Gastautor: Pancho

TAG 6

Heute ist Ruhetag angesagt. Lange schlafen, Frühstück machen, ausruhen und Pläne für die nächsten Tage schmieden. Beim Frühstück machen (Rühreier mit Tomaten, eingelegte Jalapeños (+ Karottenscheiben + Zwiebeln, die ich irgendwo in einem kleinen Laden gekauft habe und der Duft an MX erinnert), Avocados, Käse und MX Tortillas – in SV gibt es auch SV Tortillas, die sind aber dicker, als die in MX) fällt mir auf, dass Gasherde mir besser gefallen, als E-Herde, auch wenn zweitere deutlich einfacher zu putzen sind. MX-Tortillas werden normalerweise auf einem Comal (ist nur ein dünnes Blech) aufgewärmt und werden dabei weich. Das funktioniert nur mit Gasherden. Auf E-Herden habe ich es mit Pfannen ausprobiert, klappt nicht.

TAG 7

Ein Zwei-Tages-Plan steht an. Zunächst fahre ich nach Joya de Ceren. Das sind ausgegrabene Maya Gebäude. Wirklich spannend sind sie nicht, vielleicht aber nur für mich unspannend, weil ich bereits endlos viele Ruinen besucht habe. Zu jeder Ruine gibt es ein Schaubild und Erklärungen. Immerhin sind sie so ehrlich, dass sie bei den Abbildungen, wie die einzelnen Gebäude ausgesehen haben sollen, „hypothetische Darstellung“ schreiben. Das habe ich so bisher woanders nicht gesehen. Ach ja, was ich bisher nicht kannte und dort als Nachbildung in (angeblicher) Originalgröße steht, ist eine Maya Sauna. Man lernt nicht aus.
Es gibt noch ein angeschlossenes, kleines Museum mit Gegenständen, die dort gefunden wurden. Auch das ist schnell erledigt. Eine Art Imbissbude/Café gibt es auch, wo man – es ist wirklich heiß – kalte Getränke, Sandwiches & Co erwerben kann. Es ist wenig los, ausländische Touristen gibt es außer mir wenige und die auch eher aus spanischsprechenden Ländern, dafür ist eine Schulklasse da, die sich gerade im Kaffee mit Brause und Broten stärken. Ich schaue ihnen bei einer eiskalten Cola etwas zu und lausche ihren Gesprächen. Normaler Teenie-Kram, dennoch interessant. Auffällig, dass sie nicht alle stur in ihre Smartphones schauen, sondern sich miteinander unterhalten.

Weiter geht es nach Santa Ana, eine Stadt, die für ihren Stadtkern und wunderschöne Gebäude im Kolonialstil bekannt ist. Die will ich mir unbedingt anschauen, weil ich den Kolonialstil liebe. Angekommen geht es zielsicher zum Parque Libertad im Zentrum an dem auch die berühmte Catedral de Nuestra Señora Santa Ana steht. Auch hier das inzwischen gewohnte Bild. Viele Leute sind unterwegs, es sind aber überwiegend Einheimische. Mehr, als gelegentlich ein bis zwei ausländische Touristen, sehe ich nicht. Die kleinen Straßen sind wieder gesäumt mit kleinen Läden, Restaurants und Fastfood-Ketten, die meisten bei uns komplett unbekannt. Hab’ Lust auf ’ne Kleinigkeit und entscheide mich für das Pollo Campero. Neben Hühnerzeugs gibt’s dort auch mex. Tacos. Bier haben sie keines, dafür aber Agua de Horchata. Das ist ein sehr erfrischendes Getränk, das aus Reis, Milch, Zucker und Zimt gemacht wird, ich aus MX kenne und liebe. Die Tacos sind gar nicht schlecht. Im Laden ausschließlich Einheimische. Preis ist mit rd. 10 USD überschaubar.

Nachdem ich das Zentrum erkundet habe und anschließend etliche Straßen mit wunderschönen Häusern im Kolonialstil abgelaufen bin, mache ich mich auf zum Lago de Coatepeque, ein See, der wie Ilopango aus einem Vulkan entstanden und ebenfalls riesig ist. An der Straße, ab der man den See von oben sieht, sind etliche kleine Restaurants. Entscheide mich für eines – ein Bierchen zwischendurch muss sein – und schaue mir den See von oben an. Beeindruckender Anblick. Es gibt dort reichlich Wassersportangebote. Sehe u. a. Jetskis, Ausflugsboote, ja, selbst einen Wasserskifahrer, der von einem Jetski gezogen wird, aber etwas ungeübt ist und ständig ins Wasser fällt. Bekomme Lust, weil ich Jetskifahren liebe, suche einen Anbieter und fahre den endlosen Weg runter zum Seeufer. Das macht nur bedingt Spaß, weil ein weiter Teil über eine katastrophal schlechte Straße führt, wo man das Auto regelrecht tragen muss. Zwischendurch durchkreuzen Flüsse den Weg. An einer Stelle – das Wasser steht echt hoch – bin ich mir nicht sicher, ob ich es wagen soll mit dem Auto durchzufahren. Will gerade abbrechen, als ein Taxi aus der entgegengesetzten Richtung kommt, dort geschickt durchfährt, also den Weg gemerkt, den er genommen hat und es gewagt.

