• 18.07.2019

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Männer kann man ignorieren

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» Artikel vom

Die Geschichten hat fast jeder schon mal von Bekannten gehört. Männer wollen mal wissen, wie das so ist auf dem Partnermarkt als Frau und legen selbstgebastelte Profile von Frauen bei Diensten wie Tinder, Once, Lovoo & Co an, nennen das „Experiment“ und gucken mal, was so alles an Anfragen eintrudelt. Man kopiert sich irgendein Damenbild aus einem uralten Lidl-Prospekt vom Altpapiercontainer und ringt sich ein paar Beschreibungszeilen ab, fertig ist das Profil. Da Frauen nicht nur in Suchbörsen sowieso oft ziemlich profilschwach sind, ist das eine einfache Übung.

Einer meiner Freunde hat es auch mal getan. Es geht schnell, verspricht harmloses Amüsement und kann gefahrlos wieder abgebrochen werden. Mal gucken. Wirklich schaden kann man damit niemand.

Die Ergebnisse so eines Fake-Profils trudeln sofort ein und sie sind absolut eindeutig. Fluten von Anfragen durch Männer branden heran. Und zwar ganz egal, was das Fake-Profil verspricht. Die angeblich 18-jährige, die sich unverbindlich vergnügen will, kann sich auf einen vier- bis fünfstelligen Inboxüberlauf gefasst machen, aber auch unattraktive, alte, dicke, zweifelhafte Frauen bekommen Anfragen, Anfragen, Anfragen. Mein Freund hatte eine Weibsperson kreiert, die absolut durchschnittlich für das Publikum auf Tinder sein sollte: 30 Jahre alt, drei Fotos mit Dutzendgesicht, Standardbeschreibungstext und Interessen, der Standort war Hamburg. Danach wischte er sich durch die dargebotenen Männerprofile nach rechts und hatte nach ein paar Tagen fast tausend Matches. Dann kam die Nachrichtenlawine, häufig mit Einleitungen wie in einem Pickup-Artist Kurs formuliert. Anschließend war er frustriert, er selber hatte bei Tinder mit seinem echten Männerprofil drei bis fünf Matches und die Damen waren selbst nach bescheidenen Maßstäben keine Kuchenstücke, sondern altbackene, unförmige Brötchen. Die meisten, die er getroffen hat, hatten außerdem einen Psychoknacks. Heiße Nächte erlebte er nicht, jedenfalls erzählte er mir das nicht. Wahrscheinlich war die Flucht vor der Harpyie nach dem Date das heißeste Ereignis der ganzen Sache.

Natürlich gibt es auch Partnersucharenen, in denen suchende Frauen die Mehrheit sind. Das sind Tanzabende im Altersheim und die sogenannten „Single Events“ für die reifen und überreifen Semester. Dort herrscht oft, nicht immer, ein Überschuss an suchenden Frauen. Was übrigens nicht heißt, dass sich die anwesende Männerminderheit leichter neu verpartnert, zur Erklärung dieses Phänomens kommen wir noch. Vor einigen Jahren gab es Single Events noch häufiger, heute weniger und verdeckter, indirekter. Frauenüberschuss war noch nie ein gutes Geschäftsmodell, Männerüberschuss schon. Männer sind spendabler, wenn sie konkurrieren und die Stimmung ist besser. Männerüberschuss bringt Geld, so ist es auch Regel, ganz besonders bei allen Vermittlungsapps im Internet. Frauen zahlen nun mal ungern für Vermittlung oder den Kaffee. Dafür halten sich die Prinzesschen für zu wertvoll.

Es gibt sogar Vermittlungsapps, die sich genau diese Männerflut-Tatsache zunutze machen und zum Markenkern erheben, zum Beispiel Bumble. Nur Frauen dürfen dort zuerst schreiben, um die Männerlawine zu blocken. Die Männerlawine passiert weltweit so, egal ob in den USA, der Schweiz oder in Indien. Und es spielt überhaupt keine Rolle, wie viel Prozent der männlichen Bevölkerung aus dem Such- und Konkurrenzspiel ausgestiegen sind und lieber für sich bleiben. Es gibt eine unerschöpfliche Zahl an durstigen Männern, die sich Frauen als Partner oder wenigstens Sexpartner anbieten. Ausnahmen sind äußerst selten. In der Bibel kommen auch nur zwei vor, eine waren Lots Töchter, die andere endete in einer üblen Falschbeschuldigung. Lot war aus Sodom geflohen, wo er die Töchter dem Volk zur Vergewaltigung angeboten hatte. Doch in Sodom war die Dauerparty sowieso zu Ende, die Stadt soff im Sumpf ab, er sah zu, dass er Land gewann. Zur Ermutigung verwandelte Gott seine Frau in eine Salzsäule, womit er auch Lots Unterhaltspflicht elegant erledigte. Salzbitter war die Dame sicher schon vorher. Lot hatte offenbar keine Lust mehr auf weitere Gesellschaft einer neuen Ehefrau, zog auf einen einsamen Hügel und genehmigte sich statt einer Frau lieber jeden Tag einen tiefen Schluck aus dem Weinkrug. Da griffen die kindergeilen Töchter zum Nächstliegenden, denn der Kinderwunsch einer Frau kennt keine Grenzen, in der Not greift man sich schamlos alles, was da hängt und steht. Und zack, war er doch wieder unterhaltspflichtig.

