• 16.09.2020

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Ein Oberfranke im Schnapszelt

pruegelei

» Artikel vom

Die Oberfranken sind einfach nur köstlich. Die meisten Bewohner dort, Männer wie Frauen, sind kugelrund. Und nein, das kommt nicht vom ungezügelten Fressen und Saufen, sondern es soll sich, glaubt man den Erzählungen, um einen regionalen Gendefekt handeln. Auch das Humpeln vieler dicker Weiber kommt ganz sicher nicht vom Übergewicht. Die Gelenke sind halt etwas unterentwickelt. Dagegen helfen Schmerztabletten und viel Ruhe. Am besten sitzt oder liegt man möglichst oft und lange auf dem Sofa bei einer leckeren Cola und bekömmlicher Nahrung wie Chips oder Kekse. Das ist natürlich nicht das einzige Problem. Oberfranken ist mit einer tollen Natur gesegnet, Industrie und große Ballungsgebiete gibt es nicht. Was liegt da näher, als ab und zu mal tief ins Schnapsglas zu schauen, um seine Freizeit etwas aufzupeppen. Gerade bei Langeweile ist Saufen ein schöner Zeitvertreib. In Oberfranken wird gebechert, bis der Sanitäter oder die Polizei kommt. Ein sicheres Indiz für die gesunde Trunksucht ist die hohe Konzentration an Brauereien in Oberfranken.

Und wo gesoffen wird, da gibt es jede Menge Probleme. Wie bei einem Fest in Münchberg. Ein junger Rammler tankte dort nachmittags fünf große Biere, danach zwei Flaschen Wein und zum Nachspülen gab es nochmal einige Bierchen. Damit aber nicht genug. Irgendwie fehlte noch die Magenversiegelung und dazu begab er sich ins Schnapszelt. Dass so ein Schnapszelt nicht ungefährlich ist, dürfte jedem klar sein. Deshalb residierten gleich daneben der Sicherheitsdienst und die Sanitätsbereitschaft. Jedenfalls holte sich der junge Rammler einen Bacardi-Cola Long für acht Euro. Dazu musste er eine halbe Stunde anstehen. Als er endlich den ersten Schluck nehmen konnte, wurde er von hinten angerempelt und schon ergoss sich das edle Getränk über den versifften Boden. Nach einem kurzen Wortgefecht unter oberfränkischen Besoffenen, von dem ein gebildeter Mitteleuropäer eh kein Wort versteht, hat der Rammler einen kleinen Faustgruß abgeschickt. Sicherheitsdienst und Sanitäter waren schnell zur Stelle und die Polizei wurde gerufen. Die Lippe des Opfers war ein wenig beschädigt und musste im Krankenhaus genäht werden.

Nach einigen Wochen flatterte dem Rammler die Strafanzeige ins Haus. Er bereute seine Tat sofort und zutiefst, denn als Sachkundiger in Sachen Körperverletzung und anderen Gesetzesbrüchen wusste er genau, was ihm nun blüht. Vor dem Strafrichter war für ihn alles drin, vom mahnenden richterlichen Zeigefinger über eine saftige Geldstrafe bis hin zur Haftstrafe, je nach Tageslaune des Richters mit oder ohne Bewährung. Das ist nicht so witzig, wenn die sauer verdiente Kohle und kostbare Lebenszeit für so einen Scheiß drauf gehen. Saufen war und ist noch nie eine gute Idee gewesen.

Das lustige Treiben vor Gericht wollte ich mir natürlich nicht entgehen lassen und so erschien ich zur Verhandlung als Zuschauer. Körperverletzung ist kein Kavaliersdelikt, aber an dieser Stelle muss man auch mal sagen dürfen, dass nicht jede Körperverletzung schwerwiegend ist. Das Opfer sagte vor Gericht aus, dass er nicht mehr wüsste, wie viel er getrunken hatte. Er war halt randvoll mit Alkohol abgefüllt. Der Schläger wusste auch nicht mehr viel über den Hergang zu berichten. Ob er vom Opfer beleidigt oder provoziert wurde, daran konnte er sich nicht mehr erinnern. Da standen sie nun, die beiden Suffköppe, mit gesenktem Haupt und voller Scham. Der Richter hörte sich die Saufgeschichten der beiden interessiert an. Es ist durchaus erheiternd, wenn zwei Trinker vom Trinken berichten.

Vor Gericht finde ich es immer irgendwie lustig. Der Anwalt vom Schläger sah aus, wie wenn auch er direkt aus dem Schnapszelt kommen würde. Der Anzug passte ihm überhaupt nicht, die Schuhe ausgelatscht, die schwarze Spitzbubenrobe ziemlich knittrig und die ehemals weiße Krawatte hatte einen starken Gelbstich. Bei diesem Anblick konnte ich mir das Grinsen nicht verkneifen. Mit dem Anwalt wird das sicher nichts, dachte ich mir, aber man sollte sich nicht von der Optik täuschen lassen. Der Bursche zeigte sich ziemlich clever, indem er zielsicher die Schwachpunkte und Widersprüche ermittelt hat. Die aufgedeckten Ungereimtheiten tippte er fleißig in sein schmieriges Notebook. Seine kleinen Kreuzverhöre waren in der Tat beeindruckend und seine Strategie war bald klar. Er wollte das Opfer zur Annahme eines Täter-Opfer-Ausgleichs ermutigen und das gelang ihm auch. Der Schläger legte 350 Euro auf den Tisch, entschuldigte sich glaubhaft und schon wanderte die Kohle in die Hosentasche des Opfers. Er wird das Geld sicherlich im nächsten Schnapszelt verjubeln. Alkohol hilft immer, eine Schmach vergessen zu machen. Derart finanziell befriedigt hat das Opfer den Strafantrag zurückgezogen und der Staatsanwalt ließ Gnade walten, indem er kein öffentliches Interesse an einer weiteren Strafverfolgung bekundete.

Ich könnte mich über Juristen stundenlang belustigen. Meine tiefe Abneigung kommt daher, weil sie sich stets als bessere Menschen fühlen, denn ohne Anwalt vor Gericht gibt es garantiert die Höchststrafe. Kein Jurist will sich auch nur im Ansatz mit einem normalen Bürger auseinandersetzen. Juristen reden vorzugsweise mit sich selbst oder mit ihresgleichen. Sicherlich würden sie sich nach einer geilen Verhandlung am liebsten gegenseitig befriedigen. Und wie sie so schön die Paragrafen runterplappern zeigt nicht den besonderen Verstand, sondern lediglich, dass sie fleißig auswendig gelernt haben. Eigentlich reden Juristen immer den gleichen Unsinn. Die paar Paragrafen kann sich eigentlich jeder merken.

Als Richter und Staatsanwalt den Gerichtssaal betraten, wollte ich zunächst nicht aufstehen, aber alle glotzten mich erwartungsvoll an und da wollte ich mal nicht so sein. Also stand ich zackig auf. Ich hätte sicher einen fetten Bonuspunkt für ein künftiges Strafverfahren bekommen, wenn ich dabei gehorsamst die Hacken zusammengeschlagen hätte. Der Richter war ein kleines Männchen und sah ziemlich geschwächt aus. Mir schoss durch den Kopf, dass er zu Hause bei seiner Alten sicher nicht viel zu sagen hat. Der Staatsanwalt war ein echter Schönling. Entweder ist er ein Frauenaufreißer oder schwul. Jedenfalls war er der schönste Mann im Raum, was er sichtlich genoss. Als ich mir Anwalt, Staatsanwalt und Richter so anschaute, dachte ich, dass der Schläger bei dieser Truppe keine guten Karten hat. Immerhin sah er recht adrett aus. Ein violettes Hemd, die Haare fein gekämmt und eine saubere Hose. So als ganz Braver saß er da, der keinem etwas Böses tun kann.

Am Ende hat der junge Rammler und Schläger wirklich großes Glück gehabt. Er kam mit einem blauen Auge davon, denn es hätte für ihn deutlich schlimmer ausgehen können. Ich habe meinen positiven Einfluss bei ihm geltend gemacht, damit er mit dieser Scheiße endlich aufhört. Saufen war noch nie gut. Das gibt nur Ärger und kostet Geld für nix. Diese Einsicht hat er nun und ich werde da weiterhin ein Auge darauf haben. Immerhin könnte ich sein Vater sein und mal so unter uns, ich wäre ein echt cooler Vater. Wir haben im Vorfeld seiner Gerichtsverhandlung öfters über das Leben, sinnvolle Freizeit und Weiber gesprochen. Jeder soll sich sein Leben selbst einrichten, aber einige Tipps von einem erfahrenen Mann sind nie verkehrt. Nein, ein Schläger ist er sicher nicht. Seine Ausraster passierten immer nur im Suff, aber damit soll nun Schluss sein. Gegen ein kleines Bierchen gibt es keine Einwände, aber nicht mehr exzessiv.

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