• 02.07.2022

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Die Verkehrswende kommt

verkehr

» Artikel vom

Gastautor: Max

Es ist Heimaturlaub angesagt. Im Nachbardorf gibt es seit zwei Jahren ein öffentliches Projekt. Teststrecke Fahrradstreifen wird der Steuerfriedhof genannt. Für ordentlich Geld hat man einen Streifen auf den Asphalt gepinselt und alle paar Meter ein Tempo 70 Schild aufgestellt. Das soll nun der Sicherheit der Fahrradfahrer dienen. Wie das Ergebnis dieses Tests ausgefallen ist, habe ich zwar nicht erfahren, kann aber meine Meinung dazu beitragen. In den letzten zwei Jahren habe ich dort keine Sau auf dem Rad gesehen und das ist auch vernünftig so. Es ist nämlich immer noch gefährlich und das bleibt es auch, egal wie sehr man die Autofahrer auch gängelt. Baut einen richtigen Radweg, dann wird der auch genutzt. Platz genug ist dort und Steuergeld wurde schon für weit Unnötigeres verplempert.

Der letzte Urlaubstag ist angebrochen. Da gehe ich gern in die Sauna zum Entspannen. Die nächste ist 30 km von meiner Wohnung entfernt. Wie, wenn nicht mit dem eigenen Auto, soll ich dorthin gelangen, ohne dass es in eine Tagesreise ausartet? Nach drei heissen Aufgüssen bin ich hart entspannt und will über die Autobahn zurück. Die Strecke ist zwar ein paar Meter länger, dafür ruhig und ich habe meistens Vorfahrt. Aber mein Navi hat inzwischen ein Update bekommen. Es zeigt mir die Strecke nicht mehr an. Ich könnte ja 5 Gramm mehr CO₂ verbrauchen als absolut notwendig. Es navigiert mich über die verdammten kleinen Schleichwege durch die kleinsten Kuhkäffer. Kennt ihr solche? Die Strassen sind teilweise so eng, dass keine zwei Autos nebeneinander passen. Scharfe, unübersichtliche Kurven wechseln sich mit Freizeitradlern ab. Auf den Waldabschnitten springen mir die Rehe in die Karre. Das ist purer Stress und unfallträchtig ist es auch noch. So ein Unfall ist auch nicht gerade CO₂-neutral. Immerhin hat mein Navi nicht diesen unsäglichen aktiven Staupiloten, der einem wegen fünf Sekunden Zeitersparnis durch die überfüllte Innenstadt lotst. Das ist mir ein paar Mal in den Firmenwagen passiert. Natürlich verfahre ich mich in den Innenstädten kolossal. Aber Hauptsache etwas verschlimmbessert und gross an die Marketingglocke gehängt.

Auf der Arbeit soll ich an einer Umfrage vom örtlichen Industriegebiet teilnehmen. Die wollen wissen, wie ich zur Arbeit komme. Mit dem Auto? Ob ich ein Hybrid habe oder Elektro? Habe ich schon ein E-Bike? Wie stehe ich zum ÖPNV? Und ich bin erstaunt wie man ein Nudging und eine "How dare you!" Attitüde als Umfrage tarnen kann. Mir kommt es eher so vor, als ob sie nur wissen wollen, welche Daumenschrauben sie als Nächstes anziehen sollen, um den Autofahrern noch weiter das Leben schwer zu machen. Ich soll doch endlich auf den ÖPNV umsteigen, egal wie mies der ist! Ich sollte ankreuzen, ob ich gern eine engere Taktung hätte.
Die meiner Meinung nach wichtigen Fragen gab es jedoch nicht:
* Wie soll der ÖPNV sicherstellen, dass Sie stets eine Armlänge Abstand zu Ihren Mitbürgern einhalten können?
* Wollen Sie gern auf einem Ledersitz mit Sitzheizung und persönlicher Klimaanlage - auf 0,5 °C geregelt - sitzen?
* Wollen Sie lieber ihre eigene Musik auf Ihrer Bose Soundanlage hören, oder doch lieber das jämmerliche Gestammel, das Ihr Sitznachbar als Hip Hop bezeichnet?
Diese Fragen wurden nicht gestellt, aber das muss der ÖPNV auch nicht leisten, weil ich das ja alles schon in meinem Auto habe.
Und die grosse Frage wird auch nicht gestellt. Wofür ich mich denn schlau studiert habe, wenn ich während meines gesamten Arbeitslebens dann doch wieder neben den Assis im Bus sitzen muss? Wenn ich nicht mehr in Würde zur Arbeit komme, dann suche ich mir eben einen lockeren Job in der nächsten Stadt. Sollen sie sich doch einen anderen Deppen suchen, der mit dem Bus ins Industriegebiet am Arsch der Welt fährt. Wenn der Umfrageersteller mitliest, gebe ich ihm einen Tipp. Hör mit dem Firlefanz auf und schule um auf Busfahrer. Die werden eh gesucht. Ich frage mich auch, wie sie eine engere Taktung zustande bringen wollen, wenn jetzt schon Fahrten ausfallen.

Der Buschfunk berichtet vom Stromverteiler in der Wohnsiedlung. Dieser pfeift aus dem letzten Loch. Wird noch ein einziges Elektroauto mehr geladen, fliegen die Sicherungen. Das konnte ja auch keiner ahnen, dass Elektroautos beim Laden Strom benötigen.

In der Betriebsversammlung wurde das Jobbike beworben. Der gütige Gesetzgeber hat es eingerichtet, dass ich ein E-Bike vom Brutto statt vom Netto leasen kann. Ach, zu gütig. Ich denke mir: Lasst den Leuten einfach mehr Netto übrig, dann kaufen sie schon die Dinge, die sie für wichtig erachten. Und wenn es kein E-Bike wird, dann habt ihr das gefälligst zu akzeptieren. Aber das wird in Deutschland nichts mehr. Und ich habe auch aus gesellschaftlicher Sicht etwas dagegen. In welchem Land leben wir, in dem ein Vollzeit arbeitender einen verkappten Kreditvertrag braucht, um sich ein lausiges Fahrrad zu leisten? Und nichts anderes ist ein Leasing für Privatpersonen.

Und dabei habe ich auch ein Hybridauto. Realverbrauch 6l Super. Und seit zwei Jahren auch ein E-Bike. Und ja, bei schönem Wetter fahre ich ab und zu damit zur Arbeit. Ich bin quasi ein Pionier der Verkehrswende. Prämien erhalten habe ich dafür nicht. Hybrid ist mittlerweile auch böse. Nur noch Elektro ist die Offenbarung. Na schönen Dank auch für nichts!

Und ich sage euch noch etwas. Wenn keiner mehr einen Verbrenner fährt, wird es damit nicht zu Ende sein. Es geht immer weiter. Dann sind E-Auto-Fahrer die Bösen. Danach die E-Bikefahrer. Irgendwann hat jeder einen Hass auf Fussgänger, erzeugen sie doch mit ihrer Schuhsohle Mikroplastik. Es geht nicht um Umwelt oder Umweltschutz. Das wird nur als Werkzeug benutzt, mit dem bösartige dumme Menschen anderen etwas verbieten können. Dabei verspüren die eine diebische Freude. Die Verbieterei muss deshalb weitergehen, bis zum bitteren Ende.

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