• 19.11.2019

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Die gute Ehe

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» Artikel vom

Heute wird dem geneigten Männermagazin-Leser ganz starker Tobak serviert: Es geht um die Ehe. Megatonnen Bücher, Ratgeber, eine Zillion Beiträge und Sprüche gibt‘s dazu bereits. Die zentrale Antwort bei Freien Männern lautet: „Was soll der Ehequatsch überhaupt? Ohne mich!“. Die zentrale Frage weiterer männlicher Bevölkerungsteile lautet: „Wie führt man eigentlich eine Ehe, die hält und nicht alle, außer Juristen, unglücklich macht?“. Die zentrale Frage aller Betamänner lautet: „Wie krieg ich bloß eine Frau ins Bett?“. Die zentralen Fragen der Frauen lauten: „Wann fragt er endlich, ob wir heiraten? Welches Kleid ziehe ich dann an? Wen lade ich ein? Was mache ich mit dem vielen Geld nach der Scheidung?“. Zentrale Fragen der nicht denkenden Bevölkerung gibt es nicht. Sie fragen nichts, sie hoffen nur und lassen andere über sich bestimmen.

Stellen wir uns auch ein paar Fragen. Gibt‘s überhaupt Ehen mit positivem Saldo? Spinnt der gute P jetzt, dass der überhaupt sowas fragt und dann noch hier im Männermagazin? Davon abgeleitet noch obendrauf: Wie kommt man wieder raus, wenn man drin ist? Denn wie schon Groucho Marx sagte: „Die Ehe ist eine wunderbare Institution, aber wer möchte schon in einer Institution leben?“ Auch Kollege Diktator Detlef hat das mit der Zeit erkannt und zieht nach drei mühevollen Eherunden wieder das Zusammenleben mit bestem Freund Hund, Wohnwagen und cooler Hypnosebrille vor, widmet sich im Übrigen impotentem Beton in der Menopause, was wesentlich intelligenter sein dürfte als eine Ehefrau im selbigen Zustand.

Mittlerweile sind es Millionen, die ebenso wortreich und erregt den Ehestand als prinzipiell unmöglich ansehen. Die Diskussion läuft, seit es Ehen gibt. Sie unterscheidet sich nur in der Quantität der Gruppen. Applaus den beiden Seiten! Wer aus einem so ausgelatschten Thema noch Zucker und Lab ziehen kann, dem muss man einfach Beifall klatschen. Also mir. Denn als bescheinigter Laberkopf muss ich natürlich meinen Senf dazu geben, auch wenn man das als egozentrischen Selbstapplaus kritisieren mag. Der Senf kommt auch noch aus der Ehetube, denn ich bin verheiratet, sollte also meinen Zustand verteidigen können, um nicht gänzlich als Vollidiot dazustehen, so wie ein Zahnarzt mit Dauerzahnschmerz.

Was ist nun unser Ehe-Spezialgeheimnis, das uns seit Jahren in Steuerklasse 3/5 hält? Es ist -traritrara- die Nichtehe. Der Abstand. Das Nichts in der Radnabe des Daseins. Aber wie sieht eine Nichtehe in der Ehe konkret aus? Wie eine Brille ohne Gestell, bei der die Gläser fehlen? Eine Dampfmaschine ohne Dampf und Maschine? Werden wir also mal ganz konkret und sezieren wir die Nichtehe in der Ehe:

(1) Physischer Abstand. Abstand schafft Freude und Anziehung. Statt Doppelkörper zu spielen, sollte man sich besser ein wenig fremd bleiben. Vorsicht vor Gewohnheit und sich aneinander gewöhnen. Wenn der Partner zur drögen Selbstverständlichkeit geworden ist, ist die Ehe eigentlich bereits abgesoffen. Seit wir uns kennen, hatten wir nie ein gemeinsames Zimmer oder gar ein gemeinsames Bett. Da wird angeklopft, bevor man ins Zimmer des Anderen reingeht. Zusammensein ist die Ausnahme. Der Abstand hält frisch und macht gemeinsame Zeit spannender, statt zu selbstverständlichem Alltag. Man ist vor allem dann zusammen, wenn man zusammen sein will, nicht weil man es sowieso immer ist. Es gibt den Modebegriff FWB, „Friends with Benefits“ (und nicht Freie Wähler Bayern), wir sind SWB, „Spouse with Benefits“.

(2) Formaler Abstand. Das Getue mit ehelichen Symbolen macht krank, ist teuer und der Versuch, fehlenden Inhalt zu übertünchen. Stattdessen: Jeder behält seinen Namen, sein Konto. Wir haben nicht mal einen Ehering. Nie einen gehabt. Und auch keine Hochzeit mit irgendwelchen Gästen veranstaltet, nur eine Unterschrift vormittags geleistet, nachmittags wieder mit der Kettensäge Brennholz gemacht, was ja auch gut zu einer Ehe passt. Das Datum spielt keine Rolle, wir haben es selbst vergessen. Steht irgendwo auf dem Heiratszettel. Viele Bekannte wissen nicht mal, ob wir verheiratet sind, wir manchmal auch nicht. Die unterschiedlichen Namen stören niemand. Im Gegenteil, am Telefon ist das oft lustig, vor allem wenn wegen Schulden oder anderen unangenehmen Dingen angefragt wird.

