• 18.08.2019

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Wir kranken Rentner

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» Artikel vom

Deutsche Männer haben die geringste Lebenserwartung in ganz Westeuropa. Ganz unten, letzter Platz. Das haben nun auch ein paar Medien gemerkt und bringen Artikel dazu. Bei Frauen ist das nicht so drastisch. Der Unterschied zwischen Frauen und Männern beträgt in Deutschland fast fünf Jahre und damit im westeuropäischen Vergleich überdurchschnittlich viel. In Osteuropa liegt der Unterschied im Schnitt sogar bei fast elf Jahren.

Plötzlich -schwuppdiwupp- ist auch nicht mehr die Rede von Gleichberechtigung. Denn Schuld sind natürlich immer die Männer selbst, wie jeder weiß. Man ergeht sich in den üblichen Plattitüden von Rauchen, Alkohol, Übergewicht, Gemüse essen. Mehr fällt der Journaille ohnehin nicht ein, das kennen wir schon. Guckt man in Statistiken, entlarvt sich dieses Gesülze in einer halben Sekunde. Die spanischen oder griechischen Langlebigkeitskünstler rauchen zum Beispiel mit 37% (!) und 28% Raucherquote deutlich häufiger wie die kurzlebigen Deutschen, die Spanier haben gleich häufig einen miesen BMI-Index und trinken fast so viel Alkohol. Deutschland liegt beim Alkoholkonsum nur auf Platz 22 in Europa und der Konsum ist stetig gesunken, die Lebenserwartung aber nicht gestiegen. Und habt ihr alle brav euer Gemüse aufgegessen? Auch diese Statistik korreliert überhaupt nicht mit der Lebenserwartung. Verbindet man die behaupteten Faktoren, kommt man auf das Ergebnis: Alles Schwachsinn.

Ein paar andere Statistiken über deutsche Männer tauchen in den Artikeln jedoch nie auf: Wie hoch ihre realen Arbeitszeiten sind (nicht die auf dem Papier!), was sie von ihrer Arbeit tatsächlich haben (Rentenhöhe, Eigentumsquote, real verfügbares Geld nach Steuern, Unterhalt etc.), wie gestresst sie sich insbesondere bei der Arbeit fühlen, wie sich Zusatzfaktoren wie z.B. Pendlerwege oder Erwartungen von sich und von einer Partnerin auswirken, wie glücklich sie sind, was das teure und (verdient?) gelobte Gesundheitswesen für sie leistet. Wo steht die Frage: Lassen wir uns verheizen?

Unsere grünen Khmer sehen natürlich andere Ursachen am Werk. Unglückliche Schnitzel, verstrahlter Atomstrom, überall rollende Feinstaubmörder mit Lenkrad, zu laute Oktoberfeste mit zu viel Stress wegen den zu dicken Lederhosen und zu dünnen Dirndln. Und natürlich allgemeine Benachteiligung nach einer Rangliste, auf der alle Gruppen außer deutsche Männer draufstehen. Vielleicht liegt es auch an unseren Politikern. Es treibt den Blutdruck immer hoch, sobald die etwas sagen.

Die Rentenversicherung kann sich jedenfalls freuen. Die Lebenserwartung stagniert seit Jahren auf niedrigem Niveau, das Rentenalter beginnt aber immer später. Somit sinkt die Rentenbezugsdauer. Frühverrentung? Kein Argument, denn auch das tatsächliche Renteneintrittsalter steigt in Deutschland kontinuierlich an und gehört zum höchsten in Europa. Aufgrund der unterschiedlichen Lebenserwartung gilt immer die Regel: Männer zahlen in die Rentenkasse ein, Frauen leeren sie. Diese leicht beweisbare Erkenntnis wird man niemals in einem Beitrag unserer Qualitätsmedien lesen können, obwohl sie die Lebensrealität wesentlich mitprägt.

Nun gibt es ja das langjährige staatliche Bestreben, Frauen in gutbezahlte Berufe zu hieven und ihre Erwerbsbiografie zu verbessern. Mehr Beitragsjahre, höhere Rente, könnte man meinen. Lustiger weise lässt man aber einen Hauptfaktor dafür völlig außer Acht oder hat ihn in der letzten Reform sogar noch verschärft: Bei einer Scheidung wird ein Versorgungsausgleich fällig, von dem zu 80% Frauen profitieren. Den Männern werden Rentenpunkte von den Rippen filetiert und den Frauen verehrt. Auch von allen anderen Vorsorgeformen, Privatrenten zum Beispiel. Damit sinken die Erwerbsanreize für Frauen, die sich lange Jahre als Hausfrau durchs Leben tüdeln können, um dann bei der Scheidung trotzdem Rentenpunkte abzukassieren. Der angeblich ach so arge Hausfrauenstress scheint sich auch nicht negativ auf ihre Lebenserwartung zu schlagen, ganz im Gegensatz zum Erwerbsarbeitsstress bei ihren Männern. Die übertragenen Punkte vergolden sich für Frauen geradezu: Derselbe Rentenpunkt wäre in den Händen eines Mannes viel weniger Geldsumme wert gewesen, denn seine Rentenbezugsdauer bleibt viel kürzer. Kaum ist er auf die Frau übertragen, wird er Garantie für viel mehr Geld - das stärker von Männern erwirtschaftet wird. So kann man auch "Werte" erzeugen.

