• 19.06.2021

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Erfahrungsbericht emotionale Erpressung

emotionale_erpressung

» Artikel vom

Gastautor: A.M.

Das Thema „Frauen als Täterinnen“ kommt in der menschlichen Wahrnehmung offensichtlich nicht vor, ja, das Thema wird regelrecht totgeschwiegen. Umso schwerer haben es die betroffenen Männer. „Die Gesellschaft“ kennt Männer nur als Täter. Damit wird es ihnen regelrecht unmöglich gemacht, dagegen anzugehen bzw. sich einfach nur zu verteidigen.

Was ist emotionale Erpressung?

Unter emotionaler Erpressung versteht man, dass eine Person versucht, eine andere über Emotionen und Gefühle zu manipulieren. Der Erpresser hat zum Ziel die andere Person dazu zu bewegen, dass diese genau das tut, was er will. (*1)

Emotionale Erpressung geht mit Verhaltensweisen einher, die alle nur ein Ziel verfolgen: Schuldgefühle erzeugen, um andere gefügig zu machen. (*2)

Wie beim Thema Gaslighting verläuft die emotionale Erpressung auch hier langsam und schleichend. Und sie läuft nicht allein, sondern hat unterstützende Komplizen. Entweder in anderen Formen des psychischen Missbrauchs oder im Umfeld, Freunde, Bekannte, Eltern, Nachbarn, Verwandte, Kindergärtnerinnen, Jugendamtsmitarbeiterinnen, Chefs usw. Diese werden gekonnt mit Klischees so manipuliert, dass sie der Täterin genau in die Hände spielen, ohne dies selbst zu bemerken.

Es ist ganz natürlich, dass es Reibungspunkte gibt, wenn sich zwei Menschen zusammentun, um ein gemeinsames Leben aufzubauen. Am liebsten würde jeder seine Gewohnheiten und Ansichten beibehalten. Das kann man machen, aber dann geht die Beziehung garantiert kaputt. Also stehen für den vernünftig denkenden Menschen Kompromisse an erster Stelle, erst recht wenn Kinder im Spiel sind. Es ist aber nicht jeder bereit, seine Gewohnheiten und Ansichten aufzugeben, geschweige denn Kompromisse einzugehen. Es scheint eine Zwickmühle zu sein, aber nicht für eine emotionale Erpresserin. Sie redet dir subtil Schuldgefühle ein, weil du ja der Kompromissbereitere bist. Das hat sie sofort erkannt und ist zu allem entschlossen, diese Schwachstelle auszunutzen. Und das funktioniert folgendermaßen.

Zuerst wird der Auserwählte umgarnt und bewundert, jedem wird erzählt wie wunderbar und toll und intelligent der eigene Partner ist. Wer lässt sich nicht gern sein Ego streicheln? Am Anfang einer Beziehung fällt das überhaupt nicht auf, dank der rosa Brille. Die Täterin gibt sich interessiert und tut erstmal alles für dich, damit du dich wohlfühlst. Selbst die Fickerei ist ein Traum. Es scheint keinerlei Probleme zu geben und du freust dich, diesmal nicht danebengegriffen zu haben, so scheint es.

Irgendwann aber geht es los. Zuerst wird eine entspannte Atmosphäre um das Opfer herum aufgebaut, dann sind es kleinere Gefallen und das steigert sich dann in ganz kleinen Schritten bis zum gewünschten Ziel der totalen Hörigkeit. Allem gemeinsam ist bei dieser Vorgehensweise, dass alles nur in eine Richtung geht. Die Täterin wird in altbewährter Salamitaktik langsam immer mehr fordern. Das Opfer gibt und gibt und vergisst so langsam, dass es auch noch da ist.

Sollte irgendwas nicht nach der Vorstellung der Täterin laufen, wird das Opfer sofort mit Vorwürfen überhäuft. Solche Vorwürfe können z.B. sein:

Unfaire Unterstellungen

„Du würdest das nicht tun, wenn du deine Kinder lieben würdest!“

Schuldgefühle einreden

„Du bist so ein Egoist und denkst nur an dich!“

Drohungen

„Solltest du mich jemals verlassen, sorge ich dafür, dass du finanziell ausblutest und von deinen Kindern hast du dann auch nichts mehr!“

Vergleiche ziehen

„Der Mann von der (Name Freundin / Bekannte / Sonst irgendwer) macht das auch von sich aus, weil er für seine Familie da und ein verantwortungsbewusster Vater ist!“

Ein Problem ist, dass die Erpresser sich als Opfer sehen und nicht reflektiert und rational mit der Situation umgehen können.

