• 12.11.2018

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Genial oder Dämlich

beton_dino

» Artikel vom

Eine Weiterbildung mit Prüfung ist genau das Richtige, um sein Fachwissen zu erweitern. Berufserfahrung bekommt jeder Mann und sogar jede Frau ganz automatisch ohne jegliches Zutun. Das hängt freilich mit dem Alter zusammen und jeder Mensch wird nun mal älter. Das Kriterium Berufserfahrung zählt da nur bedingt. Eine hochwertige Aus- und Weiterbildung in Verbindung mit geprüftem Wissen ist nach wie vor das Nonplusultra. Nichts geht darüber.

Nun war ich wieder einmal zu einer zweiwöchigen Weiterbildung. Natürlich über Beton. Der ist nach wie vor das Bauprodukt schlechthin. Die Überprüfung des erworbenen Fachwissens teilte sich in drei Einzeltests auf. Zwei Zwischentests und eine Abschlussprüfung. Insgesamt waren 60 Punkte erreichbar. Wer im ersten Anlauf durchkommen will benötigt 70%, also insgesamt 42 Punkte. Interessant war, dass bei den Zwischentests und der Abschlussprüfung neben den Fragen jeweils die erreichbare Punktzahl stand. Das war ganz praktisch, denn so konnte ich gut abschätzen, ob ich es ganz locker packe oder die Bulimie-Lernmethode anwenden muss. Wer diesen Begriff nicht kennt, dem sei er kurz erklärt. Frauen können sehr zielstrebig auf eine Prüfung lernen. So erreichen sie stets Bestnoten, aber mit dem Nachteil, dass sie das erworbene Wissen aus ihrem begrenzten Hirn entfernen müssen, um wieder genug Platz für neues Wissen zu haben. Wie bei der Bulimie, wo Frauen alles in sich hineinfressen und anschließend kotzen, um im Magen Platz zu schaffen für die nächste Fressattacke. Diese Lernmethode hat den weiteren großen Nachteil, dass das ausgekotzte Wissen in Zukunft nicht mehr verfügbar ist. Deswegen kacken Frauen in technischen Berufen regelrecht ab. Ihr Hirn ist im Grunde immer leer, nur das Schwachsinnareal, wo sich ihre tollen Visionen wie von einem eigenen Verkaufsladen mit Ökohandtaschen oder selbstgehäkelten Socken eingenistet haben, ist stets randvoll.

Wer intensiv auf eine Prüfung lernen muss, reiht sich in die Klasse der Frauen ein, nämlich ganz unten. Lernen kann durchaus in die Rubrik Betrug eingestuft werden. Aber das muss jeder selbst wissen. Es kommt immer darauf an, wie man sein Ziel erreichen will. Und da steht derjenige in der ersten Reihe, der die Unterrichtsinhalte direkt in sein Langzeitgedächtnis aufsaugen und dadurch jederzeit wieder abrufen kann. Die praktische Umsetzung des Wissens ist so niemals ein Problem.

Es ist natürlich immer ungewiss, wie hoch das Prüfungsniveau sein wird. Man weiß es vorher nicht. So habe ich mich auf den ersten Test frühmorgens 15 Minuten kurz vorbereitet. Ein wenig durch die Unterlagen geblättert und fertig. Den Test habe ich mit 85% Erfüllung absolviert. Beim zweiten Test habe ich nichts mehr gemacht und erreichte 90%. Und nun beginnt mein kleines Rechenspiel. Ich benötigte für die erfolgreiche Abschlussprüfung nur noch 23,5 Punkte. 40 Punkte waren bei 100% zu erreichen. Da macht Lernen nun wirklich keinen Sinn.

Also setzte ich mich am Abend vor der Abschlussprüfung ins Hotelrestaurant und dachte in Ruhe über einige Dinge nach, die ich in diesem Jahr noch erledigen möchte. Meine Gedanken wurden unterbrochen, als mich ein Mann ansprach, ob ich der Leutnant Dino sei. Ja, der bin ich. Es stellte sich heraus, dass er ein eifriger Männermagazinleser ist, der ab und zu auch einen Kommentar schreibt. Wir plauderten rund zwei Stunden und Lernen hatte sich damit eh erledigt.

