• 19.06.2021

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Alles wird irgendwann langweilig

langweilig

» Artikel vom

Gastautor: Steffen

Sie war jung. Sie war zum Anbeißen hübsch. Und sie war der einsame Mittelpunkt meiner allnächtlichen feuchten Träume. Aber sie war in behüteten Verhältnissen aufgewachsen und die Tochter sehr religiöser Eltern. Mit der Folge, dass sie schon zu Hause sein musste, wenn andere gerade mal mit dem Vorspiel anfangen und auch sonst ziemlich strengen Regeln unterlag. Aber auch ein Mädchen, das an den Herrgott glaubt, kann es kaum abwarten, den ersten Schwanz in sich zu spüren. Also musste ich den klassischen Weg gehen. Damals war ich ja noch sehr jung, die Libido stand am Anschlag und ich war bereit alles zu tun, um endlich die Erfahrungen zu machen, von denen mir meine Kumpels ständig vorschwärmten.

Es kam also, wie es der Allmächtige wollte. Sie stellte mich ihren Eltern vor und das Prozedere nahm seinen Lauf. Ihre Eltern drängten auf eine möglichst schnelle Heirat. Schließlich kann man einem Mann nie trauen und die Tochter sollte als Jungfrau in die Ehe gehen. Unbedingt. Weil der Allmächtige das so wollte. Vor allem aber, weil es um den guten Ruf der Tochter ging.

Die Hochzeit verlief so, wie man es in dieser Gegend gewohnt war: große Märchenshow in der Kirche und deftiges Futtern im Landgasthof bis zum Platzen. Die erste Nacht war ein Desaster. Was kann man auch anderes erwarten, wenn zwei absolute Anfänger ihre ersten Versuche machen. Kurz gesagt: Ich kam, sobald ich den Traum meiner Fantasien im Original zu spüren bekam und sie war entsprechend gefrustet. Ich hätte eben vorher mal irgendwo üben sollen, aber ich war ja voll und ganz auf die Eine und Einzige fixiert.

Die folgenden drei Monate waren eigentlich ein Dauerfick. Wie oft ich damals meinen Chef angerufen habe, um mich krankzumelden, kann man gar nicht zählen. Ein Wochenende war einfach zu kurz. Da musste man unbedingt noch den Montag dranhängen. Schließlich ist das Repertoire recht groß und es musste alles gründlich ausprobiert werden.

Doch auch hinter einem einfachen Mädchen steckt letztendlich eine Frau mit all ihren Absichten und Hintergedanken, die dazu gehören. Natürlich wollte sie ein Kind, besser noch zwei. Ich hatte schließlich genügend Geld, um alle durchzufüttern. Außerdem, sicher ist sicher, ist der Mann erst mal zum Vater geworden, läuft er nicht so schnell davon. Schon, weil das richtig teuer wird. Das weiß jedes Weib. Das steckt irgendwie in seinen Genen. Das ist wohl auch der Grund dafür, weshalb sich vor allem diejenigen, die mit körperlichen Reizen punkten können, erst gar nicht die Mühe machen, etwas Vernünftiges zu lernen, sondern gleich nach einem Kerl suchen, von dem sie leben können.

Das Ganze hat allerdings einen Haken: Eine Frau, die jahrelang nichts als Haus, Hof und Kinder erlebt hat, ist irgendwann so interessant wie ein Bettvorleger. Mann findet mit ihr einfach kein Thema mehr, über das es sich zu reden lohnt, weil es in ihrem Kopf nur Telenovelas, den Tratsch mit den Nachbarinnen und die tägliche Routine zwischen Kindern, Einkaufen und Kochen gibt.

Routine ist nach ein paar Jahren auch das Stichwort, was das einst ekstatisch begonnene Sexleben angeht. Eine Frau, die zwei Kinder hat, hat ihr Soll erreicht und ist zufrieden damit. Der Schwanz des Erzeugers hat seine Schuldigkeit getan und ist uninteressant geworden. Das Leben verändert sich unmerklich vom gemeinsamen zum parallelen Dasein. Jeder macht sein Ding und gelegentlich trifft man sich zum Essen. Ficken muss in den Zeitplan passen und ist eigentlich nur am Wochenende möglich. Und um eventuelle männliche Überreaktionen zu vermeiden, zieht Frau sich am besten so an, dass ihre Weiblichkeit weitgehend unerkannt bleibt: Die Jeans eine Nummer zu weit, das Sweatshirt schlabbrig bequem und was sich drunter abspielt - vergiss es.

Eine Freundin schwärmte einmal von einer tollen Boutique, in der es noch tollere Dessous gäbe. Die Frau, die meinen Namen trug, konnte sie damit allerdings nicht begeistern. Sie war eher über die Preise schockiert: „So viel gibst du für Unterwäsche aus. Es sieht doch niemand, was du drunter trägst.“

Ich war also ein Niemand. Gut zu wissen. Aber es passte zur Realität. Die begann nämlich damit, dass ich ihr - verbunden mit einer animierenden körperlichen Annäherung - überdeutlich zu verstehen gab, dass es doch wieder mal Zeit war. Das passierte so etwa im monatlichen Turnus und ich musste das Ritual mindestens dreimal wiederholen, bis die Botschaft angekommen war.