Anders heute. Trotz der sich anbiedernden Männermassen endet das Gejammer einiger Frauen niemals, keinen geeigneten Mann zu finden. Woran liegt das? Ganz allein am kleinen Wörtchen „geeignet“. Frauen finden immer mehr als genug Männer, aber was sie ausschließlich wollen, sind die Alphamänner, die Männer über ihnen, Männer die das liefern, was Frauen so alles wollen: Stark und schwach gleichzeitig, stinkreich, Prinzen der Ober- und Unterwelt, ihr gegenüber sowohl dominant als auch devot, Verführer, die auch Verbrecher sind, was eben so die hart verdrahtete weibliche Psyche schätzt. Und sie schätzt immer die obersten 5 % der Männer, in großer Not vielleicht noch die obersten 20 %. Der Rest wird niemals geschätzt, auch wenn sich Frau im Rahmen einer berechneten Transaktion mit jemand der unteren 80 % eingelassen hat. Die schätzt Frau nicht, man nimmt sie nur notgedrungen in Kauf - siehe oben.

Auf der Suche nach den oberen 5 % zählen Anfragen von Männern, die diesen Idealen nicht genügen, als nicht existent. Sie werden wie Grundrauschen ausgeblendet. Sie zählen nicht. Exakt so läuft das auch im nichtvirtuellen, realen Leben zwischen Frauen und Männern. Wer nicht genügt, wird wie ein unbrauchbarer Satellit in einen Friedhofsorbit verschoben, bleibt ein lästiger Orbiter, den man höchstens mal anspricht, wenn er irgendwelche im Moment benötigten Dienste leisten kann. Sein Recht: Frau bewundern und Notwendigkeiten liefern. Hat sich die Frau bei ihrer Jagd um die Alphas schließlich verschlissen und muss sie selbst einsehen, dass sie sich zuschanden geritten hat, ist der letzte hoffnungsvolle Alpha schließlich langjährig hinter Gittern, entpuppt sich als schwul oder hat sich nach vier Kindern von fünf Frauen eine Samenleiterunterbrechnung gekauft, dann sind auch mal Orbiter dran. Die nehmen auch abgewirtschaftete Damen, Hauptsache Weib. Und dürfen den Versorger spielen, wenn die Dame nach ihrer Partysause zwischen 15 und 35 Jahren schließlich „sesshaft“ werden will. Jetzt beginnt die Stunde der Beziehung als berechnete Transaktion. Mann liefert Stabilität, wirtschaftliche Sicherheit, Prestige, Samenzellen für den Kinderwunsch. Frau liefert dem Mann das Ornament, Eizellen, (meist vergebliche) Hoffnung auf Bettgymnastik. Aber das große Sehnen nach dem Alpha bleibt lebenslang: wo sind all die guten Männer hin, oh Jammer und Nöte? Findet sie einen, schwingt sie sich sofort weiter und verlässt ihren Beta – „monkey branching“.

Hier liegt ein grundlegender Trugschluss aller Männerrechtsbewegten und Frauenaussteiger: Ihr eigenes ablehnendes Verhalten und ihre Argumente haben in Wirklichkeit genau Null Einfluss auf gesellschaftliche Realitäten und auf die Psyche von Frauen. Es interessiert keine Frau, wenn ein Beta, Gamma, Delta, Epsilon aus dem Partnersuchspiel aussteigt und warum er das tut. Steigt ein Alpha aus, kann das per Definition nicht sein, denn ohne Fauenbeglückungseigenschaft kann es kein Alpha sein. Bestenfalls interessiert es den Staat auf wirtschaftspolitischer Ebene, wie er Umsatz- und Konsumversager wieder auf Linie bringt, aber nicht Frauen. Wie sich ein Mann verhält ist uninteressant, Hauptsache genügend Männer lassen sich für höhere Zwecke nutzen: Steuerbürger, Soldat, Bedarfsgemeinschaftsbezahler, Personal für die weniger saubere Hälfte der Jobs.

Für Männer bedeutet das, dass die Orientierung an Frauen, am Staat oder an Pflichten ein großer Fehler ist. Wer weiterkommen will, dessen Aufgabe ist es vielmehr, genau diese Einflüsse aus dem Kopf zu streichen. Wer aussteigt aus der Damensuche, erzielt damit keinerlei Wirkung über sich selbst hinaus. Das darf einen niemals interessieren. Die Hampeleien oder Nicht-Hampeleien der unteren 80 % sind für Frauen unwichtig, schlimmstenfalls lästig. Zehn andere Simpel-Männer springen mit Freude in die Bresche. Alles, was zählt und was man bewirkt, passiert nur bei einem selbst, also sollte man alles von Anfang an alles ausschließlich für sich selbst tun, nicht um eine Gesellschaft zu verändern, um Vorbild zu sein, um Sinnvolles zu tun. Eine Erleuchtung und Ziele kann man ebenfalls immer nur für sich selbst erringen, nie für Andere. Das ist wahre Emanzipation und Entwicklung. Wer dabei auf Dritte sieht, baut sich bloß eigene Stolperstrecken und Behinderungen ein.

Eine große Reise beginnt keineswegs mit einem ersten Schritt. Sie beginnt in Wirklichkeit damit, alles loszuwerden, das diesen Schritt verhindert.

P.


Weiterführender Link: TrennungsFAQ
Ratsuchende Väter finden im TrennungsFAQ-Forum konkrete Hilfe


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