• 18.10.2019

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Kleider machen Leute

thorsteinar

» Artikel vom

Meist schaue ich abends mal kurz in Facebook vorbei. Ok, viele Facebook Freunde habe ich nicht. Es sind nur 34. Da sind einige Frauen dabei, auch eine Exfreundin, einige Lada Kumpels, Journalisten und zwei engere Freunde. In meinem Facebook Account tut sich eigentlich recht wenig, wenn da nicht die lästige Werbung wäre. Ich möchte jetzt nicht auf jeden Dreck eingehen, aber wenn es um Klamotten geht, schaue ich meist etwas genauer hin.

Da habe ich so eine harte und grimmige Männerfresse gesehen, bei der es 2 Hemden für den Preis von einem geben soll. Der Preis mit knapp unter 70 € klingt nicht schlecht, aber normale Hemden bekomme ich woanders auch. Da brauche ich meine Gewohnheiten nicht zu ändern.

Und manchmal erscheinen auch Klamotten, die zum Teil in Deutschland, gerade in öffentlichen Behörden, nicht erwünscht bzw. sogar verboten sind. Nein, ich rede nicht vom klassischen Wehrmachtsmantel aus Büffelleder. Der ist überall erlaubt, denn diesen Mantel trug der Friedensheld Oberst Graf Stauffenberg und was der Graf getragen hat, ist freilich nicht verboten. So sind alle Afrikakorps Klamotten praktisch Kult. Es ist eh erstaunlich, dass alle Wehrmachtsklamotten keinen Einschränkungen unterliegen. Nun komme ich zum Punkt. Ich habe die Werbung von Thor Steinar in Facebook gesehen und im Onlinekatalog etwas gestöbert.

Thor Steinar sollen angeblich alle Nazijünger tragen und laut den linksradikalen Webseiten sollen diese Klamotten ein Erkennungszeichen für Rechtsradikale sein. Nun will ich nicht abstreiten, dass nationalistische Männer und Frauen eher zu diesen Markenklamotten greifen und nicht zu Jesuslatschen und einem Regenbogen T-Shirt. Nun ist ein Katalog das eine und sich in einem Verkaufsladen ein Bild zu machen, die andere Seite der Medaille.

Unbestritten bin ich auch ein Fan von militärischer Kleidung. Logisch, denn schließlich war ich Leutnant einer wirklichen Friedensarmee. Mein Geschmack wechselt wie bei allen Männern auch. Mal mag ich es elegant, mal laufe ich martialisch rum und an manchen Tagen ist es mir egal, welche Klamotten ich anziehe. Schließlich ist nicht jeder Tag gleich. Meine U-Boot- und meine Messerschmitt-Jacke, die als Jacken aus der Zeit des 2. Weltkrieges nicht zu erkennen sind, trage ich ziemlich oft. Gerade die U-Boot Jacke ist meine Lieblingsjacke. Ein tolles Leder, ein sehr praktischer Schnitt mit höchstem Tragekomfort. Die meisten Klamotten aus dieser geschichtlichen Epoche sind durchdacht und auf Langlebigkeit ausgelegt. Mich hat noch niemand als Nazi beschimpft oder diese Jacken mit der Wehrmachtszeit in Verbindung gebracht.

Aber zurück zum Modelabel Thor Steinar. Ich habe mir einige Schimpftiraden im Internet durchgelesen und die einhellige Meinung dieser Schmierfinken ist, dass die Träger dieser Klamotten, also von Thor Steinar, alles Nazis sind. Das ist eine sehr gewagte These. Die Frage lautet, ob Kleider tatsächlich Leute machen. Und die Wissenschaft, wer auch sonst, gibt klare Antworten. Kleider machen eben nur oberflächlich Leute und zeigen nicht den wahren Charakter eines Menschen. Eigentlich weiß das jeder. Erstklassig angezogene Leute können Pfeifen, Massenmörder oder einfach nur Idioten sein. Mit Kleidern kann man andere Mitmenschen täuschen. Nun will ich das nicht weiter ausführen, denn eins ist glasklar. Der Träger von Thor Steinar Klamotten muss kein Nazi sein. Es wäre auch zu blöd, wenn alle Nazis Thor Steinar tragen würden. Da hätte es der Verfassungsschutz ziemlich leicht.