Ohne weitere Vorbereitung stiefelte ich am nächsten Morgen in die Abschlussprüfung. Ich schrieb meinen Namen aufs Papier und beantwortete die Fragen ordentlich der Reihe nach. Nebenbei notierte ich die erwarteten Punkte, bis ich nach knapp einer Stunde bei sicheren 31 Punkten lag. Ich schaute auf die Uhr und es waren noch 35 Minuten Zeit, um die restlichen Fragen zu beantworten. Doch warum? Die Beantwortung weiterer Fragen war komplett sinnlos, denn eine Note gab es nicht. Ich musste zum Bestehen eben nur die 23,5 Punkte erreichen. Wie schön wären nun eine leckere Zigarette und ein Kaffee? Meine benötigten Punkte waren sicher erreicht. So packte ich kurzerhand meine Sachen zusammen und gab meine Arbeit ab. Ganz genussvoll rauchte ich draußen zwei Kippen, schlürfte meinen Kaffee und war mit mir sehr zufrieden.

Auf dem Weg ins Hotel traf ich einen Lehrer vom Institut, der mich gleich auf mein Verhalten ansprach. Warum ich nicht alle Fragen beantwortet habe, obwohl noch genug Zeit war? Ich antwortete, dass meine erreichten Punkte doch locker zum Bestehen reichen würden. Er schüttelte nur den Kopf und ging etwas angesäuert weiter. Im Nachgang muss ich durchaus zugeben, dass meine Art nicht respektvoll, aber höchst effizient war. Und ohne das Wissen, wie viele Punkte es für die einzelnen Fragen gibt, hätte ich diese Nummer sicherlich nicht durchgezogen. Die an sich völlig überflüssige Angabe der erreichbaren Punkte machte meine Optimierungstaktik erst möglich und nichts anderes. So bin ich mit einem gesunden Minimalismus ohne zu lernen ganz locker durchs Ziel gelaufen.

Auf dem Weg nach Hause, ließ ich die Weiterbildung nochmals Revue passieren und kam zu dem Ergebnis, dass ich extrem viel gelernt habe. Das ist nicht mein Verdienst, sondern die Folge der cleveren Methodik der Lehrer, das Wissen umfassend im Unterricht zu vermitteln. Nun habe ich alles im Kopf und das ist richtig geil. Im nächsten Jahr werde ich noch breiter in die Spur gehen.

Nebenbei gab es auch was zum Lachen, wenn ich Lehrgangsteilnehmer auf die Schippe genommen habe, insbesondere die verheirateten Männer. Endlich können sie im Hotel ungestört masturbieren, so einer meiner Sprüche. Oder, dass sie an Weihnachten von Ihren Ehefrauen sicherlich ganz tolle Geschenke bekommen, die sie jedoch selbst bezahlt haben. Das kam super an. Natürlich wünschten mir diese Männer besonders Frohe Weihnachten, so ganz alleine mit meinem Köter, der immer so aussieht, als ob er mit Anlauf gegen eine Betonwand gerannt wäre. Ja, das ist durchaus witzig. Solche Spitzen kann ich natürlich ab und dann skrupellos meinen Knallerspruch bringen: Wenn ich mich ein wenig schlecht fühle, dann schaue ich auf mein prall gefülltes Bankkonto und schlagartig bin ich wieder glücklich. Dass ich gar kein Konto habe, muss ja niemand wissen.

Und wer war am Ende der Lehrgangsbeste? Natürlich eine Frau, die jeden Abend fleißig gelernt hat. Ihre Bulimie-Lerntechnik funktionierte prima. Aber sie hat eben nur die maximale Punktezahl erreicht. Ein Glücksmoment, mehr nicht. Ein Mann von Klasse muss nicht lernen. Er hat es einfach drauf.


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