(3) Abstand von den falschen Gründen. Gute Gründe für eine Ehe sind die Steuerklasse, die Familienversicherung, Hinterbliebenenschutz, Schenkungssteuern, Grundfreibeträge, in manchen Berufen Gehaltszuschläge. Deshalb haben wir geheiratet. Die Ehe bringt uns in unserer Situation gutes Geld. Wir stehen schlichtweg verheiratet wesentlich besser da wie ledig, das macht insgesamt jährlich einen fünfstelligen Nettobetrag aus (u.a. Steuerersparnis, Gesundheitskostenersparnis, Vorsorgeersparnis). Jedenfalls in unserer eigenen, speziellen Lebenssituation. Auf wen das absehbar nicht zutrifft, der sollte es definitiv lassen. Die romantische Seite, die angeblich große Liebe ist bestenfalls ein zeitweiliger Bonus, aber nicht die Basis. Jedem nüchtern denkenden Menschen ist klar, dass Rumgeturtel eine höchst instabile Basis ist und eine dauerhafte Verbindung aufgrund eines temporären Hormonschwalls idiotisch. Das verstellt den Blick auf die Tatsachen und die beständigeren Grundlagen. In den meisten anderen Kulturen sieht man das auch nüchterner, die Ehe gilt da als vorteilhaftes Rechtsgeschäft. Arrangierte Ehen und Ehen mit sehr kurzer Kennenlernzeit verlaufen nicht mal schlechter als Heiraten aus Hormongründen. Die Scheidungsrate liegt in allen entwickelten und sich entwickelnden Ländern im Bereich von 30-50%, egal welche Ehevorstellungen und Kulturen vorherrschen.

(4) Abstand der Regierungen. Lieber keine gemeinsamen Regierungsbezirke führen. In vielen Bereichen, die einfach funktionieren müssen, gibt es einen Regenten, der bestimmt. Und kein wir-sind-so-kooperativ-Team-blubber-schwall-laber. Selten funktioniert etwas, wenn zwei Chefs gleichzeitig bestimmen. Eigentlich ein alter Hut, ein Pseudogeheimnis der Vergangenheit, denn früher hatten die Ehepartner viele getrennte Bereiche, in denen sie jeweils regierten, die Frau den häuslichen Wirkungskreis. Verschiedene Machtbereiche lassen sich auch heute so praktizieren, nur eben nicht aufgrund gesellschaftlicher Regeln, sondern internalisiert mit vereinbarten Bereichen innerhalb der Ehe. Sogar noch besser als früher, denn die alten Konventionen gelten nicht mehr. Heute sind die Regierungsbezirke frei zuweisbar. Oder es ist von vornherein klar. So wie bei uns, wo es beispielsweise keine Frage war, dass ich vollumfänglich in der Küche regiere. Ernährungsfragen sind meine Sache. Das haben unsere Geschmacksknospen schon lange vor der Ehe so entschieden.

(5) Abstand vom Scheidungsgewinn. Da Trennungen vorwiegend von Frauen ausgehen, sollte man sich so platzieren, dass eine Trennung teuer für die Ehegegnerin wird oder wenigstens nicht teuer für einen selbst. Früher waren es gesellschaftliche Nachteile, die ein Minus darstellten. Heute sind es finanzielle und rechtliche Nachteile durch das Familienrecht. Es schadet überhaupt nichts, in einer Ehe das Unterhaltsrecht immer im Blick zu behalten (die meisten Männer ignorieren das jedoch krass) und sich entsprechend zu verhalten, denn bei richtigem Gebrauch generiert man Ansprüche bzw. vermeidet Ansprüche an einen selber. Großzügig wie ich bin, lasse ich die Ehefrau das Haupteinkommen erwirtschaften und werde mich im Falle einer Trennung bescheiden über einen erheblichen Zugewinn- und Versorgungsausgleich hermachen, was alle Trennungsgründe und Trennungsschmerzen lindern dürfte. Ich nehme nur, was mir zusteht, um einen weiteren klassischen Satz der Erfolgsfrauen zu zitieren. Dass man von vornherein keine minderleistenden Damen heiraten darf, ist eh klar. Potenz ist einfach unersetzlich. Finanzielle natürlich.

Also: Alles hat einen „Sweet Spot“, auch manche Ehen. Wer sich zur Heirat berufen fühlt, sollte das als formalen Akt auffassen, alle Vorteile mal gut durchrechnen und dann mitnehmen, aber nicht auf Mediengesäusel hereinfallen, wie eine Ehe auszusehen habe. Die Ausgestaltung einer Ehe ist in Deutschland ausdrücklich offen. Frauen können die Vorteilsnahme meistens besser und wohlgeplanter umsetzen als Männer, ein weiteres Feld auf dem es sich für Männer lohnt, von Siegerinnen zu lernen und mit männlicher Genialität und Konsequenz zu veredeln. Und wenn die Kandidatin meint, eine Ehe hätte so auszusehen wie in „Brigitte“ vorgeführt: Rennt weg, um Himmels willen, rennt! Läuft uns niemand über den Weg, der unsere Grundsätze leben kann, ist das ganze Thema Ehe sowieso von vornherein abgehakt. Aber Vorsicht, die meisten Probleme mit Damen sind heute an Kinder gekoppelt und nicht an den Ehestand. Alles oben Gesagte gilt damit auch für Personinnen, mit denen man Kindinnen angefertigt hat.

Wie man problematische Partner schnell und unter minimierten Eigenschäden aussortiert, egal ob Ehe oder nicht, wird noch Gegenstand einer eigenen Expertise hier in diesem Ratgeber-Kanal. Dat eine Loch, da kömmt der Dampf rein. Und dat andere Loch, dat krieje mer später.

P.


Weiterführender Link: TrennungsFAQ
Ratsuchende Väter finden im TrennungsFAQ-Forum konkrete Hilfe


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