Oft kann ich Linksradikale von Rechtsradikalen nicht unterscheiden. Beide extreme Seiten haben gleichermaßen große Lust, anderen Menschen eins in die Fresse zu hauen und wenn nicht, dann machen sie Randale. Sie zerstören Geschäfte, demolieren Autos und leben ihre Lust an der Gewalt aus. Die Linksradikalen haben früher mit Vorliebe große, teure Limousinen in Brand gesetzt. Das ist nicht lustig, aber lustig dürfte sein, dass diese linksradikalen Banden im gleichen Atemzug sagen, dass Thor Steinar reine Naziklamotten sind.

Und ich wollte es einfach mal genauer wissen. So gibt es in Deutschland einige wenige Verkaufsshops von Thor Steinar und einer ist sogar in meiner Nähe. In Plauen. Plauen liegt in Sachsen, also in der wunderschönen DDR. Ok, früher hieß es mal DDR. Heute ist der Osten Bestandteil des blühenden Westens mit einer wahren Demokratie. Und so habe ich mich in meinen kommunistischen, mit sowjetischen Hoheitszeichen gepflasterten Lada gesetzt und bin nach Plauen gefahren.

Nun möchte man meinen, dass mein Lada mit den ruhmreichen Symbolen der Sowjetunion in Plauen geschändet wird. Nein, überhaupt nicht. Einige Passanten haben gewunken, weil der Lada einfach nur geil ist. Und mein Kennzeichen ist die Provokation pur. M FS. Das ist die Abkürzung für Ministerium für Staatssicherheit und ein Schrecken der DDR gewesen. Natürlich nur für die Widerstandskämpfer. Nicht für den normalen Bürger. Aber sei es drum. Ein Lada ist ein Symbol der DDR und wird im Osten immer beachtet. So fuhr ich durch Plauen und mein kapitalistisches Navigationsgerät führte mich schnurstracks zum angeblichen Naziladen.

Ich hatte Glück, denn genau gegenüber vom Shop war ein Parkplatz frei. Nun rechnete ich damit, dass der Laden von Thor Steinar voller Nazis ist, ich erstmal eins in die Fresse bekomme und dann durch die Frontscheibe meines Ladas geworfen werde. Ich habe keine Angst um meine Fresse, aber meinen Lada zu demolieren würde in mir echte Aggressionen hervorrufen. Zu allem bereit betrat ich mit festem Schritt den Thor Steinar Laden. Und ich war überrascht. Niemand drin. Weit und breit kein Nazi zu sehen. Da war ich doch etwas enttäuscht, denn ich wollte einen Nazi schon immer mal live und in voller Größe erleben. Hat wieder nicht geklappt.

So war ich nun alleine im Laden und stöberte durch die Sachen. Die Verkäuferin, eine gut gebaute Frau Anfang 40, sie könnte durchaus mein Geschmack sein, hielt sich diskret zurück, bis ich sie ansprach. Ich habe mich für eine Jacke, eine Jeans und ein Hemd interessiert. Die Sachen von Thor Steinar haben eine richtig gute Qualität und sitzen wie angegossen. Verdammt nochmal. Das sind wirklich schöne Sachen. Und in meinem Hirn spukte immer der Gedanke herum, dass ich nun ein Nazi sei. Aber was solls. Mir gefielen diese Sachen und ich habe sie gekauft. Das war eine gute Entscheidung.

Es ist durchaus witzig, dass ein geborener Kommunist nun manchmal in Thor Steinar Klamotten rumrennt. Aber vielleicht gefällt mir auch das Image des etwas Verbotenen. Ja, das spielte für meine Entscheidung eine Rolle, aber eine untergeordnete. Die Klamotten sind eben cool, sitzen wie für mich gemacht auf meinem ostpreußischen Leib. Und was andere Mitmenschen über mich denken, ist mir eh schon lange wurscht. In diesem Sinne wünsche ich allen Mitstreitern „Rot Front und ein langes Leben“.

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