Ein zusätzliches Problem, wenn man so will, war ich selbst. In Verbindung mit Gaslighting war ich eh schon verwirrt, hab an mir gezweifelt und wusste so langsam nicht mehr, was richtig und was falsch war. Zudem wurde alles, was die Täterin getan und gesagt hat, mir vorgeworfen, sodass ich komplett von der Rolle war und nichts mehr von dieser Welt verstand. Das gesamte Umfeld war in dieses perverse Spiel eingebunden. Wie bereits im letzten Artikel beschrieben fing ich in dem Moment das Saufen an. Ich kam nirgends mehr durch, es war nur noch alles falsch, was ich tat, sagte, dachte oder auch nur denken wollte. Selbst für mich ist es im Nachhinein sehr schwer nachvollziehbar, warum ich damals so „blind“ war. Ich weiß jetzt, dass es die Liebe und die Verantwortung zu meinen Kindern war, was mich nicht aufgeben ließ. Dummerweise zog mich dieses „nicht aufgeben“ wie ein sumpfiges Moor immer tiefer und tiefer, je mehr ich mich „abstrampelte“.

Ich funktionierte einfach nur, spulte meine Automatismen ab und soff mir abends die Birne weg. Ich spürte, dass da was nicht richtig war, ich fühlte mich wie im falschen Film, es ist kaum zu beschreiben. Ich fing an Hilfe zu suchen. Mein Arzt überwies mich zu einer Psychotherapeutin. Beide schoben mich in die Depressionen-Schublade. Ich griff nach jedem Strohhalm, den ich erreichen konnte und arbeitete einige Jahre mit der Therapeutin, kam aber kaum einen Schritt weiter. Hier hatte ich auch kurz einen hellen Moment und ging zur Polizei, um die Täterin wegen psychischer Misshandlung anzuzeigen. Ich wusste mir nicht mehr anders zu helfen. Das war sehr schwer für mich und die Reaktion der Exekutiven war niederschmetternd, ich wurde schlicht und einfach ausgelacht und wieder heimgeschickt.

Das Gefühl des „falschen Films“ wurde exorbitant und ich sprach das dann auch irgendwann im „Freundeskreis“ an. „Stell dich nicht so an.“, „Du bist doch nur überempfindlich.“, „Wie stellst du dir das vor, wann willst du endlich wieder arbeiten gehen?“, „Kümmer dich gefälligst um deine Kinder und mach, was deine Frau will.“, „Ich kann mir das alles gar nicht vorstellen, das scheint mir nicht richtig zu sein, was du da erzählst.“, „Du übertreibst doch.“, „Hast du schon mal darüber nachgedacht, dass du alles falsch machst und an dir arbeiten musst?“, „Tja, da hast du wohl alles falsch gemacht, was du falsch machen konntest.“.

Das ist nur ein sehr kleiner Auszug aus dem, was ich zu hören bekam. Die Folge war der psychische Totalabsturz für mich. Es konnte nur an mir liegen und ich war einfach zu blöd, das endlich einzusehen, dachte ich. Selbst bei der Psychotherapie kam ich keinen Millimeter weiter, das passte alles überhaupt nicht mehr zusammen und ich wusste weder ein noch aus. Mir gingen die Optionen aus, das war schrecklich. Dazu kam noch die Sauferei, ich bin von Bier auf Schnaps umgestiegen, hab die Welt im Allgemeinen und mich im Besonderen nicht mehr verstanden, verstand überhaupt nix mehr. Jetzt steckte ich tatsächlich in einer Depression fest. Ich fing an, mich zu hassen. Es folgten Suizidgedanken und -pläne – siehe den Gaslighting Artikel.

„Verlassen“ und „verprügelt“ von meiner ganzen Umwelt funktionierte ich einfach nur so vor mich hin. Jeder laberte mich voll und keiner hörte mir wirklich zu, es interessierte offensichtlich auch keinen. Aber jeder hatte sofort eine Million „Ratschläge“ bei der Hand. Heute weiß ich, die Pudel wurden alle von ihren Weibern gesteuert.

So richtig schlimm wurde es, als die Täterin anfing, mich offensichtlich dahingehend zu provozieren, dass ich ihr gegenüber gewalttätig werden sollte. Wir fetzten uns, dass es nicht mehr schöner ging, und sie provozierte immer und immer und immer wieder.

