Gastautor: Pancho
TAG 4
Als nächste Station steht San Salvador – die Hauptstadt – auf dem Programm. Dort wurde und wird seit Bukele massiv alles auf Vordermann gebracht. Berühmt ist El Centro Histórico also das historische Zentrum, in dem unter anderem der komplett renovierte/sanierte Nationalpalast steht und die BINAES, die in einem imposanten Gebäude weilt, das nachts eine leuchtende Fassade hat und der Hingucker ist. BIANES steht für Biblioteca Nacional de El Salvador, also die Nationalbibliothek. Das gesamte Zentrum hat sich massiv zum Guten verändert (es gibt vorher-nachher Videos im Internet). Es ist eine Mischung aus Moderne (die wilde Oberland-Stromverkabelung, die man aus solchen Ländern kennt, wurde abgebaut) und Tradition. Es wird als Nationalerbe gesehen und es war wichtig, dort zunächst mit dem Wiederaufbau anzufangen, denn es ist die Seele des Landes und schon aus Respekt zum Land, muss so ein Platz die entsprechende Würdigung erfahren, was mehr als gelungen ist. In der Nähe befinden sich berühmte Kirchen, wie die Kathedrale von San Salvador und die Somasca El Calvario-Kirche. Die kleinen Straßen dazwischen sind gesäumt von kleinen Läden und fliegenden Händlern und ich lerne, dass man in El Salvador vieles auf der Straße und in diesen kleinen Läden wesentlich billiger kaufen kann. Beispiel: Ein Feuerzeug kostet im Supermarkt 1,25 USD. Von einer alten Frau, die ihre wenigen Waren auf der Straße feilbot, habe ich vier Feuerzeuge für insgesamt ein USD gekauft.
El Centro Histórico ist im Kernbereich für Autos gesperrt, aber schicke Fahrradwege wurden bei der Neuplanung mit eingeplant und gebaut. Blöd nur, dass ich dort keinen einzigen Fahrradfahrer gesehen habe. Die sieht man eher an der Küste, wie sie mit den Bergen kämpfen. Es macht Laune dort herumzulaufen, sich alles anzusehen, es herrscht ausgelassene, friedliche Stimmung. Das Bild ist geprägt von Einheimischen, die entweder ihrem Lebensunterhalt nachgehen oder an den vielen Sitzmöglichkeiten entspannen, einen Happen essen oder einfach nur die Ruhe und den Tag genießen. Man hört keine Wichtigtuer, die lautstark per Freisprech telefonieren, sieht keine Talahühner, keine Kopftücher, keine Barber- und Shishabuden, keine Dönerstände, nichts dergleichen. Müll auf den Straßen und Plätzen sieht man kaum bis gar nicht. Hier und da sieht man Polizei und bewaffnete Soldaten. Sie wirken aber nicht bedrohlich. Im Gegenteil. Es ist eine vertrauenerweckende Präsenz, die einem sagt: „Hast Du ein Problem, wir sind für Dich da“. Habe mich mit einem unterhalten. Netter Typ, völlig umgänglich. Im Nachhinein betrachtet strahlte er ein "Al pasado nunca más" (=Nie wieder) aus und wer nur daran denkt irgendwas anzustellen, verwirft den Gedanken sofort wieder. Dazu passend gibt es eine Kampagne der Polizei namens "Píensalo bien", was so viel heißt, wie denke gut darüber nach, ob Du wirklich etwas anstellen möchtest, die u.a. mit Videos in den Sozialen Medien wirbt, die typische, verlockende Situationen zeigen und dass das scheinbar leicht geklaute Smartphone üble Konsequenzen nach sich zieht.
Es gibt natürlich die großen Malls wie überall auch, z.B. das El nuevo Mercado San Miguelito, das 08/25 eröffnet hat, wo man tatsächlich für knapp über einen Dollar frühstücken kann. Diese Plätze habe ich mir aber erspart. Malls sind über all gleich und was soll ich hier Geschäfte von Marken sehen, die es weltweit überall gibt.
Kleine Dinge am Rande:
Zwischendurch Appetit bekommen und Donkeys gefunden, das auch mex. Essen anbietet und dort die Tacos ausprobiert. Waren gar nicht schlecht.
