflichtet, die Daten des Käufers zu speichern.
Ideal sind Anlagemünzen wie beispielsweise der Maple Leaf aus Kanada, das Känguru aus Australien oder der Wiener Philharmoniker. Die Münzen sind weltweit bekannt und die Echtheit kann auch von Laien leicht festgestellt werden. Da Rolf nicht nur die ganzen Unzen, sondern auch handliche kleinere Einheiten erwerben möchte, greift er zusätzlich zu den gängigen historischen Umlaufmünzen. Früher bezahlten die Menschen damit im Alltag. Aufgrund ihrer millionenfachen Stückzahl nutzt man sie bis heute als Anlagemünzen. Bekannte Vertreter sind die 20 Mark (7,16g) aus Deutschland, die bis zum Jahre 1914 geprägt wurden. Daneben gibt es noch den Schweizer Vreneli (5,81g) oder den britischen Sovereign (7,32g). Diese Münzen sind nicht aus reinem Gold, sondern für die Kratzfestigkeit mit Kupfer legiert. Sie sehen etwas dunkler aus und sind schwerer als ihr Feingewicht. Die Kratzfestigkeit kann man nutzen und diese Münzen gut getarnt neben den ähnlich großen 10 und 20-Cent-Münzen in seiner Geldbörse transportieren. Selbst eine Mitnahme im Flugzeug ist so dezent machbar.
Zurück von seiner Einkaufstour bei mehreren Händlern einer großen Stadt legt er seinen goldenen Schatz erstmal auf den Tisch. Vor Freude schnippt er eine der Münzen leicht an und hört über das „Singen“ die Echtheit heraus. Eine Feinwaage und Messschieber helfen ebenso bei der Echtheitsprüfung und sind für jeden Metallanleger zu empfehlen. Bei den bekannten seriösen Händlern ist das jedoch kein wirkliches Risiko. Sie prüfen ihre Ware sehr genau, denn die Gefahr des Reputationsverlustes wäre einfach zu groß. Nun wo die Echtheit nochmal geprüft wurde, freut sich Rolf endlich darüber, sein straffälliges Guthaben in Gold verwandelt zu haben. Früher hieß es: „Gold bringt keine Zinsen.“, heute lacht sich Rolf einen, Gold kostet keine Zinsen.
Gold kann zwar nicht pleitegehen und aus purer Luft wie den Euro kann man es auch nicht erzeugen, jedoch gehen täglich fleißige Minenarbeiter zur Arbeit und verwässern die Goldbestände um ein bis zwei Prozent jährlich. Ebenso kann Gold auch lange Phasen niedriger Preise haben, so wie in den 1990ern bis Anfang der 2000er Jahre. Aber das sieht Rolf gelassen, denn er setzt nicht ausschließlich auf Gold, sondern hat auch noch Aktien und neuerdings sogar Bitcoin. Irgendein Asset steht immer hoch, falls man mal verkaufen muss. Im Rückblick konnte Gold im Mittel seine Kaufkraft immer halten und der Wert ist über Generationen kulturell auf der ganzen Welt verankert.
Rolf schaut auf einschlägigen Videoportalen öfter Beiträge von Crashpropheten, die natürlich auch Gold als Krisenvorsorge empfehlen. Eine gute Sache denkt er sich, hat man doch etwas, was jeden Systemcrash überdauert. Er ist jedoch prinzipiell optimistisch und freut sich auf in Zukunft steigende Goldpreise in einer guten Weltkonjunktur. Schließlich kaufen die treuen indischen Ehemänner, wenn deren Einkommen in einem Boom wachsen, ihren herzenslieben Frauen viel Schmuck und sorgen damit für gute Nachfrage nach dem Metall.
Ganz so doof wie die indischen Ehemänner ist Rolf natürlich nicht. Er ist ein freier Mann ohne Frau und kauft Gold nur für sich selbst. Jedoch kommen hin und wieder wechselnde Bettsportpartnerinnen zu ihm in die Wohnung. Damit sie die wertvollen Münzen nicht entdecken und mit ihm nur des Reichtums und nicht des prächtigen Riemens wegen vögeln, versteckt er seine Münzen sehr sorgfältig. Doch nur verstecken ist ihm zu unsicher, es könnte doch jemand einbrechen und alles wäre weg. Er will daher nicht alle Eier in einen Korb legen und mietet sich für einen Teil seiner Bestände ein Schließfach an. Angsthasen behaupten zwar, dass man den Schließfächern nicht trauen könne, jedoch kündigen sich Beschlagnahmungen genereller oder persönlicher Natur lange vorher an und es bleibt genug Zeit, um seine Sachen abzuholen. Sollte er doch einmal unterhaltspflichtig werden, so weiß er beruhigt, dass er über Vermögen verfügt, von dem kein Jugendamt weiß. In seinem Schließfach lagert er dann nur noch die Schulzeugnisse. Seinem persönlichen Umfeld erzählt Rolf natürlich nichts über seine Goldkäufe, schließlich wird viel getratscht und ungebetenen Besuch mag er gar nicht!
Möchte Rolf in Zukunft einen Teil verkaufen und sein heute gekauftes Gold ist im Kurs gestiegen, so kann er das nach 12 Monaten Haltefrist sogar ganz offiziell steuerfrei tun. Damit auch kein Zweifel an der Herkunft besteht, hebt er die Kaufbelege für evtl. Rückfragen fein säuberlich auf. Natürlich nicht so, dass sie gefunden werden und jemand gierig werden könnte. Rolf lebt zwar gesund und als freier Mann recht stressarm, aber auch er wird auf lange Sicht Gevatter Tod nicht entkommen. Sollte zu diesem Zeitpunkt noch etwas übrig sein, schließlich kann er nicht alles verhuren und versaufen, werden die goldenen Taler ganz dezent in die nächste Generation überwechseln.

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