Als ich endlich unten angekommen bin, ist mir die Lust auf Jetski vergangen, zudem musste ich noch wohin und es ist schon spät. Suche mir also die erst beste Stelle, die frei zugänglich ist und finde wie so oft dort nur Einheimische vor, die zum Teil zelten. Sie haben ihr Zelt aufgeschlagen, wo es nicht im Weg steht und keiner stört sich daran. Habe dort ein Bierchen getrunken, stand halb im See und hab’ mit ein paar Leuten gesprochen, die das bestätigt haben, was ich auch von anderen über das Leben hier gehört habe. Erstmals sehe ich Müll rumliegen :( Schön war es die Kinder zu sehen, die immer wieder im Wettkampf vom Steg ins Wasser gesprungen sind und dabei sichtlich Spaß hatten.

Nach ca. 1h mache ich mich auf den Weg. Den üblen Weg habe ich etwas schneller genommen, durch die Flüsse inzwischen routiniert und weiter nach El Tunco, wo ich übernachten werde, weil ich die berühmte Party mitnehmen möchte. Für die Übernachtung habe ich ein Zimmer im Hotel La Guitarra gebucht. Das hat mich bei meinem letzten Besuch angesprichen. Kein Luxus, sondern eher was für Surfer. Zimmer mit Balkon mit Aussicht aufs Meer gibt’s dort für 50 USD inkl. Frühstück. Diesmal brauche ich keinen kostenpflichtigen Parkplatz, da das Hotel Parkplätze anbietet. Während ich am Einchecken bin, kommt ein Ami zur Rezeption. Er hat sich beim Surfen den Knöchel verstaut und fragt nach einem Arzt. Es gibt leichte Verständigungsprobleme, weil er kein Spanisch spricht und das Englisch der Dame am Empfang rudimentär ist, also helfe ich aus und übersetze. Dabei erfahren wir (der Ami und ich), dass es in El Tunco eine Klinik gibt, er dorthin kann und die Behandlung kostenlos ist. Beide staunen, frage ihn, ob ich ihn hinfahren soll, er meint aber, er schaffe es schon, bedankt sich und macht sich auf den Weg.

Empfang ist wie gewohnt sehr freundlich, werde zu meinem Zimmer geführt. Es geht durch einen Garten, der links und rechts von kleinen Bungalows gesäumt ist, zu dem einzigen mehrstöckigem Gebäude der Anlage, das auch das einzige ist, das zum Meer hin ausgerichtet ist. Mein Zimmer liegt im 1. OG und über der Bar mit Terrasse. Wie praktisch, dann habe ich es nicht weit :) Das Zimmer ist hell, sauber, das Kingsize-Bett bequem und verfügt über Bad und zu meiner Freude über einem großen Balkon mit Hängematte, Sitzgelegenheit und Tisch. Gefällt mir. Stehe auf dem Balkon, die Sonne geht gerade unter und es ist ein traumhafter Anblick (siehe Artikelbild). Es ist wohl Flut, denn dort, wo ich neulich noch am Strand auf Steinen gelaufen bin, steht das Wasser nun meterhoch und die Brandung reicht bis zur Mauer der Bar-Terasse. Ein schönes Schauspiel, denn die Wellen sind hoch und kommen dreifach daher. Ein paar Surfer sind noch draußen und machen es recht gut. Freue mich auf die Party, gehe runter zur Bar, bestelle den obligatorischen Mojito und schaue mir die Gäste so an. Eine abgehalfterte, leicht bekleidete Amerikanerin sitzt auf einem Vorsprung mit angehobenem Bein und dazu gespreizten Beinen, sodass man fast ins Innerste schauen kann. Widerlich, mir vergeht fast die Laune auf mein Mojito. Irgendwie hat sie verpasst, dass sie keine 20+ Jahre mehr ist. Sie wirkt billig, heruntergekommen und das Blech im Gesicht macht es nur noch schlimmer. Der Rest der Gäste macht einen guten Eindruck. Einige wenige Einheimische, die Mehrzahl Touristen. Höre auch deutsche Sprache, lasse mir aber nichts anmerken.

Beim letzten Besuch hier, hatte ich ein Restaurant entdeckt, das mich angesprochen hat, also gehts zum Abendessen dorthin. Vorher mit Guillermo geschrieben, hatte ihn eingeladen. Er schreibt, dass er mit einem Freund gekommen ist, baden war, sie sich frisch machen und dann kommen. Ich warte und warte und sie kommen nicht. Irgendwann reicht es, also bestelle ich schon mal ein Intro. Bestellt wird Ceviche de pescado (das ist eine Art Cocktail aus in Zitronensaft gegarten Fischstücken, Tomaten, Zwiebeln, Koriander, usw. Es schmeckt hervorragend, den besten soll es in Peru geben. Die COLs kriegen leider auch das nicht ordentliches hin.) Eine riesige Portion. Guillermo hat es immer noch nicht geschafft, schreibt immer wieder, dass sie bald kommen, ist ok, dann werden sie halt nicht zum Abendessen eingeladen. Bestelle noch Tacos de Pollo, die arg amerikanisiert daher kommen und wenig begeistern.

