• 16.09.2020

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Höhenflüge

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» Artikel vom

Männer betreiben gerne Hobbys. Oft mit Freude und Hingabe, manchmal bis hin zum Exzess. Über einige Hobbys wie Tierhaltung, Hobbyobstbau oder Geld ausgeben, das von Frauen verdient wird, habe ich schon berichtet, die alle gleichzeitig mehr oder weniger nützlich sind, Erträge bringen.

Aber es gibt auch reine Spaßhobbys mit geringerer Nützlichkeit, die man vor allem nur deshalb macht, weil sie irgendwie anziehend sind. Dort kann man Spieltriebe ausleben und eben Spaß haben. Ansonsten erzeugen sie wenig verwertbaren Nutzen und beeindrucken niemand. Eins dieser Hobbys möchte ich heute einführend vorstellen: Fliegen mit Quadrokoptern, in den Medien auch fälschlicherweise „Drohnen“ genannt. Leider gleich eine Dummheit, der Name „Drohne“ ist Schwachsinn. Drohnen sind Insekten, die aus unbefruchteten Eiern entstehen. Es sind also männliche Klone eines weiblichen eierlegenden Tiers, in Bienenvölkern die der Königin. Sie haben eine Mutter, aber keinen Vater, jedoch einen Großvater. Welche Schwachmaten das auf Fluggeräte ohne Pilot an Bord übertragen haben, ist mir unbekannt.

Angefangen hat es mit Geschenken für meinen Sohn. Heutzutage werden Kinder von allen Seiten meist allzu reichlich beschenkt. Der Knabe bekam einen dieser kleinen winzigen Hubschrauber mit Funkfernsteuerung, die man besser nur im Zimmer fliegen lässt. Damit entwickelte er ein gewisses Geschick, schrottete ihn aber bald. Das wiederholte sich mit ähnlichen Geräten. Ich habe mir das angesehen, fand die Idee lustig und besorgte mir dann etwas, mit dem man „richtig“ im Freien fliegen konnte: Eine DJI Spark. Das ist ein Teil, das als „Mini Drohne“ vermarktet wird, mit nur kurzer Flugzeit und recht begrenzter Reichweite. Klein und leicht, genau das richtige Gerät, um mal mit so etwas ohne viel Schaden herumzuspielen. Aber immerhin schon mit zweiachsiger kardanischer Aufhängung der Kamera und relativ schnell für die Größe.

Bis zum ersten Flug dauerte es trotzdem eine ganze Weile. Der Quadrokopter will mühsam in Betrieb genommen werden, auspacken und losfliegen ist nicht. Speicherkarte besorgen, Verbindung zwischen Quadrokopter und Fernsteuerung koppeln, Verbindung zwischen Quadrokopter und Smartphone schalten (zwei verschiedene WLAN-Netze), tausend Sicherheitshinweise und Warnmeldungen lesen oder ignorieren, dem chinesischen Hersteller alle Schnüffel- und Abhörrechte einräumen, Kompass kalibrieren, Accounts erstellen, Updates für die Firmware, Akkus laden, Software herunterladen, begreifen wie das Ding eigentlich bedient wird...

Vor dem ersten Flug sollte man sich auch bewusst sein, wie die gesetzlichen Einschränkungen sind. An den Fluggeräten über 250 Gramm (das ist sogar weniger, als eine Schachtel Eier wiegt) ist eine eindeutige Kennzeichnung anzubringen, ein feuerfester Adressaufkleber, hundert Meter maximale Flughöhe, eine lange Liste von Flugverboten und hoher Abstandspflichten, alle Flüge nur in Sichtweite. Im Grunde darf man nirgends fliegen im engen Deutschland. In vielen Zonen geht das auch technisch gar nicht. Die meisten Quadrokopter (größere alle) prüfen den Ort, an dem sie sich befinden und weigern sich in Sperrzonen aufzusteigen. Das hat schon Geschicklichkeitswettbewerbe mit Drohnen in geschlossenen Sporthallen verhindert, die kilometerweit von einem Kleinflughafen stattfinden sollten. Sie blockieren einfach. Drohnen, die Flughäfen stören, gibt es nicht, außer sie sind geknackt und umprogrammiert. Das geht nur mit viel Wissen und Aufwand. Leute, die so etwas tun und so hohe Energie aufwenden, werden von Gesetzes-Erlaubnisgeschwafel ganz sicher nicht von ihrem Tun abgehalten. Wer Flugzeuge blockieren oder anderen schwachsinnigen Ärger machen will, kann das sogar mit (illegalen) Himmelslaternen oder Luftballonkonstruktionen. Politiker und Medien agitieren jedoch ausschließlich gegen das Feindbild Kleinstkopter.

Und die nächste verschärfende EU-Verordnung ist bereits in der Pipeline. Damit kommen elektronische IDs, eine automatische GEO Flugbeschränkungsüberwachung, ein kleiner Drohnenführerschein, eine Pflichtregistrierung mit Nummer auf der Plakette. Für Flieger mit 900 Gramm (jetzt noch: 2 kg) ist dann bereits ein Test in einem Prüfzentrum zu absolvieren. Das wird dann das Ende vieler jetzt noch frei fliegbarer Modelle sein und vielleicht das Ende des ganzen Hobbys. Vordergründig dienen diese Bestimmungen der Sicherheit, in Wirklichkeit geht es wohl mehr um die Beseitigung störender Konkurrenz im unteren Luftraum. Unfälle mit Quadrokoptern, die auch wirklich Schaden verursachen, sind tatsächlich sehr selten. Es macht den Medien sogar riesige Probleme, wenigstens anekdotische Geschichten über Probleme zu präsentieren, mit denen man so gerne die Verbotsforderungen unterlegt. Auch die durch die Gazetten getriebene Story von einer Drohne am Londoner Flughafen ist schwach. Es ließ sich nie beweisen, dass dort überhaupt eine Drohne geflogen ist. Elektroroller lässt man dem Bürger dagegen, obwohl hier die Statistik von vielen und auch drastischen Unfällen erzählt. Ich komme mir jedenfalls mehr als veräppelt vor, wenn ich mit meiner Drohne nicht fünf Meter weit rauf darf, um nachzusehen, ob die Dachrinne an meinem Hausdach wieder mal verstopft ist (Kameradrohne, Wohngebiet - alles verboten), während ich bei der Gartenarbeit an Sommertagen pro Stunde im Schnitt vier Überflüge aller möglichen lärmenden Wichtig-Wichtig-Flieger in niedriger Höhe über meinem Wohngebiet ertragen muss, von Hubschrauber bis Leichtflugzeug und alle möglichen einmotorigen Flugzeuge samt Knatter und hemmungslos möglicher Glotzerei des Flugpersonals und seiner Begleiter. Einschließlich solcher, die mir nachher eine Rechnung präsentieren, wie bei den Abwassergebührenforderungen, wo von der Luft aus ungefragt geprüft wurde, wer wie viele versiegelte Flächen mit Einlauf ins öffentliche Kanalsystem haben könnte.

Der wichtigste Ratgeber bei Flügen ist und bleibt für mich jedoch immer der Verstand. Und der häufigste Schaden ist, den eigenen Flieger zu Bruch zu fliegen, das trifft nur den eigenen Geldbeutel. Dieses Risiko hat sich aber dank vieler Sensoren und Hilfssysteme stark verringert. Drohnen aus dem gegenwärtigen Angebot fliegen im Betriebsmodus mit eingeschalteten Hilfssystemen enorm sicher und das wird sich noch weiter verbessern.

Stimmt endlich alles, dann rauf in die Lüfte! Eigentlich plante ich, das Ding mal auszuprobieren und dann irgendwann wieder zu verkaufen. Längere Spaßgenerierung traute ich ihm nicht zu. Ein paar Blicke von oben, amüsant, aber begrenzt. Mein erster Flug war dann bereits beeindruckend. Ich bin von meiner Obstwiese aus nach oben und konnte auch gleich in ein Vogelnest hoch oben im Nussbaum reinsehen. Leider waren nur langweilige Saatkräheneier drin. Es ist natürlich klar, dass man keine Tiere stört (siehe fliegen nach Verstand), sondern in genügend Abstand bleibt. Vögel gleich welcher Art sind ansonsten völlig desinteressiert an fliegenden Quadrokoptern, sie werden nicht als beachtenswert oder gar als Gefahr erkannt und komplett ignoriert. Sehr seltsame Erfahrungen hatte ich aber mit Honigbienen, die dem Kopter tatsächlich nachgeflogen sind, vielleicht auch eine Folge des Luftwirbels oder des Rotorenbrummens.

Und so ging es weiter: Über Maisfelder in knapper Höhe fetzen (im Auftrag eines Landwirtschaftsfreundes, der wissen wollte, ob sich Wildschweine in seinem Feld verstecken), in Waldtälern die Kurven ausfliegen und probieren, nicht gegen den Rand der Schluchten zu krachen. Herrliche weite Landschaftsbilder mit blauem Himmel sehen, ferne Gebirgszüge genießen und niedrigen Nebel, der durch Täler zieht. Das Auge fliegt durch Licht und Luft. Bei den Bienen entfaltete das Hobby auch Nützlichkeit. Man kann zur richtigen Jahreszeit Baumarten in Waldstücken sehr gut von oben bestimmen und sehen, ob da was für Bienen zu holen ist. So habe ich die Ecke mit der höchsten Wildkirschendichte in einem größeren Wald sofort gefunden. Man fliegt, wenn sie blühen, ein Blick von oben reicht und man kann sich Hinweise auf gute Aufstellorte der Völker holen. Nützliche Anwendungen gibt‘s viele, wenn man das will. Für Freunde, die in Behörden arbeiten, habe ich für eine Dokumentation die genaue Lage einer großen römischen Anlage mit Bildern gut sichtbar gemacht. Bekannt, aber archäologisch nicht erschlossen, war sie in Feldern von oben ein paar Tage lang zu erkennen. Ein anderer Freund wollte und bekam die Orte eines illegalen Holzeinschlags im Bild - man konnte von oben sogar die Zahl der Baumstämme an den Baumstümpfen exakt und schnell abzählen.

Die legale Flughöhe beträgt je nach Ort 50-150 Meter. Details aller Bestimmungen möchte ich nicht auswalzen, das steht auf Millionen Seiten im Internet. Der Deutsche verkündet Regeln gerne, getragen und vor allem oft. Die Flughöhe gilt senkrecht über der jeweiligen Bodenhöhe. Steht man auf dem Hügel 200 Meter über dem Fluss und fliegt von da aus nach oben, blickt man aus insgesamt 300 Metern Höhe schräg auf den Fluss hinunter. Technisch sind Flughöhen von mehr als 500 Metern über Startpunkt sowieso blockiert. Große Höhen sind aber fürs Fliegen ohnehin wenig interessant, das Bild von oben nähert sich dann dem von Kartendiensten wie Google Maps an. Man sieht nicht mehr viel aus der Entfernung. Ein Problem ist oft die Entfernung zum Kopter. Für die Verbindung wird WLAN-Technik verwendet - in Europa ist die erlaubte Leistung von WLAN aber weltweit die niedrigste. Fliegt man den Kopter zum Beispiel in den USA, ist die Reichweite dank höherer erlaubter WLAN-Leistung zwei bis viermal so hoch. Die Spark schafft in Europa höchstens 300-500 Meter bei sehr guten Bedingungen, woanders bis zu 2 km. In der Zukunft interessante neue Verfahren für Steuerungen mit hoher Reichweite wie der IEEE 802.11ah - Standard werden in Europa auch nicht zur Verfügung stehen, die EU hat dafür nur fünf winzige 1 MHz Bänder teilweise freigegeben. In der übrigen Welt ist das wesentlich besser, China bietet 32, die USA 26.

Geflogen bin ich mittlerweile auch mit größeren Quadrokoptern, die viele Fähigkeiten haben, zum Beispiel eine Flugplanung, mit der das Fluggerät eine vorher festgelegte Route abfliegt, einschließlich Fotos festgelegter Punkte. Die Teile haben unglaublich viele Spielereien eingebaut - HDR-Bilder, Panoramabilder, Dolly Zoom Filmaufnahmen, unzählige Flugmodi, Personen verfolgen, Gestensteuerung. Für verspielte Männer ein reiches Büfett an Möglichkeiten. Und vor allem eins: Spaß beim Fliegen.

P.


Weiterführender Link: TrennungsFAQ
Ratsuchende Väter finden im TrennungsFAQ-Forum konkrete Hilfe


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