Dann fiel der berühmte Satz: „Wenn du es wagen solltest, mich zu verlassen, werde ich dafür sorgen, dass du finanziell ausblutest und von deinen Kindern hast du dann auch nichts mehr!“ und weiter: „Was bist du nur für ein Schlappschwanz, ein Nichtsnutz! Was ist schon von einem Taugenichts zu erwarten, der nicht mal ein Studium hat. - Los schlag doch endlich zu, du Schlappschwanz! Das ist doch das Einzige, was du kannst, so dumm wie du bist!“ Es war mehr als offensichtlich, dass sie genau das wollte, warum auch immer. Ich verstand es nicht, aber das war zu der Zeit nichts Ungewöhnliches für mich. Ich erkannte die Provokation als das, was sie war, schluckte alles runter, sperrte mich ins Schlafzimmer ein und heulte mir die Augen aus dem Kopf. Derweil tobte die Täterin vor der Tür, bedrohte mich und schrie immer wieder, gefälligst SOFORT die Türe zu öffnen. Nach einigen gefühlten Stunden war ich mürbe und hab in der Hoffnung auf ein klärendes Gespräch die Türe geöffnet. Das war der nächste Fehler. Sie überfuhr mich körperlich wie ein LKW, Tür auf und zack drängte sie mich aufs Bett und presste mich mit ihrem Körper auf selbiges. Ich war total baff und konnte mich nicht wehren. Mein letzter Widerstand brach. Ich war gebrochen, hab mich aufgegeben, hatte keine Kraft mehr für nix. Sogar die einfachsten Dinge wie Zähneputzen und Duschen waren in der nächsten Zeit eine schier unüberwindbare Hürde für mich. Ich war ein lebender Zombie, mit dem Leben hochgradig überfordert. Das Einzige, was ich nie aufgab, waren meine Kinder – noch, das sollte ich später noch erfahren.

Emotionale Erpressung funktioniert noch besser, wenn Kinder im Spiel sind. Sie werden permanent als Grund vorgeschoben. „Ich hab den Kindern erzählt, dass du mit ihnen am Wochenende in den Freizeitpark gehst und am Sonntag ins Schwimmbad. Da du ja ein guter Vater bist, machst du das sicher gerne. Oder soll ich den Kindern sagen, dass ihr Vater keine Lust hat, sich mit ihnen abzugeben?“ Nach diesem Prinzip funktionierte meine Fernsteuerung eine Zeitlang. Alle meine Taten wurden zur schlimmsten Sache des Universums erklärt und ihre Taten wurden so kleingeredet, dass sie kaum sichtbar waren. Nach außen hin wurde aber immer kommuniziert „Ich mache ALLES für dich und du machst nie irgendetwas für mich und die Kinder! Dir sind andere Dinge immer wichtiger! (Arbeit z.B.).“. So verging Tag um Tag, Monat um Monat und auch Jahr um Jahr, Therapiestunde um Therapiestunde. Nix änderte sich und ich fand keinen Ausweg. Bis zu dem Tag, an dem in der Gruppenstunde der Einwurf kam, ob ich denn schon mal überlegt hätte, die Beziehung zu beenden. Das kam einer Klatsche gleich. Ich? Meine Kinder verlassen? NIEMALS! So meine ersten und sehr heftigen Impulse. Ich wusste genau, das war keine leere Drohung, wenn ich gehe – das war mir voll bewusst – werde ich alles verlieren – alles!

Doch die Saat war damit ausgebracht. Es dauerte noch eine ganze Weile bis der Samen keimte und größer und größer wurde, ich von meinen Suizidgedanken wegkam und das als einzige brauchbare Option in meinem Hirn verankert war. Ich plante den Absprung und hatte zum Glück einen noch verbliebenen „Freund“, der mich erstmal aufnahm und unterstützte. Dass sich das ändern sollte, wusste ich da noch nicht. Am Gründonnerstag stand ich früh auf, packte meine Tasche und sagte zu der frech grinsenden Täterin „Mach deinen Scheiß alleine!“. Dann bin ich zur Tür raus und habe kurz darauf die Scheidung eingereicht. Doch damit war der Terror noch nicht zu Ende, er sollte erst richtig anfangen.
Fortsetzung folgt...

Zusatzinformationen/Quellen:
*1) https://www.sundt.de/blog/emotionale-erpressung/
*2) http://www.emotionaleerpressung.de/

https://lexikon.stangl.eu/22045/psychische-emotionale-misshandlung

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