• 22.05.2019

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Herrschen über Königinnen

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» Artikel vom

Männer und Frauen erleben gerade einen Höhepunkt. Nach übereinstimmender Ansicht von Paarberatern befinden wir uns genau jetzt, ein paar Tage vor Weihnachten, im Epizentrum der Trennungen - das Jahresmaximum. Grund genug, um nicht auch noch mit Schlauheiten gegen Trennungskatastrophen zu frusten. Reden wir besser über Süßes, das passt genauso in die Jahreszeit.

Männer lassen sich viel häufiger intensiv auf etwas ein. Müssen sie auch, ihr Leben ist durchweg weniger abgefedert wie das von Frauen. Nachdem ich den Beruf abgeheftet hatte, wurde ich unter anderem wie schon erwähnt Imker. Warum nicht mal Königinnen samt Hofstaat für sich arbeiten lassen statt männliches Verbrauchsmaterial für die Wünsche von Königinnen zu sein? Der Superorganismus des Bienenvolks ist ziemlich faszinierend, Honig kann faszinierend schmecken und ist wie andere Bienenprodukte eine faszinierend gute Handels- und Tauschware. Imker mit höchstens 30 Bienenvölkern müssen außerdem keinen Gewinn versteuern. Bei unter 30 Bienenvölkern passiert auch einkommensteuerlich gar nichts. Nimmt man die Kleinunternehmerregelung in Anspruch, kann man Rechnungen für Kunden schreiben und sogleich wegwerfen, denn Umsatzsteuer ans Finanzamt ist nicht abzuführen. Laut §19 Kleinunternehmergesetz ist man mehrwertsteuerbefreit. In Wirklichkeit gibt‘s noch mehr Details, aber es geht hier nicht um Steuerberatung. Solche Hobbys sind auch ideal geeignet, um etwas dazu zu verdienen, wenn Gläubiger wie das Jugendamt darauf lauern, einem den letzten Cent aus der Tasche zu klauen. Zur alleinigen Finanzierung des Lebens reicht es aber nicht. In Deutschland gibt es nur sehr wenige Imker, die von der Bienenhaltung leben können. Insgesamt existieren gerade einmal hundert Berufsimker und die fahren auch nicht im Land Rover Discovery zu ihren Bienenständen, sondern häufiger in einem runtergeranzten T4 mit selbstmodifiziertem Anhänger für die Bienenvölker. Andere Jobs sind deutlich beliebter. Deutschland leistet sich derzeit rund 250 Lehrstühle und Zentren für „Gender-Studies“ und da sticht einen nur der Hafer, aber keine Bienen. Entsprechend liegt die Eigenversorgungsquote bei Honig unter 20%, die mit frauenzentrierter Heißluft bei 2000%, sicher auch ein Grund für den Klimawandel.

Fordernde Hobbys sind eminent wichtig für die Gesundheit, geistig wie körperlich und sozial. Jeder sollte wenigstens eine Sache tun, für die er Passion entwickeln kann. Gelingt das im Job, ist man ein Glückskind. Auch alle anderen Leidenschaften inklusive Imkerei sind ein Weg, über den man resonant mit der lebenden Welt verbunden sein kann. Man steht vor seinen Bienenvölkern am Waldrand, die Sonne tanzt durch die Blätter, die Bienen summen, duften, Tausende fliegen. Im Spätfrühling sieht man die Magazinbeuten oft durch, man öffnet die Völker, zieht Waben, beobachtet, konzentriert sich voll und ganz darauf mit allen Sinnen zu erkennen, was vorgeht im Bienenstaat, ob und was zu tun ist. In solchen Momenten verschwindet die Welt um uns herum. Das schafft man auch mit anderen geistigen Übungen, bei der Imkerei auch und kann noch etwas dabei verdienen.