Auch ohne die kurze Bezugsdauer ziehen deutsche Männer bei der Rente keine gute Karte. Wer keine Abzüge in Kauf nehmen will, muss 45 Jahre lang gearbeitet haben. In Frankreich reichen schon 41 Jahre Arbeit, Italiener müssen nur 40 Jahre arbeiten und Spanier und Griechen sogar nur 35 Jahre, um die volle Rente zu erhalten. Wer arbeitet überhaupt noch? In Deutschland gehen rund 60% der 55-64-Jährigen arbeiten, während es in Frankreich nur 41% sind und in Italien und Griechenland sogar weniger als 40%. Deutsche Rentner können in Zukunft nur durchschnittlich 48-51% des derzeitigen durchschnittlichen Nettoeinkommens erwarten. Schlechter als Deutschland liegen da nur Mexiko, Chile, Großbritannien und Japan. Zum Vergleich: Italienische Rentner haben eine Ersatzquote von 76%, die Spanier 84% und die Griechen 110% des Einkommens. In der Realität sollten Rentner mindestens 87% erhalten, um ihren Lebensstandard zu sichern. Wo geht das ganze erwirtschaftete Geld hin in dem Land, in dem wir gut und gerne leben?

Was sollten wir Männer denn nun tun, um ein paar gesunde Altersjahre zu erleben? Jedenfalls nicht auf die öffentliche Rente setzen. Das ist ein ganz schlechtes Geschäft. Würde man mit den Beiträgen Roulette im Casino spielen, hätte man einen höheren Erwartungswert. Ich zahle gar nichts in die Rentenversicherung ein. Als legaler Arbeitnehmer geht das natürlich nicht, aber es gibt ja auch andere Lebenswege.

Den Stress - wohl einer der Hauptfaktoren - kann man verringern. Vieles davon ist für jeden möglich.

Dichtestress - raus aus der Großstadt. Nicht ganz aufs Land! Kleinstadt rulez. Die Pendelzeiten dort sind übrigens trotz weniger öffentlichen Verkehrsmitteln kaum höher, wie wenn man bereits in der großen Stadt wohnt. Ich bin dort weg und meine Wegezeiten überallhin sind jetzt lächerlich gering. Einkauf mit dem Fahrrad, zu Freunden zu Fuß, das Leben ist einfacher geworden. Die Kinder machen ihre Strecken weitgehend selbst, kein Rumgefahre, kein Stau, kein Wahnsinn.

Stress wegen Frauen - keine weiteren Erklärungen nötig, hm?

Stress durch Selbstbestätigung - fort mit dem Instagram, Facebook, Pinterest, Twitter - Quatsch. Weg mit den Erwartungen von Anderen, von der Sucht nach Anerkennung und positiver Rückmeldung. Ich erzähle überall gerne und frei, dass ich ein Loser bin. Lob und Tadel? Nett, mehr nicht.

Stress durch Konsum - wenn meine Kinder wieder mit den allfälligen Konsumwünschen ankommen, wissen sie schon recht gut, was als Antwort kommt: Ein tiefer, verklärter Blick. Und die Sätze "Wir sind arm. Ja, ich weiß, dass Chantal und Justin das neue iPhone haben, aber die haben eben reiche Eltern. Wir sind das nicht. Du kriegst doch auch ein Handy. Das tolle Gullyphone Null über eBay direkt aus China für 50 Euro, was wir dir natürlich von Omas Weihnachtsgeld abziehen." Wir sind da aber auch Vorbild für die Kinder. Sehr wenig Unterhaltungselektronik, bewährte Gebrauchtwaren, modern aber niemals einem Hype folgen, mit möglichst wenig Dingen leben.

Stress im Beruf - als Arbeitnehmer nicht leicht zu vermeiden, zugegeben. Meinen Totalausstieg und stattdessen Nebenerwerbsimkern am sonnigen Waldesrand und kreativer Nutzung des Steuerrechts werden die Wenigsten wollen oder hinbekommen. Berufe lassen sich in Deutschland generell schwer wechseln. Wie kriegt man es hin, seinen Passionen zu folgen, statt sich in einem Job hetzen zu lassen? Und damit ist natürlich nicht Frau Prusselius gemeint, die vom Jugendamtstentakel auf Tarot Kartenlegerin umsattelt oder die Doktorin, die erst Stadträtin, dann Gammelfleisch wird. Für Männer eine gute Frage. Jobwechsel bis es passt? Auch die Selbständigkeit ist kein Ausweg, um da mitzuschwimmen sollte man was drauf haben. Was macht man in einem Land, in dem Herzmedikamente Rekordabsatz haben und das keine Tradition von Tricks hat, um sich zu drücken, jedenfalls bei Männern?

P.


Weiterführender Link: TrennungsFAQ
Ratsuchende Väter finden im TrennungsFAQ-Forum konkrete Hilfe


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