• 19.06.2021

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Erfahrungsbericht Gaslighting

gaslighting

» Artikel vom

Gastautor: A. M.

Das Thema „Frauen als Täterinnen“ kommt in der menschlichen Wahrnehmung offensichtlich nicht vor, ja, das Thema wird regelrecht totgeschwiegen. Umso schwerer haben es die betroffenen Männer. „Die Gesellschaft“ kennt Männer nur als Täter. Damit wird es ihnen regelrecht unmöglich gemacht, dagegen anzugehen bzw. sich einfach nur zu verteidigen.

Was ist Gaslighting?

Grundsätzlich ist Gaslighting psychischer emotionaler Missbrauch, nicht sichtbar für andere. Die Online-Enzyklopädie aus den Wissenschaften Psychologie und Pädagogik gibt uns hierzu genauere Auskünfte: „Gaslighting ist die Form einer Manipulationstechnik, eines emotionalen Psychoterrors bzw. systematischen Missbrauchs, bei dem der Missbraucher dem Opfer falsche Informationen gibt, die darauf abzielen, dass das Opfer seiner eigenen Wahrnehmung misstraut, schließlich seinen eigenen Verstand und seine psychische Gesundheit infrage stellt. Die Absicht dieser Aktionen ist es, die Betroffenen zu verwirren, sie einzuschüchtern und zutiefst zu verunsichern. Der Täter oder die Täterin arrangiert dabei etwa die Umwelt des Opfers so, dass dieses an seiner Wahrnehmung der Realität zu zweifeln beginnt, allmählich unsicher wird, immer mehr in eine Verteidigungshaltung gerät. Auf persönlicher Ebene werden betroffene Menschen isoliert, denn sie glauben allmählich, was der Täter oder die Täterin behauptet. Irgendwann versucht diese oder dieser Betroffene, das eigene Leben zu ändern und sich den vermeintlichen Realitäten anzupassen. Nur selten ist die Manipulation den Tätern nicht bewusst, denn die meisten handeln berechnend und ohne Rücksicht auf ihre Opfer. (Stangl, 2021).“

Weil Fachartikel nicht jeden überzeugen, will ich hier meine Erfahrungen dazu packen.

Am Anfang steht der Zweifel, der Selbstzweifel. „Was stimmt mit mir nicht?“, „Warum funktioniert irgendwie nix, obwohl ich mich zum Besten aller anstrenge?“, „Es muss an mir liegen, so falsch kann doch die Umwelt nicht liegen.“, „Was ist nur falsch mit mir?“. Schuldgefühle und ein permanentes schlechtes Gewissen sind weitere „Red Flags“, die auf Missbrauch und Manipulation hinweisen. Wer solche Sätze in seinen Überlegungen über längere Zeit findet, sollte seine Umgebung dringend und penibel auf Manipulation absuchen.

Ein einschneidendes Erlebnis möchte ich hier herausheben.
Als Digitalkameras auf den Markt kamen, waren die noch sehr teuer und empfindlich. Und so ein Ding besaß ich damals, ganz klar. Mit Computern groß geworden und nun Kinder im Haus, da kommt so eine Kamera wie gerufen. Eines schönen Tages kam die damalige Ehefrau damit ins Wohnzimmer. Plötzlich „fällt“ ihr die Digitalkamera auf den Fliesenboden. Ihr könnt Euch denken, dass das Gerät danach Schrott war. Es war für mich mehr als offensichtlich, dass sie die Kamera direkt neben mir, vor meinen Augen und mit voller Absicht runterwarf, um mir dann stundenlang einzureden, dass sie das überhaupt nicht war. Der Hammer waren diese Aussagen: „Ich hatte die Kamera gar nicht in der Hand!“, „Ich habe die Kamera nicht runtergeworfen!“, „Das ist ja alles nur DEINE Schuld!“.

In meiner damaligen psychischen Verfassung, es gab noch mehrere Arten des psychischen Missbrauchs – dazu später mehr, verstand ich nun die Welt noch weniger als zuvor. Im permanenten Bemühen, alles auf die Reihe zu bekommen und alles verstehen zu wollen, versank ich nur noch tiefer in der Schuld- und Zweifelspirale. So langsam weitete sich dieser Wahnsinn auf mein komplettes Umfeld aus. Plötzlich kamen von allen möglichen Stellen Aussagen, Anmerkungen und Verhaltensweisen, die gegen mich zielten, die sich sehr oft nach „zu Hause“ anfühlten. Das war eine weitere Zündstufe der Abwärtsspirale. An diesem Punkt begann ich zu saufen. Mein Leben wurde plötzlich sinnlos, unnütz, und genauso fühlte ich mich auch. Ich war nur noch eine leblose Hülle, die für alle Umgebenen zu funktionieren hatte, sonst „gibt‘s aufs Maul“ – emotional. Ich hatte mich aufgegeben. Ich konnte nicht mehr. Ich habe gesoffen, um die Welt um mich herum – und mich selbst wohl auch – ertragen zu können.

Für jemanden, der da noch nicht war, ist es sicherlich kaum zu begreifen. Wie auch? Es war für mich selbst nicht zu begreifen. Sowas existierte in meiner dunkelsten Fantasie schlichtweg nicht. Einer der Hauptgründe, dass ich alles viel zu spät erkannt habe, war mit Sicherheit a) das Narrativ der lieben, gutmütigen Frau/Mutter und b) meine naive Einstellung, dass „man sowas in einer Ehe nicht macht“. Ich glaubte an die Menschlichkeit und daran, dass einem da von anderen geholfen wird.

Die Realität sah so aus, dass sich mein gesamtes soziales Umfeld gegen mich gewandt hat, ich war der Prügelknabe für die manipulierten Klischeevorstellungen des Umfeldes. An dem Punkt war mir das mittlerweile egal, eine Steigerung nach unten gibt es nicht – dachte ich zumindest. Ich lernte später, dass es da sehr wohl noch einige Stockwerke abwärts geht. Ich soff weiter, vergrub mich in Arbeit und wollte nix mehr von irgendwas wissen. Mir war schlichtweg alles komplett egal und alles zu viel. Selbst das Zähneputzen in der Früh kam mir wie die Besteigung des Mount Everest vor. Das Leben war für mich nur noch eine „Strafarbeit“. An dem Punkt fing ich an über Selbstmord nachzudenken. Was soll der Scheiß hier? Wenn das das Leben ist, will ich es nicht. Was soll daran erhaltenswert sein? Ich werde diesen Mist ganz sicher nicht bis zum Lebensende mitmachen. Zu meinem großen Glück hielten sich diese Gedanken die ganze Zeit über in meinem Hirn auf, sie sollten mir später noch das Leben retten.

Jeden Morgen lief ich ins Büro, eigentlich ein schöner Spaziergang durch die Stadt. Nicht für mich. Um in die Innenstadt zu kommen, musste ich über eine Hauptverkehrsstraße und dort meist einige Minuten an der Ampel warten. Dabei beobachtete ich den Verkehr. Mir fiel auf, dass es gegen acht Uhr immer hektischer wurde und damit auch immer mehr Leute die rote Ampel ignorierten. Hier ist mein Exit, hier geht‘s raus, hier findest du Ruhe, dachte ich. Das ist zuverlässig. Der 40-Tonner, der mit 60 km/h kurz vor der rot werdenden Ampel noch Gas gibt, wird mir die Erlösung bringen. Das dachte ich damals. Und nein, ich habe nicht im Geringsten an die anderen Beteiligten gedacht, weil mir in diesem Moment alles scheißegal war. Das ist nicht schön, aber es ist die Wahrheit.

Viele, viele Tage brachte ich damit zu, mir jedes Detail dazu einzuprägen. Ich habe den Anspruch, dass wenn ich etwas mache, es auch „Hand und Fuß“ hat. Ich wollte es ordentlich machen und ich wollte natürlich nix davon spüren – im Optimalfall. So funktionierte ich noch einige Monate oder Jahre (?) und ging meinem Plan nach. Als „der Tag“ gekommen war, stand ich an der Kreuzung und wartete. Ich kann nicht sagen, wie lange ich dort stand und mich noch ein letztes Mal fragte: „Willst du das wirklich? Was soll der Scheiß hier? Was, wenn ich einfach alles hinschmeiße, einen Reset mache und mir von vorne ein neues Leben aufbaue?“. Ich stand an der Kreuzung, wartete auf den LKW und überlegte, ob ich mir überhaupt noch die Mühe machen sollte, Antworten auf diese Fragen zu finden. Und an diesem Punkt, ganz, ganz weit unten angekommen, ohne jegliche Perspektive, sprach mein Überlebensinstinkt zu mir: „Was Besseres als den Tod findest du überall!“. Ich stand immer noch an der Ampel, ich weiß nicht mehr, wie lange. Dann ging ich bei grün über die Straße und fing mein neues Leben an.

An jeden Menschen, der an einem Punkt ist, an dem er nicht mehr weiterkann und will, möchte ich appellieren: Es gibt IMMER eine Lösung und alles ist besser als der Tod. Schmeiß alles weg, was dir nicht guttut und fang einfach neu an. Du fängst nicht bei null an, du hast Deine Lebenserfahrung und die ist unbezahlbar. Das kann dir keiner nehmen.

Verwendete Literatur
Stangl, W. (2021): Gaslighting – Online Lexikon für Psychologie und Pädagogik

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