Gastautor: P.

In kurzer Zeit hat der Begriff "Simp" eine steile Karriere gemacht. Ursprünglich war damit im Englischen eine alberne oder dumme Person gemeint, ein Dummkopf. Simp ist die Abkürzung von Simpleton. Ein Simpel eben. In jüngerer Zeit haben ihn freie Männer erweitert, mit "Simp" sind heute dumme und frauendurstige Männer gemeint, die unter Ausschaltung des Gehirns schlechten Frauen hinterher hecheln. Für die Hoffnung, an Frauen schnüffeln zu dürfen oder gar ein Leckerli zu bekommen, tun sie Vieles, aber hauptsächlich wirren Quatsch, einschliesslich äusserst schofligem Benehmen gegenüber anderen Männern. Sie hoffen damit, als edler Retter kontrastieren zu können.

Das ist eine Lesart, die auch ziemlich gut auf den "Pudel" passt, der im Männermagazin und anderswo oft Thema ist. Der Pudel hoppelt freudig herbei, wenn Frauchen pfeift und führt Kunststückchen auf, wenn er die Hoffnung hat dann gestreichelt zu werden. Ein weniger angenehmer Ausdruck lautet "Fotzenknecht". Eine sehr grosse Männermehrheit sind Pudel und SIMPs, das ist der Standardfall, freie Männer hingegen die Ausnahme.

Doch Pudel sind nicht homogen. Pudel treten in mehreren Geschmacksrichtungen auf. Viele normieren sich auf eine bestimmte Pudelgruppe. Einige dieser Pudelgruppen wollen wir heute in unserer Dauervorlesung "Der Mann und das Weib" genauer betrachten:

Der blinde Pudel

Er bildet die häufigste Pudelversion. Der blinde Pudel ist nicht ganz blind, er sieht aber nur bis zum eigenen (oft aufgeblähten und vollgefressenen) Bauch vorne und dem eigenen Steiss hinten. Er ist der Idealpudel für die Gesellschaft, lässt sich leicht abspeisen und in eine einfache Zufriedenheit tricksen. Er macht keinen Ärger und keinen Lärm. Weder bei Frauen noch beim Staat. An ihm beweist sich der Satz "Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit" von Frau Marie von Ebner-Eschenbach. Sein zufriedenes Leben begründet er mit Schlagworten und Memen aus einem alten, immer wiederholten Abreisskalender: "Mir gehts gut, was wollt ihr denn? Ja, Steuern muss man halt zahlen". Zu fertig gemachten Trennungsvätern: "Wie man sich bettet, so liegt man. Da wird schon was passiert sein, wenn sie nichts mehr mit ihm zu tun haben will". Schiefgegangene Ehen: "Drum prüfe, wer sich ewig bindet. Ich musste nie vor Gericht". Katastrophenentwicklungen in der Politik: "Wer weiss schon, was die richtige Entscheidung ist. Ein Politiker hat es schwer".

Als blinder Pudel ist er bei Frauen durchaus beliebt. Aber erst Mitte 30. Wenn die Damen nach ihrer Plateauphase komplett abgeritten und abgewetzt sind, die Alphas ausbleiben, weil sie ausgeleiert wie loses altes Gleitlager sind, die Milchdrüsen und die immer schwereren Glutäen immer mehr absacken, die Hoffnung auf einen alles zahlenden Deppen am drängendsten ist, dringend ein Kind her muss, um im Beruf zu pausieren, dann ist das die Stunde des blinden Pudels. Seine Blindheit wird jetzt zur gesuchten Eigenschaft. Solche Pudel werden von den Damen gerne als "mein stabiler Anker" bezeichnet und nie als "mein Geliebter". In seiner totalen Hohlheit ist gar nichts, das wütend oder zweifelnd werden könnte. Er ahnt nicht einmal, was ihm die anfängliche Freude einbringen wird, mit den Jahren endlich interessanter für Frauen geworden zu sein. Er denkt, er wäre reifer und attraktiver geworden, dabei hat er sich nur eine immer grössere Wampe angefressen und die Damen sind nach ihrer Plateauphase im Versorgersuchalter, wollen "sesshaft werden", nachdem kein Schliessmuskel mehr richtig schliesst. Doch der blinde Pudel nimmt auch bereitwillig beschädigte Ware auf, pudelt willig herbei, schafft gerne für die Frau, für den Chef, für die Partei. Er genehmigt sich auch kleine Fluchten, Zuckerstückchen, was sein Pudeldasein stabilisiert. Heimlich guckt er der Nachbarin auf den Hintern, darf ab und zu einen besseren Wein trinken oder unter der Hand halbbetrunken ein paar nichtoffizielle Meinungen hören. Aber was solls! Dem Pudel ist alles pudelig. Sich regen bringt Segen. Morgen ist ein neuer Tag. Hinterher ist man klüger. Sterben müssen wir alle mal.

Der Hechelpudel, Incels

Dieser Pudel hat Anfangs einiges gemein mit dem blinden Pudel. Doch irgendwann trennen sich Wege. Der blinde Pudel ist dann mal dran bei einer Frau, darf vom Umkreiser zum Beta-Versorgermann aufsteigen. Der Incel (involuntary celibate, unfreiwillige zölibatär) kommt aus mehreren Gründen nicht einmal so weit, er bleibt aussortiert beim anderen Geschlecht. Nicht, weil er Ansprüche hätte. Die hat er nicht und er sieht auch nicht, was mit ihm los ist. Gleichzeitig kann er aber auch das Geweibse nicht einfach sein lassen. Das macht ihn verzweifelt und zunehmend verbittert, manchmal wunderlich, gelegentlich sogar aggressiv. Er wird zum erfolglos hechelnden Pudel, sein Drang ist sichtbar, man sieht ihm schon weitem an, dass er bereits verkantet und verbittert ist. Das ist ein Duft, der jede Frau sofort in die Flucht schlägt. Und er rennt trotzdem hinterher, sodass er auch mal mit Stalkerparagrafen in Konflikt kommt. Der Hechelpudel versteht nicht, wieso und hechelt noch mehr. Oder er gibt scheinbar auf, aber das schafft er eigentlich nicht, es wurmt und gräbt in seinem Inneren weiter. Der Hechelpudel ist so nützlich wie die anderen Pudel, er sorgt für riesige Umsätze in Partnerbörsen, thailändischen Bars oder überall dort, wo man dummen Männern etwas verkauft, das sie erfolgreicher bei Frauen machen soll.

Der Kläfferpudel, weisser Ritter

Stolz, stramm und kläffend oder jaulend steht dieser Pudel immer bereit, einem Weib in Nöten den Mantel darzureichen, auf dass sie unbeschadet über eine (natürlich) von anderen Männern verursachte Pfütze gehen kann. Der weisse Ritter ist ein Mann von Ehre. Aber nicht gegenüber seinen Geschlechtsgenossen, die er gerne als unehrenhaft hinstellt, um selbst um so heller als Tugendbold zu glänzen. Seine guten Taten kommen ins Fleissbüchlein. Dort stehen sie wie Rabattmarken, die er einmal bei einer Frau einzulösen hofft. Auch online springt er gerne Frauen bei, in der stillen Hoffnung, sie auch mal zu bespringen. In Diskussionen gibt er gerne den Feministen und Frauenversteher. Er schleimt Richtung Frauen und intrigiert Richtung Männer.

Dieser Pudel ist schlimmer als alle Anderen. Er ist ein Kläfferpudel, ein Brunnenvergifter und die reine Katastrophe für andere Männer und letztlich auch Frauen. Der weisse Ritter lädt Frauen in die Männerkumpelsrunde ein und sprengt sie damit. Er befördert die unfähige Mitarbeiterin statt den fähigen Mitarbeiter, weil es "Frauen schwerer haben" und kostet damit Alle, die Firma, Geld, Nerven und schliesslich Existenz. Er steht bereit als Tränenkissen für Frauen, denen ihr eigener Mist über den Kopf gewachsen ist, und hält sie so davon ab, Konsequenzen zu tragen oder sich weiterzuentwickeln. Es sitzt am Richtertisch und sagt "die Kinder gehören zur Mutter". Manchmal erhält er Quittungen für sein Verhalten. Die größten Dummheiten begeht er, wenn er bei "bedrohten Frauen" einschreitet das trifft ihn dann ausnahmsweise auch einmal selber. Er springt ihnen dann als Schlichter und Retter zur Seite, wenn er streitendes Pack sichtet und eine Frau beteiligt ist. Das führt meist dazu, dass er selber vermöbelt wird und manchmal auch totgeschlagen. Aber hey, es war für eine gute Sache. Keine Frau belohnt ihn für seine Taten und öffnet ihr feuchtes Schatzkästlein, selbst wenn er schwer gelitten hat. Der Staat belohnt ihn mit einem Orden - posthum.

Der geschniegelte Pudel, Pickup-Artisten

Auch das ist eine Pudelgruppe, die der geschniegelten Pudel. Er gehört zu denen, die ein bisschen kreativer und beweglicher sind als andere Pudel. Sein Kennzeichen: Er unterwirft sich seinen Geschlechtsdrüsen und einem nur auf Frauen ausgerichteten Spieltrieb. Damit hat er Erfolg, er kann Tricks lernen und zeitweilig so tun, als würde da ein Alpha um das Weibchen werben. Er zieht Idiotenkleidung an, um nicht sofort vergessen zu werden, macht sich zurecht, spricht von seinen Stablecoin-Krypto-Investments, das neue große Ding nach Bitcoins. Landet er mit ihr im Bett, nennt er das "Score!" und so dreht sich das Karussell. Er kennt die Wege der Selbstoptimierung, ist gerne gesehener Kunde in Sportstudios und allerlei Lokalitäten. Er kann grillen, Geschichtchen erzählen und Shows abziehen, weiss wer in den angesagten Bars von Barcelona bedient. Aber letztlich ist er nur eine weitere Pudelversion, die einem Script folgt, das sich immer nur an Frauen orientiert. Oft ist er im späteren Leben seinerseits früh körperlich und finanziell abgeritten. Leber, Knie (nach der dummen Landung beim Paragliding in Chile) und Rücken wollen nicht mehr. Er zahlt für Kinder, die er nie sieht; hat mit nervtötenden Frauen zu tun die er eigentlich gar nicht mehr sehen will. Erst wird er beneidet, vor allem von Hechelpudeln, dann verachtet. Immerhin denkt er zeitweilig, er wäre schlauer als der Durchschnitt und einige dieser Pudel schaffen in der zweiten Lebenshälfte als Ruinenpudel tatsächlich die Entwicklung zum freien Mann hin. Das wird er leider weniger durch Erkenntnis, sondern durch zu viele bittere eigene Erfahrungen.

Bleiben wir besser Männer, statt uns zu Pudeln zu machen.



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