Was dann folgte, war ebenfalls immer gleich. Irgendwann spät abends schlich sie sich die Treppe hoch in mein Schlafzimmer. Wir schliefen längst getrennt, da sie sich davon belästigt fühlte, dass ich immer erst nach Mitternacht ins Bett kam. Sie kam also hoch, legte sich neben mich hin - und wartete. Sie war voll angezogen. Das heißt, sie trug einen alten Pyjama vom Typ „fühlt sich gut an, sieht aber Scheiße aus“. Darunter natürlich die Unterhose vom Wühltisch, die man ja sowieso nicht sieht. Und eine Körperhaltung, die eine einzige Botschaft verkündete: Hier bin ich, bedien dich, tue, was du nicht lassen kannst.

Irgendwann habe ich dafür einen eigenen Begriff entwickelt: Onanie am lebenden Objekt.

Was war eigentlich aus dem bildhübschen Mädchen geworden, das seinerzeit gar nicht genug bekommen konnte? Damals war es mir scheißegal, ob ich meinen Job verliere. Ein Fick am Montagmorgen, noch einer nach dem Frühstück und später vielleicht noch eine Runde zum Ausklang des Tages - das war wohl jetzt nur noch Erinnerung. Dabei hatte sie sich fantastisch gehalten und ihr Anblick löste noch immer unübersehbare Regungen in mir aus. Aber was will Mann damit, außer das Kopfkino anzuwerfen und sich einen runterzuholen?

Es kam natürlich, was kommen musste. Sehenswerte Frauen gibt es schließlich im Überangebot. Sie sitzen in den Cafés herum, man trifft sie bei der Fitness und man guckt ihnen auf den Hintern, sobald man sie in der Fußgängerzone entdeckt. Wobei diese ganzen weiblichen Verlockungen umso deutlicher ins Auge fallen, wenn die Eine und Einzige meint, sie habe ihren Versorger fest am Haken und müsse sich keine Mühe mehr geben. Oder, wenn ihr sexuelles Ich irgendwie abgestorben ist.

Es gibt nämlich ein Prinzip, das junge Männer nicht kennen, während die Älteren meist erst zu spät draufkommen. Männer und Frauen ticken anders. Völlig anders. Unvereinbar anders. Liebt ein Mann eine Frau, dann ist das nichts anderes als eine romantische Umschreibung für das, was er mit den Augen sieht und mit dem Körper begehrt. Er liebt ihren anmutigen Gang, sprich die Art, wie sie dabei ihren Hintern bewegt. Er liebt ihre langen Beine, weil er genau weiß, dass sie geradewegs zum Ziel führen. Er spricht von ihrer Ausstrahlung, meint aber den Hauch von Sex, der sie umgibt, sobald sie in sein Blickfeld tritt. Er hört ihr geduldig zu, beobachtet aber in Wirklichkeit nur ihre Lippen und stellt sich dabei vor, wie es sich wohl anfühlt, wenn sie seinen Schwanz umschließen. Er sieht ihre rasierten Achselhöhlen und fragt sich, ob sie wohl unten rum genauso kahl ist. Er nimmt sie körperlich wahr und toleriert all ihre Macken, sobald ihn dieser Körper anmacht.

Bei der Frau sieht das Ganze völlig anders aus. Das wird jeder Hirnforscher beschreiben, denn man weiß mittlerweile, dass bei Mann und Frau bei gleicher Tätigkeit völlig unterschiedliche Gehirnregionen aktiviert werden. Es stimmt zwar, sie werden schon feucht, wenn sie den Mann ihrer Träume auch nur sehen. Sie müssen nur den Hauch eines Kusses am Nacken spüren und ein Schauer durchläuft ihren ganzen Körper. Sie haben Orgasmen, die sich wie ein Erdbeben anfühlen und hemmungslose Reaktionen hervorrufen. Aber wenn das alles vorbei ist, können sie auch radikal nüchtern denken. Dann kommt das Verlangen nach Schutz und Sicherheit ins Spiel, das ihre Vorfahren vermutlich schon in der Höhlenzeit entwickelt haben. Sie suchen nicht den lieben Kerl, der gut zu ihnen ist. Sie suchen vor allem den Beschützer, der ihnen Sicherheit bietet. Und Sicherheit, das heißt in unseren Zeiten vor allem eines: Geld.

Deshalb kann Mann auch jedes Weib in die Koje ziehen, wenn er ihr die Symbole unter die Nase hält, die für Luxus und Wohlstand sprechen. Sie wird zwar behaupten, dass sie sich von einem Porsche nicht beeindrucken lässt. Aber wenn sie die Wahl zwischen einem Mann mit Porsche und einem mit Polo hat, kannst du jede Wette eingehen, dass der Porsche gewinnen wird. Das wird dich zwar nerven, wenn du keinen Porsche oder was Gleichwertiges hast. Aber es ist auch deine Chance, wenn du eigentlich nur auf eine heiße Nacht spekulierst und eine Frau aufgabeln willst, die dich mit aller Hingabe bedienen wird. Denn das wird sie tun, um ein Stück von deinem Leben abzubekommen. Ein Leben, das sie sich aus eigener Kraft nie leisten könnte.

Wo da die Grenze zur Prostitution liegt, weiß ich nicht. Aber ich weiß, dass jede Frau leicht zu kriegen ist. Man muss ihr nur die Illusionen geben, die ihren weiblichen Instinkt auslösen. Und für den ist Sex nur Mittel zum Zweck.

Woher ich das weiß? Ich habe mich drei Jahre lang in allen Dating-Portalen des Internets herumgetrieben. Ich habe dabei eine unüberschaubare Zahl an Frauen kennengelernt, habe mich mit mehr als hundert von ihnen getroffen und ein halbes Dutzend von ihnen im Detail inspiziert.

Aber das ist eine andere Geschichte, für die sich sicher noch eine Gelegenheit findet.

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