• 20.11.2020

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Die Angst vor dem Tod

bulldog

» Artikel vom

Das letzte Drittel meines Lebens hat begonnen. Mit 54 Jahren besteht immer die Gefahr, dass unverhofft eine schlimme oder gar tödliche Krankheit um die Ecke kommt. Das ist nicht witzig und wahrscheinlich bin ich nicht der Erste und sicher auch nicht der Letzte, der genau davor Angst hat. Wer ein gutes Leben hat, möchte ewig leben, aber das geht natürlich nicht. Dann wäre die Erde einfach zu voll.

In den letzten Jahrhunderten gab es viele Pandemien, von Pest bis hin zu extremen Grippewellen, die Millionen Menschen sterben ließen. Da ist Corona an sich eine Kleinigkeit. Aber es geht nicht um grassierende Krankheiten, sondern um das eigene Ich. Egoistisch gesehen ist es völlig in Ordnung, wenn andere Menschen sterben. Nochmal Glück gehabt, wenn man selbst überlebt. Das ist ein tolles Gefühl, aber irgendwann erwischt es wirklich jeden. Auch mich. Zurzeit sehe ich die Gefahr des Todes für mich nicht. Ich bin noch zu jung und habe immerhin noch exakt 30 Jahre zu leben. Mein buddhistischer Wahrsager hat mir klare Anweisungen gegeben, wie ich alt werde. Erstmal musste ich ihm 129 Thai-Baht bezahlen, danach kamen seine verbindlichen Ratschläge. Nicht mehr heiraten, keine Frau ins Haus lassen und einen Hund anschaffen. Das verspricht ein schönes Leben bis ins hohe Alter. Der Wahrsager konnte dank seines direkten Drahtes zu Gott mein Ende voraussagen, mit 84 Jahren. Das klingt richtig gut und stimmt mich zufrieden, wenn nicht gar glücklich.

Aber mein Ende ist schon in Sichtweite. Mein Bulldog ist jetzt vier Jahre alt und mit etwas Glück lebt dieses kleine Dreckschwein noch acht Jahre. Dann bin ich 62 Jahre alt und es ist nur noch Zeit für einen weiteren und letzten Hund. Also der allerletzte Hund. Mit Anfang 60 möchte ich mir noch einen neuen Wohnwagen kaufen. Auch das wird der letzte Wohnwagen sein. Mehr ist nicht drin, denn mit deutlich über 70 sind die Gebrechen sicherlich zu groß, um für das Camping fit genug zu sein. Stattdessen will ich mir mit 70 einen Porsche kaufen, wenn es Porsche da überhaupt noch gibt. Das wird die letzte große Anschaffung meines Lebens sein. Man merkt es: Irgendwie wird alles zur letzten Anschaffung, weil es eine natürliche Grenze gibt. Mit über 70 beginnen die Gebrechen und mit 80 naht der Tod. Was für eine Scheiße.

Die Jugend denkt nicht an den Tod. Im Gegenteil. Da werde ich sogar verarscht. So saß ich mit dem jungen Rammler beim Kaffee und erzählte ihm, dass ich gestern zu nichts Bock hatte. Ich saß mit meinem Bulldog einfach auf dem Sessel, nur so, ohne was zu tun. Da meinte der junge Rammler hämisch, dass Suizid für mich eigentlich eine gute Lösung sei. Nicht nur die Mitmenschen wären froh, sondern auch die zahlreichen Frauen, die ich direkt oder indirekt durch das Männermagazin geschädigt hätte. Mein Tod dürfte ein Glücksfall für alle sein. Was für ein frecher Rotzlöffel? Da habe ich dem jungen Rammler vorgeschlagen, dass wir ins Boxstudio gehen und einen kleinen Kampf veranstalten sollten, um seine dumme Fresse zu polieren. Nein, das mochte er nicht mit der wirklich aberwitzigen Begründung, keinen alten Mann schlagen zu wollen. Selbst dieser Spaß bleibt mir verwehrt. So ein Schlappschwanz. Bevor der junge Rammler seine Faust zum Schlag klarmacht, hätte er schon eine Dreiersalve von mir bekommen. Leider kann ich es nicht beweisen. Er kneift, diese Lusche. Schade. Das wäre ein Mordsspaß.