Es ist inzwischen kurz nach 20:00, die Party sollte also langsam starten. Guillermo schreibt, dass sie gleich losgehen. Gegenüber gibt es eine Bar mit lauter Musik, die nach Partylocation riecht, es ist aber noch kein einziger Gast da. Kein Problem, überlege wieder ins Hotel und dort an der Bar zu warten, was kommt. Noch während ich den Gedanken zu Ende gedacht habe, aus dem Nichts ein wirklich heftiger Schauer, also trinke ich im Restaurant noch ein weiteres Bier und hoffe, dass der Regen bald nachlässt. Tut er nicht, umziehen wollte ich mich für die Party eh, Guillermo schreibt irgendwas, aber das interessiert mich nicht mehr, also entspannt im Regen zum Hotel, was nicht weiter schlimm ist und sogar Spaß gemacht hat, denn es ist nicht weit und Wasser macht nur nass. Warm ist es ja auch. Ach ja, für die Bitcoin Interessierte: In dem Restaurant kann man mit Bitcoin bezahlen.

Im Hotel angekommen gehe ich ins Zimmer, trockne mich ab, ziehe mich um, bin noch am Handy checken, Zack: Plötzlich ist es zappenduster. Stromausfall und nicht nur bei uns, sondern der gesamte El Tunco ist stromlos. Na Bravo. Nach ein paar Minuten kommt der Strom wieder, also schnell zur Bar, der Strom ist aber wieder weg, noch bevor ich die Bar erreiche. Ein paar Notlichter sind aufgestellt, die Bar ist ziemlich leer, der Zugang zur Terrasse wird gerade verschlossen. Möchte ein Mojito bestellen, ist aber nicht mehr möglich. Sie können mir nur ein Bier anbieten und das auch nur gegen Barzahlung, weil das Kassensystem ohne Strom nun mal nicht läuft. Nehme das Bier und hoffe, dass der Strom wiederkommt. Neben an sitzen Schwaben, die sich lautstark unterhalten.

Als ich ein weiteres Bier bestellen möchte, heißt es, dass es nichts mehr gibt, weil die Bar jetzt schließt. Ich wundere mich, es ist ja noch nicht mal 21:00 Uhr, frage nach und erfahre, dass die Partys nur freitags und samstags stattfinden. Sonntags sind alle geschafft und machen früher zu. Geknickt gehe ich in mein Zimmer, lege mich im Dunkeln in die Hängematte auf dem Balkon, höre Musik und entspanne. Ärgern bringt nichts und in der Hängematte ist es in dieser Umgebung echt nett.

Habe auf dem Weg die Außenbeleuchtung eingeschaltet, damit ich mitbekomme, wenn der Strom wiederkommt. Habe nicht auf die Uhr gesehen, vielleicht bin ich zwischendurch auch eingeschlafen, aber irgendwann ist der Strom tatsächlich wieder da. Nun höre ich auch laute Musik aus einem Restaurant in der Nähe, der Regen hat nachgelassen, also auf geht’s direkt zur Partylocation gegenüber dem Restaurant. Ein Gast ist da. Toll! Ich ziehe weiter, finde eine Bar, nachdem ich der Musik gefolgt bin, die ich schon auf dem Balkon gehört habe, in der zumindest ein paar Leute feiern. Ein DJ ist auch da, es ist aber irgendwie nichts oder ich bin nicht mehr in der Stimmung dazu. Trinke eine Margarita und gebe auf. Auf dem Heimweg kaufe ich noch zwei Bier in einem kleinen Laden und verschwinde in mein Zimmer. In dem kleinen Laden ist hochbetrieb. Die ganzen Surfer haben die Regenpause genutzt, um Getränke zu holen. Witzige Situation: Der Verkäufer ruft, dass er kein Kleingeld mehr hat und bitte alle zuerst, die es passend haben. Leute, die offenbar schon länger warten machen freundlich Platz, wohl in der Hoffnung, dass sie mit ihren großen Scheinen doch noch bezahlen können. Gut, dass ich es passend habe und bin im Nu wieder draußen.

Kein Gram, habe den falschen Tag erwischt, der Regen und der Stromausfall waren es gar nicht. Sonntags geht dort nicht viel und wäre ich am Samstag da gewesen, wäre es Party mit Touris geworden, die ich nicht unbedingt brauche. Es war reine Neugierde. Oder um ehrlich zu sein: Vielleicht war ein Teil der Motivation die, was zum Spielen zu finden. Laut Recherche sollen in solchen Ecken Mädels unterwegs sein, die, wenn sie eingeladen werden, einen netten Abend zu schätzen wissen und nicht schüchtern sind. Ob es stimmt, muss ich wohl wann anders verifizieren.

Fortsetzung folgt …

PS: Auf Bilder und Links wird weitgehend verzichtet. Die Namen der Orte, Restaurants & Co sind alle so wie angegeben im Internet auffindbar und dort findet man weitergehende Infos dazu. Bilder gibt es dort auch reichlich.



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