• 22.05.2019

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Frau raus aus der Klapse

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» Artikel vom

Frauen nehmen oft und gerne Auszeiten. Von der Arbeit, Pflichten, der Ehe.... Der Auszeit-Aufenthalt einer Dame in meinem Umkreis im versicherungsbezahlten Luxus Resort für besonders Belastete (früher hieß es „Irrenhaus“) neigt sich nun dem Ende zu, über dessen Beginn hier ausführlich berichtet wurde. Sie ist jetzt notdürftig mental zusammengeklebt. Hoffen wir, dass nicht alles bald wieder in einen Scherbenhaufen zerfällt.

Der liebe, aber nun beweisbar unterbelichtete Ehemann nimmt die Ehe-Dame bald wieder in Empfang. Die meisten Männer verzeihen halt einfach alles. Wahrscheinlich ist er froh, dass sie überhaupt mal kommt. Auch so ein Problem bei Frauen. Jedenfalls wartet das angewärmte Ehebett auf sie, ihr Toyota Prius steht gewaschen und geladen stramm in der Garage, ihre Chefin freut sich auf die paar Stunden, die sie nun wieder arbeiten kann, die Welt rollt der „Überlebenden“ den roten Teppich aus. Ein Kind gibt es auch, das dürfte der Rückkehr von Plemplem-Mami eher kritisch gegenüberstehen. Das hatte eine recht gute Zeit mit Papi, während Mami „in Kur“ war, wie es im offiziellen Sprachgebrauch gegenüber Dritten kommuniziert wurde, um die Abwesenheit der Gestörten zu erklären. Papi merkte zwar, dass ohne Mami alles so easy wie nie war, aber er fühlt sich als echter Beta ständig weiterhin verantwortlich für sie. Vielleicht hat er auch nur Angst vor Staat und Unterhaltsrecht, wenn er sie so entsorgt wie das ansonsten traditionell die Damen mit den Männern tun. Jedenfalls darf die Dame bald wieder im Haus des Ehemanns residieren, für das der Ehetrottel sie auch ins Grundbuch aufgenommen hat.

Doch aus anderer Quelle klingen die Neuigkeiten nicht so erfreulich bei ihr. Das zwischenmenschliche Klima im Luxus Resort war nicht sehr erquicklich. Häufig erfinden sich dort die Damen nicht nur neu, sondern finden auch neue menschliche und sexuelle Erfüllung. Man nannte das mal „Kurschatten“. Schließlich sieht man sich in jenen Einrichtungen recht oft täglich, isst zusammen, erzählt sich in Gruppensitzungen persönliche Intimitäten („ich habe panische Angst vor Erdstrahlen!“ – „ich auch, die sind auch verantwortlich für meine geschwollenen Nippel – sehen sie mal her, sogar hier passiert mir das!“), probiert nach Therapieschluss zusammen die abendlich aktiven Lokalitäten der Kurstadt durch („bidde noch nen kr... gr... crazy Mambo, abber mid anschdändig Erdbeersirubb!“). Alles weit entfernt vom drögen Heim, Problemen, Belastungen. Der Kurschatten ist sogar gewollt, dient er doch als Mittel zur Förderung des Kurerfolges. Wer tagsüber den Mund in der Therapiegruppe nicht auf bekommt, des Nachts aber für steife Organe des Nebensitzers sorgt, dann anderweitig richtig durchgenudelt wird und zu jodeln anfängt, der nutzt eine Therapie anderer Art, die mit Entspannung, Ekstase, Oxytocin Produktion einhergeht. So mancher Gestörte findet zwischen den dicken Schenkeln einer Gestörten seinen anziehenden Gegenpol und so kommt zusammen, was zusammen gehört. Plus und Minus verbunden ergibt Kurzschluss, es funkt und die Ströme fließen. Das Leben in seiner Reinform. Geben, nehmen und stöhnen bis die Batterie leer ist.