Aber zurück zum Tod. Es mag sein, dass während einer schweren Krankheit der Wunsch nach dem Tod aufkeimt, doch für einen gesunden Mann ist das kaum vorstellbar. Mir wäre es lieber, wenn mein Leben mit einem Kopfschuss von hinten beendet würde. Natürlich erst mit 84 Jahren und keinen Tag früher. So ein Kopfschuss von hinten ist geil. Man merkt nichts. Es geht einfach das Licht aus und alles ist vorbei. Doch wird mein Plan kaum in Erfüllung gehen, außer eine frustrierte Exehefrau bringt den Mut auf, nachdem sie á la Dino fertiggemacht wurde. Frauen sind meist sehr schlechte Menschen. Sie sind skrupellos und heimtückisch. Jeder Strafverteidiger kann ein Liedchen davon singen.

Aber bevor ich sterbe, ist mein Bulldog dran, für mich noch unvorstellbarer als mein eigener Tod. Mein Bulldog hat es verdient so lange zu leben, wie ich leben werde. Klar weiß ich, dass das nicht geht und die Zeit des endgültigen Abschieds von meinem Hündchen kommen wird. Daran mag ich gar nicht denken. Eine schreckliche Vorstellung. Wenn eine Frau stirbt, dann juckt mich das nicht. Es gibt genug beknackte Frauen, aber mein Bulldog? Anders als alle Frauen ist mein Bulldog immer für mich da und gibt mir unendlich viel Freude im Leben. Ein Hund wohnt ganz tief im Herzen eines Mannes. Männer sind ganz klar die besten Menschen dieser Welt. Nur sie sind zu tiefen Gefühlen fähig. Das auszuwalzen ist nicht nötig, denn jeder weiß das.

Meine Pläne für die letzten 30 Jahre stehen fest: ein letzter Hund, ein letzter Wohnwagen und ein Porsche. Zum Sterben esse ich ein dickes Steak, ziehe mir eine 21-jährige über meinen alten Riemen und trinke dazu einen Black Label mit einem Eiswürfel. Dann steige ich zum Herrn auf, der mich freudig empfängt. Auf mich warten dort auch sicher einige Dutzend Schlampen und natürlich der Lektor. Der alte Sack müsste früher als ich dran sein, außer er wird 90 Jahre alt. Man weiß es natürlich nicht.

Ich bin weder depressiv, noch suizidgefährdet, aber als ich über meine zukünftigen Pläne nachdachte, ist mir aufgefallen, dass das Ende mit großen Schritten auf mich zukommt. Ja, davor habe ich Angst, nicht vor dem Ende, aber vor der rasanten Geschwindigkeit, mit der es naht. Deswegen werde ich die nächsten 30 Jahre noch viel mehr als bisher an mich denken. Nur ich bin wichtig und ich habe es verdient, alle meine Wünsche erfüllt zu bekommen. An sich habe ich heute schon alles, echte Wünsche sind bei mir nicht offen. Ich bin viel um die Welt gekommen, hatte fantastische Urlaube und alle Krisen habe ich gut überstanden. Vielleicht kommt noch eine, wer weiß das schon, aber auch die werde ich meistern. Einen Leutnant und Diktator haut nichts um. Eine Krise mag zwar lästig sein, aber der Aufstieg daraus ist megageil. Das ist das Salz in der Suppe des Lebens.

Das Leben ist endlich und viel zu wertvoll, um es im Elend zu verbringen. Genau deswegen bin ich Unterhaltspreller geworden. Ich sehe es nicht ein, meine kostbare Lebenszeit dem Zahlen von Unterhalt zu widmen. So doof bin ich nicht und unzählige andere Männer sehen das genauso. Die einen ziehen es so durch wie ich, andere lassen sich versklaven. Das muss jeder für sich entscheiden. Manche bezeichnen mich als Arschloch, dafür bestimme ich über mein Leben und niemand anders. Und wer den Löffel abgibt, der ist dann halt einfach weg. An einen verstorbenen Mann denkt kaum jemand mehr. Umso wichtiger ist das eigene Leben.

Was ich damit eigentlich sagen will: Liebe Männer! Genießt Euer Leben und schneidet mutig alles ab, was Euch das Leben versaut. Sei es ein lästiger Arbeitgeber, eine dumme Ehefrau oder andere Lebensumstände, mit denen Ihr unzufrieden seid. Probiert etwas Neues aus, mit Wagemut und ohne Rücksicht auf Verluste. Ein gesunder Egoismus ist nie verkehrt, denn wer denkt schließlich an Euch? Fast niemand und eine Frau erst recht nicht. Der Tod kommt ganz gewiss, doch wenn auf dem Sterbebett noch Wünsche offen sind, dann war das Leben Scheiße. Soweit muss es nicht kommen, wenn man hier und jetzt sein eigenes Ding durchzieht. Ich habe es gemacht, habe es nie bereut und ich werde es weiterhin tun. Deswegen bin ich zufrieden und glücklich. Daran ist nichts Heroisches. Man muss es nur tun! Auch Du kannst es!

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