• 22.05.2019

Das Männermagazin

Leutnant Dino kommentiert

Die Gefahr der Dekadenz

schatztruhe

» Artikel vom

Ein Freier Mann hat an sich wenige Probleme, aber eins ist wirklich lästig. Wohin mit dem vielen Geld? Ja, das ist definitiv ein Problem. Ein Freier Mann ist nur für sich verantwortlich und kümmert sich deshalb nur um sich und um das, was ihm gut tut. Ein ausfüllender Beruf ist ihm sehr wichtig und sein Leben als High-Performer ist eine Folge seiner Lebensweise. Seine Arbeit macht ihm Spaß und ist eine erfüllende Aufgabe. Natürlich kommen die Hobbys dabei nicht zu kurz. Ein Freier Mann hat grundsätzlich genügend Zeit, weil er die eben nur für seine eigenen Bedürfnisse verwenden muss.

Sobald er sich jedoch seine materiellen Wünsche erfüllt hat ist der Punkt erreicht, wo ein Freier Mann keinen Rat mehr weiß. Natürlich sind die Wertigkeiten grundverschieden. Logisch, denn Männer unterscheiden sich durchaus. Die einen brauchen eine Moscot Brille, legen aber keinen Wert auf edle Möbel. Andere brauchen ein tolles teures Auto, ziehen sich aber Klamotten vom Grabbeltisch an. Jeder so, wie er es mag. Das ist das Schöne am Leben eines Freien Mannes. Er entscheidet für sich selbst und es ist ihm egal, was andere über ihn denken. Irgendwann ist alles angeschafft und es sind keine Wünsche mehr offen. Da kommt dann eine gewisse Ratlosigkeit auf. Man kann vielleicht noch einige Dutzend Krügerrand Münzen kaufen, um sich für eine Währungskrise vorzubereiten. Warum nicht, denn bei den aktuell schlechten Finanznachrichten muss über Alternativen nachgedacht werden. Schließlich soll bei einem Währungsverfall oder einem Bankencrash nicht die Pleite drohen. Nach dem Kauf von Krügerrand und Co. ist ein Freier Mann durchaus sicher. Aber auch das Hochgefühl daraus ist bald Geschichte und dann stapelt sich das Geld auch schon wieder auf dem Konto. Man sitzt an seinem Tisch und überlegt. Was nun? Was mache ich mit meinem Geld?

Natürlich werden zahlreiche Weiterbildungen gebucht, denn es ist immer gut, der Beste zu sein. So ist der Anspruch. Das ist eine Gewohnheit für einen Freien Mann und nichts Besonderes. Weiterbildungen sind notwendig wie ein gutes Essen oder eine Vitamintablette. Ein Freier Mann hat alles im Griff und der Motor seines Lebens zeigt keine Leistungsschwächen. Es könnte nicht besser laufen.

Wer ab und an etwas handwerklich unterwegs ist, der hat natürlich die schönsten und edelsten Arbeitssachen. Beim Arbeiten gut auszusehen ist selbstverständlich, eine Art Visitenkarte. Solche Klamotten kauft man sich nicht oft, denn sie halten lange. Alles ist angeschafft und wieder ist es da. Das große Problem. Wohin mit dem Geld? Im Urlaub wird ein Luxushotel am anderen Ende der Welt gebucht und geflogen wird in der Business Class. Ein teures Fahrrad? Steht im Keller. Eine edle Espressomaschine? Was für eine dumme Frage. Das ist alles bereits angeschafft. Es gibt schlichtweg nichts mehr Interessantes und es kann einem auch niemand mehr einen sinnvollen Rat geben.

Natürlich sollte ein Freier Mann nicht in die Dekadenz abdriften. Mit 18 Karat Gold beschichtete Autofelgen, mit Diamanten besetzte Luxusuhren oder ein persönlicher Butler müssen nun wirklich nicht sein, auch wenn sich ein Freier Mann das durchaus leisten kann. Man sollte auf dem Teppich bleiben. Da ist beispielsweise das Putzen, eine bodenständige und erdende Tätigkeit. Völlig klar, dass eine Putzfrau nur die ersten Tage eine ordentliche Arbeit abliefert. Dann hat sie schnell keinen Bock mehr und ihre Lohnzahlungen werden allmählich zum leistungslosen Gewohnheitsrecht. Die Qualität wird schlechter, während die Forderungen unverschämter werden. Natürlich muss so ein faules Miststück umgehend rausgeworfen werden. Der Freie Mann putzt am besten selbst. Dazu hat er das richtige Werkzeug und er spart obendrein noch Geld. Geld sparen? Eigentlich will der Freie Mann sein Geld ja ausgeben, aber sicher nicht für miese Qualität. Und für eine faule Frau erst recht nicht. Das versteht sich von selbst.

Nun hat wahres Glück nicht unbedingt etwas mit Geld zu tun. Auch einfaches Zelten in freier Natur kann glücklich machen. Persönliche Freiheit ist sowieso unbezahlbar. Der größte Luxus ist, seine Entscheidungen selbst treffen zu können und nichts zu müssen. Es ist geradezu fantastisch, einem ungehobelten Arbeitgeber den Mittelfinger zu zeigen und seelenruhig zur Konkurrenz abzuwandern. Ein Freier Mann kann das, Männer mit Familienverantwortung können dagegen keine Risiken eingehen und müssen eben den Diener machen. Einen Freien Mann juckt das nicht. Jeder ist für sich selbst verantwortlich. Freie Männer jammern nicht, sie haben immer eine Lösung in der Tasche. Deswegen ist ihr Leben auch so grandios.

Der Freie Mann ist dermaßen individuell, dass es sich nicht verbergen lässt. Kollegen, Kunden und das nähere Umfeld bemerken seine ungewöhnliche Individualität sofort. Da wird oft getuschelt und geschmunzelt, aber wenn es zur Sache geht, nämlich im Job etwas zu reißen, dann stehen die Kunden regelrecht Schlange. Ein Problem? Gibt es nicht. Für einen Freien Mann gibt‘s nur Lösungen und weil er in seiner Grundhaltung rücksichtslos ist und nur an den Erfolg denkt, wird die Kette poliert bis sie glüht. Unmögliches wird möglich gemacht. Aber die Ansprache, die muss immer stimmen. Nicht das Geld ist entscheidend, sondern der Stil. Wünsche müssen höflich vorgetragen werden und mit dem Wörtchen Bitte garniert sein. Ein Freier Mann legt darauf großen Wert, denn er ist nicht irgendwer. Er ist ein hochkarätiger Problemlöser. Dass am Ende auch die Entlohnung hochkarätig ist, das versteht sich von selbst.

Im Privatleben ist ein Freier Mann nicht der beliebteste Gast, denn er ist kritisch. Familienväter meiden Freie Männer strikt aus Angst zum Gespött zu werden. Ein Abendessen in einer typisch deutschen Familie erträgt ein Freier Mann nicht. Nudeln an Ketchup, Lyoner aus dem Supermarkt oder das gammelige Brot vom Discounter, das geht einfach nicht. Da bereitet sich ein Freier Mann sein Essen lieber selbst zu. Eisenpfanne, Rumpsteak aus Uruguay oder argentinisches Rinderfilet neben anderen Köstlichkeiten. Doch lehrreich ist ein Besuch in einer Familie allemal, denn dann ist man wieder froh zu Hause zu sein und stellt fest, wie toll das eigene Leben doch ist.


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