• 12.12.2018

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Die typischen Ausflüchte von Männern

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» Artikel vom

Jetzt geht’s zur Sache. Aus langen Jahren Väterberatung sind alle typischen Ausflüchte und Fehler bekannt, die Männer machen, wenn ihnen so langsam dämmert, dass eine Trennung anstehen könnte. Hier die Top 5, teilweise aus der Trennungsfaq:

1) "Vielleicht renkt es sich wieder ein“, "abwarten" oder "Ich will erst um meine Partnerin kämpfen"

Ursache ist die leider überwiegend männliche Eigenschaft des Verdrängens und Wegschiebens unangenehmer Entwicklungen. Das ist eigentlich ein Abwehrmechanismus des Gehirns, um Ballast abzuwerfen und in der Gegenwart handlungsfähig zu bleiben. Gefühlsgepäck lähmt. Traumatische Erfahrungen oder Ängste, mit denen sich der Kopf beschäftigen muss, hindern uns, in der Gegenwart zu funktionieren. Also versuchen wir sie wegzudrängen. Frauen brauchen das weniger, es sind in unserer Gesellschaft vor allem die Männer, die zu funktionieren haben und nützlich sein müssen.

Leider sind Frauen im Trennungsvorgang fast immer weiter als Männer. Sie brüten schon über den besten Absprung, während er noch das Mammut "für die Familie" erlegt. Diese Phasenverschiebung "Frauen kommen früher" im Trennungsprozess ist statistisch erwiesen. Auch die Trennungsinitiative geht mehrheitlich (natürlich nicht ausschliesslich) von Frauen aus. Während Frauen bereits ihre ersten Ziele erobern, glauben Männer sehr oft noch, sie könnten mit Aussitzen, Gesprächen oder gar Zugeständnissen etwas retten. Anzuraten wäre stattdessen radikale Akzeptanz der Tatsachen, um falsche eigene Erwartungshaltungen und den Blick auf die Dinge zu verändern. Stattdessen werden Problemsignale nicht gesehen oder nicht ernst genommen.

Es bildet für die meisten Männer bereits eine hohe Schwelle, sich angesichts einer drohenden Trennung über das unangenehme Thema beraten zu lassen. Die nächste Schwelle wird aber noch schwerer genommen, nämlich die Tipps aus einer Beratung umzusetzen. In Väterforen zeigt sich nach einer ersten Anfrage oft das Gegenteil: Die Vielzahl der Hinweise und Tipps werden von fragenden Neu-Trennungsvätern nicht ernst genommen, sondern fürs Erste verschoben und verdrängt, weil ihre Befolgung ungewohnte Aktivitäten erfordert und die schmerzvolle Akzeptanz, dass die Trennung sehr strittig und teuer werden könnte. Dieses Spiel wiederholt sich bei der nächsten unweigerlich eintreffenden Eskalationsstufe, bis der Vater schließlich bei Handlungsspielraum Null ankommt.

Der Bekanntenkreis haut voll in dieselbe Kerbe. In der falschen Ansicht, Streit und Eskalation zu vermeiden, wird Männern von Bekannten oft zu Zurückhaltung geraten anstatt zu Realismus und rechtzeitigen Schutzmaßnahmen. "Probier doch erst mal eine Paartherapie", "Bemüh dich um sie, ihr werdet es schaffen".

2) "Es wird schon nicht so schlimm werden", "es wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird"

Männer im reiferen Alter können darüber nur bitter lachen. Die meisten haben diese Vorstellung irgendwann über Bord werfen müssen, weil es die meisten irgendwann im Leben trifft. In Wirklichkeit drohen handfeste Risiken bei einer Trennung, schlimmer als sie sich es je erträumen ließen. Kein Vater, der seiner Ansicht nach in einer noch halbwegs intakten Beziehung lebt denkt daran, dass ihm ähnlich Schlimmes passieren könnte, wie es Millionen anderen Vätern in diesem Land widerfährt. Unbekümmertheit führt zu Verhängnis. In Väterforen beginnen unzählige Beiträge mit "erst wollte ich ja nicht glauben, dass mir das auch passieren kann, aber jetzt..." oder "ich dachte erst, ein paar gefrustete Väter übertreiben mit ihren Stories, aber jetzt...".