Doch damit war es leider nichts. Was für ein Frust. Die Dame erlebte nämlich Schockierendes, was sie auch deutlich zum Ausdruck brachte: Männliche Patienten nutzen ihre neugewonnene psychische Stabilität sehr wohl ausgiebig und kunstvoll. Allerdings – wie gemein – bestanden die ins Auge gefassten Ziele der Männer aus den jungen Insassinnen und nicht aus den reiferen Semesterinnen wie die Heldin unseres Berichts. Und das auch noch erfolgreich aus Sicht der Stelzböcke. Lustmolch vergreift sich am Hascherl, statt an der erfahrenen Frau. Das geht ja nun gar nicht an und rief die allergrößten Kritiken bei der negligierten Dame hervor. Unmoralisch! Geile alte Böcke! Tierisch! Wie können die nur? Besudelung eines Orts der Heilung! Ich gestehe: Das zu hören war wie ein Bad in warmem Mineralwasser, von dem wir hier in der Gegend so angenehm viel haben. Es ließ mich prickelnd und erwärmt zurück. Und das sogar ohne Eintrittsgeld, das in den schönen Solebädern und Wellnessoasen und auch bei vielen (allen?) Frauen fällig wird. Was bin ich für ein Bösling und Loser!

Aber zurück zur „Kur“. Die hatte auch ihre guten Seiten. So wurde zum Beispiel aufs Feinste aufgetischt. Gab es auch keine nächtlichen Höhepunkte, so doch kulinarische Höhenzonen. Vielleicht war das auch nur Taktik der Klinikleitung. Mach die Insassen schwer, satt, behäbig und fett, das macht sie gemütlich statt nervös. Ein voller Bauch spinnt nicht gerne herum. Der verdaut und sucht die Ruhe. Möglicherweise gibt es gar keine ausgefeilten Psychologentherapien, sondern alles entscheidet sich in der Küche.

Das erinnert mich an meine Reisen durch die Welt. Ich war auch in einigen buddhistischen Klöstern mehrerer Länder Nordostasiens. Das Essen war dort nie kompliziert, aber immer sehr gut. In japanischen Zen-Klöstern heißt es manchmal, der Koch sei am weitesten, nicht ein Abt oder der Leiter eines Sesshins. Es gibt auch eine seltsame Spiegelung oder Verbindung zwischen Meister und Koch. Koch ist Inhalt, Meister ist nur lehrende Oberfläche. Viele Zen-Geschichten ranken sich um den Koch, die Küche. Der konnte sogar Schuld aufessen, wie eine der Geschichten erzählt:

„Es trug sich zu, dass durch irgendwelche Umstände die Vorbereitungen zur Mahlzeit eines Soto-Zen-Meisters und seiner Schüler verzögert wurden. Voller Hast begab sich der Koch mit seinem gekrümmten Messer in den Garten und schnitt die Spitzen grünen Gemüses ab, hackte sie klein und machte eine Suppe daraus, ohne zu bemerken, dass ihm in seiner Eile ein Stück von einer Schlange zwischen das Gemüse geraten war.
Die Anhänger Fugais meinten, dass sie noch niemals eine so gute Suppe gegessen hätten. Aber als der Meister selbst den Schlangenkopf in seiner Schale fand, rief er den Koch herbei. »Was ist das?« fragte er und hielt den Kopf der Schlange hoch. »Danke, Meister«, antwortete der Koch, nahm das Stück und aß es schnell.“

Die Geschichte hat viele Ebenen, von denen einige vielleicht sogar in deutsche Irrenhäuser reichen.

Ein anderes interessantes Element im Kurhaus waren die vielen Langzeitpatienten. Eigentlich sollte es die Norm sein, nur einige Wochen dort zu verbringen, mit einer Verlängerungsmöglichkeit. Aber erstaunlich viele Patienten hatten sich dort für einen Langzeitaufenthalt eingerichtet und blieben viel, viel länger. Irgendwie schien es auch möglich zu sein, die bezahlenden Versicherungen so weit auszutricksen, dass diese Dauer-Kur auf Fremdkosten weiter finanziert wurde. Nicht gerade kleine Beträge bei den heftigen Tagessätzen, die dort verlangt wurden. Aber es klappte. Residieren mit Vollpension und Geistes- wie Körpermassage - nicht schlecht.

Nun, wir werden sehen, wie sich der „Mental Case“ weiter entwickelt. Es bleibt spannend. Ich bekomme genügend Sickerwasser in Kanäle knapp unter der Oberfläche, um über den Fortgang berichten zu können. Das Männermagazin ist wie immer live dabei an den Brennpunkten der Gesellschaft.

P.


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