Habe einen kleinen Laden gefunden und wer mich kennt, kennt mein Faible für schöne Unterwäsche für die süßen Mäuse. Das ist noch etwas, das ich mit dem besten Kumpel gemeinsam habe und als ich den Laden gesehen habe, konnte ich nicht anders, als ihm ein Bild zu schicken und zu fragen, ob ich was mitbringen soll :)
Ach ja, da gab's noch was: Ich hatte an der Straße geparkt. Als ich wegfahren will, spricht mich ein alter Herr an, der von mir Parkgebühren haben wollte. Sein Pech: Bin informiert. In El Salvador ist es verboten an öffentlichen Straßen Parkplätze abzusperren oder gar damit Geld verdienen zu wollen. Parken ist grundsätzlich kostenlos, außer man parkt in speziellen privat geführten Parkplätze, wie es sie zum Beispiel in El Tunco (kommt später) gibt, wo die Straßen so eng sind, dass man nicht parken kann. Ich habe also verneint, der alte Mann bestand aber darauf, dass ich zahlen müsse. Hab’ ihm gesagt, dass wir das auf Wunsch hin gerne klären können, wir die Polizei rufen und die fragen, ob ich zahlen muss oder nicht. Da ist dann ein anderer Typ aus dem Hintergrund aufgesprungen, wiegelte ab, sprach von einem Missverständnis und ich solle einfach nur fahren. Nice try. Eigentlich hätte ich diese Leute melden sollen. Nicht wegen Denunziantentum, sondern weil El Salvador inzwischen wirklich sicher ist und solche Auswüchse sofort im Keim erstickt gehören, damit auch der letzte kapiert, dass eine neue Zeit gilt und Verbrechen unerwünscht sind und auch nicht toleriert werden. Es gibt übrigens eine eigene Telefonnummer, um sowas zu melden. Ruck zuck rücken dann Ordner oder die Polizei an und erklären den Leuten, was Sache ist oder nehmen sie gleich mit.
Auf dem Programm steht nun der Lago Ilopango an. Das ist ein großer See, der aus einem Vulkan entstanden ist. Der Vulkan ist nicht tot, denn es gibt tief im See Fumadores = Quellen aus denen heiße Luft aufsteigt. Der See ist wunderschön im Grünen gelegen, die Fahrt dahin wieder Berge rauf und runter mit endlosen Serpentinen und kleinen Dörfern auf dem Weg. Das Wasser schön warm und klar. Interessant: Habe dort keine Touristen gesehen. Nur Einheimische, die entweder dort was zu essen/trinken gekauft haben oder selbst mitgebracht haben. Natürlich falle ich auf, aber keiner stört sich daran. Als ich am Ufer stehe und ein Rundum-Video drehe, rennen mir zwei Teenies fast ins Bild, bremsen ab und bitten um Entschuldigung.
Als ich im Wasser sitze, den Anblick und die Abkühlung genieße, mein ganzes Zeug liegt am Ufer und ich habe nicht die leiseste Sorge, dass was geklaut werden könnte, kommt ein Paar dazu, so ca. Mitte vierzig. Er geht direkt ins Wasser, sie steht am Ufer und lässt sich nicht überreden hereinzukommen. Die Sonne ist ihr zu stark, sie verabschiedet sich Richtung Schatten. Der Typ, Guillermo, und ich kommen ins Gespräch. Es ist seine Freundin. Er war früher verheiratet, zu Covid-Zeiten hat er den Job verloren und die Alte ist ihm davongelaufen. Ja, auch Latinas ticken so. Ohne Moos, nichts los. Heute ist er dankbar, dass er sie los ist, wohnt alleine, schwärmt davon ein Freier Mann zu sein und hat seine Freundin gut im Griff. Wir reden noch länger über El Salvador, was gut ist, was schlecht ist, sein Job und seine Versuche vorwärtszukommen. Ein wirklich netter, anständiger Typ, wieder eine nette Begegnung. Wir tauschen noch Nummern aus und ich mache mich wieder auf den Weg. Als ich dorthin komme, wo ich das Auto abgestellt habe, ist eine Horde junger Menschen darum, die Party machen. Freundliches: „Ich müsste mal mit dem Auto raus“. Kein Problem, sie machen Platz.
Es ist schon spät am Nachmittag, gegen 18:00 geht die Sonne unter, die Fahrt nach Hause wird dauern, also mache ich mich auf die Socken und fahre wieder endlos Serpentinen bei guter Musik. Macht Spaß. Zu Hause angekommen, treffe ich Victor (der alte Mann, der meine Bleibe hütet). Wir unterhalten uns, er gibt mir Tipps, was ich noch besuchen sollte. Damit gehts in meine Wohnung, Pläne für morgen schmieden.
TAG 5
Heute geht’s nach El Tunco und Sunzal. Das ist ein Küstenstreifen bei La Libertad mit etlichen Hotels, Restaurants und Nightlife. Die Fahrt dahin dauert rund 50 Minuten. Eintritt kostet einen Dollar, Parkplätze gibt es nur von den Hotels für ihre Gäste und privat. Für 5h privat Parken zahle ich 3 USD. Laufe den ganzen Abschnitt durch, sehe mir die Hotels, die Restaurants, die Bars und wie überall in El Salvador die vielen kleinen Läden an. Hier ist Surferparadies, die meisten Gäste kommen zum Surfen her. Was weniger schön ist, ist der Strand. Kaum Sand, sondern ziemlich steinig. Insgesamt ist wenig los und jemand erzählt mir, dass die Party erst gegen 21:00 Uhr losgeht und es dann wild bis in die frühen Morgenstunden geht. Bin neugierig, möchte aber heute nicht Party machen und erst recht nicht mit Alkohol heimfahren, also vertage ich diese Aktion.
Sunzal liegt direkt neben El Tunco und bietet das gleiche Bild am Strand, ich schaue es mir an, es zieht mich ins Wasser, allerdings möchte ich einen Sandstrand, also suche ich im Internet nach nahegelegenen Alternativen. Eine kenne ich ja schon. Die Playa Las Flores noch nicht und die soll toll sein, also dorthin. Die Hitze schafft mich, ich brauche Abkühlung. Dort angekommen, finde ich einen riesigen, fast menschenleeren Sandstrand vor mit nur einem kleinen Unterstand, der Schatten wirft. Dort sitzt eine einheimische Familie, die sich einen schönen Tag am Strand gönnen. Sie haben Essen mitgebracht und sind gerade beim Essen. Frage höflich, ob es ok ist, wenn ich mich dorthin setze, weil es der einzige Platz mit Schatten ist. „Ja, klar, nur zu“, heißt es, also packe ich da meine Sachen hin, mache mich badefertig und ab ins Meer und es ist einfach nur traumhaft. Meine gesamten Sachen (inkl. Geld, Schlüssel, Handy, …) bei denen und auch diesmal kommt nicht das leiseste Gefühl auf, dass ich bestohlen werden könnte, was natürlich auch nicht passiert. Später, als die Familie fertig gegessen hat, kommen sie auch zum Baden ins Meer. Die beiden Töchter sind süß und strahlen einfach nur Lebensfreude aus. Viel Geld haben sie bestimmt nicht. Sie kamen mit zwei Motorrädern und wirken auch so eher einfach aber glücklich.
Die jüngere der beiden Töchter schafft es sich – vielleicht an einer Muschel? Der Strand ist sauber – zu schneiden. Nichts Schlimmes, aber es blutet ein wenig. Sie kommt zum Unterstand, wo ich gerade ein Bierchen genieße, um die Wunde etwas zu säubern. Frage, ob ich helfen kann. Sie ist etwas unsicher. „Warte mal, das haben wir gleich“. Bin unterwegs immer gut auf alles vorbereitet, habe eine Flasche Wasser da, womit ich die Wunde auswasche, mache etwas Desinfektionsmittel drauf und klebe ein Pflaster drauf. Die Kleine ist begeistert und lächelt. Inzwischen ist die Mutter dazugekommen, sieht sich meine Aktion an und bedankt sich anschließend für die Hilfe. Die Kleine zieht von dannen zur Schwester, um weiter an ihrer Sandburg zu bauen. Kleinigkeiten, die eigentlich nicht der Rede wert sind, aber sich gut anfühlen. Uns trennen sicher Welten, dennoch geht ein freundliches, respektvolles Miteinander und alle sind happy. Zunehmend verliebe ich mich immer mehr in Land und Leute.
Ab nach Hause, ich habe im Dorf nebenan einen Mexikaner Frida Cocina Mexicana entdeckt, den ich besuchen möchte. Als es langsam dämmert, komme ich dort an. Bin der einzige Gast, habe den Laden für mich alleine, sitze auf der Terrasse im ersten OG und bekomme hammermäßige Flautas. Es wird dunkel und da wir auf einem Berg sind, sieht man San Salvador von oben bei Nacht. Was für ein Anblick. Als ich fertig mit essen bin, gehe ich runter und gratuliere der Köchin. Es sei, wie in MX, sage ich. Sie ist angetan und erzählt: Sie wäre von hier, aber ihre Mutter hätte 40 Jahre in MX gelebt und sie liebe die mex. Küche. Man merkt es, sie kann es. Hier werde ich sicher öfters wiederkommen. Das Abendessen kostet keine 9 USD.
Nach dem Essen gehe ich noch gegenüber in den Mirador (Aussichtsplattform) und schaue mir San Salvador mit seinen vielen Lichtern von oben an. Auch hier sind nur Einheimische unterwegs. Familien mit Kindern. Die Kinder toben und haben einfach nur Spaß. Nebendran entdecke ich ein Lokal IKATÚ Café | Mirador mit Tischen auf einem Balkon, das mich anspricht. Mojitos haben sie nicht, aber einen Rotwein. Den gönne ich mir bei der wunderschönen Aussicht. Einzig weniger schön: Der Rotwein ist eiskalt. Egal, es hat Spaß gemacht. Ab nach Hause, duschen. Bin geschafft.
Fortsetzung folgt …
PS: Auf Bilder und Links von den genannten Orte wird weitgehend verzichtet. Die Namen der Orte, Restaurants & Co sind alle so wie angegeben im Internet auffindbar und dort findet man Infos und Bilder dazu.
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