Wer den Punkt ernst nimmt wird erleben, dass die ersten Freundschaften zerbrechen. Er wird vom (großen!) unbedarften Teil seiner Bekannten als Spinner isoliert, der es übertreibt und aus Angst vor Trennungsfolgen durchdreht. "Was, du hast deine Ersparnisse fortgeschafft? Ist das nicht illegal? Übertreibst du da nicht?", "Denk mal an deine Verpflichtungen statt an Flucht".

3) "Mit Anstand und Ehrlichkeit werde ich das überstehen"

Falsch: Familie mutiert oft im Augenblick ihres Untergangs zur Schlangengrube, zu einer Brutstätte von Hass mit Verdeckung, Manipulation, Lüge und Vernichtungsgift; Opfer sind ahnungslose Väter. Ehrgefühl wird zur Stolperfalle, da es leicht ausgenutzt werden kann. Wer zuerst vollendete Tatsachen schafft, gewinnt; wer niemandem traut fällt nicht herein. Lügnerinnen erwecken Vertrauen und lassen den Gegner dann am langen Arm verhungern.

Was sagen die Bekannten meistens? "Deine Ex ist doch kein Unmensch. Wenn du es selbst nicht übertreibst und ehrlich bleibst, kommst du am leichtesten durch".

4) "In einem Rechtsstaat kann mir das nicht passieren"

Tatsache ist, dass das, was bei einer Trennung mit Vätern gemacht wird, für Männer längst der häufigste Grund ist, die rote Pille zu schlucken, gegen dieses Unrecht anzukämpfen und sich von der Rechtsstaatsfantasie gründlich zu verabschieden. Die Fantasie, in einem Rechtsstaat zu leben, löst sich für fast alle Väter im Verlauf einer Trennung rückstandsfrei auf. De facto werden Väter als rechtlose Unterhaltsbeschaffer behandelt, alle blumigen Familienministerinnenbilder von Vätern, die für ihre Kinder da sein sollen, enden spätestens im Unterhaltsrecht bei einer Trennung.

Die einfach gestrickten Freunde: "Geh doch zum Jugendamt, wenn du deine Kinder nicht sehen darfst, die helfen dir sicher", "Die Mutter hat sicher einen Grund, wenn sie die Kinder nicht zu dir lassen will", "Es gibt ja den Selbstbehalt, durch den Unterhalt wirst du schon nicht pleite".

5) "Besser nachgeben, bevor es zur Trennung oder gar zu einem Trennungskrieg kommt"

Falsch: Sich trennende Frauen kann man nicht zufrieden stellen, indem man ihnen nachgibt. Das ermutigt sie zu weiteren Forderungen. Es ist typisch männliche Logik zu glauben, Vorwürfe seien durch Nachgeben besänftigt. Kompromissbereitschaft des Mannes wird dann von der geistig bereits weit im Trennungsprozess befindlichen Frau als Schwäche ausgelegt, eine hingehaltene Hand wird nicht ergriffen, sondern in der nächstbesten Tür festgeklemmt, um aus der momentanen Bewegungslosigkeit möglichst schnell und viel Profit zu schlagen. Wer auf Gespräche setzt, darf keinesfalls den zügigen Aufbau einer starken Rückversicherung vernachlässigen.

Die lieben Freunde verwechseln meistens die Vorsichtsmaßnahmen mit einem Angriffskrieg und raten: "Wenn du nicht nachgibst, eskaliert der Krieg immer weiter", "Denk an die Kinder, lass es sein".

All diese Punkte betreffen auch jeden, der Bekannte im Trennungsprozess hat. Gute Freunde helfen dabei, da durchzukommen. Hält der Trennungsvater stur an seinen Fehlannahmen fest, lässt man ihn ziehen, denn da noch Energie hineinzustecken ist verschwendete Lebenszeit. Aber falls man damit etwas bewirken kann: Tut das! Bietet Hilfe an oder schickt ihn dorthin, wo er ehrliche Hilfe bekommt.

P.


Weiterführender Link: TrennungsFAQ
Ratsuchende Väter finden im TrennungsFAQ-Forum konkrete Hilfe


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