Es gibt sehr gute Imkerinnen. Aber sehr wenige. Von den Imkerkollegen sind trotzdem nur ein Viertel Frauen, obwohl schon vor über hundert Jahren die Bienenhaltung auch den Frauen empfohlen wurde. In den Anfängerkursen, die ich mitorganisiere, sind sie mittlerweile manchmal in der Mehrheit, aber nach vier Jahren haben die Meisten wieder aufgegeben. So lange braucht man um halbwegs zu verstehen, wie man mit Bienen umgeht, welche mentalen und zeitlichen Ressourcen man braucht. Männer kämpfen sich viel häufiger durch schwierige Anfangsphasen durch. Vom bedingungslosen darauf Einlassen und Spüren mit allen Sinnen erzählen mir immer nur Männer. Auch Partnerinnen von Imkern lassen sich kaum von der Mit-Imkerei begeistern. Die Lieblingstätigkeit der meisten Imkerpartnerinnen ist das Austragen gegen Geld. Ausnahmsweise nicht von Kindern, sondern von Honig, den man Bekannten und Kunden im Ort bringt, die wieder welchen wollen. Oder im Verkaufsstand auf dem Weihnachtsmarkt Honig und Wachs verkaufen. Dabei kann man praktischerweise auch viel präsentieren, vorzeigen, klatschen und über Leute reden oder sich im Wonderbra weit vorbeugen. Bingo, dort fühlen sie sich intuitiv am wohlsten.

Einer meiner verheirateten Imkerkollegen dient als trauriges aber typisches Beispiel, wie es oft mit den Damen läuft. Er und sie, beide Vollzeit berufstätig mit annähernd gleichem Verdienst, Kinder selbständig geworden. Man fängt zusammen ein neues Hobby an, Imkerei, lernt gemeinsam, will gemeinsam imkern. Er engagierte sich, führte die Völker, baute das Dach am Bienenstand, lernte wie man zu Honigtrachten wandert, hatte gute Honigerträge. Sie machte ein bisschen rum, fing an Kurse zu machen, was man so alles aus Bienenprodukten herstellen kann. Sie begann dann auf Festen in kleinen Verkaufsständen zu verkaufen - Lippenpflege mit Wachs, Propolis Tinkturen, Honig und derlei mehr. Das war natürlich erquicklicher wie ihr Job, den sie dann auch überraschend flugs an den Nagel hängte, um dieses wortreiche Hobby zu betreiben. Eigentlich ist der Abflug der Kinder das Signal, wieder richtig im Job etwas zu leisten. Bei ihr war es das Signal, nur noch in Hobby zu machen.

Beim Ehemann knirschte es nun. Er arbeitet in einer Tätigkeit mit Dreischichtbetrieb und hatte dann noch an vielen Bienenvölkern zu arbeiten, weil die Ehefrau Rohstoff wollte und ansonsten lieber in der heimischen Hobbyküche und am Verkaufsstand war. Nun fehlte es auch an Geld. Die Herzensdame verdient mit ihrem neuen Hobby nicht mal eine Kommastelle weiter links so viel wie mit ihrem früheren Job. Geld verdienen ist nun seine exklusive Aufgabe, nachdem sie sich ausgeklinkt hat. Er frisst es in sich hinein und sieht nach nicht mal zwei Jahren stark gealtert aus. Plötzlich verstärkte Glatzenbildung, tiefliegende Augen mit Falten, ein sich ungesund hervorwölbender Bauch von zu vielen nächtlichen Entspannungsbierchen. Für ihn die harte Arbeit, für sie das Bad in der Menge. Ich sagte ihm, dass ich es schade finden würde, wie er sie mit dem Verkaufsstand anschaffen schickt, während er sich in der gemütlichen Nachtschicht erholen könne. Er grinste verkniffen, was ihn noch mal zehn Jahre älter machte. Und er meidet mich seither etwas, es ist ihm unangenehm. Mir geht‘s da wie Diktator Dino, ist man über gewisse gesellschaftliche Schwellen hinaus, wird einem Vieles egal und man überschreitet intuitiv frühere Grenzen, kann den Mund nicht mehr so recht halten.

Was macht ihr? Bei welchen Dingen schafft ihr es, euch zu fokussieren und die Welt zu vergessen? Verdient ihr etwas dazu mit Dingen, die euch wirklich Spaß machen?

P.


Weiterführender Link: TrennungsFAQ
Ratsuchende Väter finden im TrennungsFAQ-Forum konkrete Hilfe


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