• 24.02.2024

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Der Kapitalist in der Kultur

capital

» Artikel vom

Gastautor: sporadischer Leser

Ich möchte zwei Geschichten erzählen. Beide haben die gleichen Akteure. Beide handeln von Unternehmern, die das Gleiche antreibt: ihr Geschäft zu optimieren, um möglichst viel Ertrag von möglichst effizienter Arbeit zu erhalten. Und doch sind sie unterschiedlich. Weil es hier um verschiedene Völker mit ungleichen Merkmalen geht.

1) Geschichte:

Ein Freund hat die Aufstiegschance seines Unternehmens ergriffen und hat sich nach China versetzen lassen. Wir, seine 10 Freunde aus seinem Heimatdorf, waren noch nie in China, also lädt er uns zu sich in eine dieser Riesenmetropolen ein. Da er schon eine Weile vor Ort ist, zeigt er uns die Stadt. Danach ein bisschen bummeln. Und dann, auf gehts, in eine dieser Bars ein paar Stockwerke weiter oben, mit Aussicht über die Stadt! Da wir schon gegessen hatten, wollten wir ein paar Bier trinken und dazu vielleicht ein Snack. Mit dem Fahrstuhl oben angekommen, begrüsst uns ein Kellner und bringt uns an einen Tisch gross genug für uns. Die Bar ist schön leer, nur Touris haben um diese Zeit die Möglichkeit, hier abzuhängen. Und in dieser Business-Stadt gibt es nicht viele Touris. Wir bestellen, manche Biere, manche ein Glas Wein, und dazu ein Snack mit Dip. Der Kellner fragt uns, ob wir danach noch was bestellen werden, und kriegt unsere Antwort: "Jaja, eine zweite Runde Drinks auf jeden Fall, aber dann wollen wir weiter". Er geht ab, kommt aber sogleich mit einem anderen Mann wieder. Der stellt sich als der Geschäftsführer vor, und erklärt uns, er erwarte, dass jeder hier mindestens x Yuan ausgeben solle, sonst will er uns nicht als Gäste haben. Diese Summe werden wir mit Bier und ein paar Gläsern Wein nicht erreichen. Und er stellt uns sogleich ganze Weinflaschen und teure Whiskeys auf den Tisch, die wir noch dazu bestellen sollen, um auf die genannte Summe zu kommen. Wir sind baff. Chinesen gelten als geschäftstüchtig und wenns um Geld geht, als direkt. Aber sowas hatte keiner erwartet, weder dass ihm direkt gesagt wird, dass er sich hier ein Minimum an Alkohol einverleiben muss, um zu bleiben, noch dass ihm direkt die Summe in Yuan genannt wird, die er bestellen soll. Wir wollten uns aber nicht besaufen und noch was vom Tag mitbekommen und haben beschlossen zu gehen. Das vorher quasi leere Restaurant bleibt damit fast leer.

2) Geschichte:

Ich entstamme einer Grossfamilie im Osten, wir sind 10 Kinder. Nun stellt euch vor, welches Dilemma mein Vater hatte: jedes Mal, wenn er einem seiner Kinder ein Geschenk machen wollte, musste er den 10-fachen Preis bezahlen, da er gerechterweise auch allen anderen Kindern ein Geschenk machen musste, um keins zu bevorzugen. Das konnte er nicht, er war Alleinverdiener und Aufstockung mit Hartz-IV gab es damals noch nicht. Das Gleiche bei Urlaubsreisen, Gaststättenbesuchen, Schwimmbädern oder Freizeitparks. Immer musste er den 10-fachen Preis bezahlen, im Vergleich zu meinen Klassenkameraden, die meistens Einzelkinder waren. Das Resultat war: Es gab keine Geschenke, es gab keine Freizeitparks und in die Gaststätte gingen wir auch nicht. Viele Dinge, die andere jedes Wochenende machten, waren bei uns nicht drin. Für meine Mutter war das kein Problem, denn sie kam selber aus einer Grossfamilie und kannte es aus ihrer Kindheit nicht anders. Sie hatte eher andere Probleme mit uns: Wollte sie beispielsweise auf den Spielplatz gehen, konnte sie nicht einfach ein Kind anziehen und hinausgehen, sondern sie musste 10 Kinder anziehen. Und immer wenn sie einem Kind gerade Gummistiefel und Regenjacke anzog, mussten alle anderen 9 brav danebensitzen und warten. Wer Kinder kennt, weiss, dass die anderen 9 sich natürlich nicht so verhalten haben, wie die Erwachsenen gerne hätten, sondern provozierend und Stärke austestend das Gegenteil tun. Dadurch hat sie einen sehr bestimmenden, auf Gehorsam getrimmten, Erziehungsstil entwickelt.

Nun war sie mit den Kindern tagtäglich beschäftigt, während der Mann auf der Arbeit schuften musste, und sie nutzte die Zeit und ging mit uns wandern. Eine Ganztageswanderung, morgens früh los, abends oft spät wieder zurück. Für sie als Erwachsene waren das keine grossen Strecken, für uns als Kinder waren das immer ziemlich anstrengende Touren. Zumal es auch nie ein besonderes Ziel gab, irgendwo eingekehrt sind wir nicht. Eines Tages sollte es nicht bloss das übliche Wandern mit Butterbroten sein. Sie hatte eine Route herausgesucht, bei dem es Mittags in eine Gaststätte ging. Für uns Kinder ein ganz besonderer Höhepunkt, vielleicht dürften wir diesmal sogar einen Nachtisch bestellen! Entsprechend war die Vorfreude. In der Gaststätte angekommen sassen wir daher diesmal ganz besonders brav da und funkelten voller Freude den Kellner an, als er auf uns zukam. So viele Kinder mit nur einer Mutter hat er selten. Er begrüsst uns freudig, stellt uns Kindern ein paar Fragen und liess sich von der langen Wanderung erzählen und dass wir Rehe gesehen haben und machte selbst noch ein Spässchen, dass wir lachen mussten, "er war wirklich gut gelaunt und sah uns die zurückgelegte weite Strecke sicherlich an "dann kamen endlich seine magischen Worte: "ihre Bestellung bitte!" Meine Mutter, die die Speisekarte die ganze Zeit in der Hand hielt, sagte kurz, ernst, streng und unhöflich und unerfahren mit Gaststätten wie sie war: "Getränke brauchen wir keine, wir haben genügend Wasser dabei. Kind 1 + 2 teilen sich Suppe A, Kind 3 + 4 auch zusammen Suppe A. Für Kind 5 + 6, 7 + 8 zweimal Suppe B, Kind 9 + 10 Suppe C und für mich auch Suppe C. Also für uns alle 2x Suppe A/B/C. Wir teilen das dann auf. Ausserdem brauchen wir immer 2 Löffel pro Teller, und die Scheibe Brot, die es dazu gibt, vorher durchschneiden!" dies hatte meine Mutter in ihrem gewohnten unfreundlichen Befehlston zum Kellner gesagt, wie sie auch immer mit uns Kindern redete. Um nochmal extra deutlich zu machen, dass es hier nichts zu verhandeln gibt.

Ihr könnt euch vorstellen, wie sich unsere freudigen Mienen in düstere Gesichter verwandelt hatten! Das war also das fabelhafte Mittagessen, auf das wir die ganze Zeit so hoffnungsvoll gesetzt hatten? Und überhaupt, wie soll man von Suppe, von einer halben!, satt werden.

Der Kellner notierte still (wahrscheinlich dachte er sich dabei 'oh Gott, so tolle Kinder, und dann so eine Schreckschraube als Mutter!'), und obwohl es nicht viel aufzuschreiben gab, brauchte er dafür ungewöhnlich lange, als würde er bei jedem Buchstaben nachdenken. Er guckt dann von seinem Schreibblock auf und muss wohl unsere Gesichter gesehen haben. Er guckte wieder auf seinen Block. Ohne meine Mutter anzuschauen, fragte er kurz: "ist das alles?" dann ging er. Der lustige Kellner war ernst geworden. Die Stimmung bei uns Kindern war im Eimer. Wir waren völlig fertig von der Wanderung und den letzten Berg hatten wir nur wegen der Vorfreude auf das tolle Essen erklimmen können, weil es das bei uns ja sonst nie gab.

Nach nur 5 Minuten kam der Kellner schon wieder zurück. Mit einem Stapel Speisekarten, die er bei uns auf den Tisch stellte. Er zeigte meiner Mutter den Notizzettel mit den bestellten Suppen und fragte sie: "das ist ihre Bestellung?", was sie bejahte. Der Kellner: "OK, ich habe mit dem Chef gesprochen, Sie zahlen das, was hier auf dem Zettel steht", er fing an die Speisekarten an uns Kinder zu verteilen, "und ihr bestellt jetzt das, was ihr wirklich essen wollt, jeder ein Essen und ein Getränk!"

Geld ist nicht alles. Eigentum verpflichtet. Gemeinwohl geht vor Eigenwohl. Jeder kennt diese Grundsätze, mit denen hierzulande Generation grossgezogen worden sind. Die den Charakter des Volkes gebildet haben. Und bei einigen ist es noch vorhanden, nicht zu fragen: Was bringt den grösseren Return-of-Investments? Sondern zu fragen: was ist das Richtigere? Preussische Prinzipienhaftigkeit bei der Entscheidungsfindung, statt wie englische Handelsgesellschaften nach dem grösseren erwarteten Gewinn zu entscheiden. Letzteres liegt allerdings im Trend. Man holt sich sogar lieber fremde Störenfriede ins Haus, als auf eine zusätzliche Käuferschicht zu verzichten und Umsatzrückgänge wegen des konsummüden eigenen Volkes hinzunehmen.
Aber allgemein ist ein Kapitalist eben nicht nur irgendein Kapitalist, sondern er prägt sein Geschäft davon, was ihn